Denn nur so kann sichergestellt werden, dass die kulturelle Vielfalt mit all ihren einzelnen Facetten in Hamburg erhalten bleibt.
Der Kulturetat 2002 steigt mit dem neuen Senat endlich auf 2,1 Prozent des Gesamthaushalts an. Das ist zweifelsohne immer noch zu wenig, jedoch in Zeiten knapper Gelder ein wichtiges Signal; und Signale werden wir setzen.
„Wichtig sei es jedoch auch, Probleme des Publikums mit dem Theater ernst zu nehmen und die eigene Arbeit selbstkritisch zu hinterfragen.“
Darauf setzen auch wir. Der Faktor Wirtschaftlichkeit und Publikumsnähe wird verstärkt in die Beurteilung mit einfließen.
Ein besonderes Augenmerk im Haushalt 2002 liegt – wie auch in den letzten Jahren – auf der Stadtteilkultur. In der vielschichtig strukturierten Stadt Hamburg ist eine solche Kleinteilung in die Stadtteile hinein einfach erforderlich. Hierdurch wird die Akzeptanz des interkulturellen Zusammenlebens gefördert. Kinder, Jugendliche und Erwachsene der unterschiedlichsten sozialen Gruppierungen werden in die verschiedensten Bereiche von Kunst und Kultur herangeführt und es wird das vielfältige Kulturangebot im Stadtteil gefördert.
Mit der Globalrichtlinie für Stadtteilkultur wurden 1998 transparente Rahmenbedingungen für die 25 Stadtteilkulturzentren in Hamburg geschaffen. Ob diese Richtlinie aktualisiert werden muss oder so bleiben kann, muss bis zum 1. Juli 2003 noch festgestellt werden. Eines steht jedenfalls fest: Diese Einrichtungen sollten nicht den umfangreichen Kursusangeboten der Volkshochschulen Konkurrenz machen, sondern für uns muss der Bereich Kultur eindeutig im Programm der Kulturzentren wiederzufinden sein.
Die institutionelle Förderung für die Stadtteilkulturzentren wird 2002 nicht abgesenkt, sondern im Gegenteil von 4,161 Millionen Euro auf 4,241 Millionen Euro angehoben, also um 80 000 Euro erhöht.
Ein weiterer Anreiz, Stadtteilkultur verstärkt zu gestalten, war und wird auch weiterhin der erstmalig in diesem Jahr verliehene Stadtteilkulturpreis sein, der jährlich mit 5000 Euro ausgestattet wird und vom „Hamburger Wochenblatt“ gestiftet wurde. Im März wurde dieser Preis durch Frau Senatorin Horáková an das Stadtteiltheaterprojekt „Pauli-Passion“ überreicht.
Ein zweiter und von der Koalition sehr ernst genommener Bereich ist die Kinder- und Jugendkultur. Gerade Kinder nehmen schnell kulturelle Aussagen und Darstellungen auf und beziehen sie in ihr Wissen ein. Hier muss verstärkt angesetzt werden, um möglichst viel kulturelles Wissen kindgerecht zu vermitteln.
Gerade die Schule ist der Ort, wo jeder die Chancen hat, mit vielen Bereichen der Kunst und Kultur in Berührung zu kommen.
Im Bereich Jugendkultur wurde bereits in den vergangenen Jahren – das wollen wir nicht verschweigen – einiges getan: Theater oder Konzerte für Jugendliche, Wettbewerbe wie „Jugend musiziert“, die Aktivitäten des Jugendinformationszentrums und des Jugendkulturringes. In unseren Augen sind dies sinnvolle und wichtige Aktivitäten, um die Jugend weiter und tiefer an die Kultur heranzubringen.
Das Besondere ist jedoch, meine Damen und Herren, dass wir mit dem Haushalt 2002 erstmals einen gesonderten Haushaltstitel für die Jugend- und Kinderkultur einrichten werden.
Mit 50 000 Euro werden wir in diesem Jahr dafür sorgen, dass Hamburgs künstlerischer Nachwuchs verstärkt gefördert wird. Es steht fest, was für Rotgrün Theorie war, werden wir in die Praxis umsetzen.
Ein Zitat aus dem Kulturbericht 1997 bis 2001 lässt hierzu die schnelle Handlungsnotwendigkeit erkennbar werden. Dort steht:
„Alle Bereiche der Kinderkultur, Jugendkultur und Kulturpädagogik sind sich in den Jahren 1997 bis 2001 dessen bewusst geworden, dass es eine Bestandsaufnahme und eine entsprechende Transparenz über alles bisher nicht gegeben hat und dass neue Koordinationsund Kooperationsformen gefunden werden müssen, um die Möglichkeiten von Kinderkultur, Jugendkultur und Kulturpädagogik zu verbessern.“
Abschließend möchte ich noch auf die kulturelle Visitenkarte unserer Stadt, auf unsere drei Staatstheater, zurückkommen.
Frau Hajduk lobte am 15. Dezember 1999 an dieser Stelle die erfolgreiche Arbeit der Staatstheater und bezog sich damals auf die Rücklagenbildung von 10 Millionen D-Mark. Berlins Staatstheater wiesen demgegenüber rote Zahlen aus, weshalb Frau Hajduk das Fazit zog, dass wir in Hamburg meilenweit voraus sind.
Diese guten Zeiten liegen leider, wie wir alle wissen, hinter uns. Ich glaube, dass ich im Namen zahlreicher kulturinteressierter Hamburger Bürgerinnen und Bürger spreche, wenn ich sorgenvoll darauf hinweise, dass lediglich heute noch die Staatsoper über ein sicheres Rücklagenpolster verfügt.
Eines unserer Staatstheater, ehemals zum „Theater des Jahres“ gekürt, genießt jetzt den Ruf des schlechtesten Theaters des Jahres.
Ich wünsche mir für die Kulturschaffenden unserer Stadt und vor allem für das Publikum, dass Hamburg nicht ins Mittelmaß abrutscht.
Hoffen wir, dass aus Inspiration und Kreativität gute Spielpläne erwachsen und dass mangelnde Sensibilität, Selbstüberschätzung und Selbstkritik davon überschattet werden, sodass ein jeder wieder lachen kann. – Danke.
Frau Vorsitzende, meine Damen, meine Herren! Ich möchte darstellen, warum wir einem Kulturhaushalt, dessen Ansatz steigt, nicht zustimmen.
Ich möchte an die größere Peinlichkeit zu Beginn der Legislaturperiode erinnern. Das waren nicht die 85 Tage des leeren Stuhls an der Spitze der Kulturbehörde, sondern das war Neuengamme.
Diese Buße ist Ihnen teuer gekommen. Wir hatten zunächst 500 000 Euro im Ansatz, Sie haben dann noch einmal 2 Millionen Euro dazu geben und die Personalmittel um 400 000 Euro aufstocken müssen,
um die Sünde, die Sie gemacht hatten, wieder aus der Welt zu schaffen. Nun ist es ja bekanntlich so, dass der liebe Gott froh ist über jeden Sünder, der Buße tut, namentlich wenn es sich um Christdemokraten handelt.
Wenn dann aber der Ablass durch neue Sünden abgelöst wird, freut sich der liebe Gott gar nicht mehr. Just das haben Sie gemacht. Sie haben versucht, die aufgerissene Lücke durch Kürzungen im übrigen Normaletat – teilweise wenigstens – aufzufangen.