In Altona hat es ein Bürgerbegehren über eine nicht bezirkliche Angelegenheit gegeben, über das überhaupt nicht entschieden werden konnte. Ich hatte überhaupt keine Angst vor dem Ergebnis dieses Begehrens, weil die Menschen aus Nienstedten, Othmarschen und Blankenese, die ständig im Stau stehen, mit abgestimmt hätten. Das wäre natürlich ein Fanal geworden.
Der einzige Senator, der jemals ein ordentliches Bürgerbegehren nicht zugelassen hat, war Ihr Senator Maier bei der Holzhafenbebauung.
(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive – Werner Dobritz SPD: Das ist Quatsch!)
Wer möchte die beantragte Gesetzesänderung beschließen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist somit einstimmig beschlossen.
Gibt es Widerspruch aus dem Hause? – Wer will die soeben in erster Lesung beschlossene Gesetzesänderung in zweiter Lesung beschließen? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist auch in zweiter Lesung und damit endgültig beschlossen worden.
Ich rufe Punkt 8 auf: Drucksache 17/533: Große Anfrage der SPD-Fraktion zur Reform der Lehrerausbildung.
Diese Drucksache möchte die SPD-Fraktion federführend an den Wissenschaftsausschuss und mitberatend an den Schulausschuss überweisen. Wer wünscht das Wort? – Frau Dr. Brüning.
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Die Große Anfrage der SPD-Fraktion zur Reform der Lehrerausbildung hat ergeben, dass die Koalition in wesentlichen Punkten an den Empfehlungen der Hamburger Kommission für Lehrerbildung aus dem Jahr 2002 festhalten will. Das begrüßen wir.
Vor allem soll die grundständige Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern weitergeführt werden, das heißt, fachwissenschaftliche und erziehungswissenschaftliche Ausbildungen sind miteinander verbunden.
Es gibt in der Bundesrepublik zum Beispiel vom Wissenschaftsrat andere Modellvorstellungen. Danach soll erst ein fachwissenschaftliches Studium stattfinden; die Päda
gogik wird dann obendrauf gesattelt. Angesichts der zunehmenden Heterogenität der Schülerschaft sind wir jedoch der Meinung, dass ein solches Modell zu kurz greifen und der Erziehungswissenschaft nicht den ihr gebührenden Stellenwert für die Lehrerausbildung zuweisen würde.
Der Senat lässt sich allerdings für dieses verkürztes Modell eine Hintertür offen, indem er sagt, dass es auf seine Tauglichkeit geprüft werden soll. Ich gehe davon aus, dass Sie bereits in dieses Modell eingestiegen sind, denn Sie haben den Fachbereich Erziehungswissenschaft beauftragt, ein Pädagogikprogramm für Seiteneinsteiger mit einem angestrebten Masterabschluss zu entwickeln.
Angesichts leerer Staatskassen investiert man nicht in eine Maßnahme, die nur kurzfristig angelegt ist. Alternativ dazu hätten Sie die Möglichkeit gehabt, am Fachbereich Erziehungswissenschaft insgesamt die Kapazitäten für die Lehrerausbildung zu erhöhen. Das haben Sie nicht getan. Die SPD-Fraktion behält sich deshalb vor, im Wissenschaftsausschuss das Seiteneinsteigerprogramm kritisch unter die Lupe zu nehmen.
Ansonsten hat unsere Große Anfrage nicht viel Neues ergeben. Ein Zwischenbericht über die Ausarbeitung der Kerncurricula steht noch aus. Ein Konzept zur Reform der Praxisanteile der Lehrerausbildung soll – Stichwort Halbjahrespraktikum für Studierende – Ende Mai vorgelegt werden. Die Überarbeitung der Prüfungsordnung zur Angleichung europäischer Studienmodelle in der Lehrerausbildung ist ebenfalls noch nicht erfolgt. Auch den im Hamburgischen Hochschulgesetz vorgesehenen Beirat für die Lehrerausbildung gibt es noch nicht. Hier müssen die beiden Senatoren, Herr Dräger und Herr Lange, noch nachsitzen.
Deshalb wird die SPD-Fraktion zu den eben genannten Punkten in diesem Jahr noch einmal einen Bericht des Senats einfordern, weil dieses wesentliche Punkte der Lehrerausbildung sind.
Als erfreulichen Punkt unserer Großen Anfrage begrüßen wir, dass im kommenden Schuljahr eine Berufseingangsphase für neu eingestellte Lehrerinnen und Lehrer startet; allerdings sollen es ja nicht so viele werden. Die Berufseingangsphase soll gezielte Fortbildungsbausteine anbieten und einen dringend notwendigen Erfahrungsaustausch ermöglichen. Diese Maßnahme ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn mir scheint, Sie betreiben die Reform der Lehrerausbildung insgesamt nur halbherzig.
Ihr Interesse liegt eher beim kostengünstigen Seiteneinsteigerprogramm und nicht bei einer langfristigen, pädagogisch fundierten Lehrerausbildung. – Vielen Dank.
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Frau Dr. Brüning, Sie haben ja Recht. Die Antwort des Senats hat nicht viel Neues ergeben, weil noch vieles in der Abstimmung und auf den Weg gebracht ist. Wie Sie
schon gesagt haben: Die Berichte müssen erst einmal vorliegen, bevor wir überhaupt darüber diskutieren können. Sie sollen zum Herbst und zum Ende des Jahres kommen.
Sie fordern, dass der Praxisanteil in der Lehrerausbildung erhöht werden soll. Für mich als Praktikerin steht fest, dass dieses schon seit Jahr und Tag in der Röhre ist.
Wenn die zu mir kommenden Referendare ihren ersten Schock hinter sich haben, nachdem sie nach ihrem theoretischen Wissen in die Praxis eingestiegen waren, haben sie festgestellt, dass ihre Unterrichtsvorstellungen ganz anders sind als in der Wirklichkeit. Es ist schon wichtig und notwendig, dass wir frühzeitig die Lehrer und Lehramtsstudenten in die Praxis einführen. Das kann nicht erst im Referendariat geschehen, sondern diese müssen sie auch schon zu Anfang ihrer Ausbildung erhalten.
Ja, aber sie müssen noch in dem Maße gestärkt werden, dass sie diese Praxis auch im Lehrerbereich durch learning by doing bekommen. Das Herabsteigen von der akademischen Bildung tut uns ganz gut.
Zum Problem der Seiteneinsteiger: Hier würde ich mir eigentlich wünschen, dass diese stärker aus dem eigenen Bedarf gedeckt werden. So lange es die Kapazitäten gerade im naturwissenschaftlichen Bereich nicht gibt und sich nicht viele Studenten bereit erklären, ihr Wissen weiter zu geben, und lieber in die Wirtschaft gehen, so lange müssen wir natürlich auf Seiteneinsteiger zurückgreifen. Hier muss sichergestellt werden, dass die Qualität des Unterrichts gewährleistet wird. Wie Sie wissen, ist der naturwissenschaftliche Unterricht meine Herzensangelegenheit. Ich möchte gerne, dass wir einen vernünftigen Unterricht haben, der den Menschen Spaß macht.
An einem wichtigen Punkt möchte ich nicht vorbeigehen: Wenn wir Lehrerinnen und Lehrer im Schuldienst brauchen – was die steigenden Schülerzahlen zeigen –, dann müssen wir natürlich sehen, dass auch der Lehrerberuf in der Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert bekommt. Das ist die Crux in der ganzen Angelegenheit. Wenn die Lehrerinnen oder die Lehrer die Buh-Frauen oder BuhMänner der Nation sind, dann werden sie nicht in Scharen zu diesen Ausbildungsgängen kommen. Die stärkere Aufwertung des Berufes hat auch etwas damit zu tun, dass man mit Lehrern und Eltern gemeinsam die Bildungsmisere behebt. Denn nur eine gute Lehrerausbildung, wie Sie sie in ihrem Vorwort schreiben, bildet nicht nur die Grundlage für eine bessere Unterrichtssituation. Das ist klar.
Übrigens ist mir dabei eines aufgegangen. Ich bin nicht nur Lehrerin, sondern auch Politikerin im Frauenbereich. Haben Sie sich von der neutralen Geschlechtsformulierung verabschiedet? Denn in der Überschrift steht: Reform der Lehrerausbildung. Wo bleiben die Lehrerinnen?
Denn das ist natürlich ein eklatanter Punkt: Uns fehlt ein hoher Anteil an Männern. Genau das ist eine der Grundlagen für unsere Jugendmisere, dass wir nicht genügend Identifikationsmodelle für unsere Jungen haben. Wenn nämlich mehr Lehrerinnen und Lehrer in der Schule sind, dann haben wir auch bessere Voraussetzungen für eine bessere Bildung.
Wir sollten abwarten, bis die Berichte und das eigene Konzept des Senats zu den Seiteneinsteigern vorliegen. Dann können wir noch einmal darauf zurückkommen.
Meine Damen und Herren! Zwischen allen Fraktionen dürfte es unstrittig sein, dass die Lehrerausbildung reformiert werden muss. Auch muss allen Anwesenden klar sein, dass dieses eine große Herausforderung ist, da wir in den nächsten Jahren weite Teile der Lehrerschaft ersetzen müssen.