Protokoll der Sitzung vom 29.05.2002

(Dr. Wieland Schinnenburg FDP)

ratend an den Schulausschuss zu? – Gegenprobe. – Enthaltungen? – Dann ist dieser Überweisungsantrag abgelehnt.

Damit stelle ich fest, dass die Große Anfrage aus der Drucksache 17/533 besprochen wurde.

Ich rufe jetzt den letzten Tagesordnungspunkt für heute auf. Tagesordnungspunkt 13: Senatsantrag zum Erhalt des Trabrennsports in Bahrenfeld. Drucksache 17/764.

[Senatsantrag: Erhalt des Trabrennsports in Bahrenfeld – Vergabe eines Erbbaurechts am Gelände der Trabrennbahn – Drucksache 17/764 –]

Die CDU-Fraktion beantragt eine nachträgliche Überweisung dieser Drucksache an den Haushaltsausschuss. Wer wünscht das Wort? – Herr Frühauf.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Es liegt uns ein Petitum des Senats vor, dem wir – das nehme ich vorweg – gerne folgen möchten.

Die Sache ist im Grunde wenig spektakulär, sodass man darüber nicht viele Worte verlieren muss. Ich möchte trotzdem einige Anmerkungen machen.

Wir befinden uns im Jahr der Olympia-Bewerbung, in dem der Sport im Vordergrund steht. Wir wollen dem Pferdesport ein Zeichen setzen, der in Hamburg ein Zentrum hat. In einer Stadt, die Olympia-Stadt werden will, kann es nicht sein, dass ein Gelände, das den Trabrennsport beherbergt, einfach einer anderen Widmung zugeführt wird.

Dieses Gelände in Hamburg – es gibt in dieser Stadt auch das Deutsche Galoppderby in Horn und andere Pferdeereignisse – ist nicht nur ein Zentrum des Trabrennsports, sondern es hat auch viele Freizeitaktivitäten ermöglicht und soll es auch weiterhin tun. Ich denke an die Open-AirVeranstaltungen, Rockkonzerte und andere Feste, die man dort abhalten kann.

Insgesamt hat das Gelände für die Stadt Hamburg eine erhebliche wirtschaftliche Bedeutung, sodass das von der HTRG vorgeschlagene Nutzungskonzept von uns befürwortet wird. Die Sanierung des Geländes ist unabdingbar erforderlich; es kann auf diese Weise vernünftig erfolgen. Es hat eine schlüssige Wirtschaftlichkeitsberechnung vorgelegen und wir können der Erbbaurechtsbestellung zustimmen.

Zugunsten der Hamburger Trabrenn GmbH können wir sagen, dass das Konzept tragfähig ist, es entspricht unseren Wünschen. Der Pferdesport ist für uns ein wichtiger Bestandteil des Olympia-Konzepts. Das Gelände kann für viele Hamburger Bürger einer weiteren attraktiven Nutzung zugeführt werden.

Da ich Gegenargumente für das vorgelegte Konzept nur am Rande gehört habe, erspare ich mir deren Erwähnung. Sollte es Bedenken geben, hätten diese vorgebracht werden können. Da wir heute also keinen Anlass haben, kritische Bemerkungen zu erörtern, schlage ich vor, euphorisch der Zukunft des Pferdesports in dieser Stadt entgegenzusehen. Ich kann nur sagen: Hottehü!

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, der CDU und der FDP)

Das Wort hat Frau Kiausch.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich möchte keine kritischen Worte verlieren, aber doch immerhin bemerken, dass diese Drucksache – das hoffe ich – ein Problem beendet, das recht lange besteht und seit 1999 hin- und hergewälzt wird.

Herr Frühauf ist Gott sei Dank nicht der Versuchung erlegen, dieses dem rotgrünen Senat in die Schuhe zu schieben. Das wäre ungerecht gewesen.

(Dietrich Wersich CDU: Dann können Sie gleich eine Seite Ihres Konzeptes streichen!)

Sie bekommen weniger Lyrik, Herr Wersich, als ich eigentlich vorgesehen habe; insofern kann ich Sie beruhigen.

Wenn bei einer Angelegenheit wie hier so viele Institutionen – Wirtschaftsbehörde, Finanzbehörde, Bezirksamt Altona und nicht zuletzt die Sprinkenhof AG – beteiligt sind, dann kann man eigentlich nicht davon ausgehen, dass das hoppla hopp und sehr flott über die Bühne geht; so war es auch nicht.

Einen Pluspunkt – der sollte erwähnt werden – hat es allerdings immer gegeben. Von Anfang an waren sich alle Beteiligten einig, dass die Trabrennbahn Bahrenfeld in der immer wieder als Pferdestadt deklarierten Stadt Hamburg erhalten bleiben soll. Das war eine wichtige Voraussetzung. Deswegen sollte man sie noch einmal nennen.

Es wurde auch eingesehen, dass der Betreiber HTRG aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Lage des Pferdesports nicht mehr in der Lage war, attraktiven Sport zu bieten und außerdem noch dringlich notwendige Sanierungsund Erhaltungsmaßnahmen zu leisten. Diesen Zielen stand ganz wesentlich die hohe Jahresmiete von 128 000 Euro zuzüglich eines Anteiles am Totalisatorumsatz entgegen.

Ich glaube auch, dass sowohl die Ausgangsposition als auch der Weg zu einer vernünftigen und dauerhaft tragfähigen Lösung in der Drucksache 17/764 gut dargestellt wird. Insofern braucht das alles nicht referiert zu werden, denn Vorteile, Risiken und die stattgefundenen Auswahlverfahren sind nachlesbar.

Deswegen komme ich jetzt, Herr Wersich – das kann ich Ihnen, auch wenn es der letzte Redebeitrag ist, nicht ersparen –, noch einmal auf die Pferdestadt Hamburg zurück.

Das ist nämlich ein Faktor, den wir nicht unterschätzen sollten. Hamburg hat sich zu Recht immer als Pferdestadt bezeichnet. Aber es ist eben so, dass man dafür auch etwas tun muss. Wir haben insgesamt im pferdesportlichen Bereich viele internationale Highlights zu bieten. Denken Sie an das Springderby in Frühjahr und Gottlob ab 2003 auch wieder an das Dressurderby. Hier hat es einige Friktionen gegeben, die für die Stadt nicht vorteilhaft waren.

(Michael Neumann SPD: Ist das Deutsche Derby dabei?)

Denken Sie auch an die Woche in Horn mit dem Höhepunkt des Galoppderbys sowie den Polosport, der dieses Jahr sein hundertstes Derby-Jubiläum ebenfalls in Hamburg feiert. Alle Veranstaltungsreihen werden von den Hamburgern geliebt und in großer Zahl besucht. Selbst bei Kälte und Regen; das kommt in Hamburg nämlich vor.

(Präsidentin Dr. Dorothee Stapelfeldt)

Es ist nicht nur das Wetten und der dabei vielleicht mögliche Gewinn, der die Menschen anzieht – beim Springderby und Polo kann man nämlich nicht wetten –, sondern es zeigt sich deutlich, dass es die Freude und die Bewunderung für kraftvolle und disziplinierte Tiere sind, die die Menschen dort hinführen.

Gegenüber diesen von mir genannten Großereignissen steht der Trabrennsport leider zu Unrecht etwas im Schatten. Es gibt Länder, in denen es – denken Sie an Frankreich, Schweden oder Italien – ganz anders ist. Dort ist es ein Volkssport.

(Zuruf: England!)

Traben nicht, das ist ein Irrtum. Nur in Frankreich, Schweden und Italien; das können Sie mir glauben. England und Irland sind die Hochburg des Galopprennsports.

Der Trabrennsport ist immerhin eine Sportart, den Sie das ganze Jahr betreiben können; er wird auch im Winter durchgeführt. In Hamburg hat der Trabrennsport eine Tradition von über 120 Jahren.

Aus dem norddeutschen Raum – das sollte man vielleicht auch einmal zur Kenntnis nehmen – sind Pferde gekommen, die das schwerste Trabrennen der Welt – den Prix d’Amérique – gewonnen haben: Permit mit Walter Heitmann, dessen Namen Sie vielleicht schon einmal gehört haben, und Sea Cove aus dem Stall Cicero.

Aus dem norddeutschen Zuchtgebiet stammen DerbySieger wie Lord Pit oder Pik König und die Pferdedamen Ada und Sunset Lane.

(Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Und Pik As!)

Selbst die Menschen, die dem Trabersport nicht besonders nahe stehen, haben schon einmal den Namen Hänschen Frömming gehört. Das war ein Mann, der dieser Sportart mit großem Können und sportlicher Fairness gedient und ihr zu Ansehen verholfen hat.

Mit der Entscheidung für einen vierzigjährigen Erbbauvertrag sollten wir das Unsrige tun, den Trabrennsport zu stabilisieren und vorwärts zu bringen. Circa 350 000 bis 400 000 Zuschauer an über 100 Renntagen jährlich werden sich darüber freuen. Etwa 950 Arbeitsplätze in Hamburg und Umgebung können gesichert werden. Schließlich profitiert auch die Stadt durch die vierprozentige Rennwettsteuer – das waren im letzten Jahr immerhin 366 000 DM – von dieser Sportart.

Ich bin überzeugt davon, dass wir mit großer Einmütigkeit schon heute diese Drucksache verabschieden. Wir können sie auch selbstverständlich noch im Ausschuss besprechen.

Es liegt dann – auch das sollte gesagt werden – bei der HTRG, potente und möglichst dem Sport zugewandte Investoren zu finden, um schnellstmöglich mit den Arbeiten zu beginnen. Denn es eilt wirklich. Ich bin aber ganz wohlgemut, denn es gibt nicht nur Pferdefreunde, sondern auch Pferdefreunde, die Geld haben und wahrscheinlich die Taschen öffnen werden. Ich gehe davon aus, dass nach der Sanierung sicher alle Abgeordneten einmal auf die Trabrennbahn gehen werden und sich für guten Sport unter guten äußeren Bedingungen begeistern. Auch für nicht olympische Disziplinen kann man „Feuer und Flamme“ sein. – Ich danke Ihnen.

(Unruhe im Hause – Glocke – Beifall bei der SPD)

Ich wusste nicht, dass Sie zum Ende kommen, Frau Kiausch. Ich wollte noch um etwas mehr Aufmerksamkeit bitten, weil es im Raum doch einige Klönecken gibt.

Das Wort hat jetzt Herr Okun.

Frau Präsidentin, meine sehr geehrten Damen und Herren! Mit der Vorlage der Drucksache 17/764 zum Erhalt des Trabrennsportes in Hamburg-Bahrenfeld hat der Senat einer langen, aus Sicht der CDUFraktion viel zu langen ungeklärten Zukunft des Trabrennsportes in Hamburg ein gutes Ende bereitet.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP)

Dem Senat gebührt – an dessen Spitze vor allen Dingen Wirtschaftssenator Uldall – insgesamt Dank für die kluge und umsichtige Vorgehensweise bei der Entscheidungsfindung dieser – Frau Kiausch, da muss ich Ihnen widersprechen – vom Vorgängersenat hinterlassenen schweren Altlast. Das war ein Problem, das wir viel zu lange vor uns hergetragen haben.

Mit der vorgelegten Senatsmitteilung werden politisch mehrere offene Punkte zur Erledigung gebracht.

Erstens: Es erfolgt eine dauerhafte Sicherung des Trabrennsports. Das ist wünschenswert und das haben alle Fraktionen bisher zum Ausdruck gebracht.

Zweitens: Es erfolgt vor allen Dingen auch eine Sanierung der vorhandenen Anlagen, nämlich des Geläufs, der Stallungen, der Tribüne und der vorhandenen Infrastruktur.