Protokoll der Sitzung vom 12.06.2002

(Beifall bei der FDP und vereinzelt bei der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Das Wort hat Herr Grund.

Meine Damen und Herren! Wir haben vorhin eine Debatte gehabt, in der der Bürgermeister dazu aufforderte, man möge mit den wichtigen Grundfunktionen der Stadt vernünftig umgehen. Ich habe an Henning Voscherau erinnert, der gesagt hat, es solle keinen spielerischen Umgang mit den Grundfunktionen dieser Stadt geben.

(Karl-Heinz Ehlers CDU: Genau das tun Sie!)

Ich stelle fest, dass die FDP in diesem Falle zockt. Die FDP verhält sich so, wie es ihr beliebt.

(Beifall bei der SPD und bei Anja Hajduk GAL)

Sie profiliert sich öffentlich damit, dass sie nicht dafür ist. Sie verlässt den Saal bei Abstimmungen, wenn es ihr aus sachlichen oder sonstigen Gründen sinnvoll erscheint.

(Lachen bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP und Zurufe)

Sie appelliert an einen fairen Umgang miteinander, weil ein Abgeordneter der Schill-Fraktion aus privaten Gründen nicht im Parlament ist.

(Burkhardt Müller-Sönksen FDP: Sie waren letztes Mal auch nicht vollzählig!)

Das muss man sich einmal vorstellen. Wir sind in den Medien sogar öffentlich dafür beschimpft worden, dass uns ein Pairing angeboten wurde, das wir ausgeschlagen haben. Ich bin einmal auf der Trage in dieses Parlament gebracht worden, weil die CDU nicht bereit war, ein Pairing durchzuführen. Das werde ich bei dieser Gelegenheit nicht vergessen. Sie haben alle kurze Gedächtnisse.

(Beifall bei der SPD und bei Dr. Willfried Maier GAL und Zurufe von der CDU, der Partei Rechtsstaat- licher Offensive und der FDP)

Da ging es nicht um eine private Reise in ferne Länder, wenn es um Wichtiges in der Stadt geht.

Es nützt auch nichts, wenn Sie meinen, es ginge um 59 oder um 60 Stimmen. Das ist nicht der Punkt.

(Burkhardt Müller-Sönksen FDP: 61!)

Für uns ist die entscheidende Frage, ob dieser Bürgermeister eine wirkliche Parlamentsmehrheit hat. Er hat sie wahrscheinlich wieder nicht.

(Beifall bei der SPD – Burkhardt Müller-Sönksen FDP: Hat er!)

Das Wort hat Herr Dr. Freytag.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich würde den Vorschlag machen, dass wir hier im Interesse unserer Stadt zusammenhalten.

(Uwe Grund SPD: Deshalb werden wir dem Bür- germeister helfen!)

Wir haben dieses wichtige Thema unabhängig davon, ob Opposition oder Regierungsfraktion, viele Jahre gemeinsam behandelt. Wenn hier jemand zockt, Herr Grund,

(Michael Neumann SPD:... dann die FDP!)

dann diejenigen, die uns diese Debatte eingebrockt haben, und das waren Sie, weil Sie uns vorführen wollen.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP)

Das ist letztes Mal schon schiefgelaufen, denn letztes Mal gab es eine Mehrheit für die Vorlage, selbst wenn man die Ja-Stimmen der SPD mit Nein wertet. Es tut uns Leid, dass wir Ihr taktisches Spielchen nicht mitmachen, aber uns ist das Thema Airbus und Ansiedlung in dieser Stadt viel zu wichtig, als es auf dem Altar parteipolitischer Kalküle zu opfern.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP – Michael Neumann SPD: Ihr Koalitionspartner versagt!)

Es wäre das Beste gewesen, wir hätten die zweite Lesung, genau wie eben die erste und zweite Lesung bei den anderen Gesetzen, die wir beschlossen haben, vor zwei Wochen vollzogen. Das wäre gut für dieses Parlament gewesen, es wäre auch gut für die Opposition gewesen, auf jeden Fall aber gut für die Stadt. Lassen Sie uns bitte den Schaden hier nicht noch vergrößern, sondern jetzt aus Verantwortung für die Stadt gemeinsam handeln.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und vereinzelt bei der FDP)

(Dr. Wieland Schinnenburg FDP)

Das Wort hat Herr Dobritz.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Herr Dr. Freytag, das Problem, das wir heute austragen, ist das Problem ungeklärter Lösungen bei bestimmten Fragen in Ihren Koalitionsverhandlungen. Der Präses der Handelskammer hat nach den Koalitionsverhandlungen darauf hingewiesen, dass Sie in zentralen Fragen dieser Stadt darauf verzichtet haben, niet- und nagelfest bestimmte Probleme zu lösen.

(Dr. Michael Freytag CDU: Sie sind das Problem!)

Und eines dieser Probleme ist gewesen, dass Sie in Ihren Koalitionsverhandlungen kein Wort zum Thema Airbus und Mühlenberger Loch festgelegt haben.

(Beifall bei der SPD)

Und, Herr Bürgermeister, dieses ist fahrlässig gewesen. Die Folgen dieser Debatte haben Sie produziert mit einer schlampig geführten Koalitionsvereinbarung in diesem Punkt.

(Beifall bei der SPD – Zurufe von der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Und warum haben Sie die Koalitionsvereinbarungen an diesem Punkt nicht niet- und nagelfest gemacht? Weil Sie das Abstimmungsverhalten der FDP in dieser Frage wussten. Lassen Sie Ihren Schill-Abgeordneten in Ägypten, 64 minus drei, die nicht mit „Ja“ stimmen, inklusive Herrn Dr. Mattner, der in diesem Fall fast dauerbefangen ist, bedeuten 60 Stimmen.

(Beifall bei der SPD)

60 Stimmen sind für diese Frage nicht die Bürgermeister-Mehrheit. Die hat man zu haben, Herr Bürgermeister, und deshalb ist das eine blamable Vorstellung.

(Beifall bei der SPD – Karen Koop CDU: Ihre Vor- stellung!)

Das Wort hat zunächst Herr Maaß.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ich habe eigentlich gar keine Lust

(Richard Braak Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Dann setzen Sie sich wieder hin!)

auf Zocken und auf taktische Geschäftsordnungsspielchen und auch nicht auf Abgeordnete, die nicht zu ihrer Meinung stehen und nicht an Abstimmungen teilnehmen, obwohl sie eine wohlbegründete, aus meiner Sicht richtige Meinung hier dargestellt haben. Diese ganzen Spielchen tragen nicht dazu bei, das Ansehen dieses Parlaments zu fördern.

Wichtig ist, dass wir über die Inhalte diskutieren. Ich habe bereits bei der letzten Abstimmung dargestellt, warum ich gegen dieses Gesetz stimmen werde. Ich halte dieses Gesetz weiterhin für falsch, weil es eine Blankoermächtigung für EADS ist, und deswegen werde ich auch weiterhin dieses Gesetz ablehnen.

(Beifall bei der GAL)

Meine Damen und Herren! Ich sehe keine weiteren Wortmeldungen. Dann bedarf es jetzt der zweiten Lesung.

Die SPD-Fraktion hat gemäß Paragraph 36 Absatz 1 unserer Geschäftsordnung eine namentliche Abstimmung beantragt. Frau Pawlowski, Frau Pauly und Herr Farid Müller werden Sie gleich erneut in alphabetischer Reihenfolge aufrufen. Wenn Sie das Gesetz zum Erhalt und zur Stärkung des Luftfahrtindustriestandorts Hamburg in zweiter Lesung beschließen wollen, antworten Sie bitte mit Ja, wenn Sie es ablehnen wollen, mit Nein und wenn Sie sich enthalten möchten, antworten Sie bitte mit Enthaltung.

Ich darf nun Herrn Farid Müller bitten, mit dem Namensaufruf zu beginnen.

(Der Namensaufruf wird vorgenommen.)

Ist ein Mitglied der Bürgerschaft nicht aufgerufen worden? – Frau Cords ist nicht aufgerufen worden. Geben Sie bitte Ihre Abstimmung bekannt. Frau Cords stimmt mit Ja.