Protokoll der Sitzung vom 30.10.2002

(Beifall bei der SPD und der GAL – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Das ist doch dem Anwalt zugestellt worden!)

Wir haben nicht mehr Rotgrün, das stimmt. Ein SPD-Senator, der uns so etwas zugemutet hätte, der hätte Probleme mit seiner Fraktion bekommen.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Das Wort hat Herr Mahr.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herrn! Herr Polle, Koalitionen müssen den Senat natürlich nicht decken. Sie dürfen hier heute etwas zu diesem Sachverhalt sagen.

Meine Damen und Herren! Wenn wir gedacht haben, der bisherige Wahnsinn, den diese Regierung

(Michael Neumann SPD: Die FDP macht doch alles mit! Hauptsache, der Preis stimmt!)

im Zusammenhang mit dem Umgang mit Minderheiten in dieser Stadt angerichtet hat, sei nicht mehr zu überbieten...

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Mäßigen Sie sich mal! – Wolfgang Drews CDU: Das ist doch unglaublich! – Glocke)

Herr Mahr, bitte mäßigen Sie sich.

... dann haben wir uns leider geirrt.

(Glocke)

Herr Mahr, gestatten Sie eine Zwischenfrage?

Nein. Sie können sich gerne melden und etwas zum Sachverhalt beitragen. Wir sind sehr gespannt.

Im Eingabenausschuss wurden wir offensichtlich von Behördenvertretern hintergangen.

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Das sollten Sie erst einmal prüfen! Das ist eine Frechheit!)

Herr Nockemann, Sie haben eben gehört, was Frau Möller zitiert hat. Das spricht für sich.

Ausreisepflichtige Menschen, Herr Nockemann, werden bewusst und gewollt über das Ausreiseverfahren getäuscht und eine Scheinduldung ausgesprochen, um die Betroffenen in Sicherheit zu wiegen. Das ist ein Skandal, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der GAL und der SPD – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Das reicht, wenn es dem Anwalt zugestellt wird!)

Das ist der neue Stil der sozialen Kälte, den Sie über diese Stadt geworfen haben.

(Beifall bei der GAL und der SPD – Burkhardt Mül- ler-Sönksen FDP: Das ist ein unbewiesener Zu- sammenhang, den Sie da konstruieren!)

Hier geht die Saat auf, wenn ein Herr Schill im Bundesrat ausländerfeindliche Reden hält. Das ist die Wahrheit.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Wir haben seinerzeit den Mechanismus – da waren Sie noch nicht im Parlament – im Zusammenhang mit dem Polizeiskandal diskutiert. Wie sicher müssen sich eigentlich Mitarbeiter der Ausländerbehörde fühlen, die einen solchen Vermerk verfassen. Das ist doch ein Skandal.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

So etwas kann nur zustande kommen, wenn man der Überzeugung ist, dass die Behördenleitung mit diesem Verhalten einverstanden ist.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Es ist doch reiner Zufall, dass wir von diesem Sachverhalt Kenntnis bekommen haben. Wir haben uns gewundert, warum wir so wenige Fälle im Eingabenausschuss haben. Warum denn? Wie viel weitere Fälle gibt es denn noch? Dieses Verhalten muss Konsequenzen haben. Wir erwarten vom Senat eine lückenleere Aufklärung dieses Vorfalles.

(Burkhardt Müller-Sönksen FDP: Genau, lücken- leer!)

Jeder von uns im Parlament – auch Sie, meine Damen und Herren, saßen im Eingabenausschuss –, sollte sein Kontrollrecht wahrnehmen und endlich dazu beitragen, dass hier die Wahrheit herauskommt. – Vielen Dank.

(Beifall bei der GAL und der SPD – Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Das ändert nichts an der Rechtslage. Denken Sie einmal nach!)

Frau Dr. Lappe hat das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Alles, was wir jetzt gehört haben,

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Vermutungen!)

ist meiner Ansicht nach ausreichend Anlass für eine erneute Debatte im Eingabenausschuss. Ich beantrage nach Paragraph 26 Absatz 4 der Geschäftsordnung, dass dieser Bericht heute von der Tagesordnung genommen und noch einmal im Eingabenausschuss besprochen wird, damit wir dort Aufklärung bekommen können.

(Michael Fuchs CDU: So geht es nicht!)

Ich weiß, dass hierfür eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist. Aber ich möchte Sie im Interesse unserer demokratischen Rechte im Petitionsausschuss um Ihre Zustimmung bitten, dass wir dort für Aufklärung sorgen können. – Danke.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

(Rolf Polle SPD)

Das Wort hat jetzt Herr Dr. Freytag.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Es ist außerordentlich bedauerlich, wenn hier offensichtlich der Versuch gemacht wird, mit ausländerrechtlichen Maßnahmen politische Süppchen zu kochen. Das steht Ihnen überhaupt nicht zu.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP – Michael Neumann SPD: Das machen Sie doch!)

Es ist ganz offensichtlich Ihre Absicht, uns hier kurz vor Feierabend einen Sachverhalt mitzuteilen, den Sie, wenn Sie es ehrlich meinen würden, typischerweise vorher mit den Fraktionsvorsitzenden, im Ältestenrat oder in den zuständigen Gremien abstimmen würden.

(Beifall bei der CDU und der Partei Rechtsstaat- licher Offensive – Michael Neumann SPD: Nur weil Sie sich schlafen gelegt haben!)

Wir machen uns nicht zum Spielball Ihrer politischen Mätzchen, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP – Werner Dobritz SPD: Sagen Sie etwas zur Sache!)

Es ist unerträglich, wenn Sie wiederholt unsere Geschäftsordnung missbrauchen und hier Debatten führen, die Sie selbst nicht angemeldet haben.

(Beifall bei der CDU, der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP – Werner Dobritz SPD: Ein Petitum gehört immer ins Parlament!)

Zur Sache selber: Ich werde mich dafür einsetzen, dass dieser Sachverhalt, den Sie hier vorgetragen haben, geprüft wird und die verantwortlichen Stellen Gelegenheit haben, darüber zu befinden. Das werden wir dem Senat zuleiten. Ich gehe davon aus, dass der hier vorgebrachte Sachverhalt dort eine Würdigung erfahren wird. Dort erfolgt die Klärung des Sachverhalts. Es geht nicht an, das Parlament für irgendwelche taktischen Mätzchen zu missbrauchen, meine Damen und Herren.