Protokoll der Sitzung vom 22.01.2003

Da kann sich doch der einfache Arbeitnehmer mit einem Normaleinkommen freuen, dass seine zahlreichen Kunstgegenstände, die er besitzt, von einer Höherbesteuerung ausgenommen worden sind. Herzlichen Glückwunsch.

(Wilfried Buss SPD: Wie hat er die bezahlt mit sei- nem kleinen Einkommen?)

Viele Dinge, die einem sonst das Leben versüßt haben, hinterlassen jetzt einen üblen Nachgeschmack und das in ohnehin schon leeren Geldbeuteln.

Zurück zur Eigenheimzulage.

(Ingo Egloff SPD: Endlich kommen Sie zum Thema!)

Meine Damen und Herren! Ihr Kanzler hat im Bundestagswahlkampf noch betont, er wolle Familien fördern.

(Zuruf von der SPD: Ja!)

Familien mit einem Kind bekommen nach der neuen Eigenheimzulage jetzt 9600 Euro, bisher waren es 26 500 Euro. Dann erklären Sie uns doch bitte einmal, wie man Familien fördert, indem man ihnen 16 900 Euro vorenthält?

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Herr Scholz möchte ja die Lufthoheit über die Kinderbetten haben, aber so wird es keine Kinderbetten geben, meine Damen und Herren, zumindest nicht in wohlbehüteten Eigenheimen.

(Barbara Duden SPD: Na, bei Ihrer Bierdosen trin- kenden Familie auch nicht!)

Für junge Familien, die eine bestimmte Zukunftsplanung haben, werden die Signale aus Berlin eine fatale Folge

haben und nicht nur das. Herr Erdland von der Schwäbisch Hall hat den Eindruck, dass der hohe gesellschaftspolitische Stellenwert der Wohneigentumsbildung junger Familien in den Hintergrund gerückt ist. Dabei gehören doch zu diesem Thema so wichtige Begriffe – und das haben sich ja insbesondere die Sozialdemokraten immer wieder auf die Fahnen geschrieben –, wie Identifikation, Bürgerengagement, Freiheit und persönliche Gestaltungsmöglichkeiten. All diese Begriffe erfahren durch die vorgesehenen Kürzungen drastische Einschränkungen, meine Damen und Herren. Abgesehen von der gesellschaftspolitischen Folge wird natürlich auch die Wirtschaft darunter zu leiden haben. So stellt zum Beispiel der Hauptgeschäftsführer der deutschen Bauindustrie, Michael Knipper, fest, dass durch die geplante Mindestbesteuerung rund 100 000 Arbeitsplätze in Gefahr seien. Das ignorieren Sie hier auf dieser Seite, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive und der FDP)

Aber die Daumenschrauben der Kürzung werden natürlich weiter angezogen. So wird bei den vermieteten Wohnungen der volle Werbungskostenabzug für Aufwendungen an der Wohnung nur noch gewährt, wenn die vermietete Wohnung mindestens 75 Prozent anstatt der bisherigen 50 Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete einbringt.

(Jürgen Schmidt SPD: Das ist doch in Ordnung!)

In puncto der Gebäudeabschreibung soll es ab 2007 nur noch lineare Abschreibungen von 2 Prozent über 50 Jahre geben. Und das ist noch nicht einmal das Ende vom Lied, denn die Beseitigung der Spekulationsfristen in der Veräußerung von Immobilien wird weitere negative konjunkturelle Auswirkungen nach sich ziehen, Frau Duden.

(Barbara Duden SPD: Lassen Sie doch erst mal bauen, bevor sie wieder verkaufen!)

Dr. Louis Hagen, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Hypothekenbanken,

(Barbara Duden SPD: Der ist auch völlig unver- dächtig!)

warnt:

„Wenn die Immobilien weiter benachteiligt werden, riskiert man eine drastische Verschlechterung der Investitionsbedingungen in der gesamten Branche.“

Des Weiteren sind im Steuerpaket von Herrn Eichel Veräußerungsgewinne bei Wertpapieren und Immobilien vorgesehen. Nachdem die Bevölkerung zum Aktienkauf fast gezwungen worden ist und die meisten Bürger ihr Kapital gebunden haben in Fonds, Wertpapieren und Immobilien, werden sie jetzt für ihr Vertrauen auch noch mit einer Besteuerung von 15 Prozent belohnt.

(Dirk Kienscherf SPD: Reden Sie doch mal zum Thema!)

Die Damen und Herren in Berlin bestätigen damit immer mehr den vorherrschenden Eindruck der Öffentlichkeit, wenn der Staat Geld braucht, um seine eigenen Versäumnisse auszubügeln, fallen ihm nichts anderes ein als Steuererhöhungen und Subventionskürzungen.

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, der CDU und der FDP)

Dabei vergessen Sie etwas ganz Entscheidendes – das hat auch Oskar Lafontaine zumindest so ähnlich gesagt –,

(Stephan Müller Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

A C

B D

(Barbara Duden SPD: So ähnlich ist gut! Zitate hin oder her!)

Haushaltslöcher durch Steuererhöhungen zu stopfen, komme einem konjunkturellen Todesschuss gleich.

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Meine Damen und Herren! Zur Lösung ist doch genau das Gegenteil für die Bauwirtschaft notwendig. Die lebt ja immerhin jetzt schon am Existenzminimum. Das ist doch vollkommen unbestritten. Es müssen Anreize für mehr Leistungen des Eigenheimbaus geschaffen werden, um sie auch wieder attraktiv zu gestalten.

(Ingo Egloff SPD: Subventionen oder was?)

Darunter verstehe ich zum Beispiel vereinfachte Bauarten, gekoppelt mit alternativen Energien, möglicherweise billigere Eigenheime, von mir aus auch in verschiedenen Kategorien festgelegt, vereinfachte und schnellere Bauantragsbearbeitungen und eine – und das ist der wichtigste Punkt – sinnvolle Förderung zum Erwerb von Eigentum.

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, der CDU und der FDP)

Für Hamburg und sein Konzept der Wachsenden Stadt werden die Folgen der Entscheidungen im Bundesrat natürlich zu spüren sein, denn die Barrieren, die sich durch die geplanten Änderungen ergeben, werden dieses Projekt nicht gerade vereinfachen.

(Barbara Duden SPD: Welches denn?)

Alles in allem kann von einer zusätzlichen Belastung für die Bundesbürger und die Unternehmen hier in der Bundesrepublik von 3,6 Milliarden Euro ausgegangen werden. Das ist doch ein ganz schöner Schluck aus der Pulle, meine Damen und Herren von der SPD. Aber alle Warnungen werden wie immer in Berlin nicht gehört. So geht denn dieser Tanz auf dem Vulkan weiter und Sie steuern das Schiff in Kurs Rezession.

(Dirk Kienscherf SPD: Wie gut, dass wir in Hamburg leben!)

Meine Damen und Herren! Lassen Sie uns das Steuer im Bundesrat in die Hand nehmen, um die Bevölkerung und die Wirtschaft vor den Irrsignalen aus Berlin zu schützen. Aus diesem Grund fordern wir den Senat dringend auf, im Bundesrat mit einem klaren Nein zu votieren,

(Ingo Egloff SPD: Das hätte er sowieso getan!)

um die Bundesrepublik wieder auf einen vernünftigen Kurs zu bringen und die Stimmung der Gesellschaft aus dem Nullpunkt hinauszumanövrieren. – Danke schön.

(Beifall bei der Partei Rechtsstaatlicher Offensive, der CDU und der FDP)

Das Wort hat Herr Dr. Maier.

Herr Präsident, meine Damen, meine Herren! Wenn man Sie reden hört, Herr Roock, Herr Müller, hat man den Eindruck, die Eigenheimzulage sei zur Stützung der Bauwirtschaft erfunden worden, also sozusagen ein Subventionsinstrument zugunsten der Bauwirtschaft.

(Stephan Müller Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Da haben Sie falsch zugehört!)

Ich hatte das immer so verstanden, dass es im Wesentlichen ein sozialpolitisches Instrument sei.

(Stephan Müller Partei Rechtsstaatlicher Offensive: Ja! Ja, auch!)

Wenn man es aber unter dem Gesichtspunkt betrachtet, dann wirkt es folgendermaßen: