Meine Damen und Herren, die nichtssagenden oder ausgebliebenen Antworten des Senats auf unsere Große Anfrage offenbaren, wie sehr die politische Beförderung musikalischer Bildung im Argen liegt. Sie zeugen erstens von fehlendem Problembewusstsein und zweitens von eklatanter Konzeptlosigkeit. Einige Beispiele, die symptomatisch für die gesamte Botschaft sind.
Erstens: Bei der Frage nach der Zahl der ausfallenden und der tatsächlich stattfindenden Musikstunden in Hamburger Schulen zieht der Senat blank. Er kennt die Zahlen nicht und bekennt, sie auch nicht kennen zu wollen, denn, so muss man die Antwort auf die Frage 5. c) verstehen, angesichts der Haushaltslage ließe sich daran ohnehin nichts ändern. Das ist eine reine Bankrotterklärung.
Zweitens: Auf die Frage nach der Bedeutung, die der Senat musikalischer Bildung zumisst, macht es sich der Senat allzu leicht.
Er hätte auch sagen können, Musik hat eine sehr hohe Bedeutung. Punktum! Keine Erläuterung, worin diese hohe Bedeutung ihren Ausdruck findet, vor allem nichts über konkrete Pläne oder Vorhaben.
Drittens: Der Senat führt aus, die wohlgemerkt sinkenden Zahlen der Schüler, die Musikunterricht belegen, würden darauf hindeuten, wie wichtig eine musikalische Förderung vor Schuleintritt sei. Was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun? Eine derart aus der Luft gegriffene Pseudoerklärung kann eine sorgfältige Analyse beim besten Willen nicht ersetzen.
Viertes Beispiel: Der Senat erklärt, dass eine fachspezifische Bedarfsermittlung für Musiklehrerstellen nicht erfolge. Warum nicht? Hier können wir nur spekulieren. Ich vermute, der Senat möchte die Diskrepanz zwischen Soll und Haben beim Musikunterricht lieber gar nicht erst
wissen. Diese Grundhaltung, bloß keine überprüfbaren Angaben zu machen, zieht sich durch alle Antworten hindurch.
Es gibt in Hamburg eine Vielzahl musikpädagogischer Aktivitäten, Institutionen und auch an Zuständigkeiten. Was hier fehlt, ist eine vernünftige Verknüpfung all dieser Ansätze zu einem Gesamtkonzept. Stattdessen wird irgendwie ein neues Projekt initiiert, ohne sich auf das Bestehende zu beziehen. Ich erinnere an die Debatte zur musikalischen Breitenbildung vor wenigen Wochen.
Die Vogel-Strauß-Politik des Senators hat zur Folge, dass ihm und seiner Behörde von wegfallenden Neigungskursen nichts bekannt ist. Schüler, Lehrer und Eltern wissen aber wohl, was in den Schulen an Neigungskursen wegfällt. Es bleibt Senatsgeheimnis, weshalb die hervorragende und von ihm selbst hervorgehobene Kooperation zwischen Staatlicher Jugendmusikschule und Verlässlicher Halbtagsgrundschule derzeit nicht ausgebaut werden soll. Fakt ist, dass infolge des neuen Arbeitszeitmodells elf von 65 Grundschulen diese Zusammenarbeit bereits beendet haben. Darüber schweigt der Senat.
Meine Damen und Herren! Es gibt über das Thema nachhaltigen Diskussionsbedarf. Ich habe wahrgenommen, dass wir uns im Ziel, bessere musikalische Bildung, in diesem Hause einig sind. Wenn der Senat nichts dazu beitragen kann, ist hier die Bürgerschaft gefordert. Darum sollen wir uns auf Ausschussebene intensiver mit der Gesamtsituation befassen, um dem Senat beziehungsweise der zuständigen Fachbehörde aus der dokumentierten Perspektivlosigkeit herauszuhelfen. Das sollte das Ziel dieser Großen Anfrage sein. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Frau Fiedler, wir beiden haben offenbar immer miteinander zu tun, wenn es um Musik geht. Vielleicht sollten wir nächstes Mal musikalisch unsere Ansprüche anmelden, dann wird es vielleicht interessanter und nicht so heftig.
Die Fraktionen von CDU, Schill und FDP haben es sich zur Aufgabe gemacht, das kreative und künstlerische Potenzial von Kindern und Jugendlichen stärker zu fördern. Wir sind der Meinung, dass durch Musikerziehung die soziale Kompetenz, die soziale Urteilsfähigkeit, die Intelligenz von Kindern und Jugendlichen eindeutig verbessert werden. Musikalische Bildung ist eine wesentliche Vorbeugung gegen Aggressionen und Gewaltbereitschaft. Sie leistet einen großen Beitrag zur Verhinderung krimineller Lebensläufe Jugendlicher. Es ist also außerordentlich wichtig, negativen Entwicklungen frühzeitig entgegenzuwirken und gleichzeitig jegliche Folgen beziehungsweise Folgekosten für Täter, Opfer und die Gesellschaft zu mindern.
Mit Ihrer Großen Anfrage unterstellt die SPD dem Senat, dass er die ästhetische Bildung vernachlässige und den Musikunterricht in den Schulen, vor allem im Gymnasium, schwäche. Das kann und will ich nicht so stehen lassen.
Frau Fiedler, ich kann nicht verstehen, warum Sie daran auch wieder herummäkeln, denn das ist eine destruktive Oppositionspolitik.
Schauen Sie sich das Positive an und lassen Sie uns zusammen schauen, wie wir dies weiterentwickeln können, was wir auch wollen. Es soll gut werden und daran sind wir alle interessiert. Deswegen wäre es wichtig, dass wir uns da auch begegnen.
Die Antwort des Senats zeigt sehr deutlich, dass auf dem Gebiet der musikalischen Bildung und Ausbildung in Hamburg einiges getan wird. Man findet deshalb in der Antwort des Senats ein Bündel von Maßnahmen, die bereits eingeleitet sind. Ich möchte einige Beispiele nennen:
Erarbeitung und Einführung moderner Rahmenpläne auch für die ästhetischen Schulfächer, weitere Einrichtungen von Musikzügen, also Musikklassen, Streicherklassen, Bläserklassen, bevorzugte Einstellung von Fachlehrkräften für das Fach Musik, Unterstützung der Musikwettbewerbe, Weiterführung der Schülerkonzerte auch unter Berücksichtigung neuer Wege der Musikvermittlung.
Wenn Sie sich die Antwort des Senats genau durchgelesen haben – ich glaube, dass Sie das getan haben –, so können Sie zwei wesentliche Schwerpunkte im Bereich der musikalischen Bildung und Ausbildung herausfiltern, nämlich die musikalische Frühförderung und eine verstärkte Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften. Dies unterstützt meine Fraktion und das will ich auch begründen.
Neuere Entwicklungsforschungen heben die außerordentlichen Persönlichkeitsentwicklungen durch eine musikalische Förderung bereits im frühkindlichen Alter hervor. Gegenwärtig mangelt es in Hamburg jedoch an entsprechenden Angeboten sowie an entsprechenden Aus- und Fortbildungen von Krippenbetreuerinnen und Kindergärtnerinnen. Die Koalitionsfraktionen haben deshalb ein wissenschaftlich begleitetes Modellprojekt zur musikalischen Frühförderung in der Grundschule und im Vorschulalter initiiert, damit die Kinder ein Instrument erlernen können.
Ich bin der Meinung, dass eine frühzeitige musikalische Förderung positive Auswirkungen auf den schulischen Unterricht – zum Beispiel auch in den Gymnasien – hat. Die VIVA- und die MTV-Generation ist nicht unmusikalisch. Kinder und Jugendliche müssen nur frühzeitig mit klassischer Musik vertraut gemacht werden.
Eine fachlich qualifizierte Musikarbeit erfordert auch eine qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung, denn die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erfordert zum Teil anderes Hintergrundwissen und andere Vermittlungskompetenzen. In diesem Bereich hat der Senat umfangreiche Maßnahmen geplant.
Erstens: Erweiterung des Studiums im Lernbereich Musik, im Fachbereich Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg durch eine musikpraktische Ausbildung, zum Beispiel Klassenmusizieren in der Grundschule.
Zweitens: Nachqualifizierungskurse des Landesinstituts für Lehrerfortbildung und Schulentwicklung im Fach Musik für Lehrkräfte anderer Fächer zur Unterstützung der Grundversorgung.
Der Senat strebt auch eine verstärkte Ausbildung von Musiklehrkräften an der Hochschule für Musik und Theater an. Meine Fraktion unterstützt diese Maßnahmen ausdrücklich.
Wir müssen uns aber auch die Frage stellen, wie wir Kinder und Jugendliche über die Schule hinaus für Oper und Konzert gewinnen können. In der Hamburgischen Staatsoper und beim Philharmonischen Staatsorchester werden für diese Zielgruppen einige Angebote gemacht.
Man darf dabei nicht vergessen, dass diese Projekte auch auf einem großen Engagement der Mitarbeiter dieser beiden Institutionen beruhen. Aber auch kleinere Träger, wie zum Beispiel der Landesverband der Tonkünstler und Musiklehrer, fördern größtenteils ehrenamtlich seit Jahrzehnten die musikalische Erziehung und Ausbildung in unglaublich engagierter und liebevoller Art und Weise.
Ich möchte noch kurz auf das familienpolitische Programm der Behörde für Soziales und Familie eingehen, das die Senatorin Frau Schnieber-Jastram kürzlich vorgestellt hat. Die Behörde plant, ab dem Jahr 2005 für alle Hamburger Familien – unabhängig vom Einkommen – einen Familienpass einzuführen. Damit sollen Kinder und Jugendliche das ganze Jahr über verschiedene Einrichtungen und Veranstaltungen vergünstigt oder sogar kostenlos besuchen können. Ich bin der Meinung, dass wir damit eine nicht unerhebliche Zahl von Jugendlichen für Oper und Konzerte gewinnen können.
Ziel muss es unserer Ansicht nach sein, allen Jugendlichen, auch denen mit wenig Teilhabechancen, den Zugang zu kulturellen Angeboten zu ermöglichen. Kindern und Jugendlichen muss frühzeitig die Möglichkeit gegeben werden, die eigene Kreativität zu entfalten und auszubauen. Wir stehen alle in der Pflicht, um dies zu verwirklichen. Sie können sehen, der Senat plant, arbeitet und tut. – Vielen Dank.
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Sie haben sich, Frau Fiedler, eine nette Rede schreiben lassen, aber Sie sollten sich auch einmal mit dem Thema beschäftigen.
Die Große Anfrage der SPD zur Situation des Musikunterrichts zeigt, dass auch die Opposition langsam, aber sicher bei den Themen ankommt, die in der Zeit des Hamburger rotgrünen Senats völlig vernachlässigt wurden. Dank gebührt unserem Senat, der diese umfangreiche Große Anfrage zur musikalischen Früherziehung sehr ausführlich beantwortet hat.
(Ingo Egloff SPD: 44 Jahre durften die Kinder nicht singen in unserer Stadt! – Heiterkeit bei der SPD)
Zur großen Überraschung der jetzigen Opposition hat unsere Fraktion unlängst einen Antrag zur musikalischen Breitenbildung in die Bürgerschaft eingebracht, den wir hier am 7. Mai debattiert hatten.
Wir alle erinnern uns an die verbalen Ausfälle und bösartigen Unterstellungen der Abgeordneten Fiedler. Es ist erstaunlich, wie weit der Oppositionsfrust Frau Fiedler getrieben hat.
Aber, daran hat man gesehen, dass es Frau Fiedler gar nicht um die Sache geht, dass nicht an das Wohl und die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen gedacht wird, sondern vielmehr die eigene Profilierungssucht im Vordergrund steht.
Gleichfalls begrüße ich, dass die Opposition ungeachtet Frau Fiedlers Äußerungen unserem Antrag zugestimmt und die Relevanz des Themas erkannt hat.
Wir haben mit unserem Antrag einen Rahmenplan für die Musikerziehung in Hamburg geliefert. Mittlerweile haben führende Köpfe Hamburger Einrichtungen, die sich mit musikalischer Erziehung tagtäglich beschäftigen, gemeinsam mit unserem Bildungssenator Lange am Runden Tisch verhandelt.
Frau Fiedler, wie Sie wissen, ist selbstverständlich auch die Jugendmusikschule im Boot, die Sie und Ihre Fraktion zum Gegenstand Ihrer Großen Anfrage gemacht haben. Ihre Angst, wir würden die Staatliche Jugendmusikschule schwächen, ist lächerlich.