auch nur einen Fuß an den Ball setzte, sprangen die Menschen vor mir empor und schrien: Tor! Der kleine Frühauf konnte nichts sehen, denn er war nicht in der Lage, durch die Menschenwände durch- und auch nicht hinüberzusehen.
Gleichwohl war ich froh, wenn es Uwe Seeler gelang, ein Tor für den HSV zu platzieren. Das eine oder andere Tor von den – so glaube ich – 400 Toren, die er allein für den HSV erzielte, habe ich aber live erlebt. Schnell wurde auch ich HSV-Fan. Ende der Sechzigerjahre gelang es mir, von Uwe Seeler höchstpersönlich ein Autogramm zu bekommen.
Dies betrachtete ich als eine große Ehre. Bis heute habe ich diese Autogrammkarte in Ehren gehalten und gut aufbewahrt. Sie war so gut aufbewahrt, dass ich sie für den heutigen Tag nicht finden konnte.
Weil mir bereits dieses Autogramm so zu Ehren gereichte, lieber Herr Seeler, freue ich mich besonders, dass wir Sie heute hier ehren können. Ich freue mich besonders – das sage ich wohl im Namen Aller und im Namen meiner Fraktion –, dass wir zum ersten Mal ein Sportler zum Ehrenbürger ernennen können. Dies ist für mich ein Zeichen, dass auch andere Menschen – als immer wieder
Damit werden auch einmal sportliche Werte wie Fairness und Gemeinschaftsgeist honoriert. Uwe Seeler ist nicht nur ein Vorbild für die Jugend, sondern sein soziales Engagement mit der Uwe Seeler Stiftung für Muskelschwundhilfe ist ebenso vorbildlich. Auch menschlich ist "Uns Uwe" nicht nur jungen Sportlern ein Vorbild gewesen, sondern auch immer – fernab von Angeberei und Eitelkeit – gerade wegen seiner bescheidenen Art.
Die Ehrenbürgerschaft, lieber Herr Seeler, ist deshalb eine verdiente Auszeichnung für einen großartigen Sportler, aber auch für einen großartigen Menschen.
stand übrigens auf der Eintrittkarte zu Uwe Seelers letztem Spiel. Das war am 1. Mai 1972. Wie schon gesagt wurde: Uwe Seeler wäre nicht Uwe Seeler, wenn er nicht den Ball doch noch ein letztes Mal ins Tor geschossen hätte.
Wie nachhaltig der Sportler Uwe Seeler gewirkt hat – wenn ich als Grüne "nachhaltig" sage, dann meine ich das auch so –, das können Sie an diesem Erinnerungsstück sehen. Das ist die Eintrittskarte zum Uwe SeelerAbschiedsspiel.
Auf der Vorderseite steht: Stehplatz Westkurve, Eintritt 5 DM. Auf der Rückseite steht: Tschüs Uwe. Ich stecke sie auch gleich wieder weg. Denn diese Originaleintrittskarte, die meinem Mann gehört, der sie bis heute in der Brieftasche aufbewahrt, ist natürlich ganz wertvoll.
1972 war Uwe Seeler ein Fußballstar, ein Sportleridol – das haben meine Vorredner schon betont – und ein Volksheld. Heute im Jahre 2003 treffen die Bezeichnungen immer noch zu. Das verrät die Karte und deshalb sind wir heute auch hier.
Ich möchte Ihnen auch im Namen meiner GAL-Fraktion herzlich gratulieren. Wir freuen uns natürlich, Sie nach dem Abschied vom Profifußball nach 30 Jahren als Ehrenbürger willkommen zu heißen.
Auf die Frage, wie Sie die Auszeichnung aufnehmen, die Ihnen heute verliehen wird, haben Sie gesagt, dass dies eine Ehre für den Sport sei, aber der Mensch Seeler würde sich nicht verändern. Sie sagten auch noch, dass Max Schmeling die Ehre auch verdient hätte. Das ist es wohl, was den Fußballprofi, das Sportidol und nun den Ehrenbürger Uwe Seeler so besonders unglaublich macht, und zwar in dreifacher Hinsicht.
Trotz seiner großen Erfolge ist er unglaublich bescheiden und in seiner Bescheidenheit so unglaublich glaubwürdig
geblieben. Es ist der Hamburger Jung, der dem HSV 60 Jahre treu geblieben ist, es ist der gefährliche Mittelstürmer, der – wie gehört – die lukrativsten Angebote ablehnte. Das hat Herr Dr. Freytag ausführlich beschrieben. Es ist aber auch der Familienmensch Uwe Seeler, der seine Wurzeln nie vergessen hat.
Der Erste Bürgermeister sprach es an: Ihr Vater, Erwin Seeler, von Beruf Ewerführer, war einer der großen Hamburger Fußballer. Stellvertretend für seine Erfolge – das sei hier stellvertretend gesagt – war das 9:0 gegen Ungarn bei der Arbeiterolympiade 1931. Siebenmal hieß der Torschütze Erwin Seeler. Aber auch Erwin Seeler musste Bitteres erfahren. Auch Mannschaftskameraden von Lorbeer 06 in Rothenburgsort – 1931 Deutscher Meister im Arbeitersport – wurden von den Nazis ermordet.
Uwe Seeler trat in die Fußstapfen des Vaters. Er füllte sie schon bald nicht nur als Speditionskaufmann im Hafen, sondern auch als leidenschaftlicher Fußballer aus, der den Vater weit überflügelt hat. Er ist trotzdem auf dem Boden geblieben. Sie sind eben der Erfolgsmensch, der sein Glück teilt. Auf diesen Punkt möchte ich besonders hinweisen.
Sie teilen mit denjenigen, die weniger Fortune im Leben haben, mit Kranken, mit in Not geratenen Menschen und mit Randgruppen. Ihr Zitat spricht für sich:
"Wer dem Sport viel zu verdanken hat und auf der Sonnenseite des Lebens steht, der sollte jenen etwas abgeben, die nicht die Möglichkeit hatten, ein solches Glück zu empfinden und auf der Schattenseite des Lebens stehen."
Sehr geehrter Herr Seeler! Ich bin mir sicher, dass Sie Recht haben, dass Sie sich nicht verändern werden. Das hat auch der DFB nicht geschafft, als er Sie zum Ehrenspielführer ernannte, und das hat der Bundespräsident mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes nicht geschafft. Sie haben aber mit Ihrem Einsatz selbst dazu beigetragen, dass sich Hamburg verändert hat.
Das geschah – ganz klar – natürlich in sportlicher Hinsicht, denn ohne die Fallrückzieher – ich denke da an den Fallrückzieher im Liegen gegen Westfalia Herne – und die eigentlich unmöglichen, aber dann doch möglichen Kopfbälle, die ins Tor gingen, wäre der Hamburger Fußball nicht der Hamburger Fußball. Aber das gilt auch – das habe ich vorhin schon betont – für die Hamburger Gesellschaft.
Sie leben vor, dass einem Menschen der Erfolg nicht zu Kopf steigen muss und solche Idole braucht der Sport, brauchen die Jugendlichen und brauchen wir alle. Und vielleicht stehen Sie für Werte, von denen man im Allgemeinen sagt, sie seien antiquiert, aber Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Verantwortung, die Sie im Sport gelernt haben, haben Sie später auch für das Gemeinwesen übernommen; ich möchte eines exemplarisch anführen.
Sie haben auch Justizvollzugsanstalten besucht, Sie haben dort Sportgeräte übergeben und Gespräche mit Gefangenen geführt. Sie haben die Aktivitäten der Herberger-Stiftung unterstützt, Patientenfußball in psychiatrischen Krankenhäusern unterstützt, den Behindertensport und, wie schon genannt, die Muskelschwundhilfe. Dafür werden Sie heute auch geehrt, sehr geehrter Herr Seeler.
Heute ist die Bürgerschaft dank Ihrer Anwesenheit eine Art Fangemeinde geworden. Wir sind uns hier ja selten einig, aber heute sind wir alle in derselben Kurve. Sie haben es ja auch geschafft, dem HSV treu zu bleiben und im entscheidenden Moment trotzdem für St. Pauli Dauerkarten zu verkaufen.
Wie wäre denn das zum Schluss? Die St. Pauli-Fans könnten in Zukunft doch mal ihr "euch Uwe" stecken lassen, mein Ehrenbürger, dein Ehrenbürger. Erstens sollten wir damit großzügiger sein und mit diesem Titelgezänk aufhören, zweitens bleibt der Ehrenbürger Uwe Seeler ein freier Mann und drittens – dabei lasse ich es dann auch bewenden – ist die Fangemeinde übergreifend und Uwe Seeler ist spätestens ab heute doch "uns aller Uwe". – Danke schön.
Lieber Uwe Seeler, Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Die Verleihung der hohen Auszeichnung einer Ehrenbürgerschaft ist ein ganz besonderes Ereignis. Wir zeichnen eine Person aus, die durch Leben und Werk in geradezu exemplarischer Weise diese Würdigung verdient hat.
Vieles wurde heute schon zu Ihrer Person gesagt. Daher lassen Sie mich auch nur kurz ein Wort von Ihnen ganz besonders herausstellen, das für Ihre sportliche Fairness und auch für Ihre Lebensanschauung, wie ich finde, spricht. "Gewinnen wollen und verlieren können" haben Sie, sehr geehrter Herr Seeler, einmal geantwortet, nachdem Sie nach Ihrem Motto gefragt worden sind. Gewonnen haben Sie in Ihrer beispiellosen Karriere allerhand. Sie waren mit dem HSV Deutscher Meister, Pokalsieger, erster Torschützenkönig der Bundesliga und dreimal Fußballer des Jahres in Deutschland. Diese Liste ließe sich noch problemlos verlängern und ich würde mich auch an dieser Stelle nur wiederholen. Das, was Michael Freytag, Norbert Frühauf und auch der Mann von Christa Goetsch gesagt haben,
dass Sie in uns allen Spuren hinterlassen haben, kann ich auch ohne Taschengeld belegen. Ich brauchte überhaupt keine Eintrittskarten, denn ich habe als kleiner Buttje an der Rothenbaumchaussee 115 in einem Neubau direkt gegenüber des alten Traditionssportplatzes immer direkt auf die Tribünen geschaut. Dort haben früher in den überdachten Tribünen links und rechts Fußbälle an Seilen heruntergehangen und da habe ich uns Uwe, meinen Uwe ständig mit der ganzen HSV-Mannschaft gesehen. Ich brauche gar kein Foto, ich brauche auch keinen Fallrückzieher, ich brauche keine Wiederholungen, kein Replay, das ist mein Bild von Ihnen. Es ist für mich nach über 40 Jahren eine ganz besondere Ehre – ich kann mich daran erinnern, als Dreijähriger, Vierjähriger immer auf das Spielfeld geguckt zu haben –, Sie heute hier sehen zu können.
Doch den wahren Grund für Ihre ungeheure und ungebrochene Popularität liefert diese Liste der Erfolge nicht. Im Gegenteil. Es sind wohl eher die nichtgewonnenen Titel, die Sie zu uns Uwe machten, einen zum Anfassen
eben. Die persönlichen Erfolgsstorys sind nicht immer nur Erfolge, sondern auch Niederlagen, und viele von uns in Hamburg und Deutschland haben gesehen, wie Sie mit diesen persönlichen Erfolgen, aber auch mit den Niederlagen umgegangen sind. Das macht Sie zu einem Idol, das macht Sie zu unserem Uwe Seeler.
Mit Ihnen konnten und können sich die Menschen in dieser Stadt identifizieren. Sie selbst betonen immer wieder, dass es für Sie das Schönste auf der Welt sei, normal zu sein. Walter Zuckerer hat das, wie ich finde, sehr zutreffend – ich muss es hier nicht wiederholen – beschrieben. Dem möchte ich mich absolut anschließen, Walter Zuckerer.
Die "FAZ" nannte Sie den klassenlosen Fußballhelden. Sie verkörperten auf dem Spielfeld Eigenschaften der deutschen Nachkriegsgeneration: Ärmeln aufkrempeln, arbeiten, nie aufgeben.