Protokoll der Sitzung vom 11.02.2004

Das muss man einfach sagen. Aber, meine Damen und meine Herren, seien wir einmal ehrlich. Das Thema Frauen in Führungspositionen ist – wenn man sich in der Welt umschaut – ein deutsches Problem. Nirgendwo in den entwickelten Industrieländern gibt es so wenige Frauen in Führungsetagen – in den Großunternehmen, in der Politik, in den Universitäten und anderen Gremien und Ein

richtungen – wie in Deutschland. Sie können das endlos fortsetzen. Das ist ein deutsches Problem.

Das zeigt auch die heutige Debatte. Frau Mandel hat dies sehr witzig und nett vorgetragen, weil sie genau wusste, dass ihr sonst, wenn sie es ernst vorträgt, womöglich keiner zuhört. Diejenigen, die nach ihr kamen und ernstere Reden gehalten haben, wurden nicht nur von den Männern, sondern leider auch von ihren weiblichen Kolleginnen belacht. Es ist ein urdeutsches Problem, dass manchmal auch Frauen gegen Frauen nicht fair sind. Da sollten wir uns alle eines Besseren besinnen.

(Vereinzelter Beifall bei der SPD – Dr. Andrea Hil- gers SPD: Kommt drauf an, was sie sagen!)

Das ist immer eine tolle Ausrede: Die Frauen taugen nichts, es kommt darauf an, was sie sagen. Das lasse ich nicht gelten. Jede von Ihnen hat hier einmal ihre erste Rede gehalten, Frau Kasdepke hat in den letzten zwei Jahren nicht viele gehalten. Sie haben alle einmal klein angefangen.

(Michael Neumann SPD: Wir auch!)

Ich auch. Das haben wir alle gemacht. Die Erfahrungen kommen mit der Zeit und dann werden – wenn man Glück hat – auch die Reden etwas besser.

(Vereinzelter Beifall bei der SPD und der GAL)

Bei der ganzen Frauendebatte stimmt mich sehr skeptisch, dass die grüne Partei im Grunde die einzige Partei in Deutschland ist, die im Verhältnis sehr viele gute weibliche Politikerinnen hervorbringt. Sie haben das mit einer Quote geschafft. Das ist zwar nicht liberal, das gebe ich zu, aber erfolgreich.

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Ich sage es auch ganz ungeschützt, dass ich dafür später in meiner Partei geprügelt werde. Wahrscheinlich geht es nicht anders, weil es einfach so ist. Man muss die Frauen auch ranlassen, damit sie Übung und Selbstvertrauen bekommen. Für mich ein typisches deutsches Beispiel.

Als es damals völlig klar war, dass die CDU den Bundespräsidenten nicht würde stellen können,

(Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Welchen?)

hat sie eine Frau vorgeschickt, nämlich Frau Schipanski. Sie hat Ihren Job bei dieser Kandidatur hervorragend gemacht.

(Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Dafür war sie gut genug!)

Heute ist klar, dass wahrscheinlich ein Kandidat der CDU der nächste Bundespräsident sein wird. Jetzt wird natürlich nur über Männer diskutiert. Steht denn Frau Schipanski nicht mehr zur Verfügung?

(Beifall bei der SPD, der GAL und bei Frank- Michael Bauer Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Oder wird sie nicht mehr gewollt? Im Übrigen dürfen Sie nicht so laut klatschen. Frau Annemarie Renger – viele werden sie vielleicht gar nicht mehr kennen – durfte auch einmal Kandidatin für eine Bundespräsidentenwahl sein, aber auch in einer Situation, als es völlig klar war, dass die SPD diesen Job nicht bekommen würde. Deshalb müssen wir uns alle anstrengen.

(Karl-Heinz Ehlers CDU: Herr Genscher ist doch auch keine Frau, oder?)

Wir Frauen sollten uns gegenseitig stützen, egal, ob sie der Opposition angehören oder nicht. Man kann manches tun. Ich appelliere an Sie alle, dass Sie es in Zukunft besser machen.

(Beifall bei der FDP, der SPD und vereinzelt bei der GAL)

Der Abgeordnete Frühauf hat das Wort.

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Eines bedarf der Richtigstellung. Die Frauen in den öffentlichen Unternehmen sind das eine, aber die Rede von Frau Mandel ist das andere.

Frau Mandel hat sich auf die Frauen in der Politik bezogen. In manchem Senat gibt es mehr Frauen als man denkt.

Sie hat sich bei der Anzahl der Frauen, die es im Senat gibt, verzählt. Das spricht nicht für ihre Qualität.

(Zurufe – Glocke)

Bleiben Sie ganz ruhig.

Meine Damen und Herren! Das Wort hat der Abgeordnete Frühauf.

Und nur er.

Frau Mandel, ich bitte um ein wenig Gehör. Eines wollen wir im Sinne aller Männer, die sich politisch bemühen, richtig stellen.

(Jan Ehlers SPD: Darf ich eine Zwischenfrage stel- len?)

Ja, ich glaube, wir haben genug Zeit.

(Heiterkeit im ganzen Hause – Glocke)

Noch ist es so, dass ich das Wort erteile. Jetzt erteile ich es. Bitte.

(Karl-Heinz Ehlers CDU: Dass ich das noch erle- ben darf!)

Wären Sie wegen Ihrer intimen Kenntnisse über den Senat bereit zu sagen, wie viele es sind?

(Beifall bei der SPD und der GAL)

Da halte ich es ganz wie der Senat: Auf hypothetische Fragen antworte ich nicht.

(Heiterkeit im ganzen Hause und Zurufe)

Nun wieder zu Frau Mandel.

(Glocke)

Meine Damen und Herren! Ich wäre dankbar, wenn Sie

A C

B D

ein wenig zur Würde dieses Hauses zurückkommen. Das gilt für alle.

Frau Mandel, die Politik ist sicherlich …

(Zuruf von Werner Dobritz SPD – Glocke)

Das gilt auch für den Abgeordneten Dobritz.

… von jeher eine Männerdomäne gewesen. Aber die Ursache, dass Frauen in der Politik nicht ausreichend in den Spitzenämtern vertreten sind, ist sicherlich nicht – wie Sie meinen – der Frauenfeindlichkeit geschuldet, sondern es ist für viele Frauen abschreckend, wie Politik gemacht wird.

(Dr. Andrea Hilgers SPD: Gerne, gerne!)

Sie von der SPD wissen es selbst am besten, wie in verrauchten Hinterzimmern und Biergestank Politik gemacht wird. Nicht jede Frau mag dieses Klima und nicht jede Frau hat auch Zeit, sich fast jeden Abend in diesen verrauchten Hinterzimmern mit irgendwelchen Männern um unwichtige Dinge zu streiten.