Protokoll der Sitzung vom 25.08.2004

Ich komme zum letzten Satz.

Die Umfrageergebnisse, die diese Regierung in dieser Stadt hat, meine Damen und Herren von der Opposition,

(Glocke)

belegen ganz deutlich, dass wir auf dem richtigen Kurs sind. – Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU)

Das Wort erhält Herr Kerstan.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Herr Krüger, wenn Sie wirklich Argumente für die Privatisierung des LBK hätten, dann dürften Sie von mir aus auch singen. Aber da kann ich wohl warten, bis ich schwarz werde, denn sie haben keine.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Wenn man sich angesichts der Volksgesetzgebung die Argumente der heutigen Debatte anhört,

(Dr. Andrea Hilgers SPD: Arroganz kommt!)

dann braucht man sich wirklich nicht über die Politikverdrossenheit in dieser Stadt zu wundern.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Das Schlimme an dieser Situation ist, dass man, wenn man den Menschen auf der Straße sagt, dass man in der Politik tätig sei, von ihnen Blicke erntet, als ob ihnen gerade eine Kellerassel begegnet ist.

(Karl-Heinz Warnholz CDU: Wo leben Sie eigent- lich?)

Das trifft nicht nur die Verursacher, die auf Regierungsseite sitzen, sondern das trifft die gesamte Politik. Das

wird das Vertrauen in die Politik in dieser Stadt nachhaltig und dauerhaft beschädigen. Das ist Ihr Verdienst.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Der LBK ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Sie argumentieren mit finanziellen Vorteilen für das Gemeinwohl und behaupten, die Bürger seien zu doof, um dieses beurteilen zu können. Schauen wir uns doch einmal diese vorgeblichen finanziellen Vorteile genauer an.

Es gibt einen Kaufpreis von 18 Millionen Euro. Von diesen 18 Millionen Euro sollen 200 Millionen Euro in einer ersten Rate Ende nächsten Jahres bezahlt werden. Diese 200 Millionen Euro bezahlt der Investor gar nicht selbst, sondern der LBK nimmt einen neuen Kredit auf und überweist davon 180 Millionen Euro an die Stadt, die immer noch mit 25 Prozent an dem LBK beteiligt ist. Das heißt, Hamburg finanziert zum Teil sogar noch die Zinsen und Tilgungen des Kredites für den Investor mit. Nennen Sie das Gemeinwohl?

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Das restliche Geld des Kaufpreises – 118 Millionen Euro – steht nur auf dem Papier. Es soll bei einem Börsengang gezahlt werden, der 2009 oder auch gar nicht stattfinden wird, wenn der LBK bis dahin nicht profitabel sein sollte. Letztendlich zahlt der Investor in diesem Fall für ein Unternehmen mit 700 Millionen Euro Umsatz und 12 000 Beschäftigten sage und schreibe 20 Millionen Euro.

(Olaf Böttger CDU: Stimmt doch nicht!)

Das ist kein finanzieller Vorteil, sondern ein finanzieller Offenbarungseid.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Man kann mit diesem Argument nicht rechtfertigen, dass verkauft werden muss. Darum muss man sich überlegen, was dann die eigentlichen Gründe für den Verkauf sind. Da bleiben eigentlich nur zwei mögliche Gründe übrig:

Erstens die langjährigen Geschäftsbeziehungen von Senator Peiner mit dem Käufer

(Oh-Rufe bei der CDU)

oder zweitens Ideologie. Ich will hoffen, dass die langjährigen Geschäftsbeziehungen von Herrn Peiner keine Rolle gespielt haben.

(Beifall bei der GAL)

Darum will ich etwas zu der Ideologie sagen.

Der Vorstandsvorsitzende des LBK, Herr Lohmann, wurde folgendes gefragt: Bei dieser Konstruktion braucht man doch gar nicht mehr zu verkaufen, denn selbst wenn die Stadt 100 Prozent der Anteile behielte, würde sie letztendlich nur auf 20 Millionen Euro verzichten. Denn der Kaufpreis soll vom LBK, der dann entschuldet wäre, per Kredit selbst finanziert werden. Dazu braucht man gar keinen externen Investor mehr.

Daraufhin antwortete Herr Lohmann – übrigens hat das Senator Rehaag damals ebenfalls bestätigt –: Ja, das ist wohl so. Aber letztendlich wäre es viel, wenn der Staat keine Krankenhäuser betreiben würde; das könnten Private besser.

(Barbara Ahrons CDU: Sie haben das immer noch nicht begriffen, Herr Kerstan!)

Da sind wir bei des Pudels Kern. Es geht nicht darum, dass die Bürger die finanziellen Vorteile dieses Verkaufs falsch beurteilen, sondern die Bürger haben eine andere politische Meinung als der Senat.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Die Bürger sind sehr wohl der Meinung, dass die Stadt eine Verantwortung für den Krankenhausbereich hat und diesen auch wahrnehmen soll. Dazu haben sie sie per Volksgesetzgebung verpflichtet.

Verstecken Sie sich nicht hinter dem Gemeinwohlargument. Sie kümmern sich bei einer politischen Entscheidung nicht um die Mehrheitsmeinung der Bürger, des Souveräns dieser Stadt.

(Wolfgang Drews CDU: Das ist doch Quatsch!)

Das ist wirklich ein Trauerspiel für die Demokratie. Ich hoffe, dass Sie das Wort "Gemeinwohl" in diesem Zusammenhang nicht noch einmal in den Mund nehmen. – Vielen Dank.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Das Wort hat der Abgeordnete Krüger für maximal zwei Minuten.

(Dr. Andrea Hilgers SPD: Das reicht!)

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Ob zwei Minuten genügen werden, Herrn Kerstan noch einmal klarzumachen, was eigentlich Sache ist, weiß ich natürlich nicht. Denn mein Eindruck ist, dass es Menschen im diesem Hause gibt, die einfach beratungsresistent sind.

(Beifall bei der CDU – Dr. Willfried Maier GAL: So lange Sie zu beraten versuchen!)

Noch einmal: Man kann natürlich so lange hin- und herrechnen, bis aus einem Kaufpreis irgendetwas Negatives wird; das ist natürlich möglich.

(Zuruf von der SPD)

Das unterscheidet uns voneinander: Ich lese Vertragsentwürfe, Sie lesen die "Bild"-Zeitung.

(Beifall bei der CDU)

Tatsache ist, dass dieser Kaufpreis in zwei Tranchen aufgeteilt ist, eine im nächsten Jahr fällig wird und die andere erst dann, wenn das eintrifft, was der LBK selbst, nicht Investor, prognostiziert hat. Das halte ich für das Natürlichste auf der Welt. Dass Kaufpreise auch über Darlehen finanziert werden, die das Unternehmen selbst erwirtschaftet, das ist auf dieser Welt einfach so. Fragen Sie Ihre Kollegen aus dem Wirtschaftsbereich,

(Bernd Reinert CDU: Die sind doch alle im öffentli- chen Dienst!)

die das ganz häufig feststellen werden.