Protokoll der Sitzung vom 14.12.2004

(Beifall bei der SPD – Michael Neumann SPD: Unglaublich!)

Es sind also alle Baustellen geblieben.

Zum Blindengeld, Herr Schira, hat unsere Fraktion einen eigenen Antrag eingebracht. Ich habe an zwei Stellen etwas zu dem Blindengeld gesagt.

(Frank-Thorsten Schira CDU: Ja, aber hier haben Sie nichts gesagt!)

Ich habe an zwei Stellen etwas zu dem Blindengeld gesagt.

(Frank-Thorsten Schira CDU: Aber allgemeines Gebrabbel!)

Herr Schira, wenn Sie das als allgemeines Gebrabbel betrachten, dass die Senatorin einen Termin nach den Haushaltsberatungen, nach Verabschiedung des Haushalts, angibt, um darüber zu reden, dann weiß ich nicht, was für Sie eigentlich Sozialpolitik bedeutet.

(Beifall bei der SPD und vereinzelt bei der GAL)

Zum Blindengeld haben wir einen Antrag eingebracht und den Einsparvorschlag, im ersten Jahr 5 Prozent und im zweiten Jahr 9 Prozent zu sparen.

Für den einzelnen Asylbewerber, Frau Senatorin, reduzieren Sie vielleicht nicht die Zuwendungen, aber die Betreuung und Beratung wird doch gestrichen. Über das Frauenhaus haben wir zwei-, dreimal diskutiert. Das möchte ich nicht noch einmal darlegen. Sie verstehen die Problematik des Frauenhauses nicht, Sie wollen sie nicht verstehen. Deshalb erspare ich mir jetzt die Worte.

(Beifall bei der SPD – Wolfhard Ploog CDU: Erklä- ren Sie es doch mal!)

Noch ein Satz zu den GAL-Anträgen. Wir stimmen in der Sache fast allen Ihren Anträgen zu. In ein oder zwei Fällen ist das aber nicht so.

(Zuruf von der CDU: Aha!)

Wir werden uns Ihrem Votum nicht in allen Anträgen anschließen können, weil wir mit den Deckungsvorschlägen nicht einverstanden sind.

(Zuruf von Dr. Willfried Maier GAL)

Herr Maier, die Deckung ist aus unserer Sicht nicht seriös, die können wir so nicht akzeptieren. Das ist der Grund.

(Beifall bei der SPD)

Bevor ich dem nächsten Redner das Wort gebe, will ich darauf hinweisen, …

(Unruhe im Hause – Glocke)

Meine Damen und Herren! Es muss alles sehr spannend sein, was Sie dort bewegt, aber es wäre schön, wenn das ganze Haus daran teilhaben könnte.

Zunächst soll das Haus daran teilhaben, dass ich jedenfalls den Ausdruck "allgemeines Gebrabbel" für die Äußerung einer Rednerin für nicht parlamentarisch halte. Jetzt bekommt der Abgeordnete Heintze das Wort.

Frau Brinkmann, gestatten Sie mir gleich zu Anfang eine Anmerkung, die sich auf Ihren letzten Redebeitrag bezieht.

Sie haben uns vorgeworfen, dass die Sozialpolitik nicht zu unseren Schwerpunkten gehöre. Wenn ich mir dann ansehe und anhöre, was Sie vorgelegt beziehungsweise vorgetragen haben, dann ist diese – mit Verlaub – definitiv auch nicht Ihr Schwerpunkt.

(Beifall bei der SPD – Petra Brinkmann SPD: Dann verstehen Sie das nicht!)

Ich möchte Ihnen auch begründen, warum ich das nicht zu Ihren Schwerpunkten zähle. Von Ihnen wird in einer Art und Weise der Untergang der Sozialpolitik, des Sozialstaates in Hamburg zelebriert, wo man sich als Zu

schauer irgendwann fragt: Moment mal, habe ich in einer anderen Ausschusssitzung gesessen, habe ich eine andere Vorlage gelesen oder geht das Leben völlig an mir vorüber?

(Beifall und Lachen bei der SPD und der GAL – Erste Vizepräsidentin Barbara Duden übernimmt den Vorsitz.)

Letzteres würde ich gerne, auch wenn das bei Herrn Kerstan zu Freude führt – ich weiß, dass er das kennt –, für mich verneinen. Ich habe mir einfach einmal angeschaut, was wir in dieser Stadt eigentlich tun.

Dabei ist mir aufgefallen, dass hier mit einer Penetranz etwas aufgepustet und das Ende der Sozialpolitik herbeigeredet wird, ohne dass dies irgendetwas mit den sozialen Realitäten dieser Stadt zu tun hätte.

(Beifall bei der CDU)

Frau Brinkmann, es gibt einen ganz zentralen Unterschied – es wäre schön, wenn Sie zuhören würden, weil es hier auch um Sie geht –: Sicher reden wir nicht in der Intensität und Häufigkeit mit den Trägern, wie Sie es einfordern. Aber wir tun etwas anderes.

(Petra Brinkmann SPD: Sie reden überhaupt nicht mit denen! Das ist doch nicht wahr!)

Wir reden mit den Betroffen, tun konkret etwas für sie und versuchen nicht, alles über Konzepte zu lösen, die hinterher wieder keiner umsetzen kann.

(Beifall bei der CDU)

Wie Sie mit Konzepten arbeiten, die hinterher keiner umsetzen kann, zeigt der Trick, dessen Sie sich auch bei der Sozialpolitik bedienen.

(Frank-Thorsten Schira CDU: Nicht nur durch die!)

Sie, Herr Neumann, haben gestern gesagt, wo wir überall Geld einsparen könnten, zum Beispiel bei der U-Bahn zur HafenCity. Das haben wir schon hundertmal gehört. Man rechnet und rechnet und überlegt sich, wo da wohl die 100 000 Euro noch herkommen sollen. Die GAL war da etwas besser. Sie hat nämlich gesagt, daher und daher. Dieser Trick zieht sich durch Ihre gesamte Sozialpolitik. Sie verweigern sich konkreten inhaltlichen Vorschlägen, reden diffuse Deckungen herbei, die es nicht gibt, und machen noch diffusere Vorschläge, die wir dann noch nicht einmal in Ihren Anträgen wiederfinden. Das ist keine seriöse Sozialpolitik.

(Beifall bei der CDU)

Schauen wir – das hat Herr Schira schon sehr gut getan – doch noch einmal auf die Anträge der SPD. Da werden unter anderem die Fallzahlen von Sozialhilfeempfängern pro Sachbearbeiter, die zeitliche Verzögerung bei der Umstrukturierung der Wohnungslosenhilfe und ein fehlender Armutsbericht kritisiert und Abhilfe gefordert. So weit, so gut.

(Petra Brinkmann SPD: Stimmt!)

Unter anderem sagte ich, Frau Brinkmann, es stimmt.

Selbst unter Zuhilfenahme des etwas umfassenderen Themenkanons der GAL sehe ich nicht das ständig von Ihnen heraufbeschworene angebliche Ende des Sozialstaats in Hamburg, sondern auch hier nur viel Brimborium. Wenn man dann konkret in Ihre Anträge guckt, stellt

man fest, dass nichts darin steht, was dieser Panikmache in irgendeiner Weise Rechnung tragen würde.

(Beifall bei der CDU)

Auch Sie und die GAL-Redner lieben Bilder. Ich möchte da auch einmal ein Bild bemühen. Die SPD ist – das ist die Erkenntnis meiner ersten Ausschusssitzungen – verbal mit dem Anspruch eines sozialpolitischen Tigers gestartet

(Petra Brinkmann SPD: Das kennen wir!)

und dann mit ihren Haushaltsanträgen bei der von ihr so oft gescholtenen Behörde als Bettvorleger gelandet. Mehr ist das nicht.

(Beifall bei der CDU)

Darüber hinaus sind Sie auch noch ein ziemlich bürokratischer Bettvorleger, denn wer glaubt – so liest man das zum Beispiel in Ihren Anträgen zu den Themen Armut und Pflege –, Sozialpolitik vom Berichtstisch aus machen zu können, der hat erstens die Zeichen dieser Zeit nicht verstanden und zweitens beschränkt er sich darauf, lieb gewordene Berichte und Leistungen zu verteidigen, ohne jemals zu hinterfragen, ob sie noch den Realitäten entsprechen.