Protokoll der Sitzung vom 16.09.2009

Herr Ahlhaus wurde nicht umsonst von den Flüchtlingsorganisationen als Abschiebesenator bezeichnet. Hamburg ist eines der Bundesländer, das am meisten abschiebt.

(Antje Möller GAL: Das stimmt nicht mehr!)

Nicht mehr, aber Sie schieben wieder ab. Für mich ist eine Abschiebung eine Abschiebung.

Herr Senator, ich weiß, dass vieles bundesgesetzlich geregelt ist, aber Sie können als Senat eine Bundesratsinitiative starten, damit man europäische Richtlinien schneller in Deutschland umset

zen kann. Dazu können Sie als Senator einen Beitrag leisten. Aber wie es typisch für einen Senator ist: er hört nicht zu, er redet. – Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN)

Wenn keine weiteren Wortmeldungen vorliegen, stelle ich fest, dass die Bürgerschaft von der Großen Anfrage aus Drucksache 19/3785 Kenntnis genommen hat.

Wir kommen zu Punkt 17 der Tagesordnung, Drucksache 19/4001, dem Interfraktionellen Antrag: Internationales Deutsches Turnfest in Hamburg.

[Interfraktioneller Antrag: Internationales Deutsches Turnfest in Hamburg – Drs 19/4001 (Neufassung) –]

Wird das Wort gewünscht? – Herr Kreuzmann, bitte.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Dreimal hat das Internationale Deutsche Turnfest schon in Hamburg stattgefunden und jedes Mal begann in Hamburg eine neue Epoche. 1898 nahmen erstmals Frauen und 1953 erstmals Jugendliche teil. 1994 feierte man in Hamburg das erste gesamtdeutsche Turnfest. Das Internationale Deutsche Turnfest ist eines der großen europäischen Sportfeste für den Breitensport, aber auch der Spitzensport ist in das Turnfest integriert. Alle Deutschen Meisterschaften des Deutschen Turner-Bundes finden während des Internationalen Deutschen Turnfestes statt, ganz gleich, ob es sich um eine olympische oder nichtolympische Sportart handelt. Damit passt das Deutsche Turnfest gut zu Hamburg, denn in der Sportstadt Hamburg werden schon seit vielen Jahren Sportveranstaltungen für den Spitzensport und den Breitensport gemeinsam organisiert.

Im Juni dieses Jahres konnte ich mich in Frankfurt gemeinsam mit einigen Mitgliedern des Sportausschusses, die hier auch noch Redebeiträge halten werden, persönlich von dem guten Zuspruch überzeugen, den das Turnfest regelmäßig erhält. Mehr als 80 000 Teilnehmer trieben vom 30. Mai bis zum 2. Juni aktiv Sport. Und 10 000 Trainerinnen und Trainer bildeten sich im Rahmen der Turnfest-Akademie fort.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich von hier meinem Heimatsportverein, dem Bramfelder SV, und allen Hamburger Medaillengewinnern und Vereinen für das besonders gute Abschneiden in Frankfurt gratulieren.

(Beifall bei der CDU und der GAL)

Frankfurt bot uns einen Vorgeschmack auf das, was sich in Hamburg ereignen würde. Es war fas

(Mehmet Yildiz)

zinierend zu sehen, wie Jung und Alt, Spitzensportler und Breitensportler gemeinsam auf den Veranstaltungen auftraten. Es gab harte Wettkämpfe um Medaillen bei den Meisterschaften oder Mitmachveranstaltungen nur aus Spaß an der Bewegung. In den Messehallen konnte man sich über Sportarten informieren, die man bisher noch nicht kannte und ausprobieren wollte. 2,5 Millionen Menschen haben in der einen Woche in Frankfurt Veranstaltungen und Wettkämpfe beim Turnfest besucht. Eine so große Veranstaltung kann man nicht ohne fleißige Helfer organisieren. 10 000 ehrenamtliche Helfer unterstützten die Turner als Volunteers. Von der Akkreditierung bis zum Ticketverkauf waren die Helfer aus ganz Deutschland im Einsatz und verhalfen der Veranstaltung ohne Bezahlung zum Erfolg.

Bereits in der letzten Legislaturperiode hat der Sportausschuss über eine Bewerbung für das IDTF, das Internationale Deutsche Turnfest, für 2013 beraten und die positiven Effekte einer Bewerbung herausgearbeitet. Es gibt einen ökonomischen Effekt durch die weltweit einmalige Anzahl von Teilnehmenden und den dadurch ausgelösten Folgetourismus. Natürlich kostet ein solches Großereignis auch Geld.

(Dirk Kienscherf SPD: Wir haben es ja!)

Der größte Teil der Kosten entsteht durch die Anmietung der Veranstaltungshallen. Für Hamburg bieten sich in dem Fall die Messehallen an. Außerdem müssen für das Turnfest neue Sportgeräte angeschafft werden. Die Sportgeräte verbleiben jedoch nach dem Turnfest in Hamburg und haben so auch einen nachhaltigen positiven Effekt für den Hamburger Turnsport.

(Dirk Kienscherf SPD: Asbesthallen!)

Die Bewerbung für das Turnfest 2013 wurde in der letzten Legislaturperiode nicht weiterverfolgt, weil man sich entschieden hatte, die Bewerbung für die Schwimm-WM voranzutreiben. Zwei Sportgroßveranstaltungen hätten die finanziellen Möglichkeiten der Stadt überschritten. Deshalb freue ich mich heute ganz besonders, dass wir mit diesem Interfraktionellen Antrag dem Senat und dem Deutschen Turner-Bund eine breite Unterstützung der Hamburgischen Bürgerschaft signalisieren und einen erneuten Anlauf für eine Bewerbung

(Dirk Kienscherf SPD: Wofür bewerben Sie sich eigentlich nicht?)

für das Internationale Deutsche Turnfest 2017 starten. – Danke.

(Beifall bei der CDU und der GAL)

Das Wort bekommt Frau Juliane Timmermann.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Es ist ein Interfraktioneller Antrag und ich glaube, es ist nicht viel dazu zu sagen. Das Hamburger Profil wurde bereits dargestellt. Jugend-, Kinder-, Breiten- und Spitzensport sollen vereinigt werden. Gerade das ist beim Internationalen Deutschen Turnfest der Fall und daher findet dieser Antrag auch unsere Unterstützung beziehungsweise haben wir ihn interfraktionell beschlossen.

Ich möchte zwei Aspekte betonen: Der eine ist, Sport ist Bildung und gerade dieser Aspekt kommt beim Deutschen Turnfest ganz besonders zum Tragen. Die Akademie und die Fortbildung von Übungsleitern und Vereinsmitgliedern sind grundsätzlich ein ganz wichtiger Baustein. Der zweite Aspekt: Durch Rhönrad, Spitzensport, Geräteturnen, Spielmannszugwesen ist die ganze Allgemeinheit einbezogen; die Stadt wird zur Bühne. Das ist genau das, was wir in Hamburg wollen, und insoweit ist dies ein guter Antrag.

Einen letzten Hinweis für jeden, der meint, er brauche noch ein bisschen Nachhilfe und müsse noch überzeugt werden. Vielleicht braucht auch die Behörde noch Anregungen, wie so etwas gut und erfolgreich laufen kann. 1994, damals noch unter Henning Voscherau, hat das IDTF bereits in Hamburg stattgefunden, hier können Sie es nachlesen. – Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD)

Das Wort bekommt Herr Becker.

(Wolfgang Beuß CDU: Der turnt uns jetzt was vor!)

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Herr Kollege Beuß, ich werde nicht turnen, ich habe am Wochenende mit den Rathauskickern in München gespielt und noch dicke Beine davon. Wir haben nicht an die Proficlubs mit ihren derzeitigen Leistungen angeschlossen, sondern man müsste die Tabelle drehen, um uns oben zu sehen. Wir haben null Punkte und null Tore erreicht. Das war nicht so schön, aber darüber wollte ich eigentlich auch nicht reden.

(Karin Timmermann SPD: Üben, üben, üben!)

Ja, täglich und stündlich, Frau Kollegin.

Ich gehörte zu der Delegation, die sich das Deutsche Turnfest in Frankfurt angesehen hat. Das war, wie wir es vom Kollegen Kreuzmann schon gehört haben, ein beeindruckendes Ereignis. Es waren ungefähr 70 000 Teilnehmer dort fest akkreditiert, das Ganze dauerte eine Woche und das Messegelände war komplett hergerichtet für diesen Zweck. Es gab eine Flaniermeile am Main und

(Thomas Kreuzmann)

auch in der Stadt ein großes Fest. Man sah viele Leute, die sich alle offenbar in guter Laune befanden; das Wetter war auch dementsprechend. Es hat eine Strahlkraft und es hätte diese Strahlkraft auch für Hamburg. Es passt auch in das Profil, das wir uns für die Sportstadt Hamburg wünschen.

Es ist dort vom Kleinkind bis zum Greis alles vertreten und es werden Angebote vom Breitensport bis zum Spitzensport gemacht. Positiv zu bewerten ist auch, dass dort viele neue Sportgeräte und neue Trainingsmethoden vorgestellt werden und dass in großem Umfang die Förderung von Ausbildungsleitern stattfindet. Das heißt, es werden Trainingsmethoden vermittelt, die dadurch, dass sie dann multipliziert werden durch die Trainer und Übungsleiter, die dort geschult worden sind, bis in den letzten Winkel der Republik kommen.

Insoweit waren wir Teilnehmer uns alle einig, dass es sehr wünschenswert wäre, wenn dieses Ereignis nach Hamburg käme. Man hat uns auch vom Deutschen Turner-Bund signalisiert, dass man an einer Hamburger Bewerbung für 2017 sehr interessiert ist. Der Zuschlag solle Ende nächsten Jahres erfolgen. Man hat uns ebenfalls signalisiert, dass man auch schnell zu Ergebnissen kommen kann, wenn Hamburg sein Interesse bekundet.

Für Hamburg wünschen wir uns natürlich jetzt durch diesen Prüfauftrag an den Senat, dass nun auch einmal auf die Geldseite geschaut wird, was kostet uns der Spaß. Frankfurt soll dem Vernehmen nach 23 Millionen Euro für die ganze Sache berappt haben, wobei unklar ist, was davon tatsächlich Geldleistungen und was indirekte Leistungen gewesen sind, denn auch die Unterbringung in Turnhallen ist in Geld berechnet worden, ebenso die Anmietung des Messegeländes, wo Frankfurt offenbar nicht erfolgreich war und einen hohen Preis hat entrichten müssen. Das alles sind Faktoren, die wir natürlich gerne geprüft sähen und deshalb stellen wir diesen Antrag. Ich denke, wir haben Ihre Unterstützung und darüber freue ich mich.

(Beifall bei der GAL und der CDU)

Herr Dr. Bischoff hat das Wort.

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Auch wir stimmen diesem Antrag zu. Ich will ausdrücklich sagen, dass es für mich eine sehr positive Erfahrung war, dass die CDU gesagt hat, sie bringe das interfraktionell auf den Weg. Der Antrag liegt jetzt vor und das ist aus meiner Sicht wirklich ein ganz großer Schritt nach vorn.

Herr Becker hat bereits darauf hingewiesen, dass dies nicht ganz ohne finanzielle Konsequenzen ist. Deswegen ist es wichtig, dass dieser Prüfauftrag zügig behandelt wird. Ich bin nicht ganz so optimi

stisch wie er, dass wir das vielleicht schon in dieser Legislaturperiode alles in trockene Tücher bekommen. Aber wir waren uns in der interfraktionellen Gemeinschaft einig, dass wir das in dieser Legislaturperiode auf den Weg bringen müssen, denn sonst wären die Chancen für Hamburg relativ gering.

Ein ganz wichtiger Punkt ist auch schon angesprochen worden. Das Ereignis hat eine völlig andere Qualität als diese Events, die wir bislang immer verfolgt haben. Das liegt daran, dass wir die regionalen Turn- und Sportvereine ganz anders in diesen Prozess mit einbeziehen. 1994, Frau Timmermann hat darauf hingewiesen, war das schon der Fall. Ich möchte hier wenigstens kurz darauf verweisen, dass der Verband für Turnen und Freizeit damals als entscheidender Träger fungiert hat. Diesem Verband gehört übrigens sportspaß an, einer der ganz dynamischen Vereine im Bereich des Breitensports. Ich gehe davon aus, dass wir, wenn der Prüfauftrag positiv ausfällt, ähnlich verfahren wie 1994 und versuchen, die regionalen Verbände und Vereine an der Ausrichtung zu beteiligen.

Herr Becker hat auch darauf hingewiesen, das sollten Sie vielleicht in Ihren Fraktionen noch bedenken, dass es nicht nur einfach um eine Kombination von Breitensport und Spitzensport geht, sondern vor allen Dingen auch um ein sehr breites Fortbildungsangebot. Das ist eine ganz wichtige Sache. Von so einem vernünftig organisierten Sportfest gehen sehr weitreichende Wirkungen und Effekte für die Vereine und die beteiligten Gruppierungen aus. Insofern macht die Durchführung des Turnfestes in Hamburg Sinn. – Dankeschön.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich sehe keine weiteren Wortmeldungen mehr, dann können wir zur Abstimmung kommen.

Wer den Interfraktionellen Antrag aus der Drucksache 19/4001 in der Neufassung annehmen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. – Die Gegenprobe. – Enthaltungen? – Das ist einstimmig angenommen.