Ich werde zum Ministerium dann etwas sagen, zu Herrn Karge wurde schon etwas gesagt. Da ich nicht der Techniker bin,
kann ich Ihnen auch nicht sagen, ob die gute technische Dinge dort in ihrem Museum haben. Dazu schweige ich lieber. Was Frau Krönert anbetrifft mit dem Freilichtmuseum, ich finde, wenn sich alle Menschen das so einfach machen wie Frau Krönert und andere, dann werden wir im Land wohl schwierig vorankommen.
Ich erwarte ja nicht, dass man zu allen Dingen, die wir hier festlegen, ja und amen sagt, aber zumindest erwachsen, erwachsen und kreativ darüber nachdenkt. Und damit komme ich zu Frau Berswordt-Wallrabe. Ich habe vor ein paar Tagen einen hoch intelektuellen Vortrag von Frau Berswordt-Wallrabe gehört. Aber wenn sie in der SVZ sagt, als Direktorin, als Professorin, zu klären wäre zudem das Problem der Reinigung und Pflege der Räume, dann frage ich mich – also ich will jetzt die Frau nicht extra ansprechen –, wenn das noch ein Problem sein sollte, Herr Minister, ich will nicht sagen, Sie sollten sie vor die Tür setzen, aber wenn Leute so eine Sache wie die Reinigung nicht klären können, das muss doch wohl in Deutschland möglich sein. Wir sind doch nicht in Sambia oder in einer Bananenrepublik.
Das weiß doch Frau Berswordt-Wallrabe auch. Sie kann doch so was nicht der Zeitung sagen! Um Himmels
Es tut mir Leid, Herr Minister – ich sage das, weil ich Sie wirklich sehr schätze –, ich bin schon froh, dass ich aus dem Kultusausschuss bald wieder raus bin, weil ich es gar nicht gern mag, da mit Ihnen diese Dinge so aushandeln zu müssen. Da schreibt der Minister der Vizepräsidentin einen Brief und macht ihr bezogen auf die Öffnung des Museums den Vorschlag, Frau Kollegin Vizepräsidentin, und damit sind Sie auch gemeint, Frau Bretschneider, Frau Präsidentin, wenn Sie dann 17.000 Euro bei den Baumaßnahmen einsparen, geben Sie die bitte dem Museum, dem Bereich des Ministers, dass er das Geld bekommt, um das Museum zu öffnen. Lieber Herr Minister, da sage ich Ihnen Folgendes: Wir als Landtag, und das ist eine Kritik auch jetzt an uns, sind nicht mal in der Lage – es gibt doch das Sprichwort:
, wir sind nicht mal in der Lage, eine Chronik der Landtage Mecklenburg-Vorpommerns herauszugeben. Das wäre unsere ureigenste Geschichte. Herr Minister, da würde ich kontern, und sagen, bitte, dann geben Sie uns das Geld, weil wir bisher nicht in der Lage dazu sind, mal die Geschichte unseres Landtages aufzuzeigen. Also ich finde, Ihr Vorschlag, der ist inakzeptabel. Sie haben eine Pressesprecherin, die heißt Frau Neizert. Hier sind ja ernst zu nehmende Abgeordnete, denke ich. Ich möchte ernst genommen werden, die Kollegen der PDS, der SPD.
(Wolfgang Riemann, CDU: Ich möchte nicht immer so ernst genommen werden. – Heiterkeit bei einzelnen Abgeordneten der SPD und CDU)
Und wenn dann diese Kollegin sagt, und das sind dann auch Sie, denn sie spricht ja nicht nur für sich, wenn es ein simpler Vorzeigeaktionismus wäre, Herr Minister, glauben Sie, dass hier die simplen Vorzeigetruppen sitzen, die irgendwie wollen, dass Sie so ein Hühnerstallmuseum als simples Vorzeigemuseum darstellen.
(Heiterkeit bei einzelnen Abgeordneten der CDU – Vincent Kokert, CDU: An dieser Stelle ist der Landwirtschaftsminister zuständig.)
Also so etwas möchte ich bitte nicht, dass uns das weder von Ihnen noch von Ihrer Pressesprecherin unterstellt wird. Wir haben keinen simplen Vorzeigeaktionismus, den haben wir nicht. Herr Minister, ich schätze Sie wirklich und glaube, dass Sie das auch positiv aufnehmen werden, deshalb noch zwei, drei Vorschläge.
Ich würde denken, dass Sie die Gemeinschaftsgutachten des Ifo-Instituts München und des Instituts für Museumskunde in Berlin beachten sollten. Drei Schwerpunkte noch mal für Sie. Die sagen ganz deutlich, es geht um die stärkere Anpassung der Öffnungszeiten an die Bedürfnisse der Besucher. Sie sagen zweitens, man muss noch mehr auf die Qualität und Quantität achten. Und drittens etwas sehr Bedeutendes, der Ausbau der museumspädagogischen Aktivitäten sollte mit besonderer Aufmerksamkeit auf Kinder und Jugendliche ausgerichtet werden, dass wir das auch am Montag und auch an anderen Tagen dann berücksichtigen. Ich denke, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Museen haben Hervorragendes geleistet, sehr effizient gearbeitet.
Wenn wir daran denken, dass Werke von Caspar David F riedrich, Ernst Barlach, Käthe Kollwitz, Picasso, Chagall oder den Mecklenburgern Rudolf Bartels und Marie Hager hier ausgestellt wurden, das ist doch etwas ganz Wunderbares. Denken Sie an die Kalender, die wir von Bartels oder Hager hatten, die gingen ja weg wie warme Semmeln. Herr Minister, wie schön wäre es, wenn das Werk von Carel Fabritius – Fabritius ist immerhin ein Rembrandt-Schüler, der soll ab Januar hier ausgestellt werden, das zieht doch, liebe Freunde – im ersten Halbjahr 2005 gezeigt wird, wenn das schon an einem Montag versuchsweise mal möglich wäre.
Der Kulturwissenschaftler Parmentier schreibt, Gründe für die Krise der Museen liegen nicht in Mittelkürzungen, die gegenwärtig mit voller Wucht auf die Kulturlandschaft herunterfallen, die Gründe liegen tiefer. Er fordert statt einer bürokratischen Verhinderungsmanie mehr Offenheit im adornoschen Sinn, denn es geht letztendlich um Bildung, die uns verändert, auch beim Museumsbesuch, und, wie Adorno ausführt, jetzt wird es intellektueller, um die Bändigung des animalischen Menschen und als Rettung des Natürlichen. Und was das Natürliche betrifft, kommen wir den ganz normalen Menschen, unseren Besuchern im Land entgegen und öffnen wir einige Türen im Tourismusland Mecklenburg-Vorpommern! – Ich danke Ihnen.
Es hat jetzt das Wort für die PDS-Fraktion die Abgeordnete Frau Schmidt. Bitte schön, Frau Abgeordnete.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Bevor ich zu meinen Ausführungen komme, Bezug nehmend zu dem, was Herr Prachtl gesagt hat, will ich vorwegnehmen: Die Ausschüsse haben sich, so, wie hier schon dargestellt, überwiegend für diesen Antrag ausgesprochen. Auch die Abgeordneten meiner Fraktion werden das mehrheitlich tun, ich nicht. Zu den Beweggründen, die ich in meiner Einbringungsrede im Juni schon dargestellt habe, möchte ich einige hinzufügen.
Anknüpfend an das schon Vielzitierte, gestern in der SVZ Veröffentlichte oder die Darstellungen, wie Herr Prachtl sagte, es geht ja nicht bei der Öffnung der Museen darum, endlich Arbeitszeit zu nutzen für Menschen, die bisher vielleicht, und jetzt überziehe ich, zu faul dazu sind, sondern dass wie hier im Artikel – und jetzt vielleicht eine positive Wertung dessen – die Montage auch für museale Arbeit genutzt werden, indem eben genau solche museumspädagogische Tätigkeit dort hinter den Kulissen in ruhigen Räumen stattfindet.
Das heißt, es geht ja nicht darum, dass man nicht arbeiten will. Das sollte man vielleicht einbeziehen.
Weitere Bemerkungen dazu, die ich nicht nur am Geld festmachen möchte – und da können wir sicher hier unterschiedliche Dinge aufführen –, warum und weshalb aus diesem Grund heraus ich hier heute auch nicht zustimmen kann, denn wie hier schon dargestellt, ist ja das Ministerium aufgefordert, bis zum 15.12.2004 dem Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur noch mal eine Darstellung dessen zu geben, inwieweit durch die hier allgemein
erbrachte Forderung weitere Kosten entstehen, die wir nicht finanzieren können. Und da sind wir uns, denke ich, einig bei dem Ganzen, dass dieser Nachweis hundertprozentig noch nicht erbracht und aus meiner Sicht heraus deshalb eine abschließende Beschlusslage hier heute nicht herzustellen ist.
Ich denke, dass diese Mehrkosten, die sich aus veränderten Öffnungszeiten ergeben würden, wirklich nicht finanzierbar sind, wenn man bedenkt, dass viele andere Probleme auf der Tagesordnung stehen, die viel mehr danach verlangen, erhöhte Kosten oder Förderungen in diesem Bereich eigentlich zustande kommen zu lassen, beispielsweise die Tatsache, dass Museen kaum noch in der Lage sind, wissenschaftliche und weitere wesentliche Arbeit zum Beispiel für pädagogische Tätigkeit im erforderlichen Umfang zu leisten, erforderlich nicht nur im Sinne von Quantität, sondern von Qualität, die für die Nachfrage der Besucher/-innen unerlässlich ist.
Gestern fand in Hannover die Veranstaltung „Europäische Marketing-Konzepte für Gärten und Schlösser“ statt, in die alle museale Einrichtungen eingefügt sind, und wo gestern internationale Referenten einmütig, seien sie aus England, Frankreich, Niederlande et cetera, feststellten, dass ein wesentlicher Grundpfeiler für die Erhöhung von Besucherzahlen in international renommierten Einrichtungen die umfassende Qualifizierung des öffentlich tätigen Personals für die Zukunft darstellt.
Teamweiterbildung vor Ort spielt dabei eine große Rolle. Wann soll diese aber realisiert werden bei einer rollenden Woche?
Ein weiteres Problem stellt für mich die Aussage dar, „Die Montagsöffnung solle nur während“ – ich zitiere aus dem Protokoll des Innenausschusses – „der wesentlichen Tourismussaison erfolgen.“
Als Mitglied des Tourismusausschusses habe ich da mein Problem, denn um es sarkastisch zu sagen, ist das eine halbgare Formulierung. Das Land bemüht sich um attraktive Angebote gerade auch außerhalb der Hauptsaison, um Tourist/-innen zu gewinnen. Oder sind diese nicht wesentlich? Meine Kenntnisse aus dem Tourismusausschuss sind andere. Und gerade da wären doch wiederum die Museen eine wesentliche Maßgabe. Demzufolge soll vielleicht doch demnächst das ganze Jahr geöffnet werden und nicht nur in der so genannten unwesentlichen Tourismussaison. Oder meinen wir es nicht ernst mit dem Tourismus auch in der Wintersaison?
Wenn wir also den Museen im Zusammenhang mit dem Tourismus eine derartige Bedeutung zumessen, dann doch bitte mit aller Konsequenz. Was meine ich damit? Anknüpfend an Herrn Lohse würde ich schon eine Idee weiter gehen. Erkennen wir endlich, und nicht nur in Diskussionen, an, dass Kultur – und dazu gehören Museen – einen wesentlichen Wirtschaftsfaktor in unserem Land darstellt, und ordnen wir ihn deshalb auch so ein! Das könnte zum einen bedeuten, die Verantwortlichkeiten des Wirtschaftsministeriums für diesen Bereich zu erweitern. Zum anderen müsste die Fördermittelpolitik auf den Prüfstand dahingehend, inwieweit nicht viele der zurzeit noch aus Projektförderung des Kultusministeriums finanzierten kulturellen Inhalte eigentlich Investitionen in den Wirtschaftsstandort Mecklenburg-Vorpommern darstellen
und endlich als solche behandelt werden müssen. Diese Diskussionen sollten wir konsequent weiterführen, aber nicht über Scheindebatten verwässern.
Und noch eine letzte Sichtweise: Die Rahmenbedingungen für Arbeit und Ausstrahlung der Museen, so fürchte ich, können sich dadurch verschlechtern. Zusätzliche Leistungen zu verlangen, dafür notwendige zusätzliche Mittelbereitstellungen aber zu verweigern, das wirkt dem Grundsatz zuwider, dass Kunst und Kultur kein Luxus sind, auf den wir in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verzichten können. Nein, meine Damen und Herren, Kunst und Kultur, die Museen einbegriffen, sind wichtig für die Identifikation und das Zugehörigkeitsgefühl der Menschen zu ihrer sozialen Umgebung, zu ihrem Land und zu ihrer Heimat.
Kultur und wieder ausdrücklich einbegriffen die Museen gehören zur Bildung und die kulturelle Bildung der Menschen ist gerade im so genannten Zeitalter der Globalisierung zur wichtigsten Ressource geworden, hier wiederholt festgestellt. Kultur sichert Tradition, ermöglicht Innovation und ist Voraussetzung für Interaktion mit anderen Kulturen. Und deshalb sollten wir der Kultur und damit auch den Museen diesen Raum lassen, den sie brauchen. – Danke schön.
Es hat jetzt ums Wort gebeten der Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Professor Dr. Metelmann. Bitte schön, Herr Minister, Sie haben das Wort.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich erlaube mir ganz schlicht festzustellen, dass das Bildungsministerium und das Staatliche Museum die Intention des Antrages und den Ausgang der Beratungen in den befassten Ausschüssen begrüßen. Derzeit setzen sich die Häuser ausführlich mit den notwendigen Organisationsabläufen auseinander. Natürlich sind vor dem Hintergrund der geänderten Tarifbedingungen vom Juli 2004 Probleme zu lösen.
Dem Auftrag des Ausschusses für Bildung, Wissenschaft und Kultur, bis Mitte des kommenden Monats über die Umsetzung weitergehender Öffnungszeiten zu berichten, werden wir nachkommen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir im Bereich des Staatlichen Museums zu Beginn der touristischen Saison im April des nächsten Jahres mit erweiterten Öffnungszeiten aufwarten können.
Ein PS: Lassen Sie mich noch ein Wort zu der Presse vom gestrigen Tag zu diesem Thema sagen, es ist vielfältig angesprochen worden. Selbstverständlich fühlen sich die Leiterin des Staatlichen Museums und der Leiter des Archäologischen Landesmuseums an die parlamentarischen Beschlüsse gebunden und haben in entsprechenden Schreiben – ich habe sie beide bei mir – sogleich um eine Presserichtigstellung gebeten.
Und noch ein PPS: Es gibt auch in den Bereichen der Staatlichen Museen richtungweisende Einrichtungen, das Archäologische Landesmuseum, das Archäologische Freilichtmuseum Groß Raden und das Museum für Unterwasserarchäologie in Saßnitz auf Rügen. Diese erfüllen
bereits einen Status quo, der den Inhalt dieses Plenarantrages aufnimmt. Diese Museen haben über das Jahr sieben Tage in der Woche geöffnet. – Vielen Dank.