Protokoll der Sitzung vom 12.07.2007

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Es gibt ein Interesse an historischen Persönlichkeiten, die maßgeblichen Anteil an der Entwicklung ihrer Region, ihrer Stadt hatten. Es ist auch gut so, dass dieses Interesse mehr zu steigen scheint. Eine solche Persönlichkeit ist zweifelsohne die legendäre Königin Luise von Preußen, geborene Prinzessin von Mecklenburg-Strelitz. Sie kam 1776 in Hannover zur Welt. Gestorben ist sie 1810 im Schloss Hohenzieritz, dem Sommersitz ihres Vaters, des Herzogs Karl von Mecklenburg-Strelitz. Goethe bezeichnete sie als „himmlische Erscheinung“, Theodor Körner nannte sie „verklärter Engel“,

(Zuruf von Volker Schlotmann, SPD)

Historiker halten sie für einen Glücksfall – na, das war ein anderer, Herr Schlotmann – für Deutschland am Anfang des 19. Jahrhunderts.

Warum ist diese Königin heute noch so populär, dass wir uns und auch andere sich mit ihr beschäftigen, sogar eine touristische Route nach ihr benennen? Königin Luise lebte in einer Zeit, die geprägt war von politischen Umbrüchen und Verwerfungen. Napoleon überzog ganz Europa mit Eroberungskriegen, Preußen blieb davon nicht verschont. In dieser Situation unterstützte Luise ihren unentschlossenen und zaudernden Gemahl. Sie veranlasste ihn, fortschrittliche Persönlichkeiten, wie die preußischen Reformer Stein und Hardenberg zu berufen und sich letztendlich an die Seite der Gegner Napoleons zu stellen und so mitzuhelfen, Europa vom napoleonischen Joch zu befreien.

(Kerstin Fiedler-Wilhelm, CDU: Frauenpower!)

Sie wurde so zur Symbolfi gur für die Befreiung Deutschlands von der napoleonischen Fremdherrschaft und nach ihrem frühen Tod mit 34 Jahren gewissermaßen zum Mythos und zur Legende. Sie kann als Königin der

Herzen bezeichnet werden. Zur Kultfi gur erhoben wurde sie besonders ab 1871 nach der Krönung ihres Sohnes Wilhelm zum deutschen Kaiser. Nicht nur Preußens Herrscher, auch das Mecklenburg-Strelitzer Fürstenhaus widmete ihrem Gedenken große Aufmerksamkeit. Bis heute erinnern Ausstellungen und Denkmäler an sie. Hier will ich nur erwähnen die Denkmäler von Schadow, von Schinkel und Rauch.

Aus Anlass des 230. Geburtstages der Königin Luise im Jahr 2006 entstand die Idee – Herr Körner hat das vorgetragen –, diese historischen Orte touristisch miteinander zu verbinden. Viele Partner haben sich begeistern lassen. Wichtigster Partner, so sehe ich es zumindest, ist die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, aber auch ortsansässige Vereine, Museen, Gedenkstätten, Kommunen, Landkreise, Landtagsabgeordnete, die Deutsche Bahn AG und Tourismusverbände arbeiten zwischenzeitlich am Projekt Königin-Luise-Route mit. Dieser touristische Weg mit dem Namen Königin-Luise-Route verknüpft die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und die Hauptstadt Berlin miteinander. Es ist schon gesagt worden, sie beginnt im Sterbeort Hohenzieritz, führt über die Residenzstadt Neustrelitz, Mirow, der Nebenresidenz und Erbbegräbnisstätte des Hauses Mecklenburg-Strelitz in Mecklenburg-Vorpommern. Die nächste Station ist Schloss Paretz, der Sommersitz der Königsfamilie in Brandenburg. Endpunkt ist das Schloss Charlottenburg in Berlin, also der Lieblingswohnsitz der Königin, und der Park mit dem Mausoleum. Die Route steht, wie auch schon erwähnt, in enger Verbindung mit dem Weg des Trauerzuges zur Überführung des Leichnams der Königin vom 25. bis 27. Juli 1810. Im Übrigen ist das Ganze nachzulesen bei Theodor Fontane.

Als erstes Ergebnis der gemeinsamen Arbeit an diesem Projekt entstand 2005 der Flyer Königin-Luise-Route, der die wichtigsten Punkte dieser Route vorstellt. Am 11. Mai 2006 wurde die Königin-Luise-Route in der gemeinsamen Landesvertretung von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Berlin offi ziell eröffnet. Gleichzeitig hat es die Internetseite gegeben. In den Landkreisen und Kommunen konnte die Beschilderung der Radwanderwege mit Hinweis auf die Stationen der Königin-Luise-Route vorangetrieben werden. Drei Orte, Hohenzieritz, Neu strelitz und Mirow, liegen in Mecklenburg-Vorpommern. Um diese Stationen der Königin-Luise-Route touristisch weiterzuentwickeln und attraktiver zu gestalten, wurden eine Reihe von Baumaßnahmen in den Schlössern und Schlossgärten begonnen beziehungsweise sie werden in Kürze aufgenommen. Die aufgebauten Kontakte zwischen diesen einzelnen Stationen werden gepfl egt und ausgebaut. Dabei geht es darum, Termine, Konzepte miteinander abzustimmen. Bis zum Jahr 2010, also dem 200. Todesjahr Luises, soll die Königin-Luise-Route als touristisches Kleinod in ganzer Komplexität vorhanden sein. Das ist das Ziel.

In Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern werden touristische Projekte für bestimmte Zielgruppen entwickelt. Reiseveranstalter, Volkshochschulen und Studienreiseanbieter sollen als Partner gewonnen werden. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg ist eine Sonderausstellung zum 200. Todestag in Hohenzieritz geplant.

All diese Maßnahmen dienen zum einen dazu, dass Urlauber und Gäste mit der Geschichte unseres Bundeslandes und seinen historischen Persönlichkeiten ver

traut gemacht werden. Dadurch können sie ihren Urlaub sicherlich interessanter gestalten. Zum anderen ist das auch ein Wirtschaftsfaktor. Ich brauche nur das Stichwort „Saisonalität des Landes“ zu erwähnen. Alles das trägt dazu bei, mehr Möglichkeiten für die Urlaubsgestaltung zu schaffen. Das gilt sowohl für die Radwege, für die Wasserwanderwege wie zum Beispiel auch für den Hafen in Neustrelitz. Das sind alles Punkte, die verknüpft werden können. Die Residenzstadt Neustrelitz sowie die Schlösser Mirow und Hohenzieritz laden zum Kennenlernen ein und könnten, wie gesagt, in einem Schlössertourismus aufgehen.

Meine Damen und Herren, ich bin seit Langem der Meinung, dass das Thema „Königin-Luise-Route“ sehr gut ist für die Region Mecklenburg-Strelitz. Ich denke, dass ein gewisser Silberstreif von Historie und Royalty sich mit der Schönheit dieses Landstrichs gut verbinden lässt. Wir sollten auch hier die Chancen wirklich nutzen. Nun kommt es darauf an, dass regional Ideen entwickelt werden. Hier werden entsprechende Initiativen benötigt. Um die Vermarktung der Königin-Luise-Route als länderübergreifende Zusammenarbeit voranzubringen, gibt es bereits die Idee, ein Kuratorium zu gründen. Ich bitte Sie, die Einrichtung der Königin-Luise-Route zu unterstützen. Das ist ein wichtiger Schritt zu einem differenzierten touristischen Angebot in Mecklenburg-Vorpommern, denn – man kann das an dieser Stelle noch einmal laut sagen – wir haben sicherlich mehr zu bieten als Wasser, Strand und Natur. – Vielen Dank.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD und CDU)

Vielen Dank, Herr Minister.

Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Herr Koplin von der Fraktion DIE LINKE.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Gib der Königin eine Chance!)

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die Hintergründe und das Ansinnen des Antrages sind von den beiden Vorrednern dargestellt worden. Ich will gleichwohl bekennen, in unserer Fraktion haben wir uns zunächst mit dem Thema sehr schwer getan,

(Dr. Armin Jäger, CDU: Royalty. – Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Die Adligen, ne?!)

so nach dem Titel von Grönemeyer „Was soll das“.

Wegen der Adligen weniger. Man könnte vermuten,

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Na, na, na! – Heiterkeit bei Wolf-Dieter Ringguth, CDU, und Dr. Armin Jäger, CDU)

die Linken sind Antimonarchisten.

(Wolf-Dieter Ringguth, CDU: Könnte man vermuten, ja.)

In der Tat ist es so, dem heiligen Schauer der frommen Adligenschwärmerei erliegen wir nicht

(Udo Pastörs, NPD: Nee, die haben Sie umgebracht.)

und die blaublütige oder blaublütig getränkte –

(Udo Pastörs, NPD: Die haben Sie umgebracht, klar!)

schon gar nicht braune Begeisterung – liegt uns fern. Und gleichwohl weiß DIE LINKE zu differenzieren, denn in den Reihen der Adligen gab und gibt es fortschrittliche Persönlichkeiten. Dass es sie auch immer noch gibt, will ich schon betonen, denn ein Beispiel dafür ist, dass in den Reihen des Landesvorstandes der Linkspartei DIE LINKE Frau Gräfi n von Westarp mitwirkt.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Ja.)

Und wer, welche Partei in diesem Land kann schon sagen, dass sie eine Adlige oder einen Adligen in den eigenen Reihen und noch dazu im Landesvorstand hat?

(Zurufe von der Fraktion der CDU: In unseren Reihen haben wir jede Menge!)

Aha, okay, man lernt dazu, man lernt dazu.

(Raimund Borrmann, NPD: Der Schwarze Kanal.)

Die Beschäftigung mit diesem Antrag ist unbedingt lehrreich gewesen, nicht allein deshalb unterstützen wir den Antrag. Wir unterstützen den Antrag vor allem Dingen aus tourismuspolitischen Aspekten und sehen in der Unterstützung der Königin-Luise-Route auch eine Möglichkeit – gestern hat uns das beschäftigt –, das Geschichtsbewusstsein der hier lebenden Menschen weiterzuentwickeln, schlauer zu werden anhand dessen, was man ansehen kann, was man greifen kann. Und im Übrigen, das will ich noch dazu sagen, die Königin Luise ist – der Minister hat es gesagt – nahezu mythenhaft. Aber ihr Wirken und ihr Leben ist auch eine Lehre für die heutige Zeit. Ihr Wirken besteht unter anderem vermächtnishaft darin, dass eine friedliche Entwicklung in Europa ohne die Einbeziehung Russlands nicht zu haben ist. Wenn wir zumindest das verinnerlichen, unabhängig davon, wie wir zu Adligen stehen, ist das schon eine tolle Sache. Wie gesagt, wir unterstützen den Antrag.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE)

Vielen Dank.

Das Wort hat jetzt der Abgeordnete Herr Löttge von der Fraktion der CDU.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Meine Damen und Herren! Ich freue mich, erst einmal feststellen zu können, dass wir doch übereinstimmend der Auffassung sind, dass dieser Antrag ausdrücklich zu begrüßen ist.

(Dr. Armin Jäger, CDU: Richtig.)

Und – das habe ich versprochen – ich sage das natürlich auch im Namen von Vincent Kokert, der dankenswerterweise aufgrund der fortgeschrittenen Zeit auf seine Rede verzichtet hat.

(Unruhe bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE – Beifall Dr. Armin Jäger, CDU – Barbara Borchardt, DIE LINKE: Och!)

Aber ich denke, es ist wichtig, deutlich zu machen, dass auch die Regionalpolitiker hinter diesem Anliegen stehen.

Meine Damen und Herren, mit Freude erfüllt es mich natürlich auch, dass wir fast 90 Jahre nach Abschaffung der Monarchie so langsam kein Problem mehr damit haben, solche Fragen wirklich ganz sachlich zu diskutieren. Und, ich glaube, wenn man sich das Leben der Königin Luise anschaut, dann war das wirklich eine ganz

liebenswerte Frau, die versucht hat, viel für den Frieden in Europa zu tun, und die es sicherlich auch verdient hat, sie zu wertschätzen, und die sich sowohl in der Vergangenheit als auch heute bei vielen einer entsprechenden Beliebtheit erfreut. Unser Wirtschaftsminister hat das in seiner Laudatio schon sehr deutlich dargestellt und auch Sie, Herr Koplin.

Meine Damen und Herren, aber vor allen Dingen ist dieser Antrag aus tourismuspolitischer Sicht und für die weitere wirtschaftliche und touristische Entwicklung unseres Landes und der Region um die Stadt Neustrelitz von größter Bedeutung. Liebe Kolleginnen und Kollegen, das Leben und Sterben der Königin Luise ist nicht nur für geschichtsinteressierte Besucher und Touristen ein möglicher Anreiz, die Region rund um das Schloss Hohenzieritz und die Residenzstadt Neustrelitz zu besuchen. Vielmehr werden anhand der Königin-Luise-Route auch sehr sehenswerte und authentische Orte sowie Stätten in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg verbunden, die quasi im Nebeneffekt allesamt mit dem Leben und Wirken der Königin verbunden sind. Neben dem genannten Sterbeort der Königin, Schloss Hohenzieritz und Neustrelitz, ist dies ebenso die Nebenresidenz Mirow mit dem Erbbegräbnis des Hauses Mecklenburg-Strelitz in der Johanniterkirche.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, die Idee, Orte oder Wege mit historischen Figuren in Verbindung zu bringen und somit greifbar für potenzielle Touristen zu machen, ist nicht neu, aber wirksam. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist sicherlich der Jakobsweg. So alt ist allerdings die Königin-Luise-Route noch nicht. Den Auftrag zur touristischen Vermarktung der Route stellte Ende des Jahres 2005 ein entstandener Flyer dar, welcher die wichtigsten Orte und Stätten der Route vorstellte. Und, das fand ich sehr interessant, bereits nach kurzer Zeit war die erste Aufl age von damals 100.000 Stück vergriffen, sodass es notwendig wurde, im Dezember des vergangenen Jahres eine zweite Aufl age zu drucken. Ich denke schon, 100.000 Stück in einer relativ kurzen Zeit zeigt doch das Interesse, was es für diese Route gibt. Parallel erfolgt in Festvorträgen und in Informationsausstellungen eine entsprechende Präsentation der Königin-LuiseRoute.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, der Kreativität zur Vermarktung der Route waren und sind kaum Grenzen gesetzt. Partner sind unter anderem die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, die Bahn AG sowie ortsansässige Vereine und Kommunen. Aber, meine sehr verehrten Damen und Herren, bei aller Vorliebe für eine gute und wirksame Vermarktung darf natürlich auch das Produkt an sich nicht vernachlässigt werden, soll heißen, es muss auch investiv gearbeitet werden. Seit einigen Jahren wurde dafür einiges an Geld in die Hand genommen, um die in Mecklenburg-Vorpommern liegenden Stationen der Königin-Luise-Route touristisch weiterzuentwickeln und attraktiver zu gestalten. Beispielsweise wurde mit einer Reihe von Baumaßnahmen in den Schlössern und Schlossgärten begonnen beziehungsweise wird in Kürze begonnen werden.

Das gemeinsame Ziel der nunmehr bestehenden länderübergreifenden Initiative ist es, bis zum Jahre 2010 – dann jährt sich, wie schon festgestellt wurde, der Tod Luises zum 200. Mal – die gesamte Route als touristische Perlenkette fertig entwickelt zu haben. Dazu sollen neben dem Land noch weitere Partner gewonnen werden, unter anderem Reiseveranstalter, Volkshochschulen und Studienreiseanbieter. Auch die Beschäftigung mit

dem Thema der Königin-Luise-Route auf der heutigen Sitzung in diesem Hohen Haus wird hoffentlich dazu beitragen, die wirtschaftliche und touristische Entwicklung der Region um die Stadt Neustrelitz weiter voranzubringen. Diesem Anliegen wollen wir mit diesem Antrag und mit der heutigen Diskussion die notwendige politische Rückendeckung geben. Deshalb bitte ich Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, um Ihre Zustimmung zum vorliegenden Antrag. – Recht herzlichen Dank.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktionen der SPD, CDU, Torsten Koplin, DIE LINKE, und Gabriele Měšťan, DIE LINKE)