Protokoll der Sitzung vom 23.05.2012

Zweitens. Der Gegenentwurf, hier eingebracht durch die Fraktion der Postkommunisten DIE LINKE,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ja, Post kommt jeden Tag.)

würde, wenn er so verabschiedet wird, eine unglaubliche Zunahme des Verwaltungsaufwandes besonders bei den Unternehmen auslösen. Und daher wird dieses von uns komplett zurückgewiesen.

(Helmut Holter, DIE LINKE: Oh, oh! Da sind wir aber richtig erschrocken.)

Mein lieber Herr Holter! „Unter Abwägung aller Umstände und bei volkswirtschaftlicher Betrachtung ist der Mehraufwand für den öffentlichen Auftraggeber verhältnismäßig und verantwortbar“, ist in Ihrem Entwurf zu lesen. Hierzu sind Sie uns mindestens zwei Fragen schuldig geblieben.

Erste Frage: …

(Peter Ritter, DIE LINKE: Zwei Antworten.)

Zwei Antworten schuldig geblieben, Entschuldigung.

1. Auf welcher Grundlage basieren Ihre volkswirtschaft

lichen Betrachtungen? Leninismus-Marxismus?

2. Was verstehen Sie unter der Wortschöpfung „verant

wortbar“ in Bezug auf den Verwaltungsaufwand?

(Peter Ritter, DIE LINKE: Na das, was Sie verantworten. Können Sie sich nicht mal die einfachsten Sachen selber erklären?)

Meine Damen und Herren, Sie wissen, dass ich an dieser Stelle schon vor Jahren einen Mindestlohn von 8,80 Euro flächendeckend gefordert habe.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Mein Gott auch noch mal!)

Die CDU hielt dies seinerzeit noch nicht einmal für wert, diskutiert zu werden. Sie war seinerzeit überhaupt noch nicht einmal bereit, über einen flächendeckenden Mindestlohn nachzudenken. Die SPD eierte herum, fordert nunmehr zusammen mit der CDU im Vergabegesetz 8,50 Euro und bettelt bei den Kommunen, sie mögen ebenfalls diesen Betrag bei Auftragsvergabe zugrunde legen. Was für ein Rumgeeier und was für eine Bettelsprache! Die 10 Euro der LINKEN sind aus der heutigen Sicht ein realistischer Wert. Und ich erlaube mir den

Hinweis, dass auf Antrag der NPD in der Stadtvertretung Waren die gesamte Linksfraktion seinerzeit dem NPDAntrag

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

auf 10 Euro Mindestlohn zustimmte.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Die NPD-Fraktion dort will mit euch nichts mehr zu tun haben.)

Fazit: Wie ich bereits mehrfach an dieser Stelle feststellte, wir brauchen einen flächendeckenden Mindestlohn und kein Flickwerk wie der hier vorliegende Entwurf des Vergabegesetzes. Der Mindestlohn ist aber nicht die Lösung der Probleme bei der Einkommensverteilung. Vielmehr liegt der Grund für die Verarmung, Abwanderung und Auszehrung, auch der mittelständischen Betriebe und des Kleingewerbes, in dem von Ihnen hochgehaltenen juristisch abgesicherten System eines globalkapitalistischen Marktes

(Dr. Margret Seemann, SPD: Bla, bla, bla!)

und der verfluchten Europäischen Union, meine sehr verehrten Damen und Herren,

(allgemeine Unruhe – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das hat ja noch gefehlt.)

die den kleinen Leuten das Fell über die Ohren zieht.

(Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Meine Damen und Herren, wir stimmen selbstverständlich den Überweisungsanträgen zu. Wir überweisen gern beide Anträge.

(Vincent Kokert, CDU: Sehr großzügig.)

Und erlauben Sie mir, weil ich noch einen kleinen Augenblick Zeit habe, noch einzugehen auf das, was der Herr Waldmüller hier eben an witzigen Sätzen zum Besten gab. Ich zitiere: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das war Ihr Zitat aus dem Grundgesetz.

(Johann-Georg Jaeger, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Das verstehen Sie nicht, ne?)

Und dann kam hinterher, ich bin gegen flächendeckenden Mindestlohn. Mein lieber Herr CDU-Christ Waldmüller, was tastet denn die Würde des Menschen an? Löhne von 3,20 Euro in der Tourismusindustrie, wo fünf Lehrlinge auf 16 Quadratmetern hausen müssen? Was tastet denn Ihrer Meinung nach die Würde des Menschen an?

(Dr. Margret Seemann, SPD: Das, was die Nazis machen, dass Menschen ausgegrenzt und verprügelt werden.)

Im Gewerbe der Reinigungskräfte 3,10 Euro, das ist auch unwürdig. Und deswegen brauchen wir, wo der Staat versagt, wo die freie Wirtschaft versagt, endlich eine Umkehr

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Die Lampe ist rot.)

und einen flächendeckenden Mindestlohn für die gesamte Bundesrepublik Deutschland, meine Damen und Herren. – Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall vonseiten der Fraktion der NPD)

Das Wort hat jetzt für die Fraktion DIE LINKE der Fraktionsvorsitzende Herr Holter.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Diskussion um die vorliegenden Gesetzentwürfe ist reduziert, zumindest die Diskussion über einen Mindestlohn für öffentliche Aufträge.

(Udo Pastörs, NPD: Das ist der Fehler.)

Wir als LINKE – ich will das hier noch mal betonen – gehen weiter, weiter als das, was die Koalition hier vorstellt. Es ist richtig, dass die Koalition ihre Koalitionsvereinbarung mit diesem Gesetzentwurf umsetzt, unstrittig. Das ist anzuerkennen, das haben alle Rednerinnen und Redner der LINKEN gesagt, ein richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

(Vincent Kokert, CDU: Das habe ich aber anders verstanden.)

Nein, nein, nein, Herr Kokert, aber die Zeit hat Sie längst überholt.

(Vincent Kokert, CDU: Ach so?)

Schauen Sie sich die verschiedensten Vergabegesetze, auch das Vergabegesetz in den deutschen Ländern an! Dort ist Frauenförderung vereinbart. Dort ist vereinbart, dass Aufträge nur an Unternehmen vergeben werden, die ausbilden. Da sind ökologische Kriterien teilweise vereinbart,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Gibt es auch Frauenministerinnen?)

andere Kriterien, Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen, also Kriterien, die tatsächlich den sozialen und ökologischen Standards genügen. Darum geht es uns, dass wir nicht über eine Lohnuntergrenze, wie die CDU sagt, über Mindestlöhne sprechen, sondern tatsächlich über die allgemeinen Arbeitsbedingungen, die bei diesen Aufträgen tatsächlich dann vorhanden sind.

(Beifall vonseiten der Fraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Das ist der qualitative und wesentliche Unterschied unseres Gesetzentwurfes gegenüber dem Gesetzentwurf der Koalition.

Und, Herr Schulte, das will ich mir nicht ersparen: Ich glaube, die Frauen im Reinigungsgewerbe würden sich bedanken, wenn sie einen Frauenförderungsplan hätten, weil sie dann zu anderen Bedingungen arbeiten würden, als Sie das hier tatsächlich dargestellt haben. Darum, glaube ich, geht es.

Und deswegen, meine Damen und Herren, lassen Sie uns bitte in den Ausschussberatungen die Vorschläge, die wir machen, zu einem umfassenden, qualitativ guten Vergabegesetz in Mecklenburg-Vorpommern mit auf

nehmen und dann schauen wir mal, was wir gemeinsam leisten können. – Herzlichen Dank.