Protokoll der Sitzung vom 09.10.2013

denn das, was wir als Entschließung Ihnen hier auf den Tisch legen, ist für uns genau der Schluss aus diesen Anhörungen und Ergebnis dessen, was wir dort gehört haben. Wir wollen, und deswegen gibt es diese Entschließung,

(Helmut Holter, DIE LINKE: Prüfauftrag.)

die ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuer in ihrer Arbeit unterstützen.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Trostpflästerchen kleben wir. – Helmut Holter, DIE LINKE: Prüfauftrag ist das.)

Und genau deswegen wollen wir für sie entsprechende Beratungen vorsehen. Wir wollen anwaltliche Beratungsstellen weiter ausbauen. Ich denke, wir haben zehn dieser Stellen. Sie bewähren sich und wir arbeiten hier gut mit der Anwaltschaft zusammen.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Sehr richtig.)

Dieses muss weitergeführt, dieses muss ausgebaut werden

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Jawoll!)

über diese zehn Beratungsstellen hinaus.

Und wir wollen natürlich viel mehr Informationen an die Öffentlichkeit geben über die Möglichkeiten, die das Bundesrecht uns heute bietet. Man muss nämlich nicht mehr mit jedem Anliegen gleich zum Gericht. Man kann sehr viele Dinge auch bei seinem Rechtsanwalt, insbesondere im Feld Beratungshilfe, regeln

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Genau.)

und dann entfällt der Weg zum Gericht, aber viele wissen es nicht.

Also, meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben einen Gesetzentwurf vor uns, der logisch begründet ist, der finanziell eine vernünftige Perspektive bietet, der keine Arbeitsplätze kostet und der vor allen Dingen, und das ist das Entscheidende, die Gerichtsstruktur und damit die Justiz in unserem Lande stärkt. Deswegen müssen wir diesem Gesetzentwurf zustimmen.

Und nun gab es von der Opposition ein großes Getöse.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Wie immer.)

Ich darf zunächst mal feststellen, meine sehr verehrten Damen und Herren, Änderungsanträge, die Mühe hat sich die Opposition nicht gemacht.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Nee.)

Wenn hier teilweise von einzelnen Standorten geredet wird, in einem Änderungsantrag zu sagen, dieser Standort soll weg, dieser Standort soll erhalten bleiben

(Vincent Kokert, CDU: Alles soll bleiben. Alles soll so bleiben, wie es ist. – Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

oder alles soll so bleiben, solche Änderungsanträge haben wir von der Opposition nicht gesehen. Die Opposition stellt sich auf den Standpunkt, kommt von der Regierung, ist alles Mist und muss weg.

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Zu Recht.)

Deswegen kam ja auch der Antrag, den wir in der letzten Sitzungswoche behandelt haben, die Regierung möge doch den Antrag zurückziehen. Ich habe zunächst mal den Eindruck, liebe Kolleginnen und Kollegen von den LINKEN, dass diese Argumentationsweise, die Regierung soll doch einfach ihre Anträge alle wieder zurückziehen, bei Ihnen so ein bisschen Mode wird. Wir haben das jetzt nicht nur bei der Gerichtsstruktur, sondern neulich hatten wir das auch bei der Werftenfinanzierung: Alles Mist, was die Regierung macht, soll sie zurückziehen.

(Zuruf aus dem Plenum: Das ist ja auch Mist.)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich glaube, damit machen Sie es sich ein bisschen sehr einfach. Aber ich sage Ihnen …

(Helmut Holter, DIE LINKE: Na, das werden wir ja sehen, wie die Werftenfinanzierung laufen soll.)

Sie machen es sich damit sehr einfach. Ich weiß ja, dass es – ich zitiere mal Müntefering: „Opposition ist Mist“ –, ich weiß ja, dass es schwer ist, in der Opposition zu sitzen und nicht in der Regierung zu sitzen.

(allgemeine Unruhe)

Aber dann einfach zu sagen, die Regierung, das taugt alles nichts, sie soll einfach aufhören und soll alles wieder zurückziehen, das ist vielleicht ein bisschen sehr einfach. Konstruktive Oppositionsarbeit habe ich immer anders begriffen,

(Regine Lück, DIE LINKE: Sie hören doch wohl nicht auf sachliche Argumente, oder was?!)

aber das müssen Sie ja dann entscheiden, wie Sie das machen. Wenn das jedenfalls so ist, das macht es uns auch einfach, wir müssen uns dann nicht mit Ihren Änderungsanträgen auseinandersetzen.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Das machen Sie auch so nicht.)

Frau Borchardt, wie soll ich mich denn mit Ihren Änderungsanträgen auseinandersetzen, wenn Sie keine haben?

(Vincent Kokert, CDU: Genau. – Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)

Wenn Sie keine haben?

(Beifall vonseiten der Fraktion der CDU und Dr. Norbert Nieszery, SPD – Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)

Also damit kann ich mich nicht auseinandersetzen.

Auseinandersetzen möchte ich mich viel lieber mit ein paar Formulierungen, die Sie, Herr Holter, hier eben gebracht haben, aber Herr Suhr hat das im Ausschuss beispielsweise auch gesagt. Ich nehme einfach mal die Formulierung von Herrn Suhr, der im Europa- und Rechtsausschuss von einem „Kahlschlag“ sprach.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Kahlschlag, tja, Kahlschlag.)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn ich von 21 Amtsgerichten und damit 21 Gerichtsstandorten auf eine Struktur heruntergehe, die nicht mehr 21 Standorte hat, sondern 16 Standorte,

(Vincent Kokert, CDU: Das ist ja schrecklich!)

sondern nur noch 16 Standorte hat,

(Vincent Kokert, CDU: Das ist ja schrecklich, Herr Müller! – Zuruf von Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

dann kann man selbstverständlich von einer Konzentration, das wäre die positive Formulierung, oder von einer Reduzierung, das wäre die negative Formulierung, reden. Aber hier von einem „Kahlschlag“ zu reden?! Wenn ich jetzt von 21 auf 3 heruntergegangen wäre, dann könnte man vielleicht von einem „Kahlschlag“ reden. Aber, Herr Suhr, ich würde Sie einfach bitten,

(Jürgen Suhr, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Das müssen Sie mir schon überlassen, wie ich das beurteile.)

lassen Sie doch einmal auch von Ihren Formulierungen her die Kirche im Dorf. Sie tragen damit nur zu einer Emotionalisierung der Debatte bei,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Die gewollt ist.)

die der Sache doch eigentlich gar nicht gut tut.

Und außerdem, meine sehr verehrten Damen und Herren, und das sollten wir uns dann auch mal vor Augen halten,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Aber es geht ja nur um fachliche Argumente, klar.)

wir reden hier von 16 Standorten. 16!

(Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)