Protokoll der Sitzung vom 18.09.2014

(Beifall vonseiten der Fraktion DIE LINKE und Dr. Ursula Karlowski, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Im Ältestenrat ist vereinbart worden, eine Aussprache mit einer Dauer von bis zu 60 Minuten vorzusehen. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache.

Das Wort hat die Ministerin für Arbeit, Gleichstellung und Soziales. Bitte schön, Frau Ministerin.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Dieser Antrag irritiert mich.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Na!)

Wir sollen uns, ginge es nach den LINKEN, dafür einsetzen, dass der Bund das Bildungs- und Teilhabepaket wieder abschafft und stattdessen eine Kindergrundsicherung einführt. Das kann doch nicht wirklich ernsthaft gemeint sein.

(Zuruf von Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE)

Gerade erst hat die OECD in ihrer Studie „Bildung auf einen Blick“ wieder den Zusammenhang von Bildungschancen und sozialer Herkunft betont, den es aufzubrechen gilt.

(Zuruf von Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE)

Aber der Reihe nach: Das Bildungs- und Teilhabepaket – kurz BuT – geht zurück auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Mindestsicherung von Kindern.

(Silke Gajek, BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN: Genau.)

Es geht darum, Bildung und Teilhabe von Kindern und Jugendlichen aus Elternhäusern mit prekärem Einkom

men zu fördern, und zwar zusätzlich zu den Regelsätzen. Für den Hinterkopf: In Mecklenburg-Vorpommern haben wir etwa 102.000 solcher Kinder und Jugendlichen.

Als hier im Landtag über das Gesetz zur Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepaketes debattiert wurde, hat auch Ihre Fraktion, sehr geehrte Damen und Herren der LINKEN, darauf gepocht, dass doch die Leistungen direkt bei den betroffenen Kindern ankommen müssten. Das fällt dann wohl heute unter Stimmungsschwankungen.

(Heiterkeit bei Heinz Müller, SPD – Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE: Nee.)

Es ist kein Geheimnis, dass das BuT Anlaufschwierigkeiten hatte,

(Peter Ritter, DIE LINKE: „Anlauf- schwierigkeiten“ ist vornehm umschrieben.)

ein kurzfristig etabliertes Gesetz mit einer rückwirkenden Bewilligung zum Jahresbeginn 2011, da ist ein stotternder Start nicht sonderlich überraschend, Herr Ritter. Inzwischen aber, auch dank der engen Zusammenarbeit von Land und Kommunen, läuft es. 2012 haben die Kommunen unseres Landes für die Leistungen des BuT rund 27 Millionen Euro ausgegeben. 2013 waren es 30 Millionen und für 2014 stehen uns voraussichtlich 34 Millionen Euro zur Verfügung.

(Zuruf von Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE)

34 Millionen Euro wofür? – Für Ausflüge mit der Kita, für Klassenfahrten, für Schulbücher, fürs Monatsticket, fürs Mittagessen, für Nachhilfe, für Fußballschule und so weiter, und so weiter. Und auch für über 100 Sozialarbeiter an Grundschulen – eine wohl unbestritten wertvolle Investition –

(Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE: Könnte nicht dafür einmal das Land Verantwortung tragen?)

und Leistungen, die direkt bei den Kindern und Jugendlichen ankommen.

Das also wollen Sie wegnehmen und stattdessen darauf vertrauen, dass ein monatlich an die Eltern ausgezahlter Betrag X genauso in Bildung und Teilhabe investiert wird? Ich will das nicht!

(Zuruf von Torsten Koplin, DIE LINKE)

Sehr geehrte Damen und Herren, natürlich sehe ich auch, dass das BuT mit Verwaltungsaufwand und entsprechenden Kosten verbunden ist. Neue Aufgaben bringen das leider in aller Regel mit sich. Mit den gesetzlichen Vereinfachungen vom August vergangenen Jahres und der Einführung der sogenannten Bildungskarte wird sich dieser Aufwand aber verringern. Hinzu kommt, der Bund refinanziert all diese Kosten, eine absolute Ausnahme in Bereichen, in denen die Bundesauftragsverwaltung greift.

Lassen Sie mich bitte noch mal zusammenfassen: Ich bin dankbar, dass die Fraktion DIE LINKE öffentlich bekundet, die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabe- paket abschaffen zu wollen. Es hilft uns doch allen bei der Orientierung, wenn die unterschiedlichen politischen

Ziele deutlich werden. Ich stehe zum Bildungs- und Teilhabepaket und dazu, dass einzelne Leistungen direkt bei sozial schwächeren Kindern und Jugendlichen ankommen, statt das Ganze mit einem Geldbetrag abzu- frühstücken.

(Peter Ritter, DIE LINKE: Das hat was mit Hartz IV zu tun, das hat alles irgendwie seine Ursachen.)

Ein letzter Satz noch, warum Mecklenburg-Vorpommern nicht selbst die Klage erhoben hat. Weil wir uns ver- ständigt haben unter den Bundesländern, dass NRW diese Klage für alle führt, und der Bund hat das auch anerkannt. Wenn Sie sich also hier hinstellen und so etwas behaupten, muss man einfach vielleicht auch ein Stück weit bei der Wahrheit bleiben. – Vielen herzlichen Dank.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und CDU)

Das Wort hat der Abgeordnete Herr Schubert von der Fraktion der CDU.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich muss mich auch wundern, Frau Bernhardt. Sie haben wochenlang, monatelang sich eingesetzt für...

Aber jetzt redet sie mit ihrem Parlamentarischen Geschäftsführer, oder was weiß ich, wer das ist dort.

(Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Eh, eh, eh! Nun aber mal langsam!)

Ja, aber wenn das Thema so wichtig ist, dann würde ich auch mal zuhören. Aber das scheint ja nicht so wichtig zu sein.

(Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Reden Sie doch!)

Monatelang hat Frau Bernhardt sich für die Schulsozialarbeiter eingesetzt.

(Unruhe vonseiten der Fraktion DIE LINKE – Dr. Mignon Schwenke, DIE LINKE: Ja.)

Und sie weiß aber auch, wenn dieses Paket BuT weggeht, dann gibt es auch kein Geld mehr dafür.

(Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE: Ist es richtig, das Bildungs- und Teilhabepaket zu finanzieren? – Zuruf von Peter Ritter, DIE LINKE)

Das müssen Sie den Leuten draußen aber sagen,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Das ist eine Hilfsfinanzierung, die wir hier durchführen. – Zuruf von Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE)

denn der Bund hat hierfür Geld gegeben im Land

(Peter Ritter, DIE LINKE: Ach, hör auf! Eine Hilfskrücke ist das, weil das Land nicht genug Geld zur Verfügung stellt. So ist das!)

und wir haben uns gemeinsam, die Koalitionsfraktionen haben sich dafür eingesetzt, dass das Land auch weiterhin Schulsozialarbeiter und Jugendsozialarbeiter finanziert.

(Unruhe vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)

Sie müssen den Leuten draußen auch sagen, was nehmen Sie an Leistungen den Kindern weg. Das sind einmal für den Schulausflug die Mittel, Klassenfahrten, Schulbedarf, Schülerbeförderung, Lernförderung, Mittagessen für Kita, Mittagessen für Schule, für Hort, Teilhabe am Sport, Teilhabe am Unterricht und an künstlerischen Fächern und Teilhabe an der Freizeit, all das entziehen Sie dann den Kindern. Und Sie legen ein Mäntelchen drauf und sagen, ja, jeder bekommt jetzt einen Betrag.

(Jacqueline Bernhardt, DIE LINKE: Existenz- ministerium, ja, Herr Schubert, ja, ganz genau.)

Sie wissen ganz genau, dass in einigen Familien dieser Betrag nicht bei den Kindern ankommt,

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Alle Eltern sind böse.)