Protokoll der Sitzung vom 02.02.2012

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

„Während die Sowjets jeden Anteil deutscher Wissenschaftler am Bau ihrer Trägerraketen, Superflugzeuge, Satelliten und der Atombombe leugneten und alles als Errungenschaft sowjetischer Fachleute feierten, waren die USA offen genug, zuzugeben, daß sie diesen ersten Start ganz allein den Peenemündern zu verdanken haben.“ Zitatende.

Ohne Peenemünde und die überragenden deutschen Raketenbauer hätten diese Ereignisse frühestens ein Jahrzehnt später stattgefunden und auch die Mondlandung mit Apollo 11 im Jahr 1969 wäre so frühzeitig nie geglückt. Vielleicht hätte die Welt noch Jahrzehnte auf dieses Ereignis warten müssen.

Vor dem aufgezeigten Hintergrund zur Einmaligkeit des Raketenforschungszentrums Peenemünde halten wir es für geboten, der Empfehlung des Internationalen Denkmalrates zu folgen. Peenemünde hat es verdient, in der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen zu werden.

(Beifall vonseiten der Fraktion der NPD – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Haben Sie auch bisschen was über die Opfer gesagt?)

Das Wort hat jetzt Herr Koplin von der Fraktion DIE LINKE.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Die NPD,

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

der jede Gelegenheit willkommen ist, abfällig über internationale Gemeinschaften, Einrichtungen und Institutionen herzuziehen, zeigt sich besorgt.

Herr Koplin, darf ich Sie einmal unterbrechen? Ich habe jetzt eben was vergessen. Ich habe nicht gesagt, wie lange der Ältestenrat die Redezeit beschlossen hat.

(Michael Andrejewski, NPD: Oh, viel zu lang.)

Im Ältestenrat wurde eine Aussprache mit einer Dauer von bis zu 90 Minuten vereinbart. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache und Herr Koplin hat das Wort.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Setzen Sie bitte dort fort, wo Sie schon waren, Herr Koplin.)

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich fange nicht von vorne an.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Nee! – Manfred Dachner, SPD: Schade!)

Ich verweise darauf, das war jetzt eben auch deutlich, ich glaube, es ist erkennbar geworden, es treibt die NPD geradezu um, dass auf der Welterbeliste der internationalen Organisation eine Lücke klaffen würde. Wie weggewischt scheint da der abgrundtiefe Hass auf Israel, die USA, Polen und Russland, die ja ebenfalls Mitglied der UNESCO sind und die jeweils Denkmäler auf dieser Welterbeliste haben.

(Udo Pastörs, NPD: Wir hassen niemanden im Gegensatz zu Ihnen.)

Den braunen Vogel schoss heute zumindest Herr Andrejewski ab, der den Austritt aus der UNO forderte,

(Udo Pastörs, NPD: Das wäre sehr gut, das wäre sehr gut.)

aber hier möchte man gern bei einer Spezialorganisation der UNO dabei sein.

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Welterbeliste, sehr geehrte Damen und Herren,

(Udo Pastörs, NPD: Weil es bei der UNO eine Zweiklassengesellschaft gibt, müssen wir da austreten.)

ist Ausdruck einer großartigen multikulturellen Historie und Gegenwart menschlicher Zivilisation.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: So ist es. – Dr. Hikmat Al-Sabty, DIE LINKE: Jawohl.)

Sind also, mag sich die Leserin oder der Leser des NPDAntrages verwundert fragen, die NPD-Mannen auf Multikulti-Kurs?

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Könnte es sein, dass die Strenggescheitelten Lebensleistungen anerkennen, egal welcher Blutgruppe oder welchen Geburtsorts die Schöpferinnen und Schöpfer eines Meisterwerks sind?

(Michael Andrejewski, NPD: Nie im Leben.)

Die Antwort lautet klar und deutlich Nein.

(Udo Pastörs, NPD: Da haben wir Glück gehabt.)

Die Nationalisten im Landtag maskieren ein weiteres Mal ihre braune Gesinnung. Hiervon zeugen die gewählten Begriffe des schlichten Antrages.

(Udo Pastörs, NPD: Glück gehabt.)

So bezeichnen sie in ihm Peenemünde als – Sie haben es gerade wieder gehört – ehemaliges Raketenforschungszentrum.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Waffeln, Waffeln. – Jörg Heydorn, SPD: Ehrliche Waffeln. – Heiterkeit vonseiten der Fraktion der SPD)

Die Verwendung von Heeres-Artillerie-Park II oder, wie Peenemünde in den 30er-Jahren genannt wurde,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das war das Reichswaffelzentrum.)

oder Heimat-Artillerie-Park 11, wie es in den 40er-Jahren von den Nazis offiziell betitelt wurde, macht sich nicht so gut in einem Antrag, mit dem man ach so gern sachbezogen daherkommen möchte.

(Udo Pastörs, NPD: Das war so. Das ist historisch belegt.)

Würden die offiziellen Begriffe verwendet, wäre zu auffällig, dass Peenemünde kein deutsches Sternenstädtchen war, von wo aus man beseelt von humanistischem Forscherdrang ferne Welten erkunden wollte.

(Stefan Köster, NPD: Was für ein Schwachsinn!)

Tatsächlich handelte es sich bei dem, was in Peenemünde geschah, um eine Anwendung technischen Fortschritts, die zugleich ein Fortschreiten von der Menschlichkeit war.

Generalmajor Dornberger, der Kommandeur der Heeresversuchsanstalt, wie Peenemünde ebenfalls genannt wurde, erklärte nachgewiesenermaßen im März 1942 vor NS-Größen, es müssten mit den dort entwickelten Raketen, ich zitiere, „bei Tag und Nacht in unregel- mäßigen Zeitabständen, unabhängig von der Wetterlage, sich lohnende Ziele wie London, Industriegebiete, Hafenstädte pp. unter Feuer genommen werden“. Zitatende.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

So würde man, versicherte der um Material und Personal bei seinen Parteigenossen nachsuchende Nazi, größtmögliche Erfolge, ich zitiere, „durch Hervorrufen von Panik und Desorganisation“, Zitatende, bei der völlig schutzlos ausgelieferten Bevölkerung erzielen.

(Udo Pastörs, NPD: Lesen Sie mal bei den Amerikanern nach!)

Auf diese Weise könne man,

(Udo Pastörs, NPD: Lesen Sie mal!)

Zitat, „wesentlich zur Beendigung des Krieges“, Zitatende, beitragen. Genau darum ging es. Nicht irgendwelche Raketen, nicht irgendwelche technischen Meisterleistungen wurden in Peenemünde erprobt und erbaut, wie es die NPD uns gewollt irreführend unterschieben möchte,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Wollte, aber nicht gekonnt.)

Gegenstand der dortigen Umtriebe war der Bau von Kriegsgerät.