Meine sehr geehrten Damen und Herren, gestatten Sie mir nun einen kleinen Ausflug in die Physik, auch wenn einige vielleicht Probleme damit haben könnten, zu folgen.
Ich möchte Ihnen einmal ein Gefühl für die Zahl 6 000 MW geben. Die installierte Leistung aller drei Kernkraftwerke in Niedersachsen beträgt 4 100 MW. Allein das Kernkraftwerk in Lingen hat im Jahr 2008 11,5 TWh produziert. 1 TWh sind 1 Milliarde kWh. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 4 000 kWh pro Haushalt könnten Sie allein mit dem Kernkraftwerk im Emsland ca. 2,7 Millionen Haushalte versorgen, gewissermaßen alle privaten Haushalte in ganz Niedersachsen.
Die Windenergie ist in Niedersachsen in der Lage, 14 % Stromanteil zu liefern. Darauf sind wir sehr stolz. Dieser Anteil hat sich gerade in den letzten Jahren mehr als verdreifacht.
Gestatten Sie mir, dass ich die beiden Zahlen noch einmal wertfrei nebeneinanderstelle: 11,5 TWh beim Kernkraftwerk Emsland und 10 bei allen Windrädern in ganz Niedersachsen. Dies zeigt, meine sehr geehrten Damen und Herren - ich kürze jetzt ganz bewusst ab und möchte Sie nicht weiter mit Zahlen quälen -: Wenn der Wind nicht weht, dann brauchen Sie andere Energieträger, weil Ihnen sonst das Licht ausgeht.
(Zustimmung bei der CDU - Kurt Her- zog [LINKE]: Sie haben keine Ah- nung! Das tut weh! - Kreszentia Flau- ger [LINKE]: Wie rückständig sind Sie denn?)
Ohne Kraftwerke, die in der Lage sind, dauerhaft Strom zu liefern, müssen wir befürchten, dass bei uns das Licht ausgeht.
Dies werden wir im Interesse aller Verbraucherinnen und Verbraucher hier in Niedersachsen nicht zulassen!
Ich weiß, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass ich in solchen Debatten immer Gefahr laufe, falsch verstanden zu werden, weil viele von Ihnen nicht zuhören mögen.
Ich bin ein großer Fan von Windenergie. Das Potenzial der Windenergie ist noch längst nicht ausgereizt.
Bei kleineren Windenergieanlagen und Offshoreenergieanlagen haben wir noch ein gewaltiges Potenzial. Da kann ich mir noch gewaltig was vorstellen.
Wir haben im Land Niedersachsen mit der Kabeltrasse über Norderney, die ich mir im April anschauen konnte, viel dafür getan, dass acht Offshorewindparks ihre Energie über Norderney in Niedersachsen anlanden können. Das Repowering der Anlagen auf dem Festland hat ein Potenzial von mindestens knapp 2 000 MW, im Grunde genommen fast so viel, wie man offshore installieren könnte. Dies sind hier in Niedersachsen gute Voraussetzungen, um bei uns Windstrom zu produzieren.
Führend, meine sehr geehrten Damen und Herren, sind wir auch im Bereich der Biogasanlagen. Hier gab es Ende des Jahres 2008 708 Anlagen mit einer Leistung von 365 MW. Das erste Bioenergiedorf Deutschlands ist Jühnde bei Göttingen. Inzwischen sind viele Dörfer in Deutschland dem Jühnder Beispiel gefolgt.
Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, wir haben noch mehr zu bieten als nur Windenergie oder Biomasse. Die Fotovoltaik ist momentan ganz stark im Kommen. Deren Anteil hat sich in den letzten Jahren mehr als verachtfacht. Aber trotz aller Euphorie erlaube ich mir den Hinweis, dass der Anteil an der Stromerzeugung momentan erst bei 0,2 % liegt. Nur eines von 500 Häusern in ganz Niedersachsen lässt sich schon heute mit reinem Strom von der Sonne versorgen.
Auch bei der Wasserkraft gibt es in Niedersachsen noch Möglichkeiten, sie auszubauen. Deren Anteil liegt momentan bei 0,5 %. Ich würde mir herzlich wünschen, dass es in einem konstruktiven Zusammenarbeiten gelingt, die Potenziale der Wasserkraft in Niedersachsen auch weiterhin auszubauen. Dieser Strom hat den Vorteil, dass er unabhängig vom Scheinen der Sonne und unabhän
Noch längst nicht ausgereizt sind die Möglichkeiten der Geothermie. Hier müssen wir weiter forschen, allerdings sehr vorsichtig, weil das nämlich finanzielle und möglicherweise auch geologische Risiken - in diesem Zusammenhang denke ich an die Stadt Staufen im Breisgau - haben kann.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich stelle fest: Wir sind, was die Energie betrifft, in Niedersachsen sehr gut aufgestellt. Wir sorgen dafür, dass Energie Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen zur Verfügung steht, und das immer unter der Maßgabe: sicher, sauber und bezahlbar.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin schon jetzt sehr gespannt darauf, wie sich die andere Seite dieses Hauses gleich einlassen wird. Sie behaupten ja immer, dass Sie den Stein der Weisen besitzen und dass wir für Sie gewissermaßen Betonköpfe sind.
(Zustimmung bei der SPD, bei den GRÜNEN und bei der LINKEN - Kres- zentia Flauger [LINKE]: Sie haben nur ein Problem mit Physik! - Björn Thüm- ler [CDU]: Das ist ein großer Irrtum!)
Ich kann Ihnen deshalb am Schluss meiner Ausführungen ein Beispiel nicht ersparen. Es mag zwar ein Zufall sein, aber ich habe gelernt, dass Zufälle im Leben äußerst selten sind. Meine sehr geehrten Damen und Herren, der nach Betreiberangaben größte Fotovoltaikpark, die größte Fotovoltaikanlage in Niedersachsen wird zurzeit nicht in Dannenberg geplant, Herr Kollege Herzog von der Fraktion DIE LINKE, auch nicht in Gleichen bei Göttingen, Herr Kollege Wenzel von der Fraktion der Grünen, und erst recht nicht, Frau Kollegin Emmerich-Kopatsch von der SPD-Fraktion, in Clausthal-Zellerfeld. Nein, meine sehr geehrten Damen und Herren, die größte Solaranlage Niedersachsens mit einer Leistung von geplanten 8 MW wird in Schwege entstehen, einem kleinen Dorf mit 1 000 Einwohnern im südlichsten Zipfel des westlichen Niedersachsens. In dieser Gemeinde haben bei der letzten Europawahl 77,3 % aller Menschen CDU gewählt.
Herzlichen Dank. - Nach § 45 Abs. 5 unserer Geschäftsordnung erhält jetzt Herr Minister Sander das Wort. Bitte schön!
Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Die niedersächsische Energiepolitik richtet sich nach drei Aspekten aus, und zwar nach der Umweltverträglichkeit, der Wirtschaftlichkeit und - auch das ist ein ganz wichtiger Punkt - der Versorgungssicherheit. Niedersachsen braucht sich nicht zu verstecken. Nein, Niedersachsen kann auf das, was es vorweisen kann, stolz sein und damit bestehen. Wir sind das Energieland Nummer 1 in der Bundesrepublik Deutschland.
Dabei wird die Niedersächsische Landesregierung - auch das ist von uns immer wieder klar und deutlich gesagt worden; von Ihnen wird es vielleicht auch langsam zur Kenntnis genommen - weiter auf einen technologieoffenen Energiemix setzen, und zwar auf einen Mix aus fossilen Energieträgern, aus Kohle und - auch das muss man in Niedersachsen betonen - insbesondere aus Gas, weil wir über die größten Gasvorkommen in der Bundesrepublik Deutschland verfügen, aber auch aus Kernenergie und insbesondere aus erneuerbaren Energien.
Hinsichtlich der erneuerbaren Energien haben wir in der Koalitionsvereinbarung beschlossen, dass wir im Hinblick auf das Bestreben der Bundesregierung, die CO2-Ziele im Jahr 2020 zu erreichen, insbesondere auf den Ausbau der Windkraft setzen. Das tun wir. Zurzeit wird der erste Windpark in der deutschen Nordsee von einem Unternehmen aus Emden gebaut. Gleichzeitig werden wir den Basishafen in Cuxhaven ausbauen, damit die Versorgung der Windparks gelingt.
der Nordsee abfließen kann. Wir haben dabei auf der Landseite noch einige Probleme. Diese werden wir aber gemeinsam mit Ihnen lösen; denn es geht nicht darum, ob der Strom rot, schwarz, blaugelb, grün oder dunkelrot ist. Es geht vielmehr darum, den Strom abzuführen.
Bei der Biogasproduktion haben wir ebenfalls eine Spitzenstellung erreicht. Daraus können Sie ersehen, dass Niedersachsen gerade im Bereich der erneuerbaren Energien führend ist. Wir dürfen aber nicht nur auf die Energieerzeugung blicken, sondern wir müssen in der Zukunft auch die Energieeinsparung stärker beachten. Energieeffizienz ist angesagt und notwendig.
Ich sage Ihnen hier klar und deutlich aber auch dies: Man darf die Menschen nicht überfordern und nicht eine Politik betreiben, die für die Menschen nicht mehr nachvollziehbar ist. Dazu gehört z. B. das Glühbirnenverbot. So ein Schwachsinn hoch drei!
Das ist vor allen Dingen ökologisch nicht zu vertreten. Denn es ist keinesfalls klar, wie die Energiesparlampen, die Quecksilber enthalten, entsorgt werden. Was wird es denn in der Praxis bedeuten, wenn solch eine Energiesparlampe im Haushalt kaputt geht? Sie wird vermutlich automatisch im Restmüll landen. Das ist unverantwortlich.