Protokoll der Sitzung vom 26.11.2009

Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD, bei den GRÜ- NEN und bei der LINKEN)

Noch einmal zwei Anmerkungen: Verehrte Frau Abgeordnete Bertholdes-Sandrock, wir haben eine öffentliche Vorlage, die jedermann zugänglich ist. In ihr sind die Namen genannt. Insofern gibt es hier keinen Anlass zur Kritik.

(Klaus-Peter Bachmann [SPD]: Sie hat eine Sondergeschäftsordnung!)

Herr Borngräber, auch Sie müssen sich an die Spielregeln halten. Sie haben überhaupt keinen Grund, hier als Parlamentarier Begrüßungsworte zu sprechen.

Zur gleichen Eingabe - IGS - spricht jetzt Herr Danwitz von der CDU-Fraktion.

(Unruhe)

- Im Moment aber noch nicht, Herr Danwitz! Einen kleinen Moment, bitte!

(David McAllister [CDU]: Von Danwitz! - Karl-Heinz Klare [CDU]: Dr. von Danwitz! Er hat promoviert und ist „von“!)

Herr Kollege von Danwitz, bitte schön!

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Zur IGS-Gründung in Visselhövede hat im Landkreis Rotenburg eine Elternbefragung stattgefunden. Dabei kam eindeutig heraus, dass nicht genügend Schüler da sind. Nur 80 Eltern haben angekreuzt, dass sie ihre Kinder zur IGS schicken würden. Damit würde die Mindestzügigkeit überhaupt nicht erreicht.

(David McAllister [CDU]: Einzügigkeit!)

Selbst wenn Schüler aus Nachbarlandkreisen, die man angesprochen hat, diese Schule besuchen würden, wären nicht genügend Schüler da. Deswegen ist das nicht genehmigungsfähig.

Herr Borngräber, die Mindestzügigkeit muss bleiben, weil eine ausreichende Differenzierung auf verschiedenen Anforderungsniveaus sonst nicht möglich ist. Außerdem haben wir in den sechs Jahren unserer Regierungszeit mehr Neugründungen von Gesamtschulen zugelassen als die Vorgängerregierung in ihrer gesamten Zeit. Darauf muss man einfach einmal hinweisen.

(Zustimmung bei der CDU)

Wir stehen für qualifizierten Unterricht an qualifizierten Schulen. Wir plädieren dafür, die Einsender über die Sach- und Rechtslage zu unterrichten.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Bei der nächsten Eingabe handelt es sich um eine Beschwerde über das Personalauswahlverfahren beim Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie.

Zu Wort gemeldet hat sich Herr Hagenah von der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Bitte schön, Herr Hagenah!

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Ministerin Ross-Luttmann, nehmen wir einmal an, eine Ingenieurin hat sich bei einem mittelständischen Unternehmen in Niedersachsen auf eine Abteilungsleitung beworben und wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen, sie wird danach auf den zweiten Platz der Bewerberliste gesetzt und soll, nachdem der Erstplatzierte einen anderen Job annimmt, plötzlich doch nicht genommen werden,

(Ursula Helmhold [GRÜNE]: Das kann doch gar nicht sein!)

weil nach Prüfung bekannt wurde, dass sie in den vergangenen Jahren einige Male krank war,

(Ernst-August Hoppenbrock [CDU]: Na, na, na!)

dies aber, weil sie schwanger war und nach der Geburt häufiger bei ihrem zunächst kränkelnden Kind geblieben ist - dies allerdings vor allen Dingen deshalb, weil ihr Ehemann weit entfernt von zu Hause schon in dem Unternehmen arbeitet, bei dem sie sich gerade erst beworben hat, und deswegen unter der Woche nicht zu Hause ist. Nachdem das auf entsprechende Kritik von der Personalvertretung trifft, erklärt der Firmenchef, dass ihm jetzt zusätzlich aufgefallen ist, dass die Bewerberin

gar nicht ausreichend qualifiziert ist, und darum müsse die Stelle jetzt neu ausgeschrieben werden.

(Bernhard Busemann [CDU]: Wie vie- le Bewerber gab es insgesamt?)

- Das kommt alles.

(Bernhard Busemann [CDU]: Sie war die letzte in der Liste!)

Ich glaube, Herr McAllister, Herr Dürr, wenn wir diese Geschichte hier so vorgelegt bekämen, würden wir doch alle empört von dem Unternehmen Korrekturen fordern

(Bernhard Busemann [CDU]: Sie war die letzte in der Bewerberliste!)

nach dem Gleichstellungsgesetz und dem Niedersächsischen Gleichberechtigungsgesetz. Das ist doch klar.

(Beifall bei den GRÜNEN, bei der SPD und bei der LINKEN)

Weil ich aber nicht über irgendein Unternehmen, sondern über das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie gesprochen habe, bei dem es um die Besetzung einer Stelle im höheren Dienst geht, haben CDU und FDP diesen eindeutigen Fall von Frauendiskriminierung zunächst als Sach- und Rechtslage hinnehmen wollen. Nach Kritik im Ausschuss haben sie den Fall etwas kritisiert, aber nicht korrigieren wollen.

(Björn Thümler [CDU]: Das stimmt nicht!)

Die Beweisaufnahme durch die Eingabe sei unvollständig, so Ihr Argument. Deshalb könne man den Vorgang nicht einfach der Landesregierung zur Berücksichtigung überweisen. Dabei hätte Ihre Berichterstatterin alle Möglichkeiten gehabt, für den Ausschuss vorher umfassend zu recherchieren. Das habe ich inzwischen gemacht. Und es stellt sich heraus: Alle Ausflüchte treffen nicht zu. - Herr Hoppenbrock, passen Sie auf!

(Beifall bei den GRÜNEN)

Es hieß nämlich noch im Ausschuss, die Krankheitsgeschichte der fürsorglichen Mutter sei nicht Gegenstand des Verfahrens gewesen. Anhand der schriftlichen Stellungnahme des Präsidenten gegenüber der Personalvertretung vom Juni dieses Jahres, in der er vorrangig die Krankengeschichte als Ablehnungsgrund nennt und sie sogar noch bezüglich der Vorjahre ergänzt, in denen die Dame

übrigens weniger als zehn Tage pro Jahr krank war, kann aber das Gegenteil belegt werden.

(Zuruf von den GRÜNEN: Skandal!)

Es hieß zweitens vom Ministerium, die Nichteinstellung sei ausschließlich aufgrund der zu spät erkannten Geringqualifizierung der Bewerberin erfolgt.

(Ursula Helmhold [GRÜNE]: Warum war sie dann überhaupt auf dem zwei- ten Platz?)

Der Präsident erwähnt das in seinem Schreiben vom Juni hingegen nur als Zusatz, nach der ausführlich beschriebenen Krankengeschichte - und das vor dem Hintergrund, dass er vor den Bewerbungsgesprächen gegenüber der Personalvertretung nachweislich gesagt hat, die Qualifikation einer solchen Bewerberin - sie ist Markscheiderin - sei ausreichend und für diese Bewerbung genau sinnvoll. Das hat er gesagt; das ist belegbar.

(Ursula Helmhold [GRÜNE]: Er hat sie auch eingeladen!)

- Er hat sie eingeladen und auf Platz 2 setzen lassen.

Als letztes Argument hieß es dann im Ausschuss, die Platzierung auf Platz 2 besage gar nichts, weil es nur wenige Bewerber gegeben habe. - Auch das ist nicht richtig. Acht Bewerbungen waren allein für diese Stelle eingegangen und 13 für eine parallele. Die beiden Stellen wurden gemeinsam vergeben. Da gab es keinen Besetzungsnotstand.

(Beifall bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Meine Damen und Herren, Sie sollten heute dringend das korrigieren, was Sie im Ausschuss beschlossen haben. Es ist belegt, dass die Eignung einer fachlich qualifizierten Bewerberin allein aufgrund frauenspezifischer Belastungen durch die Geburt eines Kindes in Abrede gestellt wurde - in einem Amt des Landes Niedersachsen!

(Ursula Helmhold [GRÜNE]: Unglaub- lich! Unmöglich! Was sagt die Frau Ministerin dazu?)

Dies können und müssen wir als Landtag meines Erachtens heute korrigieren, Frau Ministerin,

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der SPD und bei der LINKEN)

damit die Umsetzung der Gesetze, die wir von anderen verlangen, auch im Landesdienst korrekt geschieht.