Protokoll der Sitzung vom 09.09.2010

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Fraktion der SPD und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordern unter diesem Tagesordnungspunkt den Ministerpräsidenten auf, dafür Sorge zu tragen, dass die Landwirtschaftsministerin ihr Amt ruhen lässt.

(Beifall bei der SPD, bei den GRÜ- NEN und bei der LINKEN)

Sie fordern damit den Ministerpräsidenten zu einer Maßnahme auf, die weder in der Niedersächsischen Verfassung noch im Ministergesetz eine rechtliche Grundlage hat.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Dieses Vorgehen ist höchst ungewöhnlich.

(Johanne Modder [SPD]: In der Tat!)

Ich möchte Ihnen einmal sagen, wie sich der Sachverhalt aus meiner Sicht darstellt: Vor einiger Zeit haben dafür einschlägig bekannte Personen

(Lachen bei den GRÜNEN)

Bilder von leidenden und verendenden Tieren aufgezeichnet. Bis zum heutigen Tag ist diesem Parlament nicht bekannt, in welchem Stall diese Bilder aufgezeichnet wurden,

(Christian Meyer [GRÜNE]: Die wur- den doch dem Ausschuss vorgelegt!)

ob sanktionswürdige Missstände dokumentiert wurden und welcher Art diese waren

(Christian Meyer [GRÜNE]: Das ha- ben wir alle im Ausschuss gesehen! - Gegenruf von Björn Thümler [CDU]: Hören Sie doch einmal zu!)

und wer gegebenenfalls die Verantwortung für diese Missstände trägt.

(Gerd Ludwig Will [SPD]: Neue Le- gendenbildung!)

Dass diese Fragen bislang unbeantwortet blieben, liegt im Wesentlichen daran,

(Christian Meyer [GRÜNE]: Sie woll- ten die Bilder nicht sichten, aber sie liegen vor!)

dass sich diese Personen zunächst nicht an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft gewandt haben.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: Wie es sich gehört hätte!)

Sie haben das Material vielmehr auf manipulierende Art und Weise geschnitten und aufbereitet

(Miriam Staudte [GRÜNE]: Was? - Christian Meyer [GRÜNE]: Das wer- fen Sie Journalisten vor?)

oder, wie sie es selbst formulieren, einen Monat lang aufgearbeitet.

(Björn Thümler [CDU]: Eben!)

Anschließend wurde das Material an den Südwestrundfunk übergeben oder verkauft und am 9. August 2010 in der Sendung „Report Mainz“ zum Teil ausgestrahlt.

In diesem Zusammenhang wurde Frau Ministerin Grotelüschen um eine Stellungnahme zu den Missständen gebeten.

Gleichzeitig wurde sie von den Journalisten mit dem Vorwurf konfrontiert, sie selbst oder ihr Ehemann trage dafür eine Verantwortung. Dieser Vorwurf ließ sich in der Folge nicht erhärten.

(Zuruf von den GRÜNEN: Falsch!)

Eine Anklage seitens der zuständigen Staatsanwaltschaft oder auch nur eine Befragung als Zeugin ist bis zum heutigen Tage nicht erfolgt.

(Björn Thümler [CDU]: So ist es!)

Da der Ministerin während des Interviews die Ställe bekannt wurden, in denen diese Bilder angeblich aufgenommen wurden, hat die Ministerin das einzig Richtige getan: Sie hat den zuständigen Minister von Mecklenburg-Vorpommern, Herrn Backhaus von der SPD, über den Sachverhalt unterrichtet, damit dieser in die Lage versetzt wird, Überprü

fungen und Kontrollen einzuleiten, um dem Tierschutz gerecht zu werden.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Das Verhalten der Ministerin kann in diesem Zusammenhang nur als vorbildlich bezeichnet werden.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP - Lachen bei den GRÜNEN)

Ich stelle also fest, dass in der gesamten Angelegenheit bislang keine Vorwürfe gegen die Ministerin erhoben worden sind.

(Christian Meyer [GRÜNE]: Was? Ha- ben Sie nicht zugehört?)

Dennoch haben sich die versammelten Oppositionsfraktionen in diesem Hause entschieden, eine üble Kampagne gegen die Ministerin zu initiieren,

(Lebhafter Beifall bei der CDU und bei der FDP)

eine Kampagne, die am gestrigen Tag und heute ihre Fortsetzung fand.

Lässt man jedoch alle Vorurteile, Vorverurteilungen, Unterstellungen und Verleumdungen außer Acht, bleibt am Ende kein einziger Vorwurf übrig - höchstens der, dass der Ministerin eidesstattliche Versicherungen nicht bekannt waren, obwohl sich eine Kopie dieser Schriftstücke in der Pressestelle des Ministeriums befand. Die Ministerin hat dazu heute Morgen im Rahmen der Dringlichen Anfrage umfassend Auskunft gegeben.

(Lachen und Widerspruch bei den GRÜNEN - Christian Meyer [GRÜNE]: Was hat sie zu der Frage gesagt, wo- her sie diese Schriftstücke hat? - Nichts!)

Eine strafrechtliche Relevanz oder auch nur ein Verstoß gegen Dienstpflichten ist nicht zu erkennen. Die Forderung, die Ministerin müsse ihre Amtsgeschäfte ruhen lassen, ist daher völlig substanzlos.

(Lebhafter Beifall bei der CDU und bei der FDP - Christian Meyer [GRÜNE]: Woher kamen die eidesstattlichen Versicherungen denn?)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, vor dem Hintergrund des eben geschilderten Sachverhalts stellt sich die Frage, welches Interesse mit dieser üblen Schmutzkampagne tatsächlich verfolgt wird.

Da wäre zunächst das Interesse der Personen, die diese Bilder zur Verfügung gestellt haben. Es ist ja nicht das erste Mal, dass solche Bilder öffentlich in Medien gezeigt werden.

(Björn Thümler [CDU]: Eben!)

Opfer dieser Kampagnen sind stets Unternehmen der Lebensmittelbranche, die Markenprodukte herstellen und daher einer breiten Öffentlichkeit bekannt sind, oder politische Verantwortungsträger. Ich erinnere in diesem Zusammenhang nur an die Kampagnen gegen die PHW-Gruppe und Herrn Minister Ehlen.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Ziel dieser Kampagnen ist es, ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit für eine bestimmte Organisation herzustellen, damit anschließend leichtgläubige und gutmütige Menschen dieser Organisation finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

(Zuruf von der CDU: Unerhört! - Björn Thümler [CDU]: Ein Skandal ist das!)

Die Antwort auf die Frage nach dem Interesse ist daher recht einfach: Diese Leute leben davon,

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)