1. Welche Aktivitäten führt das Land Niedersachsen durch, um die Bevölkerung besser auf die Bedeutung und vielfältigen Funktionen unserer Wälder hinzuweisen?
2. Welche Anreize schafft das Land Niedersachsen, um den Waldbestand zu erhalten oder gar zu vergrößern?
Auf die Frage „Was bedeutet Ihnen der Wald?“ würde man heute aus der Bevölkerung vermutlich ganz unterschiedliche Antworten erhalten. Ein urban lebender Mensch würde in seiner Antwort sicherlich ganz andere Schwerpunkte setzten als ein Mensch mit stärkerem täglichem Bezug zum Wald. Durch die unterschiedlichsten Antworten würde eines klar: Die Ansprüche der Gesellschaft an den Wald wandeln sich und steigen stetig.
Der heimische Wald ist also wesentlich mehr als die Summe seiner Bäume - er ist ein existentieller naturnaher Bestandteil unseres menschlichen Lebensraumes und Lieferant zahlreicher materieller und immaterieller Güter. Er ist umweltfreundlicher und nachhaltiger Rohstofflieferant, Arbeitsplatz, Einkommensquelle, Lebensraum und Netzwerk für eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen und Erholungsraum für die Bevölkerung. Darüber hinaus kommt ihm eine nahezu unschätzbare Bedeutung für die dauernde Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, die Biodiversität, das Klima, den Wasserhaushalt, die Reinhaltung der Luft, die Bodenfruchtbarkeit und als herausragendes Landschaftselement in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft zu.
Trotz der großen absoluten Waldfläche zählt das Flächenland Niedersachsen, bezogen auf das Bewaldungsprozent, zu den waldarmen Bundesländern. Die Unterschiede bei der Waldverteilung sind regional unterschiedlich ausgeprägt. Das Bergland und die Heideregion weisen mit teilweise über 30 % gegenüber dem westniedersächsischen Tiefland mit lediglich 14 % wesentlich höhere Waldanteile auf.
Die Erhaltung des vorhandenen Waldes, die Förderung der Forstwirtschaft und die nachhaltige Sicherung und Entwicklung aller Waldfunktionen ist eine Aufgabe der Gesamtgesellschaft - jetzt und für zukünftige Generationen.
Zu 1: Es ist ein wichtiges Ziel der Landesregierung, die umfassenden Leistungen des Waldes für Mensch, Umwelt und Wirtschaft in der Bevölkerung zu vermitteln. Moderne Forstwirtschaft erbringt diese Leistungen im Rahmen einer multifunktional ausgerichteten Bewirtschaftungsstrategie auf ökologischer Grundlage. Sie wurde in den zurückliegenden Jahren maßgeblich vom Land mit gestaltet.
In diesem Jahr hat das Landwirtschaftsministerium unter Beteiligung von rund 40 maßgeblichen Institutionen und Verbänden mit dem Positionspapier „Wälder für Niedersachsen - Wald, Forst- und Holzwirtschaft im Wandel“ erstmalig die zahlreichen Leistungen und gesellschaftlichen Ansprüche an den Wald zusammengeführt und damit „Multifunktionalität im Jahr 2010“ beschreiben.
Die Kernbotschaft des Positionspapiers wird durch das breite Bekenntnis aller Unterzeichner zur Fortsetzung und Weiterentwicklung der multifunktionalen Waldbewirtschaftung auf ökologischer Grundlage getragen und auf vielfacher Ebene durch die Partner der Öffentlichkeit vermittelt.
Im Positionspapier stellt die Landesregierung insbesondere in Aussicht, die Waldumweltbildung zu fördern, um sie als festen Bestandteil schulischer und vorschulischer Bildung zu etablieren. Sie hat begonnen, die erforderlichen Schnittstellen zu den Bildungsträgern herzustellen, neue Bildungskonzepte im Rahmen regelmäßiger Wald-UmweltBildungskonferenzen ressortübergreifend abzustimmen und auf breiter Ebene zu kommunizieren.
Die Landesregierung hat die Aufgabe der Waldinformation, Umweltbildung und Sicherung der Erholung den Niedersächsischen Landesforsten (NLF) als gesetzliche Aufgabe übertragen. Im Haushaltsplan 2010 sind hierfür Finanzmittel in Höhe von 7,9 Millionen Euro eingestellt.
Die Waldinformation der NLF vermittelt zentrale Ziele der Landesregierung wie z. B. die praktische Umsetzung des Regierungsprogramms zur langfristigen ökologischen Waldentwicklung (LÖWE) und die zahlreichen Gemeinwohlleistungen des Waldes. Sie umfasst lokale, regionale und überregionale Medienarbeit, die Mitarbeit an lokalen und regionalen Kampagnen (wie z. B. der bundeswei- ten Aktion „Treffpunktwald“) und eine umfassende und interaktive Internetpräsentation.
Die NLF haben im Jahr 2010 ihre Presse- und Medienarbeit durch Einrichtung regionaler Pressesprecher gestrafft und professionalisiert. Damit ist die optimale Anbindung an die großen Medienstandorte des Landes gewährleistet, sodass Botschaften aus Wald und Umwelt zeitnah und umfangreich kommuniziert werden können.
Darüber hinaus haben die NLF die Waldpädagogik und die Walderlebniseinrichtungen im Rahmen der UN-Weltdekade 2005 bis 2014 „Nachhaltig lernen - Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ tiefgreifend umstrukturiert und konsequent auf die
Erfordernisse der BNE ausgerichtet. Dadurch können die Einrichtungen der NLF Umweltbildung für Kinder, Jugendliche, Erwachsene, darunter auch Lehrer und Erzieher als Multiplikatoren, auf hohem Standard und noch gezielter, kundenorientierter und wirkungsvoller als bisher vermitteln.
Die Erstattungen für Aufwendungen der NLF im Landesauftrag dienen u. a. dem kundenorientierten Betrieb der landesweit zehn Waldpädagogikzentren (frühere Jugendwaldheime), der Regionalen Umweltbildungszentren“ (RUZ), dem Betrieb und der Vernetzung der sieben Walderlebniseinrichtungen („Naturtalente“), wie z. B. dem Wisentgehege Springe mit der 2010 neu errichteten Gehegeschule, ihrer Qualitätssicherung und ihrer Weiterentwicklung zu modernen und umfassend BNE-gerechten Bildungs- und Erholungseinrichtungen.
Ein freier Mitarbeiterstab von rund 50 Waldführerinnen und Waldführern unterstützt die Fachkräfte für Waldinformation auf Forstamtsebene bei ihren zahlreichen Veranstaltungen. Die Konzeption der Waldführerinnen und Waldführer soll mittelfristig weiter ausgebaut werden, um eine noch größere Breitenwirkung in die Bevölkerung hinein zu entfalten.
Diese externen Kräfte wurden im Jahr 2010 erstmalig im Rahmen eines bundesweit anerkannten Ausbildungsganges geschult und nach abschließender Prüfung als „Staatlich zertifizierte Waldpädagoginnen und Waldpädagogen“ ausgezeichnet. Damit werden sie anspruchsvollen Qualitätsanforderungen gerecht.
Zu 2: Bereits das Bundeswaldgesetz (Gesetz zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft) verfolgt den Zweck, den Wald wegen seiner besonderen Funktionen in seinem Bestand zu erhalten und erforderlichenfalls zu mehren. Damit hat sich der Gesetzgeber dazu bekannt, dass ihm die Erhaltung und gegebenenfalls Vermehrung des Waldbestandes ein wesentliches Anliegen ist. Das Niedersächsische Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung (NWaldLG) regelt normausfüllend die gesetzlichen Vorgaben des Bundeswaldgesetzes.
Aus den Gesetzesformulierungen ergibt sich, dass die Walderhaltung eine Pflicht ist. Das Niedersächsische Waldprogramm untermauert diese gesetzliche Norm.
dieses umso mehr, als knapp zwei Drittel der Waldfläche privaten Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern gehören. Zudem ist der Privatwald vielfach durch ungünstige Besitzstrukturen und Bewirtschaftungshemmnisse, wie Besitzzersplitterung, Gemengelage und unzureichenden Waldaufschluss, gekennzeichnet.
Die Landesregierung ist sich Ihrer Verantwortung für die Wälder bewusst und unterstützt die Waldbesitzer mit finanzieller Förderung auf vielfältige Art und Weise.
Die Förderung der forstwirtschaftlichen Maßnahmen erfolgt im Rahmen der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ sowie über das Entwicklungsprogramm PROFIL im Zusammenhang mit dem ELER-Fonds der EU. Abgerundet wird die Förderung durch zusätzliche Maßnahmen des Landes.
Das Spektrum der Maßnahmen reicht von der Erstaufforstung unbewaldeter Flächen über die Begründung naturnaher stabiler Waldbestände, die Waldkalkung, den forstwirtschaftlichen Wegebau, den Waldschutz- und Pflegemaßnahmen bis hin zu besitzübergreifenden Strukturdatenerfassungen und Standortkartierungen.
Darüber hinaus werden die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse auf ihrem Weg zu professionellen Selbsthilfeeinrichtungen im ländlichen Raum intensiv unterstützt. Dafür werden Mittel in Höhe von 1,3 Millionen Euro eingesetzt. Die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse werden seit 2007 insbesondere für ihre wirtschaftliche Weiterentwicklung gefördert. Im Vergleich zur vorhergehenden Förderperiode PROLAND werden jährlich ca. 500 000 Euro mehr an Fördermitteln an die Zusammenschlüsse ausgezahlt. Ziel ist eine Weiterentwicklung unter der Einbeziehung von Leistungsparametern zu einer größeren Professionalisierung und einer wirtschaftlichen Eigenständigkeit der forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse. Diese im Land Niedersachsen sehr erfolgreich eingesetzte Förderung stellt eine echte „Hilfe zur Selbsthilfe“ für die Waldbesitzerzusammenschlüsse dar und dient der Überwindung von Strukturschwächen im Privatwald.
Durch die Ausgestaltung der Maßnahmen leistet die Förderung einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Entwicklung der unterschiedlichen Waldfunktionen. Sie wirkt nachgewiesenermaßen positiv auf die lebenswichtigen Schutzgüter Wasser und Boden. Als nur ein Beispiel sei die Wald
kalkung genannt, mit der allein in den letzten drei Jahren über 25 000 ha Waldfläche vor den negativen Auswirkungen der Luftschadstoffe geschützt werden konnten. Darüber hinaus trägt die Förderung der naturnahen Waldbewirtschaftung zur Sicherung der biologischen Vielfalt bei.
Durch gezielte Anreize werden Eigenleistungen der Waldbesitzer ausdrücklich unterstützt. Waldbesitzer, die sich mit ihrem Wald identifizieren, die ihn nachhaltig bewirtschaften und pflegen, erhalten ihn gleichzeitig. Damit erfüllen sie auch die Bedürfnisse und Interessen der Menschen unseres Landes und erbringen einen erheblichen Beitrag zur Erhaltung der Landeskultur.
Das Gesamtfördervolumen pro Jahr beläuft sich auf 12 bis 15 Millionen Euro, wobei die Nachfrage je nach forstwirtschaftlicher Ausgangslage und den Witterungsbedingungen schwankt. Mit diesem Mittelvolumen ist Niedersachsen trotz des vergleichsweise geringen Waldanteils eines der förderstarken Bundesländer.
Die Förderung des Landes wird regelmäßig an die sich entwickelnden Anforderungen der Waldbewirtschaftung angepasst. Als eine der Herausforderungen der kommenden Jahre gilt die wirksame Unterstützung der Waldbesitzer bei der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels.
Zu 3: Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat das Jahr 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder 2011 (IJdW 2011) erklärt. Sie beruft sich in ihrem Beschluss u. a. auf das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, auf die Erkenntnis, dass Wälder und eine nachhaltige Waldbewirtschaftung maßgeblich zur nachhaltigen Entwicklung, zur Armutsbekämpfung und zur Erreichung der international vereinbarten Entwicklungsziele, einschließlich der Millenniums-Entwicklungsziele, beitragen können, sowie auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bewirtschaftung aller Arten von Wäldern, einschließlich sensibler Waldökosysteme.
Auf nationaler Ebene wird die Kampagne zum IJdW 2011 in Deutschland (nationale Waldkam- pagne) von Bund, Ländern und den Verbänden getragen. Sie wird im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) koordiniert. Es sollen im Jahr 2011 auf allen Ebenen konzertierte, gezielte bewusstseinsbildende Maßnahmen durchgeführt werden, um die nachhaltige Bewirtschaftung, die Erhaltung und die nachhaltige Entwicklung aller Arten von Wäl
Niedersachsen wird die internationalen und nationalen Zielsetzungen mit eigenen Veranstaltungen öffentlichkeitswirksam unterstützen und folgende Kernbotschaften der Kampagne aufgreifen: „Wälder sind wichtig für uns Menschen. Produkte und Leistungen der Wälder sichern Lebensqualität und Zukunftsfähigkeit. Nachhaltige Waldwirtschaft arbeitet mit der Natur. Waldbesitz, Forstwirtschaft, Staat und Gesellschaft tragen Verantwortung für Wälder. Jeder kann etwas für den Wald tun.“
Das Symposium „Multifunktionale Forstwirtschaft“ der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen wird im März 2011 als niedersächsische Auftaktveranstaltung unter Beteiligung hochkarätiger Wissenschaftler die vielfältigen Ansprüche an den Wald und die Forstwirtschaft thematisieren. Damit wird die Landesregierung Fragestellungen des Positionspapiers „Wälder für Niedersachsen - Wald, Forst- und Holzwirtschaft im Wandel“ aufgreifen und einen Beitrag zum Interessenausgleich der verschiedenen Nutzergruppen des Waldes leisten.
Ganz bürgernah und öffentlichkeitswirksam werden die Niedersächsischen Landesforsten (NLF) am Internationalen Tag des Waldes (21. März) die landesweite Aktion „PflanzZeit“ durchführen und im Mai 2011 bei der Aktion „UrwaldZeit“ der Öffentlichkeit die sonst geschlossenen Pforten ausgewählter Naturwälder öffnen. Damit gewähren NLF und NW-FVA für kurze Zeit Einblick in die eigendynamische Entwicklung von Wäldern, die seit Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet werden.
Die NLF und ihre Partner werden von April bis November ihre Wanderausstellung „HolzZeit“ nach dem Auftakt in Hannover in vielen niedersächsischen Städten präsentieren.
Die Landesregierung wird auf politischer Ebene mit Botschaften des IJdW 2011 auf der „Weltmesse für die Forst- und Holzwirtschaft LIGNA Hannover“ vom 30. Mai bis 3. Juni präsent sein und dort auch die niedersächsische Zentralveranstaltung zum IJdW 2011 ausrichten. Vom 27. August bis 4. September 2011 werden die Botschaften zum IJdW 2011 einem jugendlichen Publikum auf der IdeenExpo in Hannover vorgestellt.
Um die herausragende Bedeutung des Clusters Forst und Holz Niedersachsen als Branchen mit hohem Wert für den Klimaschutz deutlich zu machen, hat die Landesregierung bei der Nordwest
deutschen Forstlichen Versuchsanstalt eine CO2Studie in Auftrag gegeben. Diese wird im kommenden Jahr der Öffentlichkeit vorgestellt und soll deutlich machen, dass die Holzverwendung aus den heimischen Wäldern und der Verbrauch im täglichen Leben der Menschen aktiver Umwelt- und vor allem Klimaschutz sind.
Erstmalig verleiht das Nds. ML zum IJdW 2011 eine Niedersächsische Forstmedaille. Zielgruppe sind Personen oder Institutionen, die sich in besonderer Weise für den Wald und seine nachhaltigen Funktionen für Mensch, Umwelt und Wirtschaft verdient gemacht haben. Die Niedersächsische Forstmedaille ist undotiert und wird höchstens einmal jährlich verliehen.
Darüber hinaus unterstützt das Land Niedersachsen im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit im Internationalen Jahr der Wälder ein agroforstliches Projekt in Tansania. Tansania zählt zu den „Top ten Entwaldern“ weltweit. Pro Jahrzehnt verschwinden dort endgültig und unwiederbringlich Trockenwälder von der Flächengröße Niedersachsens. Projektpartner bei dem Waldschutzprojekt zum Klimaschutz und zur Armutsbekämpfung sind das Institut für Weltforstwirtschaft und die Marketinggesellschaft der Niedersächsischen Land- und Ernährungswirtschaft e. V.
Weiterhin werden viele Aktionen und Veranstaltungen, die auch unabhängig vom IJdW geplant und durchgeführt würden, unter das „Dach des IJdW“ gestellt.
Die Landesregierung erwartet von der skizzierten Konzeption im Zusammenspiel mit den Aktionen der anderen Bundesländer, des Bundes und sonstiger Akteure, dass die vielfältigen Funktionen des Waldes und die Anliegen der Forstwirtschaft wieder stärker im Bewusstsein unserer Bevölkerung verankert werden.