Der Antrag der SPD-Fraktion ist ambitioniert und weist in die richtige Richtung. Diesen Antrag wird meine Fraktion unterstützen. Es geht dabei, wie von Frau Behrens bereits dargestellt worden ist, um die Weiterentwicklung der bestehenden Münzsammlungen in Niedersachsen und um die Frage, wie wir die Geldgeschichte attraktiv darstellen können.
Im Übrigen ist die Geldgeschichte auch keine Frage ausschließlich des Kapitalismus, Herr Oesterhelweg. Wenn Sie sich ein bisschen mit Geschich
(Beifall bei der LINKEN - Frank Oesterhelweg [CDU]: Ich habe über- haupt nichts gesagt, Herr Kollege! - Weitere Zurufe von der CDU)
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Der zweite Antrag kommt von CDU und FDP. Dieser Antrag beschränkt sich aber im Wesentlichen auf einen einzigen Aspekt, nämlich den Aufbau eines virtuellen Münzmuseums. Ein solcher Antrag ist aus dreierlei Gründen Murks:
Erstens gibt es schon Planungen und Skizzen für ein solches Projekt. Die von CDU und FDP jetzt erbetenen Konkretisierungen für dieses Projekt sind so allgemein gehalten, dass sie überhaupt nichts voranbringen. Der Antrag ist daher überflüssig.
(Beifall bei der LINKEN und bei den GRÜNEN - Editha Lorberg [CDU]: Wir verlassen uns da auf die Fachleute!)
Zweitens wird im Antrag nur von einem virtuellen Münzkabinett Niedersachsens gesprochen. Meine Damen und Herren, bei einem virtuellen Museum muss man auf die Grenzen Niedersachsens überhaupt keine Rücksicht nehmen,
sondern könnte eine viel weitere Vernetzung anstreben und eine beispielsweise europaweite Sammlung von virtuell dargestellten Münzen auch perspektivisch ins Auge fassen und als Ziel zusammen erörtern. Das machen Sie aber nicht. Ihr Antrag greift an diesem Punkt viel zu kurz.
Drittens ist ein virtuelles Münzmuseum als einzige Weiterentwicklung der Münzsammlung in Niedersachsen viel zu wenig. Das Besondere an einem Museum sind das Original, die Greifbarkeit der Geschichte, die unmittelbare Bekanntschaft mit dem Sachgegenstand und das pädagogische Angebot, das in den Museen gefördert werden könn
te. Der heimische Bildschirm und ein virtuelles Münzkabinett können genau das nicht leisten. Der Antrag setzt daher den falschen Schwerpunkt.
Ich denke, wir sind uns zumindest einig, dass wir hervorragende Münzsammlungen in Niedersachsen haben und dass wir sie auch viel besser darstellen könnten. Es wäre schön, wenn wir in den nächsten Jahren dazu kämen, aus dem, was wir hier haben, mehr zu machen, als Sie es wollen. Es geht darum, nicht nur schöne Bilder an PCs anzuschauen, sondern auch in schönen Museen schöne Ausstellungen zu präsentieren.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir hatten heute den ganzen Tag das Thema Geld. Deswegen passt die Behandlung der Geldgeschichte zum Abschluss des Abends sehr gut.
Meine Vorredner und Vorrednerinnen haben darauf hingewiesen, welche herausragenden Münzsammlungen in Niedersachsen vorhanden sind. Letzter Coup ist der Erwerb des Niedersächsischen Münzkabinetts.
Frau Heinen-Kljajić, da war ein kleiner Fehler. Das Niedersächsische Münzkabinett ist 1983 von der Deutschen Bank gekauft worden. Das war damals ganz wichtig. Sonst wäre es unter Umständen in alle Welt zerstreut worden. So hat man diesen Kulturschatz erhalten.
Jetzt musste das Land der Bank das Münzkabinett für 5 Millionen Euro abkaufen. 4 Millionen Euro davon kamen aus dem Konjunkturpaket. Eine Dauerleihgabe hätte ich zwar prickelnder gefunden. Durch diesen Kauf ist dieser Münzschatz jetzt aber endgültig für Niedersachsen gesichert.
zur Verfügung gestellt worden. Insbesondere haben wir im Landesmuseum jetzt ein klimatisiertes Depot für diese Münzen, das vorher nicht vorhanden war.
Es ist auch völlig legitim, wenn ein solcher Schatz dazukommt, den Wunsch zu äußern oder zu überlegen, wie man aus dem, was Niedersachsen in diesem Bereich hat, insgesamt mehr machen kann. Das ist also eine vernünftige Fragestellung. Um mehr daraus zu machen, gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Das Ministerium hat schon vor geraumer Zeit Herrn Cunz - das ist der bereits erwähnte Fachmann, der im Landesmuseum arbeitet und sich schon jahrelang speziell mit dieser Münzsammlung beschäftigt und vom Ministerium finanziert wird - gebeten, eine Konzeption zu entwickeln und vorzustellen, bei der es darum geht, wie man in Niedersachsen die Präsentation der unterschiedlichsten Münzsammlungen zusammenführen und konzentrieren könnte und wie man die Wertigkeit dessen, was wir dort haben, erhöhen kann.
Wenn ein solches Konzept vorliegt - sicher erst, wenn die neue Leitung des Landesmuseums im Amt ist; denn sie muss dort ein Wörtchen mitreden -, gibt es Diskussionen mit Experten und Beteiligten und Interessenten darüber, was man davon umsetzen kann und sollte.
eine zentrale Präsentation dieser Münzsammlungen vorzunehmen. Frau Behrens, Sie sagten, dass Sie das nicht in einem Haus zusammenführen wollen. Ihren Antrag kann ich lesen. Darin steht, dass man doch ambitioniert darüber nachdenkt, ein Schwerpunktmuseum - ähnlich wie in Berlin, München und Dresden - an einem Ort zu schaffen, und zwar in Hannover.
Das würde Folgendes bedeuten: Wenn man das alles in Hannover präsentiert, müsste man z. B. die Sammlungen der Göttinger Universität
- ja, genau -, die dort in Forschungskonzepte eingebunden sind, herauslösen, und man müsste aus Braunschweig - das verstößt gegen die Landesver
Auch wenn so etwas bei verschiedenen Eigentumsformen theoretisch möglich ist, wäre das - abgesehen von den eben genannten Schwierigkeiten - aus einem zentralen Grund nicht sehr effektiv. Ein reines Münzmuseum funktioniert nämlich nirgendwo. Das wäre ein Riesenmuseum mit einer halben Million Münzen. So etwas wäre vielleicht für Numismatiker, also für einen kleinen Personenkreis, von Interesse. Ein normaler Tourist - denken Sie an einen normalen Besucher oder an eine Schulklasse - wird von einer halben Million Münzen „erschlagen“. Die Erfahrungen zeigen, dass Münzen in einem gewissen Kontext in Verbindung mit anderen Dingen von Interesse sind, aber nicht einzig und allein als Münzen.
Ganz falsch finde ich Folgendes - übrigens nicht nur im Bereich von Münzen und Münzsammlungen, sondern auch im Bereich von Archäologie -: Es ist natürlich entscheidend, dass das Land sich besonders um die Highlights kümmert. Gerade bei herausragenden archäologischen Funden - wir haben so etwas jetzt an verschiedenen Stellen - ist es aber immens wichtig, dass sie vor Ort präsentiert werden und ohne große Barrieren und große Wege für alle erreichbar sind - gerade für Schulklassen, für Kinder und Jugendliche. Das Wissen, dass man an einem Ort wohnt, an dem man Münzen gefunden oder archäologische Funde gemacht hat, und die Vorstellung, dass an dieser Stelle vor Hunderten oder Tausenden von Jahren Menschen gelebt haben und dass das ihre Spuren sind, sind außerordentlich wichtig und nicht dadurch zu ersetzen, dass wir Busreisen nach Hannover organisieren, wo das alles an einer Stelle konzentriert wird. Gerade in einem Flächenland - dort ist das noch anders als in Stadtstaaten - ist dieser regionale Bezug außerordentlich wichtig.
Das Land macht das ja - z. B. mit dem Höckelheimer Münzschatz, der sich im Landesbesitz befindet, aber in Northeim im städtischen Museum präsentiert wird. Ich glaube, dass das der richtige und der effektive Weg ist.
Trotzdem besteht die Erwartungshaltung, dass es angesichts des Niedersächsischen Münzkabinetts und der herausragenden Bedingungen, die in Hannover dafür vorhanden sind, jetzt gelingt, dort große Münzausstellungen zu präsentieren - partiell
auch mit temporären Dauerleihgaben aus anderen Orten in Verbindung mit anderen Dingen. Beispielsweise gibt es die Idee von Herrn Cunz, dass man aus der keltischen Münzgeschichte als dem Beginn von Münzgeschichte und der Tatsache, dass Picasso, von dem wir Werke im Museum haben, keltische Motive verwendet hat, interessante und weltweit einmalige Ausstellungen kreieren kann - und das in unterschiedlicher Form. Oder bedenken Sie die Tatsache, dass es vormünzlich Geld gab und im Naturkundeteil des Landesmuseums sehr vieles an Muscheln oder anderen Materialien, mit denen gehandelt worden ist, zu sehen ist.
Denkbar sind also interessante Konstellationen und interessante Ausstellungen. Diese sollten, wenn es möglich ist, immer unter Einbeziehung dessen, was an anderen Orten vorhanden ist, aber temporär gezeigt werden.