Protokoll der Sitzung vom 07.12.2010

(Lebhafter Beifall bei der SPD - Beifall bei den GRÜNEN)

Herzlichen Dank, Frau Kollegin Behrens.

(Unruhe)

Wenn es etwas ruhiger geworden ist - danke schön -, hat Frau Kollegin Lorberg für die CDUFraktion das Wort. Bitte!

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir sprechen heute über eine der bedeutendsten Münzsammlungen, die wir hier in Niedersachsen haben. Liebe Frau Behrens, wenn Sie sagen, dass sich die Fachwelt dafür ausspricht, dass die unterschiedlichen Münzsammlungen hier in Niedersachsen zusammengefasst werden sollen, dann haben Sie vielleicht nur mit einem Teil der Fachwelt gesprochen; denn man sieht dies eigentlich sehr, sehr differenziert. Ich versuche jetzt, Ihnen das noch einmal deutlich zu machen.

Sie wissen, dass die Geschichte des Münzkabinetts ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Im Jahr 1983 erwarb die Deutsche Bank AG das ehemalige Königliche Münzkabinett, das als niedersächsisches Münzkabinett der Deutschen Bank in seinem Bestand gesichert und in das Gesamtverzeichnis national wertvollen Kulturgutes eingetragen wurde. Damit wird deutlich, worum es sich hier überhaupt handelt.

Das Wissenschaftsministerium und auch das Landesmuseum in Hannover haben das Münzkabinett in all den Jahren sehr vorbildlich unterstützt. Das kann man z. B. auch auf der Homepage des Landesmuseums hier in Hannover nachlesen. Es wurde auch sichergestellt, dass der Bestand sehr gut verwahrt wird.

Nach mehrjährigen Verhandlungen ist dem Land Niedersachsen dann im Dezember 2009 der Kauf dieses Münzkabinetts gelungen. Dieses Münzkabinett ist daraufhin in das Landesmuseum nach Hannover gebracht worden. Dadurch wurde sichergestellt, dass eine breite Öffentlichkeit, aber auch die Forschung Zugang zu diesem sehr bedeutungsvollen Münzkabinett hat.

Wir begrüßen sehr den Kauf des Münzkabinetts durch das Land. Wir sind dankbar, dass durch diese Entscheidung sein weiterer Bestand im Landesmuseum in Hannover unter besten konservatorischen Bedingungen gesichert wurde und dass Forschung betrieben werden kann.

(Beifall bei der CDU)

Liebe Kollegen, natürlich gibt es hier in Niedersachsen auch noch weitere beeindruckende Münzsammlungen. Diese befinden sich im Eigentum kommunaler Gebietskörperschaften, Firmen, Stiftungsuniversitäten und anderer Landesmuseen. Sie werden an sehr unterschiedlichen Orten aufbewahrt und zum Teil auch präsentiert. Diese Sammlungen haben jeweils einen regionalen Be

zug. Wir halten es für ausgesprochen wichtig, dass dieser regionale Bezug auch weiterhin bestehen bleibt.

(Zustimmung bei der CDU)

Es ist wichtig, dass sich die Eigentümer, aber auch die Menschen, die dort leben, mit dem, was sie an ihre eigene Geschichte erinnert, identifizieren können und dass sie das vor Ort haben. Nicht zuletzt ist diese regionale Unterbringung aber auch für Forschungsvorhaben ausgesprochen wichtig.

Wir setzen auf die freiwillige Möglichkeit, die Exponate in Ausstellungen zusammenzuführen und zu präsentieren, aber eben immer nur leihweise. Die Zusammenarbeit der Museen hier in Niedersachsen läuft ganz vorbildlich. Das wissen auch Sie. Eine Vernetzung kann aber immer noch besser ausgeprägt werden. Wir aber meinen, dass der Landtag den Museen keinesfalls die Art und Weise der Zusammenarbeit oder der Vernetzung vorschreiben sollte, wie Sie das in Ihrem Antrag beschreiben.

(Beifall bei der CDU)

Wir sind begeistert von der Einrichtung eines virtuellen Münzkabinetts in Niedersachsen. Wir sehen hier eine große Chance, um die vielfältigen Münzschätze auf virtuelle Weise zusammenzuführen und gleichzeitig die regionalen Identitäten zu wahren. Sowohl der Öffentlichkeit als auch der Forschung kommt ein virtuelles Münzkabinett sehr entgegen.

Daher lässt sich abschließend nur sagen: Im Grunde genommen liegen wir, liebe Kolleginnen und Kollegen von den Oppositionsparteien, inhaltlich eigentlich gar nicht so weit auseinander. Wir aber orientieren uns an der Realität, während Sie in der Weihnachtszeit mit „Wünsch dir was“ angekommen sind.

Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU)

Auch Ihnen herzlichen Dank. - Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat nun das Wort Frau Dr. Heinen-Kljajić. Bitte schön!

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der Antrag macht noch einmal deutlich, dass es kein Thema gibt, das es nicht wert wäre,

auch hier in diesem Hohen Hause diskutiert zu werden.

Das gilt auch für die Geldgeschichte in Niedersachsen. Münzsammlungen sind zweifelsohne von hoher historischer Bedeutung. Es ist, glaube ich, unbenommen aber auch ein verdammt schwieriges Geschäft, breite Massen mit numismatischen Ausstellungen anzusprechen. Deshalb ist es richtig, dass Niedersachsen diese Sammlung für 5 Millionen Euro von der Deutschen Bank aufgekauft hat.

Genauso richtig ist es aber auch, sich auch einmal Gedanken darüber zu machen, wie diese Sammlung präsentiert werden kann.

Ein virtuelles Münzkabinett, liebe Frau Lorberg, hilft an dieser Stelle aber nur wenig weiter; denn ein solches in einer zentralen Datenbank erfasstes Münzkabinett ist sicherlich sinnvoll und wünschenswert - allemal für die Forschung.

Aber erstens - darauf hat die Kollegin Behrens schon hingewiesen - ist so etwas schon angedacht bzw. angegangen worden. Diese Forderung ist also weder neu noch originell. Zweitens ist eine solche virtuelle Gesamtschau maximal für Fachleute interessant. Das heißt: Sie ändern nichts am Status quo der so aussieht, dass sich das Interesse für Münzsammlungen auf einen zweifelsohne feinen, bedauerlicherweise aber sehr kleinen Kreis von Fachzirkeln beschränkt.

Die Frage ist also: Was braucht man, um spannende Ausstellungskonzepte zu entwickeln oder Münzsammlungen sinnvoll in thematische Ausstellungen zu integrieren?

Der Vorschlag, den die SPD gemacht hat, ist zwar sehr ambitioniert. Es dürfte, glaube ich, schwierig werden, in unterschiedlicher Trägerschaft befindliche Sammlungen gemeinsam auszustellen oder engere Kooperationen der jeweiligen Einrichtungen zu initiieren. Aber immerhin ist es ein Anstoß, der eine wünschenswerte Zielperspektive beschreibt.

Sich jetzt auf die Erfassung der Sammlung im Netz bzw. in einer Datenbank zu beschränken, vergibt aber genau die Chance, dass sich alle an einen Tisch setzen, um zu überlegen, wie man mit den eigenen Beständen umgehen will. Deshalb werden wir die Beschlussempfehlung des Ausschusses nicht mittragen.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Danke schön, Frau Dr. Heinen-Kljajić. - Für die FDP-Fraktion hat sich Frau von Below-Neufeldt zu Wort gemeldet. Bitte schön!

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich freue mich sehr, dass das Thema Münzkabinett hier im Landtag behandelt wird. Die allgemeine Aufmerksamkeit im politischen Raum freut mich ebenfalls.

(Beifall bei der FDP)

Niedersachsen ist ein starkes Zukunftsland und steht eigentlich für Innovation und Forschung. Niedersachsen bietet aber auch höchst bemerkenswerte kulturelle Schätze.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, obwohl auch in Niedersachsen gespart werden muss, ist es trotzdem gelungen, wichtige Akzente im Bereich Kultur zu setzen. Der Ankauf der Münzen ist ein großer Erfolg für die Niedersächsische Landesregierung.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Schön ist, dass die SPD das erkannt hat und dass sich dadurch hier und heute die Gelegenheit ergibt, über das Münzkabinett zu sprechen. Wissenschaftler und Experten in Deutschland wissen bereits lange, dass diese einmalige Sammlung besteht. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, auch die breite Öffentlichkeit für dieses Thema zu gewinnen und für diese einzigartige Münzsammlung zu begeistern.

Meine Damen und Herren, 43 000 Einzelstücke - Medaillen und Münzen -, das ist ein wahrer Schatz unserer Geschichte. Er wurde über einen Zeitraum von 300 Jahren zusammengetragen, höchst beachtlich und einmalig. Wir wollen diese wertvolle Sammlung über ein virtuelles Münzkabinett für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Durch ein Pilotprojekt werden die Münzen nicht nur im Museum zu sehen sein, sondern können auch im Internet bestaunt und betrachtet werden. Das ist gut; denn das Münzkabinett dient natürlich auch jungen Forschern und Wissenschaftlern als Forschungsmaterial.

Freuen kann sich aber nicht nur die Fachwelt; freuen können sich auch alle anderen interessierten Menschen, die nun Zugang zu dieser Münzsammlung über dieses Portal bekommen werden. Mit der modernen Art der Präsentation dieser Kul

turgüter wird Niedersachsen seinem Ruf im wissenschaftlichen Raum auch international gerecht. Somit kann Niedersachsen auch international Interessierten zeigen, welche bedeutenden Werke hier vorhanden sind.

Die Ausschussempfehlung ist sachgerecht. Ich bitte, ihr zu folgen.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Herzlichen Dank, Frau von Below-Neufeldt. - Nun erhält für die Fraktion DIE LINKE Herr Perli das Wort.

(Beifall bei der LINKEN)

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe Zuhörerinnen und Zuschauer im World Wide Web und an den heimischen PC-Geräten! Vor ziemlich genau einem Jahr kaufte das Land der Deutschen Bank aus Konjunkturmitteln eine bedeutende Münzsammlung ab.

(Zustimmung bei der CDU)

Der historische Münzschatz der Welfen umfasst 43 000 Münzen, Plaketten, Orden und Medaillen aus der Zeit vom Mittelalter bis zur Neuzeit.

Etwa 170 Sammlungsgegenstände werden seit dem 3. September 2010 im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover gezeigt. Ich kann Ihnen sehr empfehlen, sich das dort einmal anzuschauen.

(Christian Dürr [FDP]: Sehr gut!)