Wir kommen zur Abstimmung. Wer der Beschlussempfehlung des Ausschusses zustimmen und damit den Antrag der Fraktion DIE LINKE in der Drs. 16/2869 ablehnen möchte, den bitte ich um das Handzeichen. - Die Gegenprobe! - Enthaltungen? - Dann ist so beschlossen.
Einzige (abschließende) Beratung: Die Bedeutung der Geldgeschichte in Niedersachsen entwickeln und stärken: Münzkabinett des Landesmuseums muss mit anderen Sammlungen und Institutionen vernetzt und aufgewertet werden - Antrag der Fraktion der SPD - Drs. 16/2501 - Beschlussempfehlung des Ausschusses für Wissenschaft und Kultur - Drs. 16/3109
(Björn Thümler [CDU]: Das wollten wir auch immer schon wissen! - Jens Na- cke [CDU]: Darauf warte ich schon den ganzen Tag, Herr Präsident!)
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich, Ihnen am Ende dieses schweren Tages noch ein Highlight präsentieren zu dürfen.
Wir beschäftigen uns heute mit einem Kabinett, das Leuchtkraft über die Grenzen Niedersachsens hinaus entwickeln kann und zu einem Aushängeschild werden könnte. Sie werden es ahnen: Es ist nicht das Kabinett, das hier links und rechts neben mir sitzt.
Nein, es geht uns um das großartige Münzkabinett des Niedersächsischen Landesmuseums. Es ist ein großer Schatz, den das Land hier erworben hat. Die Geschichte dieser großartigen Sammlung geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Tausende von Münzen und Medaillen erzählen Geschichten, wenn man sie lässt und sie entsprechend präsentiert.
Wir sind der Meinung, dass dieses Münzkabinett das Potenzial zu mehr hat. Wir sind ja immer auf der Suche nach kulturpolitischen Leuchttürmen in Niedersachsen. Hier haben wir einen Leuchtturm; zumindest könnten wir ihn entwickeln, wenn wir denn diese Chance ergreifen.
Münzen sind ein historisches Zahlungsmittel. Sie sind Spiegel der Zivilisation der Epoche, aus der sie stammen. Sie geben Auskunft über politische, wirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge und sind somit unschätzbare historische soziokulturelle Quellen, ohne die die historische Forschung heute gar nicht auskommt.
Münzen geben auch - das finde ich an dieser Stelle besonders schön - profunde Auskunft über Sammler und Bewahrer.
Ich möchte in diesem Zusammenhang den Kollegen Riese ausdrücklich erwähnen - ich weiß nicht, wo er ist -, der uns in diesem Jahr mit einem besonderen Fall der Münzverwendung vertraut gemacht hat,
indem er seine Kaufgeschäfte mit einer stattlichen Anzahl von 2-Euro-Münzen, handlich verpackt, erledigt hat. Das fand ich doch sehr bemerkenswert.
Meine Fraktion hat einen ambitionierten Antrag vorgelegt, der den Weg weist, wie wir die Landeshauptstadt zu einem numismatischen Zentrum in Deutschland und darüber hinaus entwickeln können.
Doch was macht die Mehrheit in diesem Hause? - Liebe Kollegen von CDU und FDP, Sie begnügen sich mit einem Änderungsantrag, der nur den Status quo beschreibt, der die wirklich innovativen Momente des Antrages der SPD-Fraktion überhaupt nicht annimmt. Ihr kulturpolitischer Anspruch ist auch dieses Mal wieder sehr mickerig, liebe Kollegen von CDU und FDP; das muss man sagen.
Was ist Inhalt unseres Antrages? - Wir wollen ein institutionelles Konzept zur Weiterentwicklung der Darstellung der Geldgeschichte, das sich nicht nur auf die Ausstellung in einem Landesmuseum oder im Rahmen der Landesausstellung 2014 beschränkt, sondern wir wollen mehr.
Wir wollen die Zusammenarbeit der einzelnen musealen und universitären Einrichtungen für eine gemeinsam angelegte wissenschaftliche Begleitung der bedeutenden Sammlungen in Niedersachsen. Wir wollen externe Experten einbeziehen. Wir sehen großen Chancen, Gelder bei Stiftungen dafür einzuwerben.
Wir wollen den Dialog mit der Landeshauptstadt Hannover aufnehmen, um zu gemeinsamen Ausstellungen zu kommen und vor allen Dingen eine
Wir wollen aber auch die Regionen einbeziehen; denn wir haben - wie Sie sicherlich alle wissen; Sie werden sie schon oft besucht haben - eine wirklich stattliche Anzahl von Münzsammlungen in Niedersachsen. Ich möchte Einbeck, Hildesheim, Göttingen, Northeim, Nienburg, Lüneburg, Emden und Oldenburg nennen. Überall dort finden Sie wirklich bedeutende Sammlungen an Münzen. Die wollen wir miteinander vernetzen. - Liebe Kolleginnen und Kollegen von CDU und FDP, es geht nicht um eine physische Vernetzung. Wir wollen keiner Region die Münzen wegnehmen, sondern wir wollen eine koordinierte Betreuung und Begleitung.
Last, but not least möchten wir diese Geldmünzen in die Museumsentwicklungsplanung in Niedersachsen einbeziehen.
Frau Ministerin Wanka, ich habe jüngst gelesen, auch Sie haben jetzt den Charme der Kulturentwicklungsplanung erkannt und wollen in Niedersachsen entsprechende Wege gehen. Bisher hat dies Ihr Ministerium immer abgelehnt. Deswegen bin ich voller Hoffnung, dass wir jetzt dort zu Erneuerungen kommen.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, was sagt die Fachwelt zu unserem Antrag? - Die Anhörung des Landesnumismatikers im Ausschuss hat uns recht gegeben. Die Weiterentwicklung der Münzsammlungen muss so angelegt sein, dass es über eine virtuelle Präsentation hinausgeht.
Ich glaube, es gibt wenige Anträge der SPDFraktion, bei denen wir so viele Zuschriften bekommen haben. Wir haben Zuschriften von Numismatikern aus allen Teilen der Welt erhalten.
„Es wäre unverzeihlich, wenn mit solchen menschlichen, ideellen und materiellen Werten nicht gewuchert würde. Niedersachsen besitzt mit den Sammlungen einen augenfälligen Baustein seiner kulturellen und wirtschaftlichen Identität.“
„In Anbetracht des hohen Aufwands, den das Land nun aufgebracht hat, um die Sammlung zu retten, ist Ihre Initiative ganz besonders zu begrüßen. Dass ein einzelner Historiker, zudem der einzige in diesem Fach ausgewiesene, in seiner Institution nun in neuer Umgebung fast allein die Aufgabe zu bewältigen hat, ist ein auf Dauer nicht zu vertretender Umstand.“
(Beifall bei der SPD - Björn Thümler [CDU]: Das geht mit Münzen aber nicht! - Jens Nacke [CDU]: Wenn man Klotzen will, dann braucht man Scheine!)
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Fachwelt kann über den Änderungsantrag von CDU und FDP also nur milde lächeln. Die virtuelle Aufbereitung des Münzkabinetts hat längst begonnen. Zudem gibt es ein Forschungsprojekt der DFG in Braunschweig und Wolfenbüttel. Deswegen ist das alles nichts Neues, was Sie aufgeschrieben haben. Sie schreiben den Status quo fest. Sie schreiben das auf, was im Ministerium schon gemacht wird. Das ist, glaube ich, kein kulturpolitischer Ehrgeiz, den Sie da entwickelt haben.
Ich komme zum Schluss, meine geehrten Damen und Herren. Der Änderungsantrag taugt nichts. Deswegen lehnen wir ihn ab. Stimmen Sie unserem Antrag zu. Das ist ein wirklicher kulturpolitischer Meilenstein für Niedersachsen.