Protokoll der Sitzung vom 19.01.2011

(Unruhe - Glocke des Präsidenten)

Das entspricht dem aktuellen Stromverbrauch der Stadt Hannover. Diese Stromautobahn, die man dort bauen möchte, ist in beiden Richtungen befahrbar: Man kann Strom aus Wasserkraft aus Norwegen nach Niedersachsen

(Kurt Herzog [LINKE]: Das alles kön- nen Sie sich doch sparen! Das wissen wir doch schon!)

und Windenergie aus Niedersachsen nach Norwegen transportieren.

(Kurt Herzog [LINKE]: Ach, guck an!)

Das ist eine wunderbare Sache. Aber mir fehlt immer noch das Verständnis dafür, warum Sie von der linken Seite diesem Antrag nicht zustimmen können.

(Zustimmung bei der CDU)

Natürlich wird man dort nur Überschüsse transportieren können. Aussagen, wie sie im September im Fernsehen zu hören waren, man könne damit 60 Kernkraftwerke in Europa abschalten, sind definitiv falsch.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: So ist das!)

Aber dieses Kabel wäre ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung der Versorgung.

(Rolf Meyer [SPD]: Jetzt wiederholt er denselben Quatsch wie im Novem- ber!)

Ich bin Sparkassenkaufmann. In unserer Ausbildung hat man immer davon gesprochen, dass man bei der Anlage von Vermögen niemals alle Eier in einen Korb legen soll. Das ist bei der Energieversorgung genauso. Der Dreiklang von sicherer, sauberer und bezahlbarer Energie bedeutet, dass man die Energieversorgungssicherheit auf mehrere Schultern verteilen sollte, damit man nicht darunter leidet, wenn eine dieser Komponenten einmal ausfällt, wenn also die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.

Ich habe mir jetzt im Winter mit großem Genuss eine ganze Reihe von Fotovoltaikanlagen angeschaut, die Wochen, wenn nicht gar Monate unter Schnee verborgen waren und bei denen die Sonne keine Chance hatte, für uns sauberen Strom zu produzieren.

(Björn Thümler [CDU]: So ist das!)

Meine sehr geehrten Damen und Herren, grenzüberschreitende Kabel wie das NorGer-Kabel wären ein wichtiger Beitrag zur Steigerung der Sicherheit der Versorgung. Wenn Sie auch dieser Meinung sind, dann lade ich Sie ein: Stimmen Sie unserem Antrag zu!

Vielen Dank.

(Starker Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen spricht Herr Wenzel. Bitte sehr!

(Rolf Meyer [SPD]: Stefan, erkläre ihm einmal, was virtuelle Kraftwerke sind! - Gegenruf von Dr. Gero Clemens Hocker [FDP]: Sie konnten es ja nicht!)

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Herr Bäumer, ich habe einen Verdacht.

(Heiterkeit und Beifall bei den GRÜ- NEN, bei der SPD und bei der FDP)

Ich fürchte, dass Ihr Antrag zu schwammig formuliert ist. Sie wissen, dass wir alle bei diesem Thema eigentlich einer Meinung sind.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: Eben! Das haben wir doch in Norwe- gen geklärt!)

Es ist uns gelungen, in Finnland eine gemeinsame Presseerklärung zu formulieren, in der CDU, FDP, SPD und Grüne - auch Herr Herzog war dabei, war aber erkrankt - - -

(Björn Thümler [CDU]: In Norwegen! - Wilhelm Heidemann [CDU]: In Finn- land? Ihr wart doch in Schweden!)

- Die Formulierung wurde in Norwegen erstellt.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: In Skandinavien!)

- Es war auf jeden Fall in Skandinavien.

(Professor Dr. Dr. Roland Zielke [FDP]: Das ist zu schwammig!)

Wir waren uns einig, dass das NorGer-Kabel notwendig ist. Wir waren uns einig, dass auch die Schritte eingeleitet werden müssen, um das voranzubringen. Es ist, meine ich, auch ein Erfolg dieser Reise, dass wir für das NorGer-Kabel mittlerweile eine Ausnahmegenehmigung bekommen haben. Die Chance, dass das Kabel realisiert wird, ist deutlich größer als noch vor einem halben Jahr.

Aber in der Konsequenz wäre es auch sinnvoll gewesen, in einem solchen Antrag genauer zu formulieren, was für weitere Projekte dieser Art notwendig wäre. Ihr Antrag ist so schwammig formuliert, dass wir erlebt haben, dass man hierbei zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen kommen kann.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: Es muss doch einen Grund geben, um diesen Antrag abzulehnen!)

Herr Meyer hat es eben deutlich gemacht: Man kann vieles in diesen Antrag hineininterpretieren. Wir wollen nicht unterstellen, dass Sie mit diesem Antrag noch irgendetwas indirekt im Schilde führen. Wir glauben, dass es tatsächlich um das

NorGer-Kabel und weitere Verbindungen nach Norwegen oder künftig auch nach Schweden geht.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: Das wäre eine Chance für einen gemein- samen Antrag gewesen!)

Von daher wäre es aber notwendig gewesen - das war unser Angebot -, in den Antrag zu schreiben, dass z. B. die Netzanschlussverordnung überprüft werden muss, oder auch deutlich zu machen, dass alle technischen Anlandungspunkte hier genutzt werden sollen.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: Da- von machen Sie den gemeinsamen Antrag abhängig!)

Sie wissen ganz genau, dass wir in diesem Bereich seit 1935, seitdem die Nationalsozialisten das Stromwirtschaftsgesetz gemacht haben, eine Monopolisierung haben, die nie überwunden wurde. Von daher ist es an dieser Stelle sinnvoll und notwendig, in der Netzanschlussverordnung eine wettbewerbsneutrale Regelung zu treffen, die verhindert, dass sich am Ende wieder die großen Stromkonzerne durchsetzen. Wir wissen, dass E.ON schon einmal viel weiter war, aber am Ende dann die Verträge gecancelt hat. Mit anderen Worten, Herr Bäumer: Die Brücke war da.

(Karl-Heinrich Langspecht [CDU]: Aber ihr seid nicht darüber gegangen!)

Sie hatten die Gelegenheit, darüber zu gehen.

Wir werden nicht gegen Ihren Antrag stimmen. Inhaltlich sind wir vielleicht auf einer Linie. Wir werden uns aus den vorgenannten Gründen enthalten und hoffen, dass trotz dieses schwammigen Antrags weitere Projekte auf den Weg kommen.

Ich danke Ihnen.

(Beifall bei den GRÜNEN)

Als Nächster hat sich Herr Minister Sander zu Wort gemeldet.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wir alle wissen, dass der Ausbau der deutschen und europäischen Hochspannungsnetze der Schlüssel für eine erfolgreiche deutsche und europäische Energie- und Klimaschutzpolitik ist.

Wie ich hier festgestellt habe, gab es eine große Übereinstimmung.

Als Mitglied der Landesregierung kann ich nur sagen: Der Antrag ist wirklich mehr als gut. Meine Damen und Herren, ich verstehe zwar, dass die Opposition ihr Ritual wieder spielen muss. Aber heute, Herr Wenzel, hätten Sie die Chance gehabt, endlich mal einen konstruktiven Beitrag zu leisten.

Herzlichen Dank.

(Starker Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Meine sehr verehrten Damen und Herren, jetzt liegen keine weiteren Wortmeldungen mehr vor. Damit sind wir am Ende der Beratung.

Wir kommen zur Abstimmung.