Protokoll der Sitzung vom 21.01.2011

(Beifall bei der FDP)

Angesichts des aktuellen Rekordhochs der Beschäftigtenzahl in Niedersachsen müssen wir aufpassen, dass dieser positive Trend nicht durch falsche arbeitsmarktpolitische Maßnahmen gefährdet wird. Die Festsetzung eines Mindestlohns wird die Frage der Gerechtigkeit nämlich nicht lösen, insbesondere in der Zeitarbeit nicht. Zeitarbeit dient der flexiblen Reaktion auf Auftragsschwankungen.

(Johanne Modder [SPD]: Glauben Sie das immer noch?)

Sie ist eine Brücke aus der Arbeitslosigkeit und muss somit als Instrument gesichert werden. Sie muss grundsätzlich beibehalten werden, jedoch sollte sie neuen Regeln unterworfen werden. Noch einmal: Dieses flexible Instrument brauchen wir, um wirtschaftliche Schwankungen auszugleichen.

Das ändert auch die Öffnung des Arbeitsmarktes ab dem 1. Mai dieses Jahres nicht. Sie sagen - und jetzt hören Sie gut zu -, es drohe ein ruinöser Unterbietenswettbewerb zulasten der deutschen Belegschaft. Damit nehmen Sie bewusst in Kauf, Menschen unterschiedlicher Herkunft gegeneinander auszuspielen.

(Beifall bei der FDP - Zurufe von der SPD, von den GRÜNEN und von der LINKEN)

Ich halte das für nicht ungefährlich. Ich warne an dieser Stelle vor möglichen Ressentiments gegenüber Menschen, die aus Osteuropa zu uns kommen wollen.

(Beifall bei der FDP)

Frau Kollegin König, gestatten Sie eine Zwischenfrage der Kollegin Weisser-Roelle?

Jetzt nicht. Das kann ja als Kurzintervention kommen.

(Johanne Modder [SPD]: Nein, besser nicht! Es wird nur noch schlimmer!)

Jeder motivierte Arbeitnehmer, der zu uns kommt, ist eine Bereicherung für unsere Volkswirtschaft.

(Stefan Schostok [SPD]: Aber doch nicht für Dumpinglöhne!)

Gerade die SPD hat sich doch immer als Partei der europäischen Solidarität dargestellt. Vorgestern haben Sie sich in der Extremismusdebatte noch

als Anwalt von Migranten und Ausländern geriert. Heute - das muss ich Ihnen ganz ehrlich sagen - geht Ihnen in Ihrem Antrag ein bisschen das Fingerspitzengefühl verloren.

(Beifall bei der FDP)

Anstelle eines Mindestlohnes setzen wir Liberale auf das Prinzip des Equal Pay, also der Angleichung an die Entlohnung für diejenigen in der Stammbelegschaft eines Unternehmens, mit denen auf Augenhöhe gearbeitet wird.

(Stefan Schostok [SPD]: Das ist ja et- was ganz Neues! Angleichung nach unten, oder?)

Wer gleiche Arbeit erledigt, soll dafür auch das gleiche Geld bekommen.

(Johanne Modder [SPD]: Beide wenig!)

Das geht nicht vom ersten Tag an. In der Einarbeitungszeit ist das nicht zu leisten. Das weiß eigentlich auch jeder außer Ihnen.

(Beifall bei der FDP - Hans-Werner Schwarz [FDP]: Fast jeder!)

Eine zeitnahe Angleichung kann jedoch tariflich vorgenommen werden, eventuell mit einer gewissen Möglichkeit einer Lohnuntergrenze oder anderen Dingen.

(Olaf Lies [SPD]: Wie lang ist denn diese Zeit?)

Staatliche Lohnpolitik, etwa über einen gesetzlichen Mindestlohn, bremst hingegen die Beschäftigungsdynamik und kostet Wachstum und Wohlstand. Das ist das Letzte, was mit uns zu machen ist. Über die Anzahl der Monate lässt sich eventuell noch einmal reden.

(Johanne Modder [SPD]: Eventuell!)

Sie haben gesagt: zwölf Monate. Das ist die Verhandlungsbasis am Anfang.

(Olaf Lies [SPD]: Das haben Sie doch gesagt!)

Ob es dahin kommt oder weniger wird, darüber kann man noch einmal diskutieren. Das steht hier überhaupt nicht zur Debatte.

(Beifall bei der FDP)

Herzlichen Dank. - Auf Frau Kollegin König liegt eine Wortmeldung zur Kurzintervention vor. Frau Kollegin Weisser-Roelle, Sie haben das Wort.

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Frau König, auf Sie ist Verlass. Das „K“ kann ich hinlegen, und ich weiß: Es kommt zum Tragen.

(Beifall bei der LINKEN und bei der SPD)

Anderthalb Minuten reichen nicht aus, aber ich möchte doch auf einige Punkte eingehen.

Sie haben gesagt, der positive Trend der niedersächsischen Wirtschaft oder der deutschen Wirtschaft dürfe nicht durch Mindestlöhne gebremst werden. Das heißt im Umkehrschluss für mich, dass Sie sagen wollen: Die Wirtschaft blüht, aber nur mit niedrigen Löhnen. - Das wiederum können wir nicht akzeptieren. Darum sagen wir: Es muss einen Mindestlohn geben!

(Beifall bei der LINKEN)

Leiharbeit für flexible Schwankungen. Niemand hier, selbst wir nicht, hat gesagt, Leiharbeit müsse ganz abgeschafft werden. Wir wollen Leiharbeit nur für die Spitzen, wie es eigentlich einmal vorgesehen war. Aber wenn mittlerweile mehr als 40 % der Menschen in Leiharbeit oder in befristeten Arbeitsverhältnissen sind, dann hat das mit Schwankungen nichts mehr zu tun. Das ist eine Ausbeutung der Menschen.

(Beifall bei der LINKEN, bei der SPD und bei den GRÜNEN - Kreszentia Flauger [LINKE]: Das hat System!)

- Das hat System.

Ich bitte Sie, eine Frage noch zu beantworten: Was heißt für Sie „zeitnah“? Das haben Sie so in den Raum gestellt. Das würde ich gerne noch einmal erläutert haben.

Was Sie danach gesagt haben, Frau König, fand ich sehr dreist. Sie haben den beiden Fraktionen, die die Anträge zum Thema Mindestlohn gestellt haben, unterstellt, sie würden damit ausdrücken, dass deutsche Arbeiter oder Arbeiterinnen einen Mindestlohn bekommen, während für ausländische ein niedriger Lohn reicht - so ungefähr haben Sie sich ausgedrückt -, und das würden Sie ablehnen.

(Hans-Werner Schwarz [FDP]: Das hat sie aber nicht gesagt, Frau Weis- ser-Roelle! Das hat sie nicht gesagt!)

Jetzt sind die anderthalb Minuten vorbei.

Ich möchte Sie erinnern - - -

Sie können an viele Dinge erinnern, aber nicht mehr von diesem Platz aus, Frau Kollegin Weisser-Roelle, weil die anderthalb Minuten vorbei sind. Ich möchte Sie bitten, sich hinzusetzen, Frau Kollegin.

Jetzt folgt eine weitere Kurzintervention von Herrn Kollegen Lies. Auch für Sie anderthalb Minuten.

(Jens Nacke [CDU]: Herr Lies hat doch schon gesprochen!)

Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen! Eigentlich müsste es eine Selbstverpflichtung sein, sich nicht zu melden, weil ich befürchte, dass ich mich für die anderthalb Minuten Antwort genauso schämen muss wie für das, was Sie bisher gesagt haben.

(Beifall bei der SPD und bei der LIN- KEN - Christian Dürr [FDP]: Gut, dass Sie das schon mal ankündigen!)

Diese Rede war wirklich von vorgestern. Die war nicht nur von gestern, sondern von vorgestern.

(Hans-Werner Schwarz [FDP]: Ihr Bei- trag war von vorgestern?)