- Ja. Das spielt aber dort hinein, Herr DammannTamke, ob Sie es wahrhaben wollen oder nicht. Es gehört schon zusammen.
Unsere Bürgerinnen und Bürger haben auch kein Verständnis für Politiker, die die Gefährdung nicht begreifen und lieber die Genlobby bedienen.
Übrigens importiert Deutschland einen Großteil seines Honigs, etwa 80 %. Der Löwenanteil davon stammt aus Ländern außerhalb Europas, in denen der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verbreitet ist, insbesondere aus Mittel- und Südamerika. So sehr ich auch den Honigbauern dort Gewinne gönne - in diesem Fall sind mir die europäischen Imker näher, die an die Gesundheit unserer Bevölkerung denken, also auch an unsere Enkelkinder, Herr Dammann-Tamke.
Ich glaube nicht an Gentechnik in der Landwirtschaft. Auch aus Gründen der Transparenz sollen Menschen in der Lage sein, selbst ihren Honig wählen zu können,
möglichst im Interesse ihrer Gesundheit. Die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln hält Rot-Grün für eine Selbstverständlichkeit, im Interesse von mündigen Bürgerinnen und Bürgern.
Wir sind - dabei bleiben wir auch heute; deswegen ist das auch der Kontext - für ein genfreies Niedersachsen. Ich wiederhole: Wir sind für ein genfreies Niedersachsen.
Nicht umsonst, Herr Dammann-Tamke steht im Koalitionsvertrag der Großen Koalition in Berlin: „Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an.“ Das hat auch die CDU mit hineingeschrieben. Aber aus Erkenntnissen heraus müssen endlich auch Handlungen erfolgen.
Rot-Grün tut dies verantwortungsbewusst. Wir halten es für die Pflicht der Landesregierung, sich bei der Bundesregierung nachhaltig für eine Ablehnung der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderung der Honigrichtlinie einzusetzen, und wir wären höchst erfreut, wenn dies die Zustimmung des gesamten Hauses finden könnte.
(Starker Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Helmut Dammann- Tamke [CDU]: Reden wir über Honig oder über Mais? Honig oder Mais, Mais oder Honig?)
Vielen Dank, Herr Kollege Strümpel. - Ich erteile jetzt dem Kollegen Hans-Heinrich Ehlen für die CDU-Fraktion das Wort.
Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zunächst möchte ich einmal klarstellen - darin stimme ich mit dem Kollegen Strümpel überein -, dass Honig ein sehr wichtiges Lebensmittel ist, das uns allen sehr am Herzen liegt. Auf der Jubiläumsveranstaltung der Imker hat der Referent nachmittags festgestellt: Die Bienen sind nach Rind und Schwein die drittwichtigste Tierart, was die volkswirtschaftliche Leistung anbelangt.
Deshalb will ich hier einmal versuchen zu erklären, was Pollen sind, was Nektar ist und was Honig ist; denn das wird ja alles immer wieder durcheinandergeworfen.
Es ist eigentlich ganz einfach: Die Pflanze, die Blüte bringt Nektar hervor, um die Bienen anzulocken. Die Bienen kommen dann und saugen den Nektar, daraus machen sie in ihrem Honigmagen durch Fermentation Honig und bringen ihn dann in die Waben. Aber dadurch, dass sie auf die Blüte fliegen, werden die Pollen, die zur Befruchtung einer anderen Blüte, eines anderen Stempels nötig sind, von der einen Blüte zur anderen bzw. von der einen Pflanze zur anderen getragen.
Das heißt, das wird nicht durch Menschenhand künstlich hinzugefügt. Darauf fußt letztendlich diese Änderung der Richtlinie der Europäischen Kommission.
Herr Kollege Ehlen, Sie haben ja eben Szenenapplaus bekommen. Der Kollege Janßen nimmt das zum Anlass, Ihnen eine Zwischenfrage stellen zu wollen. Lassen Sie die zu?
Herr Präsident! Herr Ehlen, wenn Sie der Auffassung sind, dass die Pollen nun nicht künstlich hinzugefügt werden, sind Sie dann auch mit mir einer Meinung, dass das ein Bestandteil des Honigs ist, wenn die Pollen da drin sind?
Um das weiter zu erklären: Im normalen Honig sind Pollen drin. Das geht von 0,05 g bis hin zu der Grenze, bei der das deklariert werden muss, von 0,9 g. Im Schnitt sind es 0,03 g. Diese 0,9 g sind das Dreißigfache dessen, was wir im Durchschnitt an Pollen im Honig haben. Diese Grenze, diese 0,9 g, bei der jetzt deklariert werden muss, hat also eigentlich nie gegriffen. Deshalb muss man sich natürlich auch fragen, worüber wir hier eigentlich reden.
Wenn wir sagen, dass das ein zugesetzter Bestandteil im Honig ist, dann gehen wir von einer total falschen Ausgangslage aus. Und ich möchte doch meine Kolleginnen und Kollegen von den regierungstragenden Fraktionen bitten, sich darüber klar zu werden, dass sie hier von der Sache her auf dem falschen Weg sind. Dass Sie das ideologisch untermauern wollen, habe ich ja voll begriffen. Ich glaube aber auch, dass die wirklich nachdenklichen Imker deshalb sagen: In dem Moment, in dem wir da irgendetwas draufschreiben, schüren wir letztlich auch Angst davor, Honig zu konsumieren.
Deshalb, meine ich, sollten wir aufpassen, dass hier nicht irgendetwas in Gang gesetzt wird, das uns am Ende - und ich bin Mitglied im hannoverschen Imkerverband - selber schadet.
Meine Damen und Herren, ich will hier auch noch ein paar andere Dinge ansprechen, die in Ihrem Antrag stehen. Herr Kollege Strümpel, Sie haben
eben den Genmais angesprochen. Der wird in Niedersachsen und in Deutschland nicht angebaut, auch in der Vergangenheit wurde er nicht angebaut. Wir haben keine Kulturfrucht unserer Landwirtschaft, die genverändert ist. Deshalb meine ich schon, der Ansatz ist hier total verfehlt. Und die Hetze - sage ich mal - gegen unsere Landwirtschaft, unsere Bauern ist total fehl am Platze.
Vielleicht noch zu ein paar anderen Dingen, die einen sehr nachdenklich machen: Meine Damen und Herren, wir alle freuen uns, wenn wir in die Stadt fahren, z. B. nach Berlin, und da „Hotelhonig“ kaufen können, weil oben auf dem Hoteldach Bienenstöcke sind. Meine Damen und Herren, wissen Sie, wovor die Imker in Wirklichkeit große Angst haben? - Nicht vor den Kulturpflanzen; denn Mais bringt sowieso fast null Nektar. Sie haben viel mehr Angst vor den Zierpflanzen in den Blumenbeeten in den Städten, in den Balkonkästen und Blumenkübeln. Denn da sind sehr, sehr viele genveränderte Pflanzen dabei - im Gegensatz zu den Pflanzen, die unsere Landwirtschaft anbaut.
Meine Damen und Herren, das soll es von meiner Seite gewesen sein. So leid es mir tut, aber diesem Antrag können wir nicht zustimmen.
Vielen Dank, Herr Kollege Ehlen. - Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen erteile ich dem Kollegen Heiner Scholing das Wort.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Erst mal vielen Dank für die aufmunternden Worte, die da gerade kamen. Ich habe mir vorgenommen, es ohne Kostüm zu machen.
Es ist ja gar nicht so ein süßes Thema; das haben wir hier gerade gehört. Denn es geht nicht um etwas Süßes. Im Klartext: Es geht um Gentechnik. Und das ist wirklich kein süßes Thema.