Protokoll der Sitzung vom 21.01.2016

Mit dem neuen Strommarktgesetz, das am 4. November vom Bundeskabinett beschlossen worden ist, bekommen wir einen Strommarkt, der die Integration der erneuerbaren Energien mit entspre

chenden Marktanreizen fördert. Der Energiemarkt 2.0 ist nun ausdrücklich kein Kapazitätsmarkt geworden, sondern ein Leistungsmarkt, der eine freie Preisbildung gewährleistet. Nur zur Versorgungssicherheit in außergewöhnlichen Extremsituationen ist eine Kapazitätsreserve vorgesehen, die aber nicht am Marktgeschehen teilnimmt und insofern auch keinen Einfluss auf die Preisbildung hat.

Auch Ihr Dauerbrenner, die Senkung der Stromsteuer, ist mittlerweile ein alter Hut. Es ist eine Legende, Herr Dr. Hocker, es habe, wie Sie behaupten, am grünen Koalitionspartner gelegen, dass das hier nicht verfolgt würde. Das Gegenteil ist der Fall. Wir selbst, Rot-Grün, haben mit Datum vom 11. Juni 2013 einen Entschließungsantrag vorgelegt, betitelt mit „Die Energiewende nicht ausbremsen - Strompreisanstieg wirksam dämpfen“, in dem wir genau das vorgeschlagen haben.

(Jörg Bode [FDP]: Was ist danach passiert?)

- Herr Bode, seitdem ist die Landesregierung in diesem Sinne unterwegs

(Jörg Bode [FDP]: Wohin? - Christian Dürr [FDP]: Diese Landesregierung ist unterwegs?)

- vorher auch schon! -, und sie versucht eine Beeinflussung derjenigen, die auf der Bundesebene entsprechende Beschlüsse fassen können.

(Jörg Bode [FDP]: Also sie ist seit 2013 erfolglos unterwegs!)

Keine Dialoge, Herr Bode! Keine Dialoge!

Das geht jetzt schlecht, wenn Sie mir dazwischenreden, während ich versuche, Ihnen das zu erklären,

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Jörg Bode [FDP]: Ich woll- te Sie inspirieren!)

wenn Sie mir eine Frage herüberwerfen und ich so nett bin, darauf einzugehen. Hören Sie doch einfach zu! - Seitdem haben wir die Situation, in der der Bund sagt: Wir haben eine Finanzierungslücke, wenn wir auf diese 25 % Strompreissteuer, also den auf die erneuerbare Energie entfallenden Anteil, verzichten. Wir wissen nicht, wie wir die Lücke decken sollen. - Dementsprechend gibt es bis da

to - auch im Bundesrat - keine Mehrheiten, mit denen das erreichbar wäre, und derer bedarf es.

(Unruhe - Glocke der Präsidentin)

Das ist die ganz einfache und ganz simple Wahrheit.

Herr Kollege, lassen Sie eine Frage des Kollegen Bode zu?

Bitte schön!

Bitte, Herr Bode!

Vielen Dank, dass Sie die Zwischenfrage zugelassen haben. - Nachdem Sie eben gerade gesagt haben, dass die Landesregierung seit 2013 erfolglos auf dem Weg ist, die Stromsteuer zu senken, und dafür als Grund eine Finanzierungslücke im Bundeshaushalt angeführt haben, ist meine konkrete Frage: Gibt es, nachdem der Bundesfinanzminister einen außergewöhnlichen überplanmäßigen Überschuss von über 12 Milliarden Euro im letzten Haushaltsjahr realisiert hat, Initiativen, diesen Haushaltsüberschuss in eine Senkung der Stromsteuer einzubringen? Von wem, von der Landesregierung? Ist damit zu rechnen?

(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Christian Dürr [FDP]: Das hat Herr Weil versprochen!)

Bitte, Herr Becker!

Herr Bode, Sie wissen genauso gut wie ich, wo die Steuergesetze in diesem Land gemacht werden. Sie werden in Berlin gemacht.

(Jörg Bode [FDP]: Ja! Aber vielleicht eine Initiative!)

Insofern bin ich für diese Frage schlicht der falsche Adressat.

(Jörg Bode [FDP]: Ich dachte, Sie hät- ten etwas gehört oder so!)

Ich kann Ihnen nur sagen, dass wir, Rot-Grün, und dass die Landesregierung daran festhalten, für diesen Ansatz Mehrheiten zu suchen.

(Glocke der Präsidentin)

Das Ganze ist eine Reaktion auf Ihren Kollegen Dr. Hocker, der hier behauptet hat, es habe am grünen Koalitionspartner gelegen, dass es nicht zu einer entsprechenden Beschlussfassung gekommen ist. Das Gegenteil ist richtig. Wir selbst haben einen entsprechenden Antrag vorgelegt, meine Damen und Herren.

Insofern bedarf es nach nun mehrfachen Befassungen in diesem Haus keiner erneuten Beschlussfassung zu diesem Punkt, weil das in dem gerade ausgeführten Sinne beschlossen ist.

Meine Damen und Herren von der FDP, Ihr Antrag, den wir gerade beraten, ist auf das Ende der Energiewende in Deutschland gerichtet. Unabhängig von den rechtlichen Konsequenzen und des damit verbundenen offenen Bruchs des völkerrechtlich verbindlichen Klimaabkommens von Paris wäre das Signal, das von Deutschland als einem in der Energiewende führenden Staaten ausginge, katastrophal. Deshalb kann man Ihren Antrag nur ablehnen. Wir jedenfalls werden das tun, in Bausch und Bogen.

Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Jörg Bode [FDP]: Scha- de!)

Vielen Dank, Herr Becker. - Es gibt eine Kurzintervention auf Ihren Redebeitrag. Herr Kollege Dr. Hocker bitte, FDP-Fraktion.

(Unruhe)

- Bevor wir damit beginnen, möchte ich noch einmal um Ruhe bitten.

(Minister Christian Meyer bespricht sich mit Helge Limburg [GRÜNE])

- Herr Meyer! - Bitte!

Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Verehrter Herr Kollege Becker, ich habe Ihnen aufmerksam zugehört und bin über eine Aussage in besonderer Weise gestolpert. Ich halte es schon für einigermaßen zynisch, wenn Sie vor dem Hintergrund der Tatsache, dass tagtäglich auf diesem Globus Menschen aus den verschiedensten Ursachen ertrinken, beim Thema Klimawandel sagen: Sie glauben

wohl, dass die Menschen im Südpazifik dann wohl durch die Kiemen atmen müssten.

(Christian Dürr [FDP]: Das ist wirklich zynisch!)

Ich finde, das ist eine Formulierung, die nicht in dieses Haus passt und die dem Leid der Opfer nicht gerecht wird.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Christian Dürr [FDP]: Das ist zynisch gegenüber diesen Menschen!)

Vielen Dank. - Herr Becker antwortet Ihnen.

(Dr. Gero Hocker [FDP]: Machen Sie es nicht noch schlimmer!)

Herr Dr. Hocker, ich verweise auf meine Antwort, die ich Ihnen spontan gegeben habe. Ihre Politik würde, wenn Sie sie so durchsetzen könnten, wie Sie das mit Ihrem Antrag, den Sie vorgelegt haben, beschreiben, genau zu dieser Situation führen. Sie würde dazu führen, dass in den Inselstaaten Menschen den Grund und Boden, auf dem sie jetzt wohnen, verlieren.

(Christian Dürr [FDP]: Ihre Formulie- rung von eben war zynisch!)

Das hat nun in der Tat katastrophale Folgen.

(Beifall bei der SPD und bei den GRÜNEN - Hermann Grupe [FDP]: Was Sie alles wissen!)

Das habe ich beschrieben. Die Ursachen versuchen Sie mit einem solchen Antrag zu setzen. Das empfinde ich als zynisch.

(Dr. Gero Hocker [FDP]: Menschliche Größe sieht anders aus, Herr Kollege Becker! Geben Sie einfach zu, dass Sie sich wieder mal verhauen haben! - Glocke der Präsidentin)

Ansonsten - - -