Protokoll der Sitzung vom 01.03.2019

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Weil wir da inhaltlich anderer Auffassung sind!)

sondern sie massiv unterstützt.

In all diesen Fällen hat die FDP wirklich deutlich gemacht, was die Pflege von ihr zu erwarten hat, nämlich überhaupt nichts.

(Beifall bei der SPD und Zustimmung bei der CDU)

Meine Damen und Herren, ich sage Ihnen noch eines: Die Papiere des bpa sind verdammt deckungsgleich mit Forderungen, die die FDP hier im Landtag erhebt. Da geht es beispielsweise um die Aussage des bpa: Wir wollen Wettbewerb in der Pflege. - Sie haben die Landesregierung in einem Entschließungsantrag sogar aufgefordert, sich im Pflegebereich klar zur Vielfalt im Wettbewerb zu bekennen.

(Glocke der Präsidentin)

Das Hauptproblem in der Pflege ist nicht zu wenig Wettbewerb, sondern zu viel Wettbewerb. Ich sage zum wiederholten Mal: Gesundheit ist keine Ware. Sie ist ein Kernelement der staatlichen Daseinsvorsorge. Die Privatisierung im Gesundheitswesen schadet in allererster Linie den Patientinnen und Patienten, und sie schadet auch den Berufstätigen in der Pflege.

(Beifall bei der SPD und Zustimmung von Dirk Toepffer [CDU])

Herr Schwarz, Sie müssen leider zum Schluss kommen.

Wir müssen endlich damit aufhören, die Ökonomisierung als Allheilmittel im Gesundheitswesen zu sehen. Genau das Gegenteil ist der Fall.

Die Interessen der Pflege vertreten -

Herr Schwarz, jetzt müssen Sie aber wirklich zum Schluss kommen!

- das ist der letzte Satz, Frau Präsidentin - erstens die Koalitionsfraktionen in Niedersachsen, zweitens die Gewerkschaften und drittens die Pflegekammer, aber keinesfalls die FDP.

(Starker, anhaltender Beifall bei der SPD sowie Zustimmung bei der CDU und von Stephan Bothe [AfD])

Vielen Dank, Herr Kollege Schwarz. - Zu Ihrem Beitrag hat sich Herr Dr. Birkner zu einer Kurzintervention gemeldet.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Kollege Schwarz, es ist schon bemerkenswert, wie viel Angst Sie vor einer Befragung der Pflegekräfte und vor ihren Antworten haben.

(Beifall bei der FDP)

Anders lässt sich diese Art und Weise, anders lassen sich die ausufernden Argumentationen nicht erklären.

Aber zu den Punkten will ich gerne noch etwas sagen.

Sie fragen, warum die FDP hier eine andere Auffassung hat als woanders. - Ja, wir haben eine andere Auffassung, aber das ist nicht nur uns eigen, sondern auch Ihnen. Die SPD in NordrheinWestfalen verlangt eine Befragung aller Pflegekräfte. Ist es glaubwürdig, Herr Schwarz, wenn Sie diesen Maßstab nicht auch an sich anlegen? Dort verlangen Sie das, hier nicht.

Selbstverständlich gibt es unterschiedliche Auffassungen. Das billigen wir Ihnen zu. Aber billigen Sie uns das dann gefälligst auch zu! In Berlin hat die SPD eine Pflegekammer noch im Jahr 2015 abgelehnt.

Wir äußern uns hier natürlich nicht zu Tariffragen. Das ist Sache der Tarifautonomie. Dass Sie sich gerne politisch in die Tarifautonomie einmischen wollen, ist hinlänglich bekannt. Aber wir respektieren klar die Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Deshalb werden wir uns dazu nicht einlassen und äußern, auch wenn Sie in Ihren Schreiben das Gegenteil behaupten.

(Beifall bei der FDP)

Zur Rechtsanwaltskammer: Ich glaube, Sie wollen es nicht verstehen. Die Rechtsanwaltskammer, die Ärztekammer, die traditionellen Kammern haben Bereiche echter Eigenverantwortung, der Selbstverwaltung. Da geht es darum, dass ein Berufsstand selbst gewisse Dinge regelt, bevor es der Staat macht. Genau diese Kompetenzen haben Sie der Pflegekammer aber eben nicht übertragen. Sie ist eine staatlich verordnete Interessenvertretung. Das ist etwas komplett anderes als eine Kammer. Nur weil Sie dem Kind den Namen „Kammer“ geben, ist es noch lange keine traditionelle Kammer, die eine Zwangsmitgliedschaft rechtfertigt.

(Beifall bei der FDP - Glocke der Prä- sidentin)

- Frau Präsidentin, ich komme zum Schluss.

Sie versuchen, uns zu diskreditieren. Das ist ein altes Modell. Das hat auch die Ministerin gegenüber den protestierenden Pflegekräften versucht: Sie lassen sich von den Arbeitgebern instrumentalisieren! - Ignorieren Sie bei dieser konkreten Frage doch nicht, dass ver.di, der DGB, die AOK Niedersachsen, der Hartmannbund und alle Verbände, die wir in unserem Antrag aufgeführt haben, unsere Beschlusslage und unsere Ziele unterstützen!

Öffnen Sie sich für eine Vollbefragung! Haben Sie nicht so viel Angst vor den Pflegekräften, sondern trauen Sie ihnen zu, ihre Meinung zu sagen, und nehmen Sie die dann als Richtschnur!

(Lebhafter Beifall bei der FDP)

Vielen Dank, Herr Dr. Birkner. - Herr Kollege Schwarz wird antworten.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Sehr geehrter Herr Dr. Birkner, erstens habe ich gar nicht gesagt, dass ich gegen eine

Befragung bin. Ich habe ganz sauber gesagt: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt geht diese Befragung überhaupt nicht, weil noch nicht einmal alle Pflegekräfte erfasst sind.

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Aber dann machen Sie das?)

Zweitens. Es liegt nicht in der Zuständigkeit der Landesregierung; die Landesregierung verfügt gar nicht über die Adressen.

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Das Parla- ment kann das Gesetz ändern!)

- Sie sind doch die Ersten, die hier im Parlament stehen und fragen würden: Wie kommen Sie eigentlich dazu, eine Kammer anzuweisen, uns widerrechtlich die Adressen zu geben?

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Schreiben Sie es in das Gesetz hinein, Herr Kol- lege!)

Hören Sie doch auf mit dieser Scheinheiligkeit! Sie wissen, dass das die Landesregierung an dieser Stelle gar nicht machen darf.

Drittens. Sie haben mich vorhin nach Hessen gefragt. Das ist gerade abgeklärt worden: In Hessen liegt der Rücklauf bei der angeblich flächendeckenden Befragung, Herr Dr. Birkner, gegenwärtig bei 12 %. 12 %! Die hessischen Pflegekräfte, genauso wie die in Niedersachsen - - -

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Aber die sind alle gefragt worden! Wenn die nicht antworten, kann man nichts ma- chen!)

- Ich habe das eben klären lassen. Sie haben doch unterstellt, alle seien gefragt worden.

Ich antworte Ihnen auf Ihre Frage: Es gibt einen Rücklauf von 12 %. Nun beschweren Sie sich doch nicht,

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Ich be- schwere mich doch gar nicht! - Ge- genruf von Johanne Modder [SPD] - Weitere Zurufe)

wenn ich Ihnen beim zweiten Mal die Antwort gebe, die ich Ihnen beim ersten Mal nicht geben konnte. Die hat Sie doch gar nicht interessiert! Das machen Sie doch gerade deutlich!

(Widerspruch bei der FDP)

- Klar stimmt das so!

(Zustimmung bei der SPD und von Dirk Toepffer [CDU])

Dann will ich Ihnen gern noch etwas zu dem letzten Punkt sagen, den Sie ja auch gebetsmühlenartig wiederholen,

(Glocke der Präsidentin)

und zwar immer mit dem Hinweis, es könnten nur Selbstständige bzw. nur freie Berufe in eine Kammer: Sie wissen, dass das falsch ist.

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Das habe ich gar nicht gesagt, Herr Kollege! - Christian Grascha [FDP]: Das hat er doch gar nicht gesagt!)