Protokoll der Sitzung vom 31.01.2020

Es muss nicht zwingend ein Papierbon ausgestellt werden, es geht auch elektronisch. Dafür braucht man auch den Anwendungserlass der AO nicht zu ändern; denn darin ist schon zu lesen, dass es auch elektronisch geht.

Ich sage Ihnen: Wir haben noch neun Monate Zeit. Die Unternehmen, die Kassensysteme und technische Sicherheitseinrichtungen herstellen, sind findig genug, innerhalb der nächsten neun Monate solche technischen Lösungen anzubieten. Es gibt mittlerweile schon Apps und andere technische Lösungen, die dazu führen, dass es demnächst keinen Papierbon mehr geben wird.

Ich sehe, meine Redezeit ist abgelaufen. Dieses Thema eignet sich aber auch nicht für eine Diskussion hier im Plenum.

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Sie haben sich doch selber beteiligt!)

Lassen Sie uns diese Dinge im Ausschuss genau ansehen! Lassen Sie uns das machen, was der Finanzminister gemacht hat, und holen wir die Kollegen der Praxis in den Ausschuss. Dann werden auch Sie den Unterschied erkennen zwischen den Kassensystemen, der technischen Sicherheitseinrichtung und der Taste mit der - - -

Mit dem Ablauf Ihrer Redezeit hatten Sie vollkommen recht, Herr Kollege.

Ich habe meine Rede beendet.

Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD)

Vielen Dank, Herr Kollege Henning. - Zu einer Kurzintervention hat sich Herr Kollege Bode gemeldet. Bitte schön!

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kollege Henning, ich muss Sie erst einmal loben: Sie waren wenigstens ehrlich.

(Frank Henning [SPD]: Ich bin immer ehrlich! - Zurufe von der SPD: So sind Sozialdemokraten!)

Sie haben offen bekannt, dass Sie sich geirrt haben, dass Sie Ihre Meinung geändert haben und dass Sie die Anliegen der ehrlichen Bäcker, die Anliegen der ehrlichen Inhaber kleiner Geschäfte, die massenhaft Belege ausdrucken, nicht unterstützen wollen. Das ist eine ehrliche Position. Damit kann ich sehr gut umgehen. Das ist okay.

Aber dann sollten Sie nicht solche Nebelkerzen werfen! Denn was steht in unserem Antrag? Was wollen wir ändern? - Wir wollen, dass in der Sekunde, in der ein zertifiziertes Kassensystem eingesetzt wird - wie es auch eingesetzt werden muss -, bei dem nach der ersten Eingabe eines Kaufvorgangs nicht mehr löschfähig ist, was tatsächlich passiert ist, und bei dem für die Finanzbehörden alles nachvollziehbar und nachprüfbar ist, was dokumentiert ist, die Pflicht zum Belegausdruck wegfällt.

Wie Sie richtig gesagt haben, müssen demnächst alle solche Kassensysteme haben. Dennoch ist die Belegausgabepflicht weiterhin im Gesetz enthalten. Das ist schlicht und ergreifend ein Systemfehler, der jetzt zu diesen chaotischen Situationen führt. Genau das wollen wir ändern: für die ehrlichen Bäcker und für die ehrlichen Unternehmer, die momentan darunter leiden und die auch hier waren.

Wenn Sie persönlich andere Erfahrungen gemacht haben, dann haben Sie vielleicht ein schwarzes Schaf erwischt. Selbstverständlich gibt es schwarze Schafe, und gegen die muss man auch vorgehen. Aber hier sind es die Ehrlichen, die unter dieser Regel leiden und die um eine Lösung bitten. Wir als Politik sollten diese Lösung bieten. Und da sollten Sie mehr auf Ihren Umweltminister hören als auf das, was Ihnen andere erzählt haben.

Herzlichen Dank.

(Beifall bei der FDP)

Vielen Dank, Herr Kollege Bode. - Herr Kollege Henning möchte antworten. Bitte sehr!

Herr Bode, ich weiß nicht, ob Sie es gerade gemerkt haben, aber Ihr Versprecher zeigt, dass Sie es noch nicht verstanden haben.

Es geht nicht um eine Belegausdruckpflicht. Im Gesetz steht nicht „Belegausdruckpflicht“, sondern im Gesetz steht „Belegausgabepflicht“. Das Gesetz ist völlig technologieoffen. Niemand muss einen Beleg ausdrucken. Die Belegausgabe kann auf digitalem Wege, auf elektronischem Wege oder in anderer Form erfolgen.

(Christian Grascha [FDP]: Es geht da- rum, es gar nicht auszudrucken!)

Ich will Ihnen noch einmal sagen - wir werden es im Ausschuss weiter behandeln -: Es geht um den Druck auf die Belegtaste und nicht um den Ausdruck, der erscheint. Der Druck auf die Belegtaste am Kassensystem führt dazu, dass die technische Sicherheitseinrichtung scharfgeschaltet wird. - Ich wiederhole mich an der Stelle.

(Christian Grascha [FDP]: Was ma- chen Sie bei denjenigen, die nicht mit dem Handy kommen?)

Ohne einen Druck auf diese Taste kriegen Sie das System nicht scharfgestellt, und damit können Sie Daten weiterhin löschen.

Das müssen Sie sich von den Praktikern einfach einmal erklären lassen. Das haben Sie schlicht und einfach nicht verstanden.

Hören Sie also mit diesem Populismus auf! Lassen Sie uns die Dinge sachlich im Ausschuss aufarbeiten,

(Dr. Stefan Birkner [FDP]: Was ande- re meinen, ist Populismus?!)

und dann werden Sie sehen, dass Sie da für einen Blödsinn erzählt haben - Entschuldigung,

(Christian Grascha [FPD]: Das sind jetzt drei!)

ich nehme das Wort „Blödsinn“ zurück -, dass Sie sich nicht sachkundig gemacht haben.

Vielen Dank.

(Beifall bei der SPD - Zuruf von Chris- tian Grascha [FDP])

Vielen Dank, Herr Kollege Henning. - Sie möchten ein Anliegen vortragen, Herr Kollege Grascha?

(Christian Grascha [FDP]: Das wäre normalerweise der dritte Ordnungsruf gewesen!)

- Normalerweise ja, da haben Sie recht. Vorhin war es das gleiche Wort. Ich werde den Redner in Zukunft immer unterbrechen und ihm sofort einen Ordnungsruf erteilen.

Manche bringen es fertig, innerhalb einer Rede drei Ordnungsrufe zu erreichen. Ich möchte es mir gönnen, das nach dem dritten Ordnungsruf dann auch zu vollziehen.

(Heiterkeit bei der CDU und bei der FDP - Zurufe von der FDP)

- Ich möchte es natürlich auch Ihnen gönnen, Herr Kollege Grupe. Aber Herr Henning hat das Wort ja im gleichen Atemzug wieder zurückgenommen. Daher, denke ich, ergeht Gnade vor Recht, Herr Grascha.

Weitere Wortmeldungen hierzu liegen nicht vor. - Das ist eigentlich schade.

(Heiterkeit bei der SPD, bei der CDU und bei der FDP)

Die Beratung ist beendet. Wir kommen zur Ausschussüberweisung.

(Jörg Bode [FDP]: Der Finanzminister will etwas sagen!)

- Ernsthaft?

(Heiterkeit bei der SPD, bei der CDU und bei der FDP)

Ich frage, weil keine Wortmeldung vorliegt. Herr Minister? - Es gibt keine offizielle Wortmeldung. Herzlichen Dank dafür.

Wir kommen zur Ausschussüberweisung. Vorgeschlagen wird die Überweisung an den Ausschuss für Haushalt und Finanzen. Wer möchte dem zustimmen? - Gegenprobe! - Enthaltungen? - Dann ist das so beschlossen.

Ich rufe auf den

Tagesordnungspunkt 34: Erste Beratung: Missbrauch verhindern - Sozialleistungsbetrug mit Kindergeldzahlungen ins Ausland bekämpfen! - Antrag der Fraktion der AfD - Drs. 18/5634

Zur Einbringung erhält der Kollege Bothe für die AfD-Fraktion das Wort. Bitte sehr!

Vielen Dank. - Herr Präsident! Sehr geehrte Kollegen! Die Tatsache, dass die Kindergeldzahlungen ins Ausland von 75 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 402 Millionen Euro im Jahr 2018 angestiegen sind, zeigt, dass beim Thema Kindergeld akuter Handlungsbedarf besteht.