Wenn Sie sich zum Letzteren bekennen wollen, dann müssen Sie auch die Unterschiede zwischen den Schulen zur Kenntnis nehmen. Sie wollen die Einheitspauschale. Leider ist die Gesamtschule keine Einheitsschule. Im fundamentalen Gegensatz zum gegliederten Schulsystem und auch zum Berufskolleg, das Sie gerne als Hilfskonstruktion bemühen, ist das Lernen an Gesamtschulen nicht in Bildungsgängen organisiert.
Ich weiß, Herr Witzel, würde das den Gesamtschulen am liebsten verordnen. Sie wollen auch die Gesamtschulen, liebe Kolleginnen und Kollegen von der FDP, zu Schulen mit Einheitsschubladen machen.
Die Gesamtschule ist aber eine Schule, die die Bildungswege offenhält. Dafür braucht sie auch maßgeblich die Ressource Schulleitungspauschale und, wohlgemerkt, nicht Schulleiter, sondern Schulleitungsteams. Dazu gehören unter anderem auch Abteilungsleiter und Abteilungsleiterinnen, die sich um eine Schülerzahl kümmern müssen, die im gegliederten System eine ganze Schule mit Konrektorat ausmacht.
Unter anderem geht es um die gezielte Beratung von Schülerinnen und Schülern und Eltern ab dem siebten Jahrgang, um die individuell bestmögliche Lerngruppenzuweisung und Kurswahl – und das in verschiedenen Fächern und das zweimal im Jahr.
Wer auf der einen Seite im Mathe-E-Kurs sitzt, muss nicht gezwungenermaßen auch im Englisch-E-Kurs oder im Deutsch-E-Kurs sitzen, sondern kann da auch im Grundkurs starten. Bildungswege werden individuell gestaltet und durch Beratung von Schülerinnen und Schülern, Eltern und übrigens auch Lehrkräften begleitet, damit der Übergang von einem Grundkurs zu einem EKurs zum Bildungserfolg werden kann. Das braucht schlicht und einfach Zeit. Dafür ist die Schulleitungspauschale an Gesamtschulen mit ihrem Löwenanteil da.
Wenn Sie wirklich möchten, dass in unserem Schulsystem der Zusammenhang von sozialer und ethnischer Herkunft und Schulerfolg aufgebrochen wird, dann müssen Sie gerade in solche individuelle Beratung und Unterstützung investieren.
In der Tat gelingt es den Gesamtschulen mehr, benachteiligte Jugendliche zum Bildungserfolg zu führen. Ich führe dabei gerne die Ministerin als Kronzeugin mit ihren Ausführungen zu den Ergebnissen der Probeklausuren zum Zentralabitur an, welche Schülerzusammensetzung die Gesamtschule repräsentiert und wie erfolgreich sie sie repräsentiert.
Sie setzen das bewusst mit dem fadenscheinigen Etikett der Gleichbehandlung aufs Spiel. Ungleiches gleich zu behandeln, schafft Ungerechtigkeit. Das proklamieren Sie sonst mindestens einmal in der Woche in diesem Plenum. Aber an dieser Stelle soll es keine Bedeutung mehr haben.
Die Gesamtschule, die der FDP offenbar wie ein Stachel im Fleisch sitzt, soll mit der Kürzung der Schulleitungspauschale abgestraft werden. Dabei treffen Sie nur die Schülerinnen und Schüler.
Nehmen Sie endlich zur Kenntnis: Wenn Sie die Schulleiter und Schulleiterinnen in den entsprechenden Schulformen des gegliederten Systems
Ich möchte von Ihnen schwarz auf weiß vorgerechnet bekommen, wo die Gesamtschule, gerechnet auf die gemeinsame Schülerzahl in den drei Schulformen Hauptschule, Realschule und Gymnasium, bevorzugt wird. Das können Sie nicht nachweisen. Deswegen kommt da auch nichts. Auch im Berufskolleg haben Sie eine strikte Trennung nach Bildungs- und Berufsgängen. An keiner Stelle haben Sie mit den Jugendlichen aus dem Berufsgrundschuljahr, den zukünftigen Abiturienten, Frisören, Elektrotechnikern eine Klasse gebildet.
In der Gesamtschule lernen aber Jugendliche mit unterschiedlichen Abschlussoptionen in der Sekundarstufe II gemeinsam. Und das ist gut so, und das ist das erfolgreiche europäische Modell.
Es lohnt sich in der Tat, grundsätzlich über einen Aufgabenkatalog von Schulleitungen gerade in der selbstständiger werdenden Schule zu reden. Es muss geklärt werden, …
… welche Serviceleistungen erbracht werden müssen, zum Beispiel in der Personal- und Organisationsentwicklung.
Dazu brauchen wir Konzepte. Das müssen wir gemeinsam beraten. Ich würde mir wünschen, dass Sie da Ihre Hausaufgaben machen, bevor Sie einer Schulform etwas mutwillig wegnehmen, um leichtfertig den politischen Willen zu befriedigen und ihrem Koalitionsvertrag nachzugehen, der an der Stelle sehr, sehr dünn ist.
Vielen Dank, Frau Kollegin Beer. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der CDU der Kollege Kaiser das Wort.
Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In einem Punkt haben die Grünen in ihrem Antrag ja Recht, nämlich in der Überschrift. Die Gesamtschulen dürfen in der Tat
Im Umkehrschluss heißt das aber ebenso, dass die Gesamtschulen nicht einseitig bevorzugt werden dürfen. Genau um diesen Punkt geht es hier.
Frau Beer, ich habe Ihnen doch auch zugehört. Das tue ich immer mit Freude. Ich lese auch mit Freude Ihre Anträge. Manchmal habe ich bei Ihren Anträgen natürlich mehr Freude als heute, weil sie einfach besser sind. Der heutige Antrag trägt ein bisschen sehr die Handschrift der Emotion. Lassen Sie mich deshalb einmal zu Ende ausführen.
Wir haben festgelegt, dass sich alle Schulen einem Wettbewerb stellen sollen. Wir haben festgestellt, dass es zur Qualitätsverbesserung beiträgt, wenn Schulen auch miteinander in Wettbewerb treten.
Wie Sie richtigerweise angesprochen haben, brauchen wir weiterhin mehr soziale Gerechtigkeit in unserem Schulwesen. Das haben Rot und RotGrün über Jahrzehnte nicht geleistet. Damit müssen wir uns in der heutigen Schulsituation auseinandersetzen.
Die Gesamtschulen in unserem Lande haben auch nicht grundsätzlich besser abgeschnitten als die etablierten Schulen des dreigliedrigen Systems. – Das sind zunächst einmal die Fakten.
Der jetzige Abbau der Besserstellungen der Gesamtschulen bei den Schulleitungspauschalen ist keine Benachteiligung, sondern schlichtweg die Gleichstellung mit den übrigen Schulen im Lande – nicht mehr und nicht weniger.
Völlig unverständlich und sachlich falsch ist es, wenn die Grünen den Eindruck erwecken, die Koalition der Mitte führe eine gezielte Strategie gegen die Gesamtschule. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch falsch
denn es hilft unseren Kindern und Jugendlichen in keiner Weise, wenn die Grünen das dreigliedrige System abschaffen wollen und die Gesamtschule als Blaupause für das künftige Bildungssystem darstellen wollen.
Das ist nicht zielführend; denn die Aufgabenstellung bleibt klar: Wir müssen die soziale Durchlässigkeit unseres Schulsystems insgesamt erhöhen. – Dazu gibt das neue Schulgesetz einen klaren Auftrag und einen Rahmen.
Wir müssen aber auch dafür sorgen, dass das Bildungsniveau insgesamt besser wird. Das werden wir durch besseren Unterricht erreichen. Der Schlüssel zur Leistungsverbesserung liegt darin, dass wir die Schüler dort abholen, wo sie stehen. Anders ausgedrückt: Wir müssen sie besser individuell fördern. – Darüber sind wir uns wohl sogar einig. Das werden wir durch besseren Unterricht erreichen.
Im Interesse einer solchen Leistungsverbesserung ist es notwendig, dafür zu sorgen, dass Unterricht stattfindet – und nicht, dass Verwaltung stattfindet. Die Anpassung der Schulleitungspauschale an das innerhalb unseres Schulsystems standardmäßig Übliche ist auch ein Stück Bürokratieabbau. Wir werden dafür sorgen, dass die Ressourcen dort eingesetzt und konzentriert werden, wo sie besonders notwendig sind, nämlich für mehr und verlässlichen Unterricht.
Frau Beer, wenn die Grünen die Augen davor verschließen, dass es auch an unseren Gesamtschulen massiven Reformbedarf gibt, schaden sie den Chancen unserer Kinder und Jugendlichen; denn die Leistungsvergleiche ergeben eindeutig, dass insbesondere bei den Gesamtschulen entsprechender Nachholbedarf besteht. Das wird durch die vorliegenden Zahlen eindeutig belegt. Deshalb ist die von der Koalition verfolgte Konzentration auf den Unterricht der richtige Weg.