Kurz und gut: Dieser Antrag ist an politischer Durchsichtigkeit und intellektueller Flachheit kaum zu unterbieten.
Deshalb ist es gut, dass er direkt abgestimmt und abgelehnt wird und ernsthafte Bemühungen um bessere Chancen für unsere Kinder nicht weiter behindert. – Herzlichen Dank.
(Beifall von CDU und FDP – Zuruf von der SPD: Note „ungenügend“! – Ute Schäfer [SPD]: Vier Minuten am Thema vorbei!)
Gut. – Als Nächste bekommt jetzt Frau Pieper-von Heiden von der FDP-Fraktion das Wort. Bitte schön, Frau Pieper-von Heiden.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die FDP hält die Vergabe von Kopfnoten für ein überzeugendes und praktikables pädagogisches Mittel, um den Schülern eine Hilfe zur Selbsteinschätzung zur
Damit eines klar ist: Die FDP ist vom Sinn der Kopfnoten absolut überzeugt. Jedoch liegt uns in der Tat daran, dass das Verfahren der Kopfnotenvergabe vereinfacht wird – im Sinne von mehr Klarheit und Aussagekraft sowie einfacher, unbürokratischer Handhabung. Aus Sicht der FDP kann die Anzahl der Kopfnoten reduziert werden, ohne dass sich hierdurch ein inhaltlicher Verlust ergibt. Auch denken wir, dass die Kopfnoten zum Teil mit einfacheren und nachvollziehbareren Begriffen bezeichnet werden müssen. Wenn zum Beispiel die Auslegung des Begriffes Konfliktverhalten zu Irritationen führt, dann geben wir einer einfacheren und unmissverständlichen Bezeichnung den Vorzug. Da schauen wir aber, was die Evaluation ergibt. Auch das haben wir gesagt.
Das von der Koalition eingeführte Instrument der Kopfnoten dient als eine wichtige Rückmeldung für die Eltern. Noch wichtiger ist jedoch, dass es eine Hilfestellung für die Schüler darstellt, um ihr eigenes Verhalten, ihr Handeln und die Wirkung ihres Handelns auf die sie umgebenden Menschen besser einschätzen zu können. Dieser frühzeitige Umgang mit der Selbsteinschätzung wird den Schülern in ihrem späteren Berufsleben eine große Hilfe sein.
Die Gegner des pädagogischen Instruments der Kopfnoten sollten sich schon die Frage stellen, warum diese Maßnahme unabhängig von der Zahl und der genauen Benennung eine so positive Resonanz erfährt. Meine Kolleginnen und Kollegen von der SPD, was bedeuten denn aus Ihrer Sicht die hohen Zustimmungsraten der Eltern und der Lehrerverbände zur Bewertung des Arbeits- und Sozialverhaltens, die immer wieder deutlich werden? Handelt es sich in Ihren Augen dabei ausschließlich um Personen, die zu keiner objektiven Einschätzung fähig sind?
Die NRW-SPD lässt sich mit der Aussage zitieren, die Kopfnotenvergabe sei ein Rückfall ins 19. Jahrhundert.
Da es aber auch in anderen Bundesländern unter Ihrer Beteiligung die Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens gibt, stellt sich schon die Frage, ob Ihre Parteigenossen dort eigentlich wissen, dass sie dem kraftvollen, gleich zwei Jahrhunderte umfassenden Modernisierungsschub der NRWSPD leider nicht haben folgen können.
Die quasseln ja schon die ganze Zeit dazwischen. Das Unvermögen, anderen zuhören zu können, müsste auch in Kopfnoten einfließen. Ich möchte jetzt nicht, sondern gleich am Ende.
Demnach sind wohl nur Sie fähig, einzuschätzen, was für die Kinder zur Gestaltung einer erfolgreichen Zukunft notwendig ist. Fragen Sie doch einmal zum Beispiel die Arbeitgeber und die Wirtschaftsverbände.
Hierbei handelt es sich um diejenigen, die den heutigen Schülern eine Ausbildung ermöglichen werden, eine Arbeitsstelle geben werden und ihnen damit Zukunftschancen bieten.
Wenn wir die Schüler frühzeitig darauf vorbereiten wollen, dass sie die Chancen und Möglichkeiten der Arbeitswelt nutzen können, sollten wir auch fragen, welche pädagogischen Instrumente nötig sind, und unterstützen, dass jedes dieser Kinder diesen Weg individuell erfolgreich gestalten kann.
Die von der FDP favorisierte Beschränkung auf weniger, aber sehr aussagekräftige Kopfnoten vereinfacht das Vergabeverfahren. Das ist eine zielgerichtete Schulpolitik, die nicht chaotisch ist, sondern sinnvolle Maßnahmen auf ihre Ausgestaltungsmöglichkeit hin überprüft, gegebenenfalls Verbesserungen durchführt und sicherstellt, dass sowohl die inhaltlichen Ziele einer pädagogischen Maßnahme erreicht werden als auch dem organisatorischen Aufwand in adäquater Form Rechnung getragen wird. – Danke schön.
Vielen Dank, Frau Pieper-von Heiden. – Wie bewerten Sie die Qualität dieses pädagogischen Instruments denn vor dem Hintergrund, dass ganze Schulen komplett einheitliche Kopfnoten vergeben haben?
Wie ich eben schon betont habe, muss eine individuelle Bewertung erfolgen, die dem Individuum gerecht wird. Natürlich ist das nicht in Ordnung. Jeder Schüler muss separat betrachtet werden – in seinem Verhalten, in seiner Arbeitsweise und in seiner Fähigkeit, mit anderen in der Schule umzugehen, also
in seinem Sozialverhalten. Das ist völlig klar. Genauso, wie es in den Fachbereichen keine einheitliche Bewertung geben kann, sondern die Bewertung eine Spiegelung der Leistungen darstellt, die ein Schüler in der Schule erbringt, muss selbstverständlich auch bei den Kopfnoten eine individuelle Bewertung erfolgen.
Ein Lehrer – oder eine Lehrerin –, der seine Schüler und Schülerinnen kennt, der weiß doch – er muss sich auch nicht jeden Tag Aufzeichnungen machen –, wie er ein Kind bewerten kann. Früher hat man so schön gesagt: Jeder kennt seine Pappenheimer. Jeder weiß, wo die Stärken eines Menschen liegen, und man weiß, wo die Schwächen liegen. Man weiß, wo noch nachgearbeitet werden muss. Und das muss man den Kindern und auch den Eltern sagen. Nur wenn sie darüber eine Rückmeldung erhalten, ist es auch möglich, dass sie ihr Verhalten verbessern und anpassen. Dazu haben sie eine ganze Schulzeit Zeit. Das ist gut und richtig so. Und das wollen wir auch.
Frau Pieper-von Heiden, nicht als Bildungspolitiker, einfach als Vater: Das, was Sie eben erzählt haben, hat mit der Realität, in der ich bei meinen Kindern die Notengebung erlebe, überhaupt nichts zu tun. Sie besuchen eine gute Schule.
Die Kinder bekommen ein Zeugnis mit sechs Kopfnoten. Es wird kein Gespräch mit den Kindern geführt, es wird kein Gespräch mit den Eltern geführt. Sie bekommen die Zeugnisse mit nach Hause, wissen nicht, wie die Noten entstanden sind. Sie geben zuhause das Zeugnis ab. Dann können wir darüber diskutieren. Das ist die Reflexion. Ist das das, was Sie wollen?
Sie meinen, dass ein separates Gespräch mit Schülern geführt wird. Ich denke, in den Schulen ist es so – so kenne ich es auch nur –, dass die Lehrer ständig Rückmeldungen an die Schüler geben und ihnen sagen: Weißt du, da musst du aufpassen. Da
musst du noch ordentlicher werden. Da musst du dich besser organisieren. Da musst du deine Sachen besser ordnen.
Es ist selbstverständlich, dass es nicht ein Gespräch einmal im Jahr oder im halben Jahr sein kann, sondern, dass man den Kindern stets Rückmeldungen gibt. Wenn bei mir im Büro ein Fehler passiert, dann bewahre ich mir das nicht ein halbes Jahr auf, um dann einmal Bilanz zu ziehen,
Da nützt es überhaupt nichts, wenn einmal im Jahr ein Gespräch geführt wird. Was haben Sie denn für eine Vorstellung von Praxis?
Frau Pieper-von Heiden, vielleicht können Sie mir einfach mal beantworten, warum Rückmeldungen gleichzeitig mit einer Note verbunden sein müssen? Rückmeldungen sind an sich okay. Das haben Sie auch gerade gesagt. Warum muss es eine Note sein?
Weil das eine Sache ist, die Eltern und Schüler am besten einschätzen können. Formulierungen können in großem Maße ausgelegt werden – das wissen wir alle. Sie kennen alle Arbeitszeugnisse aus der Wirtschaft, aus der Praxis. Was man dann hinter den Formulierungen zu lesen hat, ist eine etwas umständliche Geschichte. Jeder, der im Geschäft drin ist, weiß das. Ich denke schon, dass wir Eltern und Schülern gegenüber zur Klarheit verpflichtet sind.
Sie können noch 58 Sekunden reden, Sie müssen nicht. – Wir beenden die „Abgeordneten-Fragestunde“. Danke schön, Frau Pieper-von Heiden. – Frau Beer ist