Protokoll der Sitzung vom 30.09.2010

Wir freuen uns auf die Diskussion. – Danke schön.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Danke sehr, Herr Stotko. – Als Nächstes redet für die Fraktion Die Linke Herr Zimmermann.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in NordrheinWestfalen, die Personalräte und die Gewerkschaften haben am 9. Mai dieses Jahres aufatmen können, aufatmen können, weil durch die Abwahl von Ihnen, meine Damen und Herren der CDU und der FDP, die Möglichkeit eröffnet wurde, dass wir im öffentlichen Dienst wieder zu Verhältnissen zurückkehren können, in denen man wirklich von Mitbestimmung sprechen kann und der Zerschlagung – ich sage das ganz klar und ganz bewusst – der Mitbestimmung im öffentlichen Dienst ein Ende gesetzt wird.

(Zuruf von der CDU: Schwachsinn!)

Die im öffentlichen Dienst agierenden Gewerkschaften machen sich allerdings große Sorgen darüber, dass sich die Landesregierung, Herr Minister, ein bisschen zu viel Zeit für die Wiedereinführung der Mitbestimmung nimmt. Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal die Presseerklärung des Vorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei in Erinnerung rufen, die ich schon in meiner Rede zur Regierungserklärung angeführt habe, der die Regierungsfraktionen aufgefordert hat, die Mitbestimmung in NRW unverzüglich wiederherzustellen.

(Beifall von der LINKEN – Minister Ralf Jäger: Das machen wir! Unverzüglich!)

Wir nehmen Sie beim Wort, Herr Minister.

Wir wollen aber auch daran erinnern, dass bereits in der Plenarsitzung im Juli ein Antrag beschlossen worden ist, mit dem die Wiederherstellung der Mitbestimmung in einem modernen LPVG erreicht werden soll.

(Minister Ralf Jäger: Ein modernes LPVG?)

Genau, bereits im Juli. Deshalb hatten wir die Erwartung, dass es etwas zügiger vorangeht. Vielleicht hätte in diesem Zeitrahmen Juli bis Ende September schon etwas mehr getan werden können.

Sie müssen nämlich eins wissen, liebe Kolleginnen und Kollegen – hier spreche ich ganz bewusst die Kolleginnen und Kollegen von SPD und Grünen und auch Herrn Minister Jäger an –: In den Berichten von verschiedenen und zahlreichen Personalräten wie auch Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, die wir erhalten, beklagen sie sich darüber, dass den Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes, vielen Vorgesetzten, Abteilungsleitungen, völlig klar ist, dass es eine Änderung in diesem Lande geben

wird. Diese Zeit nutzen sie jetzt. Sie nutzen diese Zeit vielfach, um noch Versetzungen und Umsetzungen durchzusetzen. Sie nutzen diese Zeit für die Privatisierung öffentlicher Aufgaben, indem sie sie an private, profitorientierte Firmen vergeben. Das müssen wir verhindern. Und das können wir nur verhindern oder zumindest eindämmen, indem wir jetzt ganz schnell zu den eben von mir beschriebenen Veränderungen kommen.

Wir fordern die Landesregierung auf: Setzen Sie dieser arbeitnehmerfeindlichen Politik, die aufgrund dieses unsäglichen, von der Vorgängerregierung novellierten Landespersonalvertretungsgesetzes noch immer im öffentlichen Dienst betrieben wird, ein Ende und legen Sie, wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben, unverzüglich einen Gesetzentwurf auf Basis der DGB-Eckpunkte vor. Die Gewerkschaften wollen nämlich nicht länger warten, und sie sollen auch nicht länger warten. Aber vor allen Dingen geht es nicht nur darum, Herr Kollege Körfges – er ist wohl gerade nicht hier –, dass der Zustand des 1994er-Gesetzes wieder herbeigeführt wird. Hier beziehe ich mich auf die Eckpunkte des DGB unter dem damaligen Vorsitzenden Guntram Schneider. Das sage ich auch in Richtung von Herrn Bolte. Herr Kollege Bolte, Sie werfen uns einen „Blumenstrauß“ vor, den wir aufgeschrieben hätten. Sie kennen offensichtlich die Eckpunkte des DGB nicht. Das sind die Eckpunkte des DGB und der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst. Die haben diese Eckpunkte festgelegt und über die sollten wir uns auch einigen. Diese haben wir im Wesentlichen in unseren Antrag geschrieben.

(Beifall von der LINKEN)

Deshalb geht es jetzt darum, das unverzüglich in Gang zu setzen. Ich hoffe, dass wir nicht dabei bleiben, das alte Gesetz wiederherzustellen und es nur an der einen oder anderen Stelle zu modernisieren,

(Das Ende der Redezeit wird angezeigt.)

sondern es geht darum, die Mitbestimmungsrechte in diesem Lande deutlich zu erweitern. – Danke, meine Damen und Herren.

(Beifall von der LINKEN)

Danke, Herr Zimmermann. – Für die FDP-Fraktion spricht jetzt Herr Engel.

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich hatte in der ersten Runde aus dem Antrag der Linken zitiert: „Alle Personalversammlungen finden in der Arbeitszeit, für Lehrkräfte in der Unterrichtszeit statt.“ Zudem sollen weitere Freistellungsmöglichkeiten erschlossen werden. – Ich habe mich dann in der Vergangenheit gefragt, Herr Zimmermann und Frau Conrads – auch an Sie und die ganze Fraktion Die Lin

ke –: Glauben Sie das alles selber, was Sie hier so vertonen?

(Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Ja, was glauben Sie denn!)

Glauben Sie das wirklich, oder verkaufen Sie sich nur so gut? Ich bin bei dieser Frage, die ich selber zu beantworten versucht habe, beim Studium der Literatur auf einen Zeitungsartikel gestoßen. Da wurde ein Politiker gefragt, wer denn seine Lieblingsschauspielerin sei. Die Antwort war – wahrscheinlich kennen Sie den Artikel –: Sarah Wagenknecht.

(Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Die sitzt hier doch gar nicht!)

Und dann las ich weiter folgendes Zitat in diesem Artikel:

Der Linken-Parteivorsitzende Klaus Ernst gönnt sich gern ein bisschen mehr. Er kassiert 13.000 € im Monat, fährt einen Porsche 911

(Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Zum The- ma, Herr Engel!)

und wettert trotzdem gegen die Unternehmer und Reichen. Er sagt: Mir macht es einfach Spaß, mit meinem Luxusauto zu fahren. – Einen Widerspruch zu den politischen Forderungen der Linkspartei sieht er nach eigenen Worten nicht. Zitat: Wir predigen Wein, aber wir trinken ihn auch.

(Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Herr En- gel, wir sprechen gerade über die Mitbe- stimmung!)

Und ihre Vorzeigekommunistin, Antikapitalistin und Anklägerin der Unternehmer in diesem Land, Sahra Wagenknecht, möchte nicht beim Hummeressen im Nobelrestaurant fotografiert werden.

(Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Hummer ist doch lecker!)

Herr Engel, darf ich Sie kurz unterbrechen?

Warum bitte?

Die Geschäftsordnung sieht vor, dass ein Redner oder eine Rednerin nicht vom Verhandlungsgegenstand abweichen sollte.

(Beifall von den GRÜNEN und von der LIN- KEN – Zurufe von der CDU: Oh!)

Also, Frau Präsidentin, woher wissen Sie, was ich jetzt sagen will? Ich bleibe im Thema.

Vielleicht können Sie uns ja erklären, was das mit dem LPVG zu tun hat.

(Beifall von der LINKEN)

Frau Präsidentin, halten Sie sich bitte zurück!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich fahre in dem Zitat fort:

(Zurufe von der CDU und von der FDP)

Für Sozialismus zu sein, heißt, Wein predigen und meinetwegen auch Hummer, aber, Herr Ernst, für alle. Ich bin für eine Gesellschaft, in der alle Menschen Hummer essen können. – Gegenfrage: Wollen Sie Hummer für alle wirklich realisieren, indem Sie Konzerne verstaatlichen? Ihr ehemaliger Parteivorsitzender Oskar Lafontaine kassierte lange Zeit ausgerechnet vom Springer-Konzern dicke Honorare für Kolumnen.

Ende des Zitates.

(Ralf Michalowsky [LINKE]: Am Thema vor- bei!)

Meine Zweifel sind …

(Beifall von der FDP)

Herr Engel, das war eigentlich gerade ein Verweis zur Sache. Ich möchte mich jetzt nicht gezwungen sehen, daraus einen Ordnungsruf zu machen.

(Zurufe von der CDU und von der FDP)

Für die Landesregierung spricht Herr Minister Schneider.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich habe nicht die Absicht, die HummerDebatte fortzusetzen.