Protokoll der Sitzung vom 15.04.2011

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Frau Ministerin, sorgen Sie bitte für Klarheit und veröffentlichen Sie alle Vorgänge, die im Zusammenhang mit der Beantwortung der Kleinen Anfrage stehen. Besonders interessiert uns der mit dem Forschungszentrum Jülich am 10. März abgestimmte Entwurf. Sie, Frau Ministerin, könnten das Forschungszentrum übrigens anweisen, diesen Bericht vorzulegen, dann hätten wir es schwarz auf weiß. Bis heute ist das noch nicht geschehen.

(Zuruf von der FDP: Warum eigentlich nicht?)

Die Menschen im Land haben mittlerweile durchschaut, dass Sie ganz normales Regierungshandeln nicht beherrschen.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Genau das muss man Ihnen bei diesem hochsensiblen Thema vorwerfen.

(Vorsitz: Vizepräsidentin Carina Gödecke)

Darüber hinaus haben Sie das größte Forschungszentrum Europas mit seinen über 4.600 Mitarbeitern in Verruf gebracht. Das ist wirklich beschämend, Frau Ministerin.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Das ist beschämend, zumal einmal erwähnt werden sollte, dass das Land Nordrhein-Westfalen Anteilseigner ist und infolge dessen auch eine gewisse Fürsorgepflicht für die dort Beschäftigten hat.

(Zustimmung von der CDU)

Dieser Vorgang, meine Damen und Herren, führt uns allen vor Augen, dass Teile des Kabinetts maßlos überfordert sind.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Für Frau Kraft ist es nun an der Zeit, ihre Personalien im Kabinett zu überdenken.

(Lachen von der SPD – Rainer Schmeltzer [SPD]: Hat sie schon!)

Die Ministerpräsidentin sollte die nötigen Konsequenzen aus diesem Chaos ziehen. – Vielen Dank.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Vielen Dank, Herr Kollege Wirtz. – Für die SPD-Fraktion hat jetzt der Kollege Eiskirch das Wort.

Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Kollege Wirtz, das Prinzip dieses Hauses ist Rede und Gegenrede. Wenn man Gegenrede macht, dann muss man in der Lage sein, sich nicht sklavisch an sein Redemanuskript zu halten, sondern mitzubekommen, was vorher diskutiert worden ist. Insofern macht es gar keinen Sinn, die alten Aufgüsse von Herrn Wüst noch einmal vorzutragen.

(Beifall von der SPD und von der LINKEN)

Kolleginnen und Kollegen, Frau Ministerin Schulze hat, meine ich, in sehr großer Klarheit deutlich gemacht,

(Zurufe von der CDU und von der FDP: Nein!)

wie die Abläufe waren und dass es nun wahrlich keinen Skandal gibt, zumindest keinen Skandal bezüglich der Beantwortung einer Kleinen Anfrage oder vonseiten der Landesregierung. Wie die Situation in Asse ist, ist eine ganz andere Frage. Sie versuchen, etwas zu skandalisieren, wo kein Skandal ist.

Damit wir einfach einmal ein bisschen die Größenordnung für ein solches Theater richtig einordnen können: Wissen Sie, ein Skandal ist dann gegeben, wenn sich Hoteliers von Ihnen diskreditiert fühlen,

(Unruhe von der CDU und von der FDP – Armin Laschet [CDU]: Ach du Scheiße!)

indem Sie deren Spenden hinterher über Steuererleichterungen diskreditieren.

(Beifall von der SPD)

Ein Skandal ist, Kolleginnen und Kollegen, dass Helmut Kohl weiterhin auf CDU-Parteitagen auftritt anstatt in Beugehaft über die Spendernamen zu reden. Das sind Skandale; das, was in Asse passiert, vielleicht auch. Aber das, was hier passiert ist, hat nichts Skandalöses.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN – Unruhe von der CDU und von der FDP)

Bei einem solchen Thema sollte man mit Ihrer Vergangenheit rund um das Thema Atompolitik mit ein bisschen mehr Demut reagieren als mit einer solchen Aufgeregtheit.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Sie sind die Partei, die sich unter Führung von Frau Bundeskanzlerin Merkel gerade daran macht, den

vierten Ausstieg, nämlich den Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg aus der Kernkraft, zu organisieren. Das ist schäbig, sich an anderer Stelle so hinzustellen, wie Sie das heute getan haben.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN)

Herr Kollege Eiskirch, möchten Sie eine Zwischenfrage zulassen?

Nein, das möchte ich nicht.

Ich will Ihnen deutlich sagen, Kollege Papke: Sie haben sich vorhin aufgeplustert bis hin zu Anschuldigungen an Frau Ministerin Schulze, die darin mündeten, dass Sie sagten, wenn sich das so bewahrheiten sollte, dann müsse sie zurücktreten,

(Beifall von der CDU und von der FDP – Ar- min Laschet [CDU]: Recht hat er!)

während Frau Ministerin Schulze gerade sehr nachdrücklich deutlich machen konnte, wie die Abläufe waren,

(Zuruf von der CDU: Nein!)

und sogar aus dem Bundesforschungsministerium, von Frau Schavan, deutlich gemacht wurde, ein solches Zahlenchaos könne man sozusagen nicht als Endpunkt einer Diskussion werten, insofern müsse es neu untersucht werden. Sie hat das sehr klar deutlich gemacht.

Herr Kollege Papke, bei den Maßstäben, die Sie gerade versucht haben anzulegen, erwarte ich gleich eine persönliche Erklärung von Ihnen, in der Sie sich bei Frau Ministerin Schulze für die Anschuldigungen von heute Morgen entschuldigen. Es ist unerhört, was Sie hier heute vorgebracht haben.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN – Lachen von der FDP)

Solange Sie weiterhin so auftreten, wie Sie das tun, sind Sie nicht nur der Mühlstein am Hals von Herrn Bahr, sondern ein wirklicher Punkt, wie eine Erneuerung der FDP in Nordrhein-Westfalen nicht vonstattengehen kann. Das will ich in aller Deutlichkeit sagen.

(Beifall von den GRÜNEN – Lachen von der CDU und von der FDP)

Ich kann Ihnen nur sagen: Versuchen Sie endlich, Sachlichkeit in diesen Punkt zu bringen.

(Lachen von der FDP)

Der Prozess ist bereits eingeleitet. Wir alle möchten eine noch größere Klarheit über das, was in Jülich mit den Brennelementen passiert ist, wo sie sind und, noch wichtiger, wie es mit dem strahlenden

Material aussieht. Und wir alle wollen auch wissen – aber das können wir nicht hier klären, sondern der Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags –, was in der Asse passiert ist. Kollege Markert hat gerade einige Dinge sehr richtig beschrieben. Ein wirklicher Skandal ist es, wie in den frühen 70er- und 80er-Jahren mit den Themen Atomkraft und Atommüllentsorgung umgegangen wurde – aus der Sicht der Zeit vielleicht nachvollziehbar, aus heutiger Sicht höchst alarmierend. Deswegen muss man sich dieser Frage inhaltlich stellen

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Da hat die SPD re- giert!)

und nicht versuchen, Skandale heraufzubeschwören, wo keine sind. – Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.