Protokoll der Sitzung vom 14.12.2016

sondern man muss diesen kriminellen Strukturen, die sich etabliert haben, von der Wurzel her …

(Dr. Joachim Stamp [FDP]: Dafür haben Sie uns hier beschimpft! Entschuldigen Sie sich mal!)

Was wollen Sie eigentlich von mir?

(Unruhe)

Nehmen Sie sich gleich Redezeit und sprechen Sie hier, wenn Sie hier Vorträge halten wollen. Was ist das denn hier?

(Zuruf von Dr. Joachim Stamp [FDP] – Un- ruhe)

Ich kann Ihnen nicht folgen. Wenn Sie einen umfangreichen Beitrag leisten, sollten Sie auf die Redezeit zurückgreifen.

An diesen Themen arbeiten wir sehr konzentriert. Ich bin froh, dass dies alles auf dem Weg ist. Aber ganz wichtig ist: Wir bringen alle an einen Tisch, was diese Themen angeht: die Ordnungsämter der Städte, die Polizei, die Justiz, die Ausländerbehörden, aber auch den Zoll, die Agentur für Arbeit und die Steuerfahndung.

Zum Konzept gehören auch die Stärkung der Kommunalen Integrationszentren, die wir heute hier beschließen werden, und die gezielte Städtebauförderung in den Quartieren. Das ist ein geschlossenes Gesamtkonzept.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Wir arbeiten an den Herausforderungen, lehnen uns nicht zurück und beschränken uns nicht auf eine Schwarz-Weiß-Malerei in diesem Land.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Herr Laschet, ich würde Ihnen gerne einen Rat geben. Unterschätzen Sie nicht den Stolz der Ruhries.

(Armin Laschet [CDU]: Tue ich nicht!)

Man ist sehr stolz auf den Wandel, der dort geschafft worden ist. Ich zitiere Ulrich Grillo, der kürzlich noch BDI-Präsident war. Er sagte vor Kurzem – ich zitiere –:

Das Ruhrgebiet hatte in der Tat große Herausforderungen zu bewältigen. Es hat bewiesen, dass Strukturwandel erfolgreich sein kann.

Reden Sie diese Erfolge nicht schlecht! Sie reden an dem Lebensgefühl der Menschen in dieser Region vorbei. Das ist mein Rat.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Wenn wir über Lebensqualität reden, dann reden wir selbstverständlich auch über Sicherheit. Seit 2010 haben wir 30 Milliarden € in die innere Sicherheit investiert. Allein im Haushalt 2017 sind es 4,1 Milliarden €. Wir können einige Erfolge vorweisen. Die Zahl der Straftaten im Bereich Mord und Totschlag ist auf dem niedrigsten Stand seit 20 Jahren. Wir haben die niedrigste Jugendkriminalitätsrate seit 45 Jahren. Sie ist um mehr als 20 % zurückgegangen.

Ja, wir haben Probleme im Bereich der Einbrüche. Hier sind wir deshalb mit konzertierten Maßnahmen unterwegs, zum Beispiel mit „MOTIV – Mobile Täter im Visier“. Dabei geht es um eine vernetzte, überregionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Es muss gemeinsam ermittelt werden. Da sind wir bundesweit Vorbild. Bislang haben wir schon 800 Täter identifiziert und ungefähr 500 in Haft genommen. Das zeigt, dass dies der richtige Weg ist. Wir werden diesen Weg konsequent weitergehen.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Die Sicherheit ist immer mehr zu einem wichtigen Thema geworden. Wir haben darauf reagiert, und zwar schon – das ist mir ganz wichtig – seit 2010. Sie waren beim schlanken Staat und beim Nachtwächterstaat.

(Armin Laschet [CDU]: Wenn der Staat mal dafür sorgen würde, dass man nachts ruhig schlafen kann!)

Zwischen 2005 und 2010 haben Sie 466 Planstellen aufgebaut. Wir haben bis zum Haushalt 2017 einschließlich 1.236 neue Planstellen – inklusive Verwaltung – aufgebaut. Wir haben jetzt eine andere Ausbildungssituation. Damals waren es 1.100 pro Jahr. Die Lücke wäre immens groß geworden. Das haben wir vorhin schon gehört. Jetzt sind wir bei 2.000 neuen Polizisten jedes Jahr.

Wir arbeiten am Thema „innere Sicherheit“ und lassen uns von unserem Weg nicht abbringen, meine Damen und Herren.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Übrigens gehört auch der Bereich Justiz dazu. Hier haben wir seit 2011 fast 1.800 neue Stellen geschaffen und dafür gesorgt, dass die Stellen, die Sie eigentlich abbauen wollten, nicht abgebaut wurden. Auf dieses Thema möchte ich gar nicht weiter eingehen. Das, was da als Schimäre hochgezogen wird, Herr Kollege Lindner, ist ja schon abenteuerlich, als

ob jede kw-Stelle, die im Haushalt steht, automatisch irgendwann abgebaut werden würde.

(Christian Lindner [FDP]: Das sagt der Finanz- minister doch!)

Das sagt er nicht.

(Christian Lindner [FDP]: Künftig!)

Natürlich muss man mit jedem Haushalt überprüfen: Werden die kw-Stellen abgebaut oder nicht? Das werden wir wie bisher verantwortlich tun. Wie ich Ihnen gerade geschildert habe, haben wir die kwStellen, die Sie im Bereich Justiz hatten, aus gutem Grunde nicht vollzogen, sondern wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort gelassen.

(Beifall von der SPD)

Das war ein wichtiger Impuls für die Sicherheit in unserem Land.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Ihr Problem ist doch, dass die Ideologie des schlanken Staates erkennbar ein Fehler war. Ihr Problem ist, dass wir das korrigiert haben.

Herr Laschet, der Kollege hat Sie vorhin schon gefragt. Wie wollen Sie das eigentlich im Wahlkampf glaubhaft vertreten, wenn Sie selbst am Kabinettstisch gesessen und die Entscheidung für diesen Stellenabbau im Bereich Polizei mitverantwortet haben?

(Zuruf von Armin Laschet [CDU])

Das frage ich Sie ganz ehrlich. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, lieber Herr Laschet.

(Beifall von der SPD und den GRÜNEN – Zu- ruf von Armin Laschet [CDU])

Dann habe ich mit Staunen auch besagtes Interview von Ihnen gelesen in der „RP“ vom 5. Dezember.

(Zuruf von der CDU: Dann haben Sie was ge- lernt!)

Ja, ich habe etwas gelernt. Ich habe Folgendes gelernt – das kann ich Ihnen sagen –: Sie werden gefragt, Herr Kollege Laschet: „Wieviel zusätzliche Polizisten braucht NRW?“ – Antwort – Zitat –: „Eine exakte Zahl kann man nicht festlegen.“ – Frage: „Warum nicht?“ – Antwort: „Weil wir das gerade bei der Auswertung der Antwort der Landesregierung auf unsere Große Anfrage […] prüfen und weil es die Diskussion verengt.“ – Nein, Herr Laschet, Sie wollen nicht Farbe bekennen! Das ist es.

(Zurufe von Armin Laschet [CDU] und Lutz Lienenkämper [CDU] – Beifall von der SPD und den GRÜNEN)

Sie wollen für jeden die richtige Antwort parat haben. Das ist die Methode Trump, lieber Herr Laschet. Das

ist nicht Farbe bekennen und ein klarer Plan für dieses Land.

(Armin Laschet [CDU]: Sie denken in Stellen und wir denken an innere Sicherheit! Das ist der Unterschied!)

Aber ohne Stellen gibt es auch keine innere Sicherheit, lieber Herr Laschet.

(Armin Laschet [CDU]: Wir wollen ja auch mehr Stellen!)

Das ist ja ein Grundmuster. Sie sagen überall, man müsste mehr machen.

(Armin Laschet [CDU]: Ja!)