Letztlich entsteht pädagogische Qualität aus der Verantwortung der Experten vor Ort, die sich auf Ziele in Bildung und Erziehung verpflichtet haben. Die drei genannten Bedingungen gehören dazu. Wir hoffen, dass wir auf dieser Basis die Diskussion um Bildungsqualität weiterführen können. – Ich danke Ihnen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ich werde mich jetzt nicht an dem FDP-Entschließungsantrag abarbeiten, weil wir in ihm wie immer nur die tibetanische Gebetsmühle haben. Die Benachteiligung des Gymnasiums existiert in Nordrhein-Westfalen nicht. So ist das.
Alle Gymnasien, die Ganztagsschulen werden wollen, werden Ganztagsschulen. Wir haben den Übergang von G9 zu G8 im ersten Jahr mit 1.000 Stellen abgefedert und obendrauf im zweiten Jahr
noch mit 500 Stellen. Die Gymnasien partizipieren von den Vereinbarungen im Schulkonsens. Lassen Sie es einfach. Es kommt nicht an. Es ist immer wieder nur das Gleiche. Es ist vergebene Liebesmüh.
Viel wichtiger ist, dass ich mich gern noch einmal mit dem Antrag der CDU auseinandersetzen möchte, dem wir heute leider nicht zustimmen können. Ich will Ihnen aber auch Hinweise geben, warum nicht. Vielleicht kommen wir an anderer Stelle dann doch noch zusammen.
Die Frage von Leistung im Schulsystem finde ich ganz zentral. Aber das ist nicht nur die Aufgabe der Gymnasien, sondern es geht um eine positive Leistungsentwicklung.
Das gilt für alle Schulformen und auf allen Schulstufen. Das muss ganz wichtig sein. Das ist kein exklusives Merkmal.
Zu den unterschiedlichen Wegen: Auch die Oberstufen an den Gesamtschulen, auch die beruflichen Gymnasien bereiten wissenschaftspropädeutisch vor.
schwarz-gelben Schulgesetz. Ja, das war richtig. Nur leider haben Sie nichts dafür getan, dass das in den Schulen implementiert wurde. Was haben Sie getan? Sie haben das Landesinstitut aufgelöst und eine Fortbildungsbrache angerichtet. Das war die eine Seite. Auf dem Papier individuelle Förderung ins Schulgesetz zu schreiben, das hat leider nicht gereicht. Jetzt versuchen wir, das wieder systematisch aufzubauen. Wir versuchen das nicht nur, wir tun es auch.
Es ist wichtig, die Frage der Fortbildung wirklich systematisch anzusetzen. Das gilt in diesem positiven Sinne auch für dem Umgang mit Verschiedenheit. Das Landesinstitut als Unterstützungsagentur für die Schulen gibt es wieder. Es wird in NordrheinWestfalen auch dringend benötigt. Das merken wir. Die Anfragen und die positive Inanspruchnahme sind vorhanden.
Dazu gibt es dann in Ihrem Antrag auch ein bisschen schlichte Argumentation. Es tut dem Antrag wirklich nicht gut, wenn Sie das Schlagwort vom längeren gemeinsamen Lernen als politische Parole mit auf den Plan zu rufen versuchen und meinen, das hätte mit Gleichheit und Gerechtigkeit nichts zu tun, und wieder den alten Schlenker in diese ideologische Debatte über Gleichmacherei vollziehen. Gemeinsames Lernen heißt nicht Gleichmacherei, sondern gemeinsames Lernen und Bildungsgerechtigkeit heißt, dass jedes Kind seine Chancen wirklich ausformen kann, dass alle Talente gefördert werden. Das ist Bildungsgerechtigkeit.
Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern, dass die Gesamtschulen eine Studie vorgelegt haben, wonach über 70 % – an einigen Standorten sogar über 75 % – der Schülerinnen und Schüler, die dort Abitur im Zentralabitur machen, keine Gymnasialempfehlung hatten. Das sagt alles darüber aus, wie Potenziale in diesem Land nicht genutzt werden und dass wir viel mehr Chancen ermöglichen wollen. Deswegen bitte keine Verengung des Diskurses, wie Sie ihn hier angelegt haben!
Ich will auch noch einmal darauf rekurrieren, dass wir das Thema Notengebung hier viel zu kurz miteinander diskutieren. Wir müssen in der Tat einmal über Leistungsbewertung in der Schule reden. Was ist denn eine positive Rückmeldung?
Es geht nicht um den horizontalen Vergleich. Wir wissen doch, wie wenig aussagekräftig Ziffernnoten an manchen Stellen sind. Das sehen wir schon beim Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen, wenn nämlich die Kinder aus den unterschiedlichen Grundschulen mit bestimmten Notenbildern aufeinandertreffen, die sich hinterher in den Lerngruppen im Unterricht ganz anders darstellen. Man weiß, dass eine Zwei und eine Drei aus unterschiedlichen Schulen überhaupt nicht vergleichbar sind.
Es geht doch um die individuelle Lernerweiterung, um den individuellen Lernweg. Dazu muss es doch eine Rückmeldung geben, die dann auch nach vorne bringt und die nicht nur eine unzutreffende Momentaufnahme sein kann.
Ich will Sie aber auch an einer Stelle loben. Vielleicht können wir da anschließen bei der gemeinsamen Weiterentwicklung. Sie sagen eindeutig, ja, es ist auch Aufgabe der Gymnasien, im inklusiven Prozess zu arbeiten, sowohl zielgleich wie auch zieldifferent. Sie mahnen die Unterstützung an. Aber da springt der Antrag wieder zu kurz. Die Unterstützung gibt es nämlich. Wir sollten Wert darauf legen, dass wir mehr Gymnasien ermutigen, positive Leistungsentwicklung auch im zieldifferenten Unterricht in Nordrhein-Westfalen Wirklichkeit werden zu lassen.
Heute können wir leider nicht zustimmen. Aber vielleicht gehen wir gemeinsam in einen Prozess, und wir bekommen einen gemeinsamen Antrag hin. Das würde mich sehr freuen.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Mein Einwurf vorhin hat dann doch etwas gebracht. Frau Beer,
Weniger mit Freude zur Kenntnis genommen habe ich die Ausführungen von Ihnen, Frau VoigtKüppers. Sie haben mich im Gegenteil betroffen gemacht. Wenn es Ihnen bei dem Begriff „Leistung“ sauer aufstößt, dann habe ich wirklich …
Der Begriff „Leistung“ stößt Ihnen sauer auf. Dann ist es um die rot-grüne Schulpolitik in NordrheinWestfalen tatsächlich schlecht bestellt, wenn man dies hier derart zum Besten gibt.
Entschuldigung. Die von Ihnen gerade angesprochene Frau Beer möchte Ihnen eine Zwischenfrage stellen.
Danke schön, Frau Kollegin Gebauer, dass Sie die Zwischenfrage zulassen. – Sie haben aber doch, wenn Sie so aufmerksam zuhören, auch gehört, dass ich sehr wohl von der positiven Leistungsentwicklung gesprochen habe, die Aufgabe aller Schulformen und aller Schulen ist.
Das ist das gemeinsame Anliegen. Die Kollegin hat genauso agiert und genauso angesetzt; da sind wir uns sehr einig. Darauf hat sie mit großer Zustimmung reagiert. Das haben Sie nicht mitgenommen und offensichtlich nicht wahrgenommen.
Frau Beer, ich habe vieles mitgenommen. Ich habe mitgenommen, dass Sie nach dem Loben direkt wieder in die Kritik gefallen sind. Aber ich habe genau gehört, was Frau Voigt-Küppers gesagt hat.
Denn dann muss ich davon ausgehen, dass Sie das Thema „Leistung“ ebenfalls wie Frau Voigt-Küppers einschätzen.
Sie haben aber gesagt, unser Antrag kommt nicht gut an. Da muss ich Ihnen widersprechen, Frau Beer. Er kommt gut an. Denn wir haben genau die Kritikpunkte, die uns von den Betroffenen zugetragen worden sind, in den Antrag aufgenommen, den Sie heute nicht ins Spiel gebracht haben. Hier stimme ich nicht mit Ihnen überein. Wir sind genau auf der Linie der Beteiligten bzw. Betroffenen.
Ich gehe noch mal auf die Benachteiligungen ein, die letztendlich in verschiedenster Form stattfinden können. Ich werfe den Blick über Nord
rhein-Westfalen hinaus nach Niedersachsen und gehe zu Ihrer Kollegin, der grünen Fraktionsvorsitzenden in Niedersachsen. Man muss sich mal anhören, was Frau Piel zum Thema „Gymnasium“ gesagt hat. Da kann man nicht nur von „Scheu“, sondern da muss man vielleicht sogar schon von „Abscheu“ sprechen. Besagte Kollegin, Frau Piel, hat erklärt – ich darf zitieren –, dass sich an „Gymnasien Unternehmerkinder zusammenrotten“.