Protokoll der Sitzung vom 14.06.2018

(Beifall von der FDP und der CDU – Frank Müller [SPD]: Die Menschen gibt es aber noch!)

Vielen Dank, Herr Kollege Paul. – Alle diejenigen, die die Rede aufmerksam verfolgt haben, werden festgestellt haben, dass Herr Kollege Paul länger geredet hat. Das liegt daran, dass wir hier oben beim Einstellen der Redezeit einen Fehler gemacht haben. Deshalb konnte der Redner selbst das nicht sehen.

Als nächster Redner hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Kollege Klocke das Wort mit dann hoffentlich richtig eingestellter Zeit. Bitte schön, Herr Kollege Klocke.

Danke. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Kollege Paul hat zwar zeitmäßig länger geredet, aber er hat nicht mehr gesagt, jedenfalls nicht inhaltlich.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD – Wi- derspruch von der CDU und der FDP)

Ich weiß, dass sich die Boygroup in der zweiten Reihe total gefreut hat,

(Lachen von der SPD und den GRÜNEN)

dass die Wahlkampfparolen aus dem letzten Jahr noch einmal wiederholt worden sind. Ich kann die ermunternden Aufrufe auch nachvollziehen.

Jetzt aber zurück zur Realität.

(Zuruf von der FDP: Eine Minute hat er schon gesprochen!)

Schauen wir uns mal konkret die Zahlen an.

(Ralf Witzel [FDP]: Er kennt sich nur bei der Neuen Heimat aus! – Franziska Müller-Rech [FDP]: Hat er schon was gesagt?)

Ich habe jetzt noch keine spannenden Zwischenrufe gehört, aber wenn die im Laufe meiner Rede kommen, werde ich das auf jeden Fall … Es sieht ja eher nach einem Duo aus, aber auch das kann ja erfolgreich sein.

Ich versuche es jetzt noch einmal inhaltlich. Es wäre auch spannend, das fortzusetzen, aber wir sind ja noch nicht beim letzten Tagesordnungspunkt angekommen.

Der Kollege der CDU-Fraktion hat seine Rede überschrieben mit „Neustart in der Wohnungspolitik“. Wenn man sich das sachlich und fachlich anschaut – das würde, glaube ich, die Ministerin auch nicht anders beschreiben –, dann stellt man fest, dass es in einigen Bereichen eine Akzentverschiebung, es aber auch viel Kontinuität in der Wohnungspolitik gibt. Man kann das natürlich überhöhen, indem man von einem Neustart spricht, aber viele Dinge, die die Vorgängerregierung und auch die Regierung davor gemacht haben, werden fortgesetzt.

Bezüglich der Summe für die Wohnraumförderung von 800 Millionen € bzw. 1,1 Milliarden € ist es richtig, dass in dem Jahr die zusätzliche Summe für die Mehraufwendungen aufgrund der Flüchtlingssituation gezahlt worden ist.

Uns würde schon interessieren, Frau Ministerin – möglicherweise werden Sie es gleich darstellen –: Es gibt eine klare Festlegung im Koalitionsvertrag der Großen Koalition, welche Anzahl an Wohnungen in den nächsten Jahren gebaut werden soll, welche Verantwortung die Länder dabei tragen und wie sich die Finanzierung in den nächsten Jahren verändern soll.

Was wird denn Nordrhein-Westfalen an zusätzlichen Mitteln in den Haushalt bekommen? Und wie können diese Mittel entsprechend eingesetzt werden, insbesondere im Bereich der sozialen Wohnraumförderung? Denn wenn man die Zahlen erreichen will, die im Koalitionsvertrag der Großen Koalition stehen – Sie haben in Berlin ja auch mitverhandelt –, bräuchte man deutlich mehr Geld und nicht die Kontinuität der Summe, die wir in den letzten Jahren hatten. Das würde mich einfach inhaltlich interessieren.

Es gibt eine Akzentverschiebung in der Politik im Bereich der Quartiersförderung und der Eigentumsförderung, die wir Grüne skeptisch sehen. Man kann das politisch machen; dafür haben Sie eine Mehrheit bekommen. Ich finde auch, das Programm, das im Bereich der Eigentumsförderung mit der NRW.BANK zusammen ausgearbeitet worden ist, hat durchaus eine Plausibilität. In der Abwägung, wie man Mittel einsetzt, hätten wir aber bei einer Regierungsbeteiligung einen anderen Akzent gesetzt; das muss ich ganz klar sagen. Denn bei der Frage „bezahlbarer preisgebundener Mietwohnungsbau versus Eigenheimförderung“ würde ich ganz klar einen anderen Akzent setzen, als es die jetzige Regierung macht.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Das haben Sie anders entschieden.

Aber die spannende Frage in die Zukunft gerichtet ist doch: Wie sieht am Ende die Bilanz aus? Stephen Paul hat das Rosarote vom Himmel versprochen. Schauen wir uns doch mal die konkreten Zahlen an: Allein im Jahr 2017 ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen in Nordrhein-Westfalen sowie der fertiggestellten preisgebundenen Mietwohnungen gegenüber den Jahren 2015 und 2016 deutlich zurückgegangen.

Jetzt schauen wir uns mal 2018 an, und es kommen ja noch ein paar weitere Jahre. Sie müssen schon am Ende das geliefert haben, was Sie hier groß und breit angekündigt haben. Das ist die interessante Frage und nicht das, was in irgendwelchen Programmen steht und in Wahlkämpfen verkündet wurde. Es geht darum, ob das real bei den Menschen ankommt.

Es gibt ein paar Instrumente, bei denen mich interessieren würde, wie die Landesregierung in den nächsten Jahren dazu steht, beispielsweise zum Flächenpool. Wir Grüne setzen auf flächensparendes Bauen, nicht weiter auf die grüne Wiese. Sie wollen leider deshalb den LEP verändern. Wir setzen auf Nachverdichtung, auf Wohnraum in den Städten. Dafür braucht es einfach mehr Flächen.

(Ralf Witzel [FDP]: Es braucht auch die Nach- frage!)

Das Instrument des Flächenpools ist auf den Weg gebracht worden und hat zahlreiche Flächen akquiriert. Frau Ministerin, werden Sie dieses Instrument weiter stärken? Werden Sie entsprechend mehr Mittel in die Organisation geben, die sich um den Flächenpool kümmert, also Flächenpool NRW?

Wie stehen Sie dazu, dass auf diese Art und Weise Flächen akquiriert werden, die danach bebaut werden? Das halten wir jedenfalls für eine bessere Alternative, als Neubauflächen auszuweisen und damit auch in die Fläche zu gehen.

Zur Mietpreisbremse, die schon angesprochen worden ist: Man kann sie abschaffen. Man kann auch sagen: Das Instrument hat nicht gewirkt. – Uns interessiert aber: Braucht es denn dann nicht andere Instrumente, um eine Mietpreisbegrenzung hinzubekommen?

Von den Kollegen der SPD ist eben gesagt worden: Wer sich in den Städten und insbesondere in den Städten im Ruhrgebiet auskennt und dort unterwegs ist, bekommt mit, welchen Druck es auf dem Wohnungsmarkt gibt, wie viele Menschen dort keinen bezahlbaren Wohnraum finden, wie wir hier zu massiven Preissteigerungen auf dem Wohnungsmarkt gekommen sind. Man kann sagen: Die Mietpreisbremse hat es nicht gebracht. – Das ist in Ordnung. Aber die Frage lautet doch: Welche anderen Instrumente, oder braucht es gar keine Instrumente? Wird das der Markt entsprechend alles regeln? Wir haben jedenfalls höchste Zweifel, ob das der Fall ist.

Ich habe Kollegen Paul so verstanden, dass Sie alles den freien Kräften des Marktes überlassen wollen, dass alle die Wohnungen finden, die sie brauchen. Daran habe ich massive Zweifel. Wenn das Ihre Politik ist, werden wir in den nächsten Jahren noch massive Debatten bekommen.

(Das Ende der Redezeit wird angezeigt.)

Ich bin gleich fertig.

Ich bin auch relativ sicher, dass wir dann eine ähnliche Situation haben wie jetzt schon in Hamburg und insbesondere in Berlin,

(Zuruf von Ralf Witzel [FDP])

wo Zehntausende von Menschen auf die Straße gehen. In Berlin gab es gerade eine Großdemonstration mit 35.000 Menschen.

(Zuruf von der FDP)

Die CDU war nun wirklich Jahrzehnte in Berlin an der Regierung. Ach so, Sie sind FDP-Abgeordneter, Entschuldigung.

Die Frage ist, was Ihre Instrumente sind, um einen solchen Druck auf den Wohnungsmarkt zu verhindern und uns solche Massenproteste zu ersparen. – Danke für die Aufmerksamkeit.

(Beifall von den GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Klocke. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der AfD Herr Abgeordneter Beckamp das Wort.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die SPD, die sich selbst für sozial hält, möchte Geld, viel Geld für geförderten Wohnungsbau. Sie begründet das wie folgt – ich zitiere –:

„NRW wird größer und die Menschen in unserem Land brauchen mehr Wohnungen.“

Also, wir sind mehr Menschen geworden. Auf einmal? Warum wird denn NRW größer? Es sind Wanderungsgewinne.

(Sven Wolf [SPD]: Binnenwanderung!)

Genau. Da fragt man sich, welche Wanderung das sein soll, Herr Wolf. Binnenwanderung, meinen Sie wirklich? Sie schreiben in Ihrem Antrag selbst dazu:

„Der Zuzug stammt aus dem Ausland, dem EUAusland und aus anderen Bundesländern.“

Andere Bundesländer, das wäre also die Binnenwanderung. Woher auch immer, wir bekommen Menschen geschenkt. Aus anderen Bundesländern? – Mitnichten. Die Nettozuwanderung aus anderen Bundesländern besteht aus ein paar Tausend Leuten. Dadurch wird NRW nicht größer. Haben Sie Zahlen? – Ein paar Tausend. Darauf kommt es nicht an. Das ist ein Witz. Das sind Nebelkerzen von Ihnen.

Die Nettozuwanderung aus der EU? – Ja, okay. Viele kommen aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Aber auch das ist nicht der entscheidende Punkt. Sie ahnen es. Herr Sieveke. Wo sind Sie? Sie wollten das Thema doch hören. Da ist es wieder. Da ist das Thema unserer Zeit, das Thema, das wir erkannt haben und das Sie ständig verschweigen wollen. Sie können etwas dazu sagen, sich die Ohren zuhalten oder was auch immer. Aber das Thema ist da, und zwar ganz massiv im Wohnungsmarkt. Es sind die Verdrängungseffekte durch die Menschen, die Sie reinlassen, die Sie gerufen haben und die jeden Tag kommen und die gerade heute auch wieder Thema bei der CDU/CSU in Berlin sind. Man spricht mittlerweile auch bei Ihnen offener darüber.

(Zuruf von der AfD: Die nordrhein-westfälische CDU ist noch nicht soweit!)

Die CDU-NRW braucht vielleicht ein bisschen länger. Das ist wohl öfter so.

Allein in den letzten beiden Jahren haben wir es mit einem Zugang von über 100.000 asylsuchenden Erstantragstellern in NRW zu tun. Das sind Nachfrager. Das verengt den Wohnungsmarkt. So einfach ist es. In den letzten Jahren hatten wir über 400.000 Schutzsuchende, Versorgungssu