Ja, auch eine Frau. – Für sie ist Ihre Sprache elementarer Baustein der linksgrünen Diffamierung unserer Gesellschaft. Ich zitiere:
„Multikulturell, multinational und jetzt auch noch geschlechtslos soll er sein, der neue Mensch. Nicht mehr verwurzelt, in Nation, Kultur, Sprachraum und Geschlecht, sondern aufgelöst in globalisierten, grenzenlosen, gesichtslosen und geschlechtslosen Zweckbündnissen auf Zeit. … Gender-Sprache ist der scheinheilige Wegweiser in diesen Abgrund.“
In Frankreich ist es Beamten seit 2017 untersagt, angeblich genderneutrale Schreibweisen zu verwenden. Der Gralshüter der französischen Sprache, die Académie française, unterstützt dieses Vorgehen ausdrücklich.
Bei uns in Deutschland hat der gemeinnützige Verein Deutsche Sprache zum Kampf gegen den GenderMurks aufgerufen. Dabei wird er von einer Vielzahl an Vertretern aus Wissenschaft, Medien und Kultur unterstützt.
Die AfD-Fraktion fordert den Landtag und auch den anwesenden Herrn Minister auf, die rechtlichen Voraussetzungen für eine Rückkehr zur herkömmlichen, grammatikalisch richtigen und verständlichen Sprache zu schaffen. Entsorgen Sie das Binnen-I, den Genderstern und weitere Perversionen unserer Sprache in den Mülleimer linker Ideologen. Keine Sprache kann sich gegen ihren Missbrauch wehren, die Sprechenden aber schon. – Schönen Dank.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Die deutsche Sprache hat viele Vorzüge. Einer davon ist, dass sie über einen reichen Schatz an Redewendungen und bildhaften Vergleichen verfügt.
Die Redewendung, die mir zu diesem Antrag sofort eingefallen ist, ist jene vom Bock, der zum Gärtner gemacht wird.
Damit, dass ausgerechnet die AfD sich zur Hüterin der deutschen Sprache, ja quasi zur Sprachpolizei aufschwingt, tut dies die Partei, die dafür am wenigsten geeignet ist.
Schließlich müssen Politikerinnen und Politiker keiner anderen Partei so oft erklären, dass sie wohl missverstanden worden sind oder sich hier und da etwas unglücklich ausgedrückt hätten. Offenbar hat die AfD elementare Probleme mit der Vielfalt der deutschen Sprache.
Vielfalt ist ein anderer großer Vorzug unserer Sprache. Vielfalt ist nämlich die Möglichkeit, etwas auf sehr unterschiedliche Art und Weise auszudrücken.
Leider reduzieren Sie diese Möglichkeit im Wesentlichen auf Diffamierungen. Denn wir kennen alle die geschmacklosen Beispiele von AfD-Politikern, wenn es um Vergleiche mit Ereignissen aus der deutschen Vergangenheit geht.
Mit Ihrem Antrag versuchen Sie, heute den Eindruck zu erwecken, der durchaus renommierte Verein Deutsche Sprache hätte die Rückkehr zum generischen Maskulinum gefordert – was natürlich nicht der Fall ist. Das ist einzig und allein Ihr persönliches Anliegen.
Umso bemerkenswerter ist, dass Sie es nicht einmal dort umsetzen, wo Sie es könnten. Denn selbstverständlich firmieren Frau Weidel und Frau von Storch auf der Homepage des AfD-Bundesvorstands als Beisitzerinnen und nicht als Beisitzer, und selbstverständlich ist Frau Guth in Niedersachsen nach eigener Darstellung Fraktionsvorsitzende.
(Vereinzelt Beifall von der CDU, der SPD und der FDP – Dr. Nadja Büteführ [SPD]: Wo sind denn eigentlich Ihre Damen?)
Meine Damen und Herren, Sprache ist dazu da, Menschen miteinander zu verbinden und sie in die Lage zu versetzen, miteinander zu kommunizieren, Gemeinsames zu verabreden und in Beziehung zu treten.
Leider hat Sprache auch das Potenzial, zu spalten, zu trennen und auszugrenzen – so, wie die AfD das sehr gerne tut. Die generelle Einführung des generischen Maskulinums, wie Sie sie fordern, wäre ganz sicher eine solche Ausgrenzung.
Sie fordern nicht mehr und nicht weniger, als Frauen aus dem öffentlichen Sprachgebrauch möglichst weitgehend zu verbannen. Das passt zu Ihrer sonstigen frauenpolitischen Programmatik,
die Sie wohl nur deshalb nicht mit „Kinder, Küche, Kirche“ überschreiben, weil Sie mit christlichen Werten, jedenfalls nach meinem Eindruck, nicht viel am Hut haben.
(Beifall von der CDU, der SPD, der FDP und den GRÜNEN – Josefine Paul [GRÜNE]: Sie haben ja auch schon die Frauen aus Ihren Reihen verbannt! Sie verlassen fluchtartig den Raum!)
Sprache soll verbinden und vermitteln, und zwar gerade auch in der Politik und gerade auch in der Beziehung zwischen Behörden und Verwaltung einerseits und Bürgerinnen und Bürgern andererseits.
Das gelingt aber nur dann, wenn man sich gegenüber den Menschen, mit denen man kommunizieren will, trotz aller notwendigen Präzision und Eindeutigkeit so ausdrückt, dass man von den Menschen auch verstanden wird.
Am besten schafft man das dann, wenn man so spricht und schreibt, wie die Menschen selber sprechen, wenn man also ihre Sprache aufgreift. Ich weiß, dass das manchmal sehr schwierig ist. Es sollte aber unsere Leitlinie sein, so zu handeln.
Deshalb verändert sich auch die Sprache in der Politik und der öffentlichen Verwaltung. Briefe und Bescheide aus Verwaltungen, die vor Jahren noch ganz anders geklungen hätten, sind heute an die Lebenswirklichkeit angepasst. Das ist auch gut so.
Selbstverständlich heißt es heute „Bürgerinnen und Bürger“, „Bundeskanzlerin“, „Oberbürgermeisterin“ und „Studentinnen und Studenten“. Es hat auch wirklich niemandem geschadet, dass aus „Lehrlingen“ „Auszubildende“ geworden sind. Das alles ist heute selbstverständlicher Sprachgebrauch.
Da die deutsche Sprache so präzise ist, wie sie nun einmal ist, hat sie auch die entsprechenden Differenzierungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Das ist ganz sicher auch der Grund dafür, dass das Binnen-I und das Gendersternchen sich nicht so richtig durchsetzen wollen. Ich persönlich habe damit kein Problem.
Frauen sollen auch im öffentlichen Sprachgebrauch auf den ihnen aus Ihrer Sicht zustehenden Platz verwiesen werden und möglichst nicht wahrnehmbar sein.
Wie sagen Sie immer? „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“ – Für weibliche Berufs- und Amtsbezeichnungen soll das aber nicht gelten? Das machen wir nicht mit. Wir lehnen Ihren Antrag ab. – Vielen Dank.
Herr Präsident! Sehr geehrte Abgeordnete! Wir konnten im letzten Jahr feiern, und wir können auch in diesem Jahr feiern: 100 Jahre Frauenwahlrecht im vergangenen Jahr und im Mai dieses Jahres 70 Jahre Gleichberechtigung im Grundgesetz.
Seit mehr als 30 Jahren diskutieren wir über die Anwendung einer geschlechtergerechten Sprache – und nun dieser AfD-Antrag, der gerade diesen Diskussionsprozess rigide beenden will.
Sprache – das ist bei der Kollegin Wendland schon angeklungen – ist das wichtigste Verständigungsmittel. Sie ist Spiegel unseres Denkens und Bewusstseins.
Schon 2016 habe ich in der Debatte zu einem Antrag der FDP zu geschlechtergerechter Sprache für meine Fraktion deutlich gemacht, dass es viele Institutionen wie Universitäten, Hochschulen, Kommunen und Regierungen gibt, die die Bedeutung und Wichtigkeit einer geschlechtergerechten Sprache erkannt haben. Ihnen ist klar, dass alle Menschen angesprochen werden wollen und sollen.
Deshalb ist eine geschlechtergerechte Sprache eine respektvolle Sprache. Es geht dabei auch um die Sichtbarkeit von Frauen und von Menschen, die sich keinem Geschlecht zuordnen, im öffentlichen Raum.
Zur Anwendung der geschlechtergerechten Sprache gibt es zahlreiche Handlungsempfehlungen und Leitfäden.
Gabriele Hooffacker von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig gibt ihren Student*innen in einer Art Checkliste mit auf den Weg, dass Gendergerechtigkeit bereits vor dem Verfassen von Texten aufgegriffen werden soll. Als praktische Beispiele sollen in der Berichterstattung in den Medien ausgewogen Frauen und Männer ausgewählt werden, und es soll auch mal eine weibliche Führungskraft zu Wort kommen. Des Weiteren führt sie aus, dass ein geschlechtergerechter und geschlechtersensibler Umgang mit Sprache ein kreativer Umgang mit Sprache ist. Sie verweist außerdem auf rechtliche Rahmenbedingungen auf EU-, Bundes- und Landesebene dazu, dass amtliche Veröffentlichungen gendergerecht verfasst werden müssen.