Protokoll der Sitzung vom 29.05.2020

Darüber hinaus lassen wir drittens abstimmen über den Entschließungsantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Drucksache 17/9455 – Neudruck. Ich darf fragen, wer diesem Entschließungsantrag folgen möchte. – Das sind die Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Gegenstimmen? – Das sind die Abgeordneten der Fraktionen der CDU, der SPD, der FDP sowie der fraktionslose Abgeordnete Langguth. Enthaltungen? – Enthaltung bei der Fraktion der AfD. Ich stelle fest, dass auch der Entschließungsantrag Drucksache 17/9455 – Neudruck – nicht die parlamentarische Mehrheit gefunden hat und damit abgelehnt ist.

Ich rufe auf:

7 Bühne frei: Freilichtbühnen und Amateur

theater in Nordrhein-Westfalen unterstützen

Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP Drucksache 17/9372

Ich eröffne die Aussprache und erteile für die Fraktion der CDU Herrn Abgeordneten Petelkau das Wort. Bitte sehr.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist unbestritten, dass Amateurtheater ein wichtiger und integraler Baustein und Bestandteil der nordrhein-westfälischen Kulturlandschaft sind.

Sie bieten einerseits den Menschen Räume, sich aktiv mit Theaterkunst auseinanderzusetzen, sich künstlerisch auszudrücken und auszuprobieren sowie sich weiterzuentwickeln. Andererseits schaffen sie als besondere Form des Theaters in den Städten und Gemeinden ein zusätzliches Angebot für Kultur und Bildung.

Gerade im ländlichen Raum ist festzustellen, dass Amateurtheater eine kulturelle Grundversorgung übernehmen und damit den Gemeinden eine wichtige infrastrukturelle Aufgabe abnehmen.

Alle Sparten und Genres der darstellenden Künste – vom Schauspiel über den Tanz bis zum Musiktheater, Figurenspiel, Freilichttheater, zur Performance und zu vielem mehr – sind im nordrhein-westfälischen Amateurtheater vertreten. In den Bereichen der Kinder- und Jugendtheater, der Erwachsenen- und Seniorentheater sowie der Theatergruppen mit besonderen Aufgaben, wie Mundart und Sprache, sind die Amateurtheater von besonderer Bedeutung. Als Mehrgenerationenorte leisten sie darüber hinaus einen wertvollen Beitrag zu einer lebendigen Bürgergesellschaft.

Im Gegensatz zu dieser großen kulturellen Bedeutung steht die bisherige Förderung durch das Land. Der Amateurtheaterverband NRW erhält bisher eine Förderung von 6.000 Euro pro Jahr. Die von dem Verband veranstalteten Theatertage Europäischer Kulturen in Paderborn werden mit 12.000 Euro unterstützt.

Ein großes ungenutztes Potenzial liegt vor allem in der Jugend- und Nachwuchsarbeit. Diese könnte, beispielsweise mit zusätzlichen Fördermitteln, deutlich ausgeweitet werden.

Ein zusätzlicher Förderbedarf besteht auch bei den Freilichtbühnen in Nordrhein-Westfalen. Einerseits stellen auch sie einen wichtigen regionalen Kulturbaustein dar, andererseits sind sie besonders von der Pandemie betroffen. Auch wenn einzelne Bühnen wie die Dortmunder Naturbühne Hohensyburg, die Freilichtbühnen in Porta und Greven-Reckenfeld sowie das Gartentheater in Oberhausen noch Hoffnung haben, in der zweiten Jahreshälfte doch inszenieren zu können, so ist die Sommersaison 2020 weitestgehend verloren.

Zur Sicherung dieser wichtigen kulturellen Strukturen sollte das Kulturministerium auch in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der bereits in diesem Jahr seine Förderung auf 175.000 Euro erhöht hat – an dieser Stelle muss ich unseren Antrag korrigieren –, ein Gesamtkonzept für eine ausgeweitete Förderung erarbeiten.

Meine Bitte um Zustimmung verbinde ich besten Wünschen für das kommende Pfingstfest. – Herzlichen Dank.

(Beifall von der CDU und der FDP)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Petelkau. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der FDP Herr Abgeordneter Deutsch das Wort. Bitte sehr, Herr Kollege.

Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich habe Winnetou gesehen – das ist schon eine Weile her, ich gebe es zu. Ich war acht Jahre alt, und ich habe damals sehr großen Wert darauf gelegt, dass es der echte Winnetou war. Ich habe in Elspe Pierre Brice bewundert als begeisterter Leser grüner Karl-May-Bände und Zuschauer von Fernsehübertragungen aus Jugoslawien; das war mir damals auch nicht so ganz klar. Das war für mich – deswegen steige ich damit ein – schon eines der wichtigen Erlebnisse in Sachen „Inszenierung, Kultur, Theater“.

Damit bin ich nicht allein. Die Freilichtbühne in Elspe hat ca. 200.000 Besucher jährlich. Das sind doppelt so viele, wie die Düsseldorfer Oper zählt. Das ist kein Abgleich in Qualitäten oder Wichtigkeiten, aber es ist eine Einordnung dafür, wie wichtig auch unsere Freilichtbühnen als kulturelle Angebote im Land sind.

Es sind nicht nur professionelle Betriebe wie in Elspe, ganz überwiegend sind es Bühnen, die im Amateurbereich arbeiten. Dieser Amateurbereich ist selten im Blick der Kulturpolitik, weil es uns in der Regel, und zwar richtigerweise, um professionelle Kultur geht, um Künstlerinnen und Künstler, die eine Ausbildung haben und entsprechend professionell arbeiten.

Aber auch der Amateurbereich ist ein wichtiges Element im kulturellen Angebot unseres Landes. Er wird vom Ehrenamt getragen, die Leute engagieren sich.

Er trägt dazu bei, dass Gemeinschaften gebildet werden, weil es ein niederschwelliger Zugang auch aufseiten der Akteure ist. Man braucht keine professionelle Ausbildung, sondern man braucht das Engagement, dass man dort mitmachen möchte, und dann kann man das auch tun. Das ist für die Gemeinden vor Ort jeweils ein ganz wichtiger Integrator. Es ist auch ein toller Anziehungspunkt für kulturelle Angebote im ländlichen Raum.

All diese Dinge bearbeitet die NRW-Koalition auf den verschiedensten Ebenen, wie jetzt auch hier, Stichwort „ehrenamtliches Engagement“, Stichwort „Stärkung kultureller Angebote im ländlichen Raum“, und Stichwort „Stärkung von Gemeinschaften“, da, wo sie im Zweifel aufgrund von Landfluchtbewegungen unter Druck kommen.

Insofern ist es richtig, dass wir hier ein Signal setzen und die Stärkung dieser Szene im Rahmen eines Gesamtkonzepts auf den Weg bringen. Hierbei geht es nicht nur um Geld, sondern auch um inhaltliche Ausgestaltungen und Konzeptionen.

Leider muss man auch bei diesem Thema, wie eigentlich bei jedem Thema, über die aktuelle Pandemiesituation sprechen. Der überwiegende Teil der Veranstaltungen ist abgesagt worden. Eigentlich ist es gerade hier besonders bedauerlich, weil das Ganze – wie der Name schon sagt – an der frischen Luft stattfindet. Es sind Freilichtveranstaltungen, die eigentlich in besonderer Weise starten könnten. Aber natürlich ist die Vorbereitung ausgefallen, auch weil die Vorschriften wie Abstandsregeln und anderes verhindern, dass die Bühnen planbar in eine Vorbereitung kommen können.

Wir werden uns in den nächsten Wochen verschärft damit beschäftigen müssen, ob unsere Vorschriften wirklich geeignet sind, zu ermöglichen, woran im Moment nicht nur die Kultur leidet, sondern auch viele andere. Ich bekomme Zuschriften, mit denen mir aktuelle Bilder aus Flugzeugen übermittelt werden, in denen jeder Platz ausgebucht ist. Daneben stehen Abbildungen aus Theatern, wo um zwei besetzte Plätze zwölf frei gehalten werden müssen.

Sind unsere Justierungen eigentlich an jeder Stelle richtig? Das ist nicht wirklich Gegenstand dieses Themas, aber ich möchte es auch an dieser Stelle einfügen. Wir werden verstärkt dafür sorgen müssen, dass unsere Kulturinstitutionen wieder auf eigenen Beinen stehen können, nicht in den Defizitbetrieb entlassen werden, sondern wieder ihre Umsätze generieren können.

Darum werden wir uns kümmern müssen. Denn eines ist auch klar: Alles nur durch Staatsgeld zu ersetzen, wird nicht funktionieren. – Vielen Dank.

(Beifall von der FDP und der CDU)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Deutsch. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der SPD Herr Abgeordneter Bialas das Wort. Bitte sehr, Herr Kollege.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie machen es mir mit Ihren Anträgen definitiv nicht leicht. Sie legen den Fokus jetzt auf den Amateur- und Freilichtbühnenbereich, insbesondere auf Theater und Schauspieler, die wenig Gage bekommen. Ihnen zu danken und das zu würdigen, ist natürlich richtig, und das ist auch gut so. Wir alle zusammen können uns bei denjenigen bedanken, die diese wunderbaren Angebote machen, ohne großartigen Kosten aufzuwerfen.

Sich jetzt dieses Thema herauszusuchen, das eher nicht viel Geld kostet, während wir mitten in der Coronakrise die Existenz von Künstlerinnen und Künstlern und vielen Einrichtungen versuchen zu sichern, muss man schon verstehen lernen.

Sie fordern in Ihrem Text – deswegen bin ich froh, dass Sie jetzt mit Ihren mündlichen Beiträgen ein Stückchen weitergangen sind – eine Stärkung und dafür ein Gesamtkonzept. Das ist richtig, und das bekommt natürlich auch unsere Zustimmung, gar keine Frage. Aber das ist erst der zweite Schritt.

Auch hier ist der erste Schritt: Wie kommen die Freilichtbühnen jetzt durch die Krise? Welche Hilfe brauchen sie in dieser Situation? Welche Hilfe brauchen sie dann noch einmal beim Wiederanlaufen der Bühnen? – Es geht nicht um das, was irgendwann kommen wird, sondern um das, was jetzt erforderlich ist. Wir müssen schon darauf achten, dass die Prioritäten da nicht verrutschen.

Manchmal bringen Sie ja zusätzlich einen stützenden Antrag ein und formulieren eine Pressemitteilung. Dann kommt die Ministerin ans Pult, präsentiert die Lösung und stellt entsprechende Gelder in Aussicht. Machen Sie das, das ist eine gute Sache. Wir werden auf jeden Fall einen Antrag im HFA stellen, mit dem wir auch finanzielle Höhen benennen. Dann können Sie entscheiden, ob Sie dem zustimmen möchten oder nicht.

Beim letzten Mal, als es um die Existenzgelder für den Mai für die Künstlerinnen und Künstler ging, haben Sie das nicht getan. Machen Sie es jetzt bei den Freilichtbühnen.

Ich habe gesagt, dass Sie es mir nicht leicht machen. Sie kommen wieder mit dem Prinzip „Kultur für alle“. Damit haben Sie mich doch sofort. Das wissen Sie doch ganz genau. Dafür bin ich wahnsinnig anfällig und stimme dann auch schnell zu. Ich möchte Sie aber bitten, sich mehr Mühe zu geben und auf die Qualität zu achten. Der Antrag ist von der Homepage des Verbandes abgeschrieben, ohne dass ein Zitat genannt wird. Seien Sie sicher: Wenn Sie romantisch und poetisch werden, prüfe ich das immer nach.

Sie sprechen in Ihrem Antrag von insgesamt 91 Bühnen. Das ist die Zahl der bundesweit tätigen Bühnen. In Nordrhein-Westfalen haben wir 18 Bühnen, von denen 9 nicht im Verband sind. Lorenz Deutsch, Elspe ist nicht im Verband. Nachdem die Karl May entdeckt hatten, sind sie leider aus dem Verband ausgetreten. Das heißt, wir reden über ca. 27 Bühnen, die sich in unterschiedlicher Trägerschaft befinden.

Mir scheint, Ihr Antrag atmet zu viel rheinische Lässigkeit. Gerade von der CDU bin ich doch die westfälische Gründlichkeit gewohnt, zumal sich fast alle Freilichtbühnen in Westfalen befinden.

Welche aktuellen Probleme der Freilichttheater gibt es? Sie sind dankenswerterweise, Herr Petelkau, schon ein Stück weit darauf eingegangen. Die Bühnen bleiben dieses Jahr weitestgehend zu, verschieben auf nächstes Jahr. Das bedeutet „zum Glück“ auch, dass gewisse Kosten nicht aufgefangen werden müssen. Aber es werden Einnahmenausfälle von ca. 2,5 bis 3 Millionen Euro befürchtet.

Die müssen nicht kompensiert werden, aber man muss gucken: Wo gibt es tatsächlich Schwierigkeiten? Welche Gelder sind jetzt schon „für die Tonne” gewesen? Kosten für Werbung beispielsweise oder Druckkosten für ein Programm, das in diesem Jahr nicht gezeigt werden kann, sind natürlich angefallen. Es sind bereits Honorare gezahlt worden, Produktionskosten sind angefallen. Es gibt Dauerausgaben, die auch in diesem Jahr gezahlt werden müssen: Versicherungen, Betriebskosten, Verlagsgebühren etc.

Auch da muss man gucken, wenn bereits Verbindlichkeiten eingegangen worden sind, inwieweit man Lösungen findet. Wir haben in anderen Bereichen darüber bereits gesprochen, dass Projekte, die beantragt worden sind, dann auch bezahlt werden können.

Der letzte Punkt: Wir müssen genau schauen, was die Bühnen gerade im nächsten Jahr brauchen, beim Wiederanlaufen, weil viele Aufführungen auf das nächste Jahr verschoben wurden? Ich glaube, die Priorität sollte langfristig nicht in einem Gesamtkonzept liegen – das ist auch wichtig –, sondern man muss konkret gucken, wie sie durch die Krise und wieder in den Spielbetrieb kommen.

Sie haben einen Antrag gestellt, über den direkt abgestimmt wird. Wir stimmen dem zu. Ich hätte mich gerne weiter darüber unterhalten. Lassen Sie uns doch zumindest eines hier beschließen oder uns zunicken, nämlich dass wir mal Verbandsvertreter zu uns in den Ausschuss einladen, um mit denen ins Gespräch zu kommen, um ihnen nicht nur unsere Wertschätzung mitzugeben, sondern vielleicht auch zu erfahren, wo sie tatsächlich der Schuh drückt.

(Das Ende der Redezeit wird signalisiert.)

Diese Diskussion fände ich schön. – Ich bedanke mich.

Ich habe überzogen, Frau Präsidentin. Verzeihen Sie es mir!

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Bialas. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der Grünen Herr Kollege Keymis das Wort. Bitte sehr, Herr Abgeordneter.

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Die Zeit, die Herr Bialas überzogen hat, kann ich ja wieder reinholen. Ich kann es relativ kurz machen.

Der Antrag ist gut und richtig. Er kommt faktisch zu spät, wir hätten uns viel eher mal darum kümmern müssen. Das zeigt auch auf mich zurück wie auf Sie alle. Wir hätten das viel eher in den Blick nehmen müssen.

Ich komme deshalb darauf, weil ich in frühster Jugend selbst mal Mitglied in der Rheinischen Arbeitsgemeinschaft Spiel und Theater war und da gewirkt habe.