Protokoll der Sitzung vom 11.10.2006

Das kann nicht infrage kommen.

(Minister Dr. Ralf Stegner)

Wir haben uns auch entschlossen, bei der Direktwahl die Konsequenz daraus zu ziehen, dass wir in der Tat lieber wollen, dass die Kreistage selbst entscheiden, wen sie sich auswählen und wen nicht. Denn Landräte werden bei zum Teil beschämend niedriger Wahlbeteiligung gewählt und tun im Übrigen in Teilen auch nicht das, wofür sie da sind. Das beklagen die Kreistage auch. Auf Wunsch unseres Koalitionspartners haben wir das auch für die Oberbürgermeister der kreisfreien Städte so vorgesehen.

(Heiterkeit bei der CDU)

- Ist das falsch? Wünsche ändern sich ja manchmal. Ich habe zur Kenntnis genommen, dass es diesen Wunsch gibt, der von Teilen der SPD geteilt wird, der aber von uns allen mit besprochen worden ist. So ist das, glaube ich, richtig.

(Heiterkeit und Beifall bei der CDU)

Aber wie dem auch sei. Wir sind sehr kompromissfähig, viele sind lernfähig. Wir sind es den Menschen in Schleswig-Holstein schuldig, so professionell, wirtschaftlich und bürgernah wie möglich zu arbeiten. Vorhin hat der Kollege Hentschel gesagt, Oppositionsarbeit sei erfolgreicher als Regierungsarbeit.

(Glocke der Präsidentin)

Frau Präsidentin, was dieses Thema angeht, kann ich nicht mitreden. Ich finde das übrigens nicht. Regierungsarbeit kann sehr erfolgreich sein. Wir leisten dazu gerade einen Beitrag.

(Beifall bei SPD und CDU)

Ich danke dem Herrn Innenminister und erteile das Wort nach § 56 Abs. 4 unserer Geschäftsordnung dem Herrn Abgeordneten Wolfgang Kubicki.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Dies ist eine wunderbare Debatte, die durchaus fortgesetzt werden sollte. Ich habe von dem sehr geschätzten Herrn Kreispräsidenten aus Plön, Werner Kalinka, vernommen, dass, wenn wir denn Kritik an der mangelnden Regierungsarbeit des Kollegen Schlie übten, wir doch statt seiner tätig werden sollten. Bisher habe ich von keinem Mitglied der CDU-Fraktion so dezidiert die Aufforderung gehört, dass wir anstelle der CDU in die Regierungsverantwortung eintreten sollten.

Aber, Werner Kalinka, mich würde schon interessieren, wann denn die Union zu der Erkenntnis ge

langt ist, dass die KVR ökonomischer Unsinn seien. Denn wir haben hier in diesem Hohen Hause Dutzende von Debatten hierüber geführt, sogar noch vor einigen Wochen. Da ist uns allenthalben erklärt worden, das sei jetzt des Pudels Kern und die beste aller Lösungen. Es ist sogar - vielleicht darf ich das einmal sagen - bei der Haushaltsdebatte erklärt worden, dass durch die Einrichtung der KVR Synergieeffekte in Höhe von 20 Millionen € erzielt würden, die den Kommunen zur Verfügung gestellt werden sollten. Wenn der Innenminister das erklärt und der Finanzminister das etatisiert hat - in seinem Kopf jedenfalls -, dann muss mir die Unionsfraktion heute erklären, warum sich diese 20 Millioen € nunmehr in Luft aufgelöst haben. Entweder hat der Innenminister falsch gerechnet davon gehe ich aus; ich gehe nicht davon aus, dass er die Kommunen belügt - oder aber die Union verfügt über neuere Erkenntnisse. Dann möge sie diese dem Parlament bitte mitteilen.

Lieber Werner Kalinka, ich will noch einmal erklären, warum wir nach der bisherigen Lösung, die uns mit der KVR unterbreitet worden ist, zu vier Großkreisen kommen müssen. Eines der wesentlichen Begründungselemente des Innenministers war: Wir brauchen diese vier Dienstleistungszentren, weil die staatlichen Mittelbehörden, die wir haben, die StUA und andere, sich an vier Standorten befinden und wir sie nicht zerschlagen wollen. Wir können es nicht zulassen, hat er gesagt, dass das aufgefasert wird.

Wenn dieses Argument bei der Übertragung von Aufgaben des Landes auf die KVR richtig war, dann muss das künftig auch für die Kreise gelten. Denn andersherum müsste ich die staatlichen Ämter erst zerschlagen, ehe ich sie auf größere Gebietskörperschaften aufteile.

Wenn man das ernst nehmen will, was gesagt worden ist, führt der konsequente Weg also zu vier Großkreisen des Zuschnitts, wie wir ihn etwa bei der Industrie- und Handelskammer oder bei den Vorlagen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SPD gesehen haben.

(Minister Dr. Ralf Stegner: Oder noch schlimmer!)

- Oder noch schlimmer. Das kann ich einmal sagen. Ja.

Der Parteitag der FDP ist angesprochen worden. Meine Parteifreunde haben der CDU vertraut. Ich habe erklärt: Die KVR wird es nicht geben.

(Zurufe von der CDU)

(Minister Dr. Ralf Stegner)

Kollege Hildebrand hat gesagt: Das stimmt; die wird es nicht geben. Da habe ich gesagt: Es wird auf Großkreise hinauslaufen. Darauf hat er gesagt: Mit Sicherheit nicht. Das ist mit der Union definitiv nicht zu machen. Da habe ich gesagt - so ist der Antrag auch von mir gestellt -: Wenn wir vor der Alternative zwischen Großkreisen und der Auflösung von Kreisen und der Übertragung auf größere Ämter und Gemeindestrukturen stünden, dann würde ich für mehr Dezentralisierung und nicht für Zentralisierung kämpfen.

(Beifall bei der FDP)

Da haben meine Parteifreunde gesagt: Tolle Idee, aber es wird nie zu Großkreisen kommen. Deshalb müssen wir den Antrag nicht weiter verfolgen. Ich kann nur sagen: Leute, es gibt immer weniger Begründungselemente, warum wir nur mit der Union koalieren können. Das kann ich jetzt meinen Parteifreunden sagen und das werde ich ihnen auch sagen.

(Beifall bei der FDP und des Abgeordneten Lars Harms [SSW]- Glocke der Präsidentin)

Herr Kollege Kubicki, kommen Sie bitte zum Schluss.

Frau Präsidentin, mein letzter Satz: Ich bin begeistert, dass die Kollegin Todsen-Reese in altbekannter Kampfesmanier heute wieder einmal aus ihrem Herzen keine Mördergrube gemacht und genau diesen Punkt, der offensichtlich auch in der Union diskutiert wird, angesprochen und gesagt hat, denkt einmal - vielleicht auch in diese Richtung - darüber nach.

(Beifall bei FDP und SSW)

Zu einem weiteren Kurzbeitrag nach § 56 Abs. 4 unserer Geschäftsordnung erhält Herr Abgeordneter Karl-Martin Hentschel das Wort.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich habe mich gemeldet, weil ich das Abstimmungsverhalten, wie es von der großen Koalition angekündigt worden ist, absurd finde. Nicht, dass ich dadurch bedrückt bin. Ich kann meinen eigenen Antrag im Ausschuss wieder zur Befassung mit ein

bringen. Das ist nicht das Problem. Ich möchte nur auf diese Absurdität hinweisen.

Der FDP-Antrag spricht sich explizit gegen eine Gebietsreform von oben aus.

(Lars Harms [SSW]: Sehr gut!)

Sie darf es nicht geben. Die große Koalition hat gerade beschlossen, sie will eine Gebietsreform auf Kreisebene. Wir haben es begrüßt, dass die Koalition das beschlossen hat. Ergebnis: Unser Antrag, der das begrüßt, was die Koalition beschlossen hat, wird abgelehnt. Der Antrag der FDP, der das, was die Koalition beschlossen hat, verurteilt, soll in den Ausschuss überwiesen werden. Diese Logik müssen Sie mir erklären.

(Beifall bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und des Abgeordneten Lars Harms [SSW])

Zum Schluss eine Wette. Ich habe ja vor einem Jahr auf der Versammlung des Landkreistages mit den Landräten

(Dr. Ekkehard Klug [FDP]: Verbotenes Glücksspiel!)

und Kreispräsidenten gewettet, dass es zur Gebietsreform kommen wird. Da haben alle Parteien gesagt: Nein.

(Werner Kalinka [CDU]: Mit mir hast du nicht gewettet!)

- Ich habe gesagt: Ich wette. Wenn ich sage, ich wette, dann meine ich das auch so.

(Zurufe von der CDU)

Herr Kollege, ich bitte, das Hohe Haus nicht zum Wettbüro verkommen zu lassen!

Ja, ich kommentiere nicht. - Die sechs Punkte, die ich in unserem Antrag formuliert habe, werden genau die sechs Punkte sein, die wir in den nächsten Jahren systematisch abarbeiten werden, um die Gebietsreform vorzubereiten.

(Beifall bei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Weitere Wortmeldungen liegen mir nicht vor. Damit schließe ich die Beratung.

Für den Tagesordnungspunkt 19 - das ist der Antrag Drucksache 16/991 - ist Ausschussüberwei

(Wolfgang Kubicki)

sung beantragt worden. Wer dem zustimmen will, dass diese Drucksache in den Innen- und Rechtsausschuss überwiesen wird, den bitte ich um das Handzeichen. - Gegenprobe! - Stimmenthaltungen? - Das ist einstimmig beschlossen.

Des Weiteren ist von der Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN beantragt worden, den Antrag in der Drucksache 16/1016 in den Ausschuss zu überweisen. Wer dem zustimmen will, den bitte ich um das Handzeichen. - Gegenprobe! - Stimmenthaltungen? - Mit den Stimmen von CDU und SPD gegen die Stimmen der Fraktionen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und des SSW ist dieser Antrag auf Ausschussüberweisung abgelehnt worden. Damit stimmen wir jetzt in der Sache ab.

(Monika Heinold [BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN]: Frau Präsidentin, ich bitte, den ersten Absatz getrennt abzustimmen, den zweiten Absatz getrennt abzustimmen und den Rest en bloc!)