Sie haben klargestellt, dass Ihnen Ihr Antrag ernst ist, Sie sich aber nicht ernst genommen fühlen. Man fragt sich, warum;
denn eigentlich berührt das Anliegen doch Grundlagen der menschlichen Kultur seit ihren Anfängen. Die Anthropologin Marija Gimbutas kam in ihrer Theorie über eine matriarchalische Kultur im prähistorischen Europa zu dem Befund, das heilige Tier der schwangeren Göttin ist das weibliche Schwein. Mit jeder Bratwurst nehmen wir demnach im Sinne der Transsubstantiation auch ein Stück Göttin in uns auf.
Statt also frauenpolitische Defizite der CDU bei der Kandidatennominierung hochzuziehen - selbst bei den Schweinen im Weltall gab es ja eine Frauenquote in Führungsposition von 33 % -,
sollten wir Ihnen also dankbar sein, einen nachgerade theologischen Beitrag zum gestrigen Frauentag geleistet zu haben.
Jetzt einmal auf einer Skala von eins bis Daniel Günther: Wie sehr soll diese Initiative eigentlich auch dem Weg zur Schlachtplatte „Ingbert“ dienen?
Sie will, dass Kantinen und Kindergärten Schwein anbieten wollen - frei nach Goethe: Pflicht ist, wo man liebt, was man sich selbst befiehlt. - Das Land soll also nicht befehlen, es soll dafür sorgen, dass andere Schwein wollen.
Zu Recht wird ja in Zeiten der Globalisierung immer wieder die Frage nach kultureller Identität gestellt. Der Rechtswissenschaftler Arnd Uhle hat dafür die folgende Definition gegeben: „… die Gesamtheit der kulturell geprägten Werte samt der daraus resultierenden Weltsichten und Denkweisen sowie der … Verhaltens- und Lebensweisen…, die das Eigenbild einer … Nation … prägen“. Auch die CDU hat sich die Frage nach der kulturellen Identität gestellt. Sie kommt zu einer ähnlich differenzierten Antwort: das Schwein! Da müsste jeder drauf kommen, der das Grundgesetz vor Unterschrift liest.
Kurz habe ich mich über den Zeitpunkt Ihrer Initiative gewundert. Allerdings: Schon im Mittelalter warfen fastende Mönche Schweine in Brunnen, um
sie hinterher rauszuziehen und als Fisch zu verspeisen. Das beantwortet die Frage, ob es einer christlich-demokratischen Union ansteht, in der Fastenzeit eine Schweinefleischoffensive zu starten.
Besagte Mönche taten sich übrigens auch an Bibern gütlich, weil diese einen Teil ihres Lebens im Wasser verbringen und auch als Fisch verspeist werden konnten. Ich sehe schon, einige von Ihnen denken jetzt über einen Antrag nach: „Rettet den Wald, esst mehr Biber!“
Doch dafür ist die Lage zu ernst. Wir stehen auf einem neuen Höhepunkt des jahrtausendealten Kulturkampfes zwischen Orient und Okzident. Heute kommen die muslimischen Flüchtlinge zu keinem anderen Zweck nach Mitteleuropa, als uns gemeinsam mit Vegetariern, Veganern, Rheumatikern und anderen das Schwein madig zu machen. Hier gilt es, den Anfängen zu wehren und unsere Freiheit am Schwenkgrill zu verteidigen!
Es ist heute umstritten, warum die großen städtischen Kulturen des Zweistromlandes vor rund 4.000 Jahren von der Schweinezucht auf Geflügel umgestellt haben. Wahrscheinlich lag es an Futterproblemen, vielleicht an der hohen Gefahr der Trichinose, vielleicht an der Erfahrung, dass Schweine zu viel saufen, keine verwertbaren Nebenprodukte haben und schlecht zu transportieren sind. Das Alte Testament und der Koran haben an dieser Abneigung gegen das Schwein festgehalten. Bei Moses scheidet es aus, weil es zwar gespaltene Klauen hat - gut -, aber kein Wiederkäuer ist - schlecht.
Wir alle wissen: Schweinefleisch ist so gesund, dass man es eigentlich nur in der Apotheke abgeben sollte.
Unsere Kinder haben das unveräußerliche Menschenrecht, nach Hause zu kommen und in der Schule Schwein gehabt zu haben. Es darf nicht so weit kommen, dass wir ihnen zu diesem Zwecke eine Dauerwurst in den Rucksack stecken müssen.
Die meisten von der CDU behaupteten Schweinefleischverbote haben sich nach kurzer Recherche seitens unserer Medien als eigentlich gar nicht existent erwiesen. Es bleibt die Sorge von Herrn Rickers, ein Berufsschulzentrum in Itzehoe habe Mettwurstbrötchen verbannt. Vermutlich werden die bald an dunklen Ecken auf dem Schulhof gedealt werden.
Da kann ich auch die Kolleginnen und Kollegen von der CDU nur warnen: Wenn du auf Mett bist, hast du schnell Freunde, die auch auf Mett sind. Vielen Dank, meine Damen und Herren.
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW - Volker Dornquast [CDU]: Scha- de, dass es vorbei ist! - Weitere Zurufe)
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Liebe CDU-Fraktion! Was hat Sie geritten, so einen Antrag zu schreiben? Die Reaktionen haben gezeigt, dass sich dieser Antrag für alles Mögliche eignet, nur nicht dazu, die Probleme dieses Landes zu lösen.
Sie können mir glauben: Ich und auch diejenigen unserer Fraktion, die Reden schreiben, hätten sehr große Lust gehabt, noch eine weitere Politiksatire hinzulegen. Aber wissen Sie was? Ich finde den Antrag so ärgerlich und so gefährlich, dass man ihn eigentlich nicht veralbern sollte.
Liebe CDU, worum geht es Ihnen eigentlich? Um gesunde Ernährung? Um die Schweinbauern und Schweinebäuerinnen? Oder um die Vorstellung von deutscher Kultur und die Ängste vor Überfremdung? Oder gar um Stimmenfang am rechten Rand?
Erstens. Bei der gesunden Ernährung kann ich Sie beruhigen. Ein Kind überlebt auch acht Stunden ohne Schweinefleisch ohne bleibende Schäden.
Wir sollten uns viel lieber Gedanken machen über zu viel Zucker, zu viel Essen und zu wenig Bewegung. Alles keine Fragen des Schweinefleisches!
Sich hier hinzustellen und zu behaupten, Schwein sei ein gesundheitlicher Glücksbringer, ist wirklich der blanke Hohn.
Zweitens. Was die Interessen der Schweinebauern und Schweinebäuerinnen angeht: Darüber konnten wir viel in den Zeitungen lesen. Die Unterstützung blieb einfach aus. Vielmehr wurden Sie kritisiert. Der Bauernverband, die Schweinebauern, alle haben sich gegen Ihren Vorschlag gewandt.
Drittens. Die vermeintliche Angst vor dem Untergang des Abendlandes - im Ernst: Wir können doch die Debatte um gelingende Integration nicht von einem Tier mit Ringelschwanz abhängig machen!
Es kann doch jeder essen, was und wie er will. Aber jetzt jeder Kantine vorzuschreiben, was auf dem Speiseplan stehen soll und damit eine vermeintlich deutsche Kultur zu erhalten, ist wirklich eine Glosse. Und ja: Wenn Sie unbedingt Parallelen zum Veggie-Day ziehen wollen - ein unglaubliches Erfolgsprojekt meiner grünen Partei
da kann ich nur sagen: Uns wurde unterstellt, dass es eine staatliche Verpflichtung geben sollte. Die sollte es nicht geben. Das kommt ja leider im Antrag der PIRATEN auch so rüber, als ob es so hätte sein sollen. Aber selbst wenn: Dann hätte das doch zumindest sowohl für die Gesundheit der Kinder als auch für die Gesundheit der Erde noch einen Nutzen gehabt, was ich bei Ihrem Antrag wahrlich nicht nachvollziehen kann.
Wir sind der Meinung und ich bleibe dabei: Es soll weder für Veggie noch für Schweinefleisch eine Pflicht geben, es anzubieten.
Herr Günther, Sie haben im Interview, das wir miteinander führen konnten, darauf hingewiesen, das sei eine böswillige Unterstellung. Es ginge hier überhaupt nicht um eine Pflicht, sondern um eine Art Imagekampagne der Landesregierung für mehr Schweinefleischkonsum. Auch das wird diese Lan