Auch hinsichtlich der baulichen Situation besteht an fast allen Fachhochschulen größerer Handlungsbedarf. Es ist kein Zufall, Kollege Martin Habersaat, wenn man sieht, dass die Fachhochschule Lübeck in den vergangenen Jahren - zumindest sind das die Zahlen, die uns in den vergangenen Jahren vorgelegt wurden - nicht größer geworden ist, sondern sogar einen kleinen Tick weniger Studierende hat. Das liegt im Wesentlichen daran, dass sie leider viele Jahre auf ein dringend benötigtes Seminargebäude warten musste.
- Auch schon vorher hat die Hochschule darauf gewartet. Jetzt hat sie, wenn ich das richtig weiß, Herr Kollege Martin Habersaat, auch nicht das bekommen, was sie angemeldet hat. Da ist also gerade bei den Räumlichkeiten in Lübeck noch viel Luft nach oben.
Wenn Sie nachher in einem Dreiminutenbeitrag noch etwas sagen wollen, gern. Jetzt hat der Abgeordnete Vogt das Wort.
Frau Redmann, das wäre für die Hochschullandschaft ein so toller Moment, wenn Sie einmal etwas zur Hochschulpolitik sagen würden. Sie sind so hochkompetent. Wir freuen uns darauf.
(Zuruf Uli König [PIRATEN] - Serpil Mi- dyatli [SPD]: Was ist das für ein sexistischer Spruch hier? Warum müssen wir uns so et- was anhören? Was soll denn das?)
Herr Abgeordneter Vogt und Frau Abgeordnete Midyatli, das wieder auf das Niveau zu bringen, das dem Haus angemessen ist. Das gilt für alle Aussagen.
Das Land sollte den Fachhochschulen auch ermöglichen, deutlich mehr Master-Studienplätze anzubieten, weil diese von den Bachelor-Absolventen stark nachgefragt werden. Da sollte es aus meiner Sicht keine Benachteiligung geben.
Ebenfalls sollte das Land den weiteren Ausbau der Online-Angebote, die Digitalisierung der Hochschulen allgemein, die internationalen Kooperationen, die erfreulicherweise mehrfach angesprochen wurden und von denen es zum Glück schon zahlreiche gibt, und die Möglichkeiten des berufsbegleitenden Studiums weiter unterstützen.
Von dem Promotionskolleg - Herr Kollege Andresen, wir haben schon mehrfach darüber gesprochen - bin ich immer noch nicht restlos überzeugt. Ich glaube auch, dass die Beteiligten sagen, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss sei. Aber sei es drum, es soll jetzt erst einmal angeschoben werden.
Es soll erst einmal in Ruhe anlaufen. Wir werden das nach einigen Jahren evaluieren und schauen, ob man das sinnvoll weiterentwickeln kann.
Die Fachhochschulen erwarten vernünftige Rahmenbedingungen von der Landesregierung. Das neue Hochschulgesetz hat ihnen einige neue Aufgaben aufgebürdet, auf die man hätte verzichten können. Es ist bekannt, dass wir weitgehende Hochschulautonomie vorschlagen. Unser Gesetzentwurf ist Ihnen allen bekannt. Das würde die Hochschulen erheblich von unnötigem Ballast befreien und mehr Raum geben, um sich gut weiterzuentwickeln.
Ich möchte noch einen Punkt ansprechen. Herr Kollege Andresen, Sie haben dieses Thema auch angesprochen. Das betrifft die Tatsache, dass an den Fachhochschulen sehr viele junge Menschen die Regelstudienzeit nicht einhalten. Die Fachhochschulen - Sie werden sicherlich auch regelmäßig mit den Präsidentinnen und Präsidenten sprechen sagen, ein großes Problem seien die mangelnden Kenntnisse im MINT-Bereich vieler Studienanfänger, sodass an den Fachhochschulen immer stärker nachgeholt werden muss, was leider im MINTBereich an den Schulen versäumt wird. Insofern glaube ich, wäre es Zeit für eine echte MINT-Offensive in den Schulen. Das ist eine Aufgabe, die mindestens ein paar Jahre braucht. Wenn wir es hinbekommen, dass die Studienanfänger in den MINT-Bereichen stärker sind, käme dies insbesondere den Fachhochschulen zugute.
Noch einen letzten Punkt. Wir haben einen großen Mangel an Bauingenieuren. Wir reden in diesem Haus oft darüber. Ich verstehe nicht, warum man nicht an der Fachhochschule Kiel auch ermöglicht das könnte man kurzfristig machen -, Bauingenieure auszubilden und nicht nur in Lübeck. Das würde der Bauwirtschaft helfen, das würde dem Land helfen, aber auch den kommunalen Verwaltungen. Denken Sie in den letzten drei Monaten einmal darüber nach, ob Sie nicht auch Bauingenieure in Kiel ausbilden. Aus meiner Sicht wäre das eine gute Lösung. - Ich danke Ihnen herzlich für die Aufmerksamkeit.
(Beifall FDP - Sandra Redmann [SPD]: Ent- schuldigen könnte man sich aber! - Christo- pher Vogt [FDP]: Wo ist das Sexismus? - Serpil Midyatli [SPD]: Denk mal darüber nach!)
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Vielen Dank an das Ministerium für die Beantwortung der Anfrage. Nachdem Sie sich selber ordentlich auf die Schultern geklopft haben, dass es nur so staubt, können wir vielleicht wieder zum Thema kommen und inhaltlich über das Thema Fachhochschulen diskutieren. Kommen wir gleich zum Punkt. An den Fachhochschulen in Schleswig-Holstein gibt es einiges, was gut läuft. Das will ich nicht abstreiten. Lehrangebot und Berufsaussichten sind für immer mehr Studieninteressierte ein Grund, sich für ein Studium an einer Fachhochschule zu entscheiden. Das begrüßen wir PIRATEN ausdrücken, haben wir uns doch über die komplette Legislaturperiode hinweg immer wieder für die Stärkung der Fachhochschulen eingesetzt.
Ein großes Problem ist jedoch die Zahl der MasterPlätze - der Kollege Vogt hat es gerade eben schon angesprochen - im Verhältnis zu den Bachelor-Plätzen. Obwohl viele Bachelorabsolventen vor allem in den Studiengängen Betriebswirtschaftslehre, Maschinenbau, Bauingenieurwesen und Agrarmanagement an einem Master-Studium interessiert sind, können die Fachhochschulen die Nachfrage nicht zufriedenstellend decken. Das kann man auch sehr gut der Anlage der Beantwortung der Anfrage über die Auslastungsquote entnehmen, Frau Midyatli.
Sie wissen selbst um den Stellenwert eines Bachelor-Abschlusses. Viele Unternehmen fordern heute einen Master-Abschluss. Das ist einfach gängige Praxis. Wir haben gesehen, es bringt nichts, die Studierenden zwangsweise mit dem Bachelor-Abschluss aus der Hochschule zu schubsen. Es ist wichtig, dass die Studierenden selbst entscheiden können, ob sie einen Master-Abschluss machen wollen, ihnen dazu die Möglichkeit zu geben und die Plätze bereitzustellen.
Außen vor gelassen werden dabei aber auch die Studierenden, die in die Forschung gehen wollen. Nicht für jeden ist der Wechsel an eine Universität die optimale Lösung. Manchmal wollen die Universitäten die Fachhochschulabsolventen auch nicht so gern haben. Da werden ihnen Steine in den Weg gelegt, indem Modulhandbücher nebeneinander gelegt und bis auf kleinste Kleinigkeiten dahin gehend verglichen werden, ob die Module zusammenpassen; Alles, was fehlt, muss nachstudiert werden. Einige entscheiden sich auch erst während ihres Master-Studiums für eine wissenschaftliche Karriere.
gestärkt werden müssen. So sehr sich die Universitäten querstellen - das Promotionskolleg ist im Hochschulgesetz verankert. Das ist eine Tatsache. Da gibt es kein Drumherum mehr. Aber wir kennen das schon von dieser Landesregierung: Manchmal wird links geblinkt und dann doch geradeaus gefahren - so lange, bis der Beifahrer laut zetert und man doch abbiegen muss.
Die Landesregierung zieht sich aus der Verantwortung. Bis auf formale Regelungen hat sie bislang nichts unternommen, um die Universitäten zu motivieren, das Kolleg mit den Fachhochschulen zu gründen.
- Ich habe nachgefragt, Herr Andresen! Als Antwort erhielt ich: Bevor ich im Oktober angefangen habe, hier nachzubohren, hat sich bei dem Promotionskolleg überhaupt nichts getan. Schauen Sie sich die Kleinen Anfragen an! Schauen Sie sich das Plenarprotokoll an! Es hat sich nicht bewegt. Jetzt wird in Aussicht gestellt, dass es vielleicht im Februar ein Treffen geben könnte. Aber ob ein Promotionskolleg herauskommt, steht noch in den Sternen, Herr Kollege Andresen. Dass dieses oder nächstes Jahr die ersten Promotionen über das Promotionskolleg laufen, glauben Sie doch selber nicht.
Frau Alheit, ich fordere Sie auf, mehr Druck auszuüben, sich mehr für das einzusetzen, was wir hier gesetzlich verankert haben.
Zweitmitgliedschaften einzelner FH-Professoren an den Universitäten dürfen nicht als Ausrede genutzt werden, kein Promotionskolleg einzurichten. Sie brauchen sich nur die Fachbereiche an den FH anzuschauen. Wir haben nicht zu jedem Fachbereich in Schleswig-Holstein entsprechende Fachbereiche an den Universitäten. Das passt einfach nicht. Da stehen ganze Fachbereiche einfach im Regen, und das lassen Sie zu!
Lassen Sie die Studierenden jetzt nicht im Regen stehen. Halten Sie Ihre Versprechungen aus dem Hochschulgesetz ein, damit das Gesetz auch das Papier wert ist, auf dem es steht.
Um adäquate Forschung in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft produktiv voranzutreiben, ist es übrigens auch notwendig, die Lehrverpflichtung der Fachhochschulprofessoren denen der Universitätsprofessoren anzupassen. Ich weiß nicht, ob Sie das wissen, aber ein Universitätsprofessor muss
Da wundern wir uns, warum sie nicht so viel Zeit für Forschung haben. Gleiches gilt bei der Einwerbung von Drittmitteln. Wie sollen sie das machen? Sie haben weniger Stellen für Mitarbeiter. Das geht doch so nicht! Hier wird so getan, als seien Universitäten und Fachhochschulen auf einer Ebene. Aber Sie müssen auch die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass das funktioniert. Sie sprechen immer von forschungsstarken Fachhochschulen. Ich sehe das im Moment nicht. Wer soll die Arbeit machen? Wer soll forschen?
Meine Damen und Herren, stärken Sie die Fachhochschulen, passen Sie die Lehrverpflichtungen an, schaffen Sie ausreichend Master-Plätze für die Bachelor-Studierenden an den Fachhochschulen, damit sie die freie Wahl haben, den Master zu machen oder auch nicht. Es darf aber nicht sein, dass sie zwangsweise aus der Hochschule „geschubst“ werden. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich möchte zunächst auf meinen Vorredner, Uli König, Bezug nehmen. Wir werden uns nicht auf die Schulter klopfen. Wir blinken links, überholen rechts und danken den Hochschulen in SchleswigHolstein für ihren fantastischen Einsatz, hier besonders den Fachhochschulen, weil wir nämlich heute genau über sie reden wollen.
Wir haben im Laufe der Legislaturperiode immer wieder über die Gesamtsituation unserer Hochschulen gesprochen. Unsere Fachhochschulen waren in diesen Debatten natürlich immer ein wichtiger Aspekt. Und doch war und ist es für uns wichtig, den aktuellen Stand und die Entwicklung unserer Fachhochschulen noch genauer unter die Lupe zu nehmen. Ziel unserer Großen Anfrage ist es daher, möglichst genau zu beleuchten, wie es in
Flensburg, Kiel, Lübeck oder an der FH Westküste aussieht. Denn die Fachhochschulen sind wesentlicher Teil unserer Bildungslandschaft und damit ein ungemein wichtiges Thema. Nicht zuletzt die vorliegenden Antworten zeigen ja, dass es in diesem Bereich nicht nur Licht sondern auch Schatten gibt.