men und Herren, was unsere Schulen brauchen, ist kein Bericht der Ministerin, sondern eine MINTOffensive im Land, was die Versorgung mit Lehrkräften betrifft.
Ich denke dabei daran, dass wir an den Schulen und in der Aus- und Fortbildung weiter entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen, dass wir die Bewerbung der MINT-Fächer gerade in Bezug auf die beruflichen Möglichkeiten vorantreiben müssen und dass wir uns auch mit dem Fach NaWi auseinandersetzen müssen. Hier muss die Konzentration auf die einzelnen Fächer in den Schulen stattfinden. Die Zusammenlegung der Fächer zu einem Fach NaWi hilft hier nicht weiter. Dazu gehört auch der verstärkte Technikunterricht, und ich will noch einmal daran erinnern, dass der gemeinsame Vorstoß der PIRATEN und der CDU-Fraktion zum Thema Informatikunterricht als Pflichtfach hier nicht akzeptiert worden ist. Die Ergebnisse davon habe ich Ihnen gerade vorgestellt. Das hilft uns im MINT-Bereich nicht weiter. Wir müssen hier sehr viel mehr tun, damit alle Kinder davon profitieren können.
So ähnlich sieht es auch bei der Begabtenförderung aus. Die ganze Legislaturperiode über ist dieses Thema hier nicht einmal vonseiten der Landesregierung angebracht worden. Jetzt fällt es Ihnen kurz vor der Landtagswahl ein, dass es ja noch eine Gruppe von Kindern gibt, um die man sich vielleicht kümmern müsste, und die Ministerin legt einen Bericht vor. Inhalt: Wir haben das gemacht, was wir immer gemacht haben. Die Frage ist: Wie machen wir jetzt weiter?
Ein Blick in das Wahlprogramm der SPD wäre an dieser Stelle ganz hilfreich. Die SPD bemängelt, dass die Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen in Deutschland nicht ausreichend bei der Entfaltung der Talente berücksichtigt werden. Mit Ausnahme von zweieinhalb Jahren hat die SPD hier - ich weiß nicht - seit 25 Jahren die Bildungsverantwortung in diesem Land. Da hätte man schon einmal etwas in diese Richtung unternehmen können.
Aber was soll denn nun konkret passieren? - Das beschreibt das SPD-Programm nicht. Jetzt soll es einen Runden Tisch geben. Frau Ministerin, Sie haben gerade gesagt, Sie wollen sich mit allen Beteiligten an diesem Runden Tisch unterhalten. Ich
frage mich allerdings: Warum eigentlich jetzt, zu diesem Zeitpunkt? Für diese Legislaturperiode wird dieser Runde Tisch definitiv keine Auswirkungen mehr haben. Sie endet, das wissen wir.
Auf das Wahlprogramm der SPD wird er auch keine Auswirkungen mehr haben, denn das ist inzwischen beschlossen. Insofern wird es wohl auch keine Auswirkungen auf zukünftige Koalitionsverhandlungen haben. Ich finde, das wird dem Thema der Hochbegabtenförderung nicht gerecht. Deswegen haben wir Ihnen mit unserem Antrag Vorschläge unterbreitet, wie wir Hochbegabtenförderung in diesem Land weiter ausbauen wollen. Wir sind der Auffassung: So verschieden wie die Kinder sind, so unterschiedlich müssen auch die Angebote innerhalb der Begabtenförderung sein.
- Natürlich muss das sein, so verschieden wie die Kinder sind. Deshalb wollen wir, dass die Kinder und ihre Potenziale so früh wie möglich in den Schulen erkannt werden, insbesondere bereits im Grundschulbereich. Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler sollen hier auf Fachleute zurückgreifen können, die sie beraten und unterstützen. Das Schulsystem zwischen Gemeinschaftsschule und Gymnasium muss so durchlässig sein, dass ein Wechsel von der Gemeinschaftsschule zum Gymnasium an dieser Stelle auch möglich ist.
Ich finde, wir brauchen für hochbegabte Kinder ein Angebot von Hochbegabtenklassen, damit die Kinder eben nicht mehr außerhalb Schleswig-Holsteins nach einem Schulangebot suchen müssen.
Auch unsere Hochschulen sollen sich verstärkt mit dem Thema Begabung und Hochbegabung auseinandersetzen und mit unseren Schulen zusammenarbeiten.
Das sind unsere konkreten Vorschläge, die wir Ihnen unterbreiten. Wir sind gern bereit, mit Ihnen im Ausschuss weiter darüber zu diskutieren. Am besten wäre natürlich, Sie würden unserem Antrag an dieser Stelle zustimmen. Dann hätten wir jetzt zumindest ein Aufrufsignal für die Hochbegabtenförderung hier in Schleswig-Holstein. - Herzlichen Dank.
Vielen Dank, Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich möchte Heike Franzen ausdrücklich recht geben. Wenn man wissen will, was in diesem Land 2017 bis 2022 passiert, dann lohnt sich absolut ein Blick in das SPD-Landtagswahlprogramm. Allerdings sollte man auch die Programme der Grünen und des SSW dazu nehmen, das möchte ich ergänzen. Gemeinsam werden wir das schon machen.
Nach dem Willen des Ältestenrates ist heute etwas zusammengewachsen, was nicht zusammengehört. Es darf eigentlich gar nicht erst der Eindruck entstehen, als seien die mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer in erster Linie etwas für Schülerinnen und Schüler mit besonderer Begabung, während möglicherweise die Fremdsprachen oder sozialwissenschaftlich und kulturell bildenden Fächer nur zur Bespaßung der durchschnittlich Begabten und der intellektuell besonders Herausgeforderten dienten. Dagegen würde ich mich als Deutsch- und Geschichtslehrer jedenfalls deutlich verwehren.
Die Landesregierung hat vor zweieinhalb Jahren ihr Inklusionskonzept vorgelegt, das so intensiv beraten worden ist wie kaum ein anderes Dokument dieser Regierung. Darin heißt es, dass sich eine inklusive Schule auf eine Schülerschaft in der ganzen Bandbreite ihrer Heterogenität ausrichten soll; diese Heterogenität steht generell für Vielfalt und schließt beispielsweise die Hochbegabung ein.
Insofern sind wir seit Jahren an dem Thema dran. Frau Franzen, ich hätte mir gewünscht, dass Sie Ihre 2 Minuten auch dazu nutzen, den Kurswechsel der CDU bei der Inklusion ein bisschen zu begründen, den Ihr Landesvorsitzender und Spitzenkandidat unlängst verkündet hat, der neuerdings wieder in die Rhetorik einschwenkt, das sei alles ideologisch, das sei alles abzulehnen, sie müssten wieder getrennt werden. Ein bisschen gehen Sie mit Ihrem Antrag auch in diese Richtung. Sie fordern jetzt zwar keine eigenen Schulen für die hochbegabten Kinder, das wäre ja eine Sortierung, wie wir sie von früher kennen, aber eigene Klassen sind davon nicht weit entfernt.
Es ist schon bezeichnend, dass die CDU wieder in das 60er-Jahre-Denken zurückfällt: Ich sortiere jedes Kind in die für es geeignete Schublade. Das hätte man an dieser Stelle begründen können.
Wenn man das zu Ende denkt, dann ist es richtig, zu sagen: Jedes Kind hat individuelle Stärken und Schwächen und jedes Kind ist anders. Wenn dann jedes Kind genau die richtige Schule bekommen
muss, dann bräuchte man für jedes Kind eine einzelne Schule. Weil das eben nicht geht, muss die Förderung jedes einzelnen Kindes individuell an unseren allgemeinbildenden Schulen stattfinden.
- Vielen Dank, Kollege Weber. Wenn wir Sie nicht hätten! Wir können uns eigentlich gar nicht vorstellen, wie das hier ohne den Kollegen Weber funktionieren soll, aber wir müssen das ab Mai 2017 einfach ausprobieren.
Der Bericht der Landesregierung enthält eine Vielzahl an Maßnahmen, mit denen Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen in ihren Stärken gefördert werden können, ohne die Grundlage einer inklusiv arbeitenden Schule zu verlassen.
Dazu kommen Programme zur außerunterrichtlichen Begabungsförderung, die ich hier nicht im Einzelnen referieren möchte. Ich will aber ausdrücklich der Zielbestimmung zustimmen, dass Begabungsförderung als gelebte Unterrichtskultur in allen Schulen des Landes und als Aufgabe für jede Lehrkraft verstanden wird. Das ist einer der Gedanken im CDU-Antrag, denen ich folgen kann. Aber es passiert ja schon, dass wir spezielle Lehrerinnen und Lehrer besonders fortbilden, für die Förderung der begabten Schülerinnen und Schüler zuständig zu sein.
Ihr Antrag fordert Dinge, die entweder bereits umgesetzt werden oder aus unserer Sicht in eine völlig falsche Richtung gehen. Deswegen muss ich Sie enttäuschen, Frau Franzen. Wir werden dem heute nicht zustimmen, sondern Ihren Antrag im Gegenteil ablehnen.
Mit den MINT-Fächern verbinden sich zwei Kernprobleme: Wie die Ländervergleiche im Rahmen von PISA und IQB gezeigt haben, sind die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler auf dem richtigen Weg, aber immer noch ausbaufähig. IQB hat ferner gezeigt, dass die Resultate der schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler in der Vergangenheit etwas unter dem Bundesschnitt lagen, den Abstand aber aufholen. Davon nicht zu trennen ist die Tatsache, dass wir einen Fachlehrermangel haben -, das wurde angesprochen - besonders für die Fächer Mathematik und Physik, der sich auch noch verstärken wird.
Was kann ein Land insoweit tun? Wir können Studienplätze schaffen. Wir können über die Frage von Ein-Fach-Lehrern sprechen, die ein Teil der Lösung
sein könnten, möglicherweise aber auch Teil eines neuen Problems. Ich zum Beispiel bin Fan des Klassenlehrerprinzips. Wenn Lehrerinnen und Lehrer vermehrt nur ein Fach unterrichten können, sind sie eher nicht dafür geeignet, als Klassenlehrer eingesetzt zu werden. Das werden wir ausprobieren müssen, passiert an den Schulen aber auch heute schon.
Wir müssen über Querzugänge reden. Aber wir werden Menschen nicht zwingen können, im naturwissenschaftlichen Bereich Lehrerinnen und Lehrer zu werden. Es wäre auch kein Segen, jemanden zu zwingen, Lehrerin oder Lehrer zu werden, weil pädagogisches Handeln dann sicherlich nicht erfolgreich funktionieren würde.
Der Bericht zeigt, wie die Landesregierung dieses Problem angeht. Sicher ist, dass Werbekampagnen für die MINT-Fächer allein nicht ausreichen werden. Aber, wie gesagt, auch wenn die Einstellungschancen gut sind, würde ich niemandem raten, dessen Herz nicht hinter diesen Fächern steht, ausgerechnet wegen der guten Einstellungschancen genau dieses Fach zu studieren. Jemand sagte einmal: „Ein Lehrer muss für seine Fächer brennen.“ Das ist im Chemieunterricht wahrscheinlicher als in jedem anderen Fach. Aber man kann nur da Höchstleistungen erbringen, wo man interessiert ist und wo man dahintersteht.
Meine Damen und Herren, trotz des bevorstehenden Endes der Legislaturperiode schlage ich vor, beide Berichte in den Ausschuss zu überweisen. Auch dem Bildungsausschuss der 19. Legislaturperiode wird es nicht verboten sein, Berichte aus der 18. Legislaturperiode im Wege der Selbstbefassung zur Grundlage seiner Beratungen zu machen und die dabei genannten und reichhaltig vorhandenen Vorschläge weiterzuentwickeln. Denn die Förderung von Schülern mit besonderen Begabungen und der Fachlehrermangel in den MINT-Fächern werden nicht am 7. Mai enden.
Vielen Dank. - Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN erteile ich jetzt das Wort der Kollegin Anke Erdmann.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Was passiert, wenn man einmal ein paar Jahre nicht über die Schulstrukturen redet? Man redet über das Kerngeschäft von Schule, über Unterricht, und man merkt, schon gleich leeren sich die Ränge. Denn Schulstrukturdebatten sind natürlich für alle viel interessanter als die harte Kernarbeit in den Schulen, nämlich der Unterricht.
Wir haben in den letzten fünf Jahren unter anderem geredet über Fortbildung, über die Qualität von Inklusion; wir haben über das digitale Lernen geredet, über die Fachanforderungen. Wir haben nicht nur darüber geredet, sondern haben auch ganz viel auf den Weg gebracht.
Wir haben über die Übergänge von den Schulen in den Beruf mithilfe der Jugendberufsagenturen geredet. Wir haben hier kontrovers diskutiert über Leistungsbewertung und so weiter. Heute reden wir über MINT und Hochbegabung. Es geht also wirklich um die Qualität von Unterricht.
Ich muss sagen: Die bildungspolitische Debatte hat sich vor allem in den letzten drei Jahren massiv verschoben, weg von der Schulstrukturdebatte hin zu der Qualitätsdebatte. Wenn es nach uns Grünen geht und wahrscheinlich auch nach vielen anderen hier im Haus, dann wird das auch so bleiben.
Ich kann nur sagen: Wählt uns, damit wir alles rückgängig machen, was wir einmal eingeführt haben: G 8, Einschulung mit sechs, wenig Zurückstellungen und so weiter. Es gab ja noch einige weitere Punkte: Notenfreie Schule ist auch unter Herrn Carstensen eingeführt worden. Also: Wählt uns, damit wir alles zurückdrehen können, was einmal eingeführt worden ist. Aber vielleicht sollte man vorher einmal über Wahlprogramme nachdenken, bevor man etwas einführt.
Ich möchte zunächst auf den MINT-Bereich eingehen und einen herzlichen Dank in Richtung von Frau Ministerin Ernst und ihrem Team zum Ausdruck bringen. Dieses Team ist diesmal wirklich groß, denn ich meine auch die Lehrkräfte vor Ort, die sich in diesem Bereich wirklich sehr engagieren. Es sind unglaublich viele. Dies wird in dem Bericht auch deutlich erwähnt. Das Engagement einzelner Lehrkräfte geht sogar noch darüber hinaus. Denken Sie zum Beispiel an die Mathe-Olympiade und andere Punkte. All dies findet ja auch
Trotzdem merken wir - das hat uns auch der letzte PISA-Bericht zurückgespiegelt -, dass zum Beispiel der Gender-Effekt noch offen ist. Es ist nämlich oftmals so, dass sich nach wie vor viele Mädchen nur wenig dafür interessieren. Wir stellen außerdem fest, dass sich in Deutschland unterdurchschnittlich viele Jugendliche mit 15 Jahren vorstellen können, im Alter von 30 Jahren in einem naturwissenschaftlichen Bereich zu arbeiten. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 25 %, also bei einem Viertel. Bei uns in Deutschland sind es 14 %. Sie sehen: Das ist wirklich ein signifikanter Unterschied.
Natürlich haben wir in dem Bereich Probleme, weil es natürlich auch die Lehrkräfte sind, die die Schülerinnen und Schüler insoweit begeistern können. Natürlich hat auch Frau Franzen recht, wenn sie auf den Informatikbereich hinweist.