Das ist aber genau das Gleiche. In Hamburg nennen sie das „Lehramt Gymnasien“. Das ist aber de facto der Lehrer, der an Stadtteilschulen und Gymnasien unterrichtet. Wenn das Ihr Problem ist, wenn es nur eine Frage der Namensgebung ist und ein reiner Gymnasiallehrer für Sie kein Einheitslehrer ist, weil er Gymnasiallehrer heißt, haben wir vielleicht noch Verhandlungsmasse für die Ausschussberatung.
Wir sind jetzt auf der Schlussgeraden, aber nicht am Ziel. Das Parlament ist dran. Ich hoffe, das Parlament wird sich eines Tones befleißigen, der der bildungspolitischen Auseinandersetzung würdig ist.
Natürlich gibt es immer Verbesserungsmöglichkeiten. Es gibt auch Grund für Selbstkritik. Zum Beispiel hat Hochschulpolitik in Deutschland insgesamt Zwänge geschaffen, die wir jetzt beklagen.
„Solange Kapazitätsverordnungen und nicht die Bedürfnisse eines Faches die Zahl der Professoren bestimmen, bleibt die Lehrerausbildung die Überlebensquelle für viele.“
Das ist das Bild, das an manchen Universitäten fälschlicherweise da ist: Angehende Lehrer werden benutzt, um Seminare aufzufüllen. Wenn jetzt die CAU die Bedeutung der Lehrerbildung und die Lehrerbildung als Rückgrat für sich selbst entdeckt, haben wir viel erreicht. Dann können wir auch in Zukunft viel erreichen. Dann vermeiden wir es vielleicht, dass einige auf Kosten von Studierenden ihr Mütchen kühlen. - Vielen Dank.
Ich will den Applaus nicht unterbrechen. - Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Jeder zweite Lehrer gibt an, durch das Studium nur unzureichend auf den Lehrerberuf vorbereitet worden zu sein. Über 20 % berichten von einem Praxisschock am Anfang ihrer Laufbahn. Bildungsforscher wie Professor Köller - jetzt hinhören - von der Christian-Albrechts-Universität Kiel oder aber auch Professor Prentzel von der Universität München haben in mehreren Studien deutlich gemacht, worauf es ankommt: Sie fordern die Rückkehr der Pädagogik in das Lehramt.
Es ist ein Skandal, dass es Vorgängerregierungen nicht gelungen ist, unser Lehramt im Land neu aufzustellen.
Die Wahrheit ist doch, dass das Lehramt schon 2008 zusammen mit dem Schulgesetz hätte reformiert werden müssen. Wer eine so unrühmliche und konzeptlose Vergangenheit beim Lehramt hat wie vor allem die CDU-Opposition hier im Haus, sollte mit etwas mehr Demut in der Debatte auftreten.
Es ist ein Erfolg, dass sich unsere Küstenkoalition traut, dieses dicke und dringend reformbedürftige Brett zu bohren. Wir Grüne haben als bislang einzige Fraktion immer wieder Gesetzentwürfe zum Lehramt vorgelegt. Unser Ziel ist ein stärkerer Praxisbezug in der Ausbildung und eine Ausbildung, die die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler und nicht alte Schulstrukturen in den Mittelpunkt rückt. Wir Grüne wollen die parlamentarische Anhörung dazu nutzen, an der Sache orientiert über ein besseres Lehramt zu diskutieren. Für uns gibt es neben vielen anderen Aspekten vier Hauptpunkte, die für uns in der Fragestellung relevant sind.
Der erste ist die Fächerstruktur. Es gibt nicht nur in Kiel, sondern an beiden Standorten gerade Aufregung um die zukünftige Fächerstruktur. Während in Kiel - das ist hinlänglich bekannt - die Universität befürchtet, dass sie durch den parallelen Aufbau von Naturwissenschaften an einem anderen Standort geschwächt wird, macht sich die Universität Flensburg vor allem Sorgen um das Fach Kunst, das dort nämlich abgebaut werden beziehungsweise nur noch für Grundschullehrer verhaftet bleiben soll. Das zeigt schon, dass die Sache etwas bunter ist als die Fragestellung Kiel oder Flensburg. Es gibt an beiden Standorten Debatten um die Fächerstruktur. Wir wollen sowohl mit den Hochschulen als auch mit externen Experten weiter diskutieren, welche Fächerstruktur für unsere Hochschulen für das Lehramt insgesamt am besten ist.
Das zweite Themenfeld - Herr Kollege Habersaat hat es angeschnitten - ist das Thema Bedarfsanalyse. Wir müssen die Bedarfe, wie sie beim Lehramt für unser Bundesland, aber auch darüber hinaus in Zukunft sein werden, weiter genau analysieren und daraufhin auch die Frage der Fächerstruktur diskutieren. Auch wenn es aus unserer Sicht unrealistisch ist, dies bis auf die letzte Lehrerstelle zu tun, müssen wir da weiter kommen, als wir zurzeit sind - zugegeben. Aber auch da bleibt in den Anhörungen Zeit, um bei diesem Gesetzentwurf noch etwas nachzulegen.
Habe ich Sie gerade richtig verstanden, Sie wollen jetzt die Reform anschieben, wissen aber gar nicht oder nicht so richtig, welche Lehrer mit welchen Fächerkombinationen wir benötigen?
Der dritte Punkt bei unseren Kriterien ist die Ausbildung für Mangelfächer für die Sekundarstufe I. Der Gesetzentwurf formuliert auch jetzt schon eine Öffnung in dem Bereich. Es steht auch jetzt schon für eine Übergangsphase bis 2019 drin, dass für die Sekundarstufe I weiter Lehrkräfte ausgebildet werden sollen. Wir wollen gern diskutieren, auch, weil es in den Bildungswissenschaften durchaus sehr kontroverse Meinungen dazu gibt, ob es sinnvoll sein kann, gerade in den Mangelfächern nach wie vor Sekundarstufe-I-Lehrer auszubilden. Diesen Aspekt wollen wir in der Anhörung als Grüne starkmachen und ergebnisoffen diskutieren.
Der vierte Aspekt ist natürlich die Finanzierung. Wie könnte ich anders, als hier zu stehen und nichts zur Finanzierung zu sagen! Mich stört bei der Finanzierung, dass jetzt einige Oppositionspolitiker unterschiedliche Mythen aufstellen und astronomische und zum Teil auch sehr interessengeleitete Prognosen in den Raum stellen.
Sie waren ja heute etwas zurückhaltender, Herr Günther. Aber aus unserer Sicht ist das eben auch keine seriöse Grundlage. Ja, Sie fordern eine seriöse Grundlage ein. Es gibt Zahlen dazu. Allein durch den Umbau in Flensburg wird es schon zu einer Gegenfinanzierung kommen. Wir werden gleichzeitig auch bei den Laboren noch einmal weiter nachfragen - ganz klar. Was aber auch nicht geht, ist zu sagen: 7 Millionen, 50 Millionen, wer weiß, was dann morgen dabei herauskommt! So geht es eben auch nicht. Wer Seriosität einfordert, der muss sie auch selbst liefern. Das haben Sie nicht getan.
Für uns ist Lehramt auch kein Sparmodell. Wir müssen diskutieren, wie die Mittel am sinnvollsten an beiden Standorten eingesetzt werden können. Ganz klar, da sind wir noch nicht am Ende. Aber sich hier hinzustellen und nur mit der Kostenfrage zu kommen, das passt zu Ihrer alten Hochschulpolitik, ist aber nicht unser Ansatz.
Ein weiterer Punkt bei der Finanzierung ist auch das dringend benötigte Semesterticket. Das ist eine berechtigte Forderung der Studierenden. Sie sagen, wenn wir mehr im Land unterwegs sein müssen, wenn wir auch Schulen besuchen müssen, die vielleicht nicht in Kiel oder in Flensburg liegen, dann müssen wir auch die Fahrtkosten erstattet bekommen. Diesen Punkt nehmen wir als Grüne sehr ernst. Auch da ist der Knoten noch nicht durchgeschlagen. Aber auch da geht es nicht einfach darum, das Bildungsministerium in die Pflicht zu nehmen, sondern es geht auch darum, das Verkehrsministerium und die Landesverkehrsgesellschaft endlich dazu zu bewegen - vor allem die Landesverkehrsgesellschaft -, hier nachzulegen. Eine Lösung beim Semesterticket für die Praxisphase ist für uns ein Muss.
Es bringt aus unserer Sicht niemandem etwas, Schreckgespenster an die Wand zu malen, wie die Opposition dies betreibt. Es gibt viele kolportierte Falschaussagen. Ich nenne ein Beispiel: Es wird behauptet, dass die angebliche Verlagerung der Ausbildung der Realschullehrer nach Flensburg zu einer Massenflucht geführt habe. Das habe ich mehrfach in der Zeitung gelesen. Studierende sollen massenhaft in andere Bundesländer gewandert sein.
Das ist nicht richtig. Wir haben nachgefragt. Das stimmt gar nicht. Die Studierendenzahlen sind ungefähr gleichgeblieben. Deshalb verbieten sich solche Argumente in dieser Debatte.
Wir können sehr gut nachvollziehen, dass sich Hochschulen Gedanken darüber machen, wie man angesichts des demografischen Wandels an den
Schulen in Bezug auf das Lehramt überlebensfähig bleiben kann. Das ist klar, davor haben wir großen Respekt. Diese Sorgen nehmen wir sehr ernst. Wir haben allerdings kein Verständnis dafür, Angstmacherei zu betreiben. Einige Akteure in dieser Debatte tun so, als würden wir Studiengänge in Kiel schließen. Das ist nicht der Fall.
Die Christian-Albrechts-Universität verliert kein einziges Fach. Sie wird auch in Zukunft deutlich mehr Fächer haben als die Universität Flensburg, und zwar egal wo wir am Ende landen werden. Es ist schon gesagt worden: Wer Flensburg stärkt, der schwächt nicht automatisch Kiel. Was ist das für eine absurde Logik?
Wir haben der Christian-Albrechts-Universität beispielsweise im Rahmen des Sondervermögens zur Hochschulsanierung von über 60 Millionen €, das wir übrigens im großen Konsens beschlossen haben, fast alles gegeben. Ich habe keine einzige Stimme an irgendeiner anderen Hochschule gehört, die behauptet hätte, dass man dadurch geschwächt werde, dass in Kiel die Gebäude saniert werden.
Ein Punkt noch zur Ressourcenfrage: Auch die Christian-Albrechts-Universität bekommt mehr Mittel, um das Lehramt auszugestalten. Dies ist angedeutet worden. Es geht um die Praxisphase. Die Stundenreduzierung, die es an der Hochschule zum Beispiel gibt, ist nicht etwas, wovon nur die Universität Flensburg profitiert. Davon profitiert auch die Christian-Albrechts-Universität. Das heißt: Selbst wenn man dies in monetären Ressourcen aufrechnet, profitiert auch die Christian-AlbrechtsUniversität.
Herr Günther, das ist schon eine große Unverschämtheit. Vor zwei Jahren waren Sie noch der größte Pressesprecher Ihres ehemaligen Wissenschaftsministers. Diese Koalition investiert viel mehr in die Hochschulen, als es die Vorgängerregierungen getan haben. Das gilt auch für die Grund