Protokoll der Sitzung vom 22.05.2015

Selbstverständlich.

Geben Sie mir recht, dass der Minister etwas ändern musste, weil der Wildpark Eekholt das Wolfsmanagement zurückgegeben hat?

- Ich verstehe aber immer noch nicht, worin die Kritik liegt. Der Minister steht mit Eekholt im Austausch. Von dort wendet man sich an ihn und sagt: „Wir können das allein nicht mehr leisten.“ Der Minister handelt. So wünsche ich mir das.

(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Frau Abgeordnete Redmann, gestatten Sie eine weitere Frage des Abgeordneten Göttsch?

Selbstverständlich.

Der Wildpark Eekholt hat sich seit über einem halben Jahr an den Minister gewendet und keine Antwort bekommen. Jetzt haben sie entsprechend gehandelt, weil das ehrenamtlich nicht mehr möglich ist.

- Natürlich gab es mit dem Wildpark Gespräche. Dass man zunächst einmal eine Lösung finden muss, wie man das Ganze bewerkstelligt, finde ich ebenfalls völlig in Ordnung.

(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Ich möchte die Gelegenheit nutzen,

(Unruhe)

Vielleicht ein bisschen mehr Ruhe. Herr Abgeordneter Arp!

- um allen, die bisher schon in diesem Bereich aktiv tätig waren, im Namen der SPD-Landtagsfraktion ausdrücklich zu danken.

Wolf und Mensch - das war schon immer eine schwierige Beziehung. Kein anderes Tier, wirklich keines, polarisiert so sehr wie der Wolf. Er rührt an unsere Emotionen, er fasziniert, er macht Angst. Er ist das Sinnbild für Wildnis und Natur. Er ist die Hauptfigur vieler Geschichten, Märchen und Filme, die genau dies deutlich machen, ob nun im Märchen von Rotkäppchen - auch wenn der Wolf dort ja eigentlich gar nicht gemeint ist -, im Märchen vom Wolf und den sieben Geißlein, im Dschungelbuch oder in „Der mit dem Wolf tanzt“ - nicht Lars Winter und Robert Habeck.

(Christopher Vogt [FDP]: Was macht der Wolf im Dschungel?)

Der Wolf macht zudem deutlich, dass wir uns aber auch noch mit etwas anderem auseinandersetzen müssen.

(Zuruf Wolfgang Kubicki [FDP])

- Darf ich weitermachen, Herr Kubicki? Ist das okay? - Danke schön.

Wir alle haben jetzt die Witze verstanden. - Frau Redmann, Sie haben das Wort.

Danke schön. - Wie ist unser Umgang mit der Natur? Wie ist unser Umgang mit den Tieren? Was sind wir zu akzeptieren bereit? Ich möchte hier den Journalisten Eckhard Fuhr zitieren. In seinem Buch „Rückkehr der Wölfe - Wie ein Heimkehrer unser Leben verändert“ schreibt er: Es

„wird deutlich, dass wir uns nicht nur mit der physischen Präsenz der Wölfe auseinandersetzen müssen. Die größere Herausforderung ist die mentale: zuzulassen, dass in unserem durchorganisierten und gut kontrollierten mitteleuropäischen Biotop die wilde Natur immer noch mächtig ist.“

Recht hat er. Er macht uns damit zudem deutlich, dass nur ein sachlicher Umgang mit diesem Thema weiterhilft. Polemik, Halbwahrheiten und Unterstellungen helfen uns nicht weiter, ganz im Gegenteil.

(Beifall SPD)

Ich möchte gern noch einmal aufgreifen, dass ein nicht ganz unbekannter Herr, auch aus der Jägerschaft, vor Kurzem kritisiert oder nachgefragt hat, wie es denn sein könne, dass der Wolf über den

Nordostseekanal gekommen sei und ob - ich interpretiere jetzt ein wenig, jetzt mache ich das auch einmal - er nicht vielleicht heimlich im Auto irgendwo hingeschmuggelt wurde. Ich finde solch eine Unterstellung gegenüber Naturschützern unglaublich. Denn kein Mensch, der Naturschützer ist, würde so etwas tun.

(Beifall SPD und Angelika Beer [PIRA- TEN])

In einem muss ich demjenigen aber recht geben. Manchmal frage ich mich schon, ob alles, was vom Nordostseekanal herüberkommt, immer so gut ist. Diese Frage darf ich mir dann auch stellen.

(Heiterkeit SPD)

- Wenn man weiß, wer das Zitat gebracht hat, dann weiß man das auch.

Insbesondere zwei Dinge müssen wir bei der Weiterentwicklung des Programms im Auge behalten.

Zum Ersten müssen wir die Ängste der Menschen vor dem Wolf ernst nehmen. Wie verhalte ich mich bei der Begegnung? Kann ich noch in den Wald gehen? Hier sind dringend Aufklärung und Information nötig.

(Beifall Oliver Kumbartzky [FDP])

Auch die Tierhalter müssen wir auf dem Weg mitnehmen. Präventive Maßnahmen, wie zum Beispiel Zaunbau, Einsatz von Herdenschutzhunden, aber auch Entschädigungsregelungen müssen weitergedacht werden.

Zum Zweiten muss deutlich werden, dass der Wolf nicht nur ein streng geschütztes Tier ist, sondern auch das Recht hat, in seinen angestammten Lebensraum zurückzukehren.

(Wolfgang Kubicki [FDP]: Nicht in meinen Garten!)

Er wird in unserer Kulturlandschaft sein Zuhause finden, denn Wölfe sind wahre Meister der Anpassung.

Frau Abgeordnete, schauen Sie einmal auf die Uhr!

Ich dachte, es wäre noch ein wenig Zeit, weil Hauke Göttsch mich drei Dinge gefragt hat.

(Heiterkeit)

Das ist für uns eine völlig neue Situation. Wir werden lernen müssen, damit umzugehen, und sollten dabei ein realistisches Bild vom Wolf zeichnen. Er ist weder ein Kuscheltier noch eine Bestie. Er ist ein Raubtier. Wir haben offenbar verlernt zu verstehen, was das heißt.

(Beifall SPD)

Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob in Schleswig-Holstein weiterhin einzelne Wölfe durchziehen - eventuell nach Dänemark - oder hier leben werden oder ob sich vielleicht ein Rudel ansiedelt. Wir sollten diese Herausforderung gemeinsam annehmen. Wenn ich „gemeinsam“ sage, dann meine ich das auch so. - Vielen Dank.

(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW)

Für die Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat die Abgeordnete Marlies Fritzen das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Nach den furiosen Vorhaltungen des Kollegen Göttsch gegenüber dem Minister habe ich nur noch erwartet, dass er den Rücktritt fordert. Aber das haben Sie nicht getan, weil Sie das, was Sie gesagt haben, in keinster Weise substanziieren konnten.

Sie haben gesagt, dass etwas getan werden müsse, als könnte man die Zuwanderung von Wölfen planen oder, wie Ihr ehemaliger Vorsitzender meint, diese noch dadurch forcieren, dass man Wölfe freilässt. Frau Redmann hat das gerade angesprochen. Das zeigt aus meiner Sicht nur, wie wenig Ahnung die CDU tatsächlich von Naturschutz hat.

Meine Damen und Herren, der Wolf ist mehrfach in Schleswig-Holstein aufgetaucht. Er ist zurück. Das können wir, denke ich, mittlerweile mit Sicherheit sagen. Er zeigt sich immer häufiger. Deshalb ist es richtig und wichtig, einen weiteren Schritt zu gehen und das Wolfsmanagement in professionellere Hände zu legen, die mit den zunehmenden Wolfsbeobachtungen umfänglicher umgehen können. Diesen Schritt zu tun, ist vollkommen richtig.

Das heißt nicht, dass die Wolfsbetreuer, die ja weiterhin aktiv bleiben und ihre Kenntnisse und ihr Wissen weiterhin zur Verfügung stellen, keine gute Arbeit gemacht hätten. Im Gegenteil: Sie haben hervorragende Arbeit gemacht, und zwar nicht erst

(Sandra Redmann)

seit 2008, sondern im Wildpark Eekholt schon viel früher. Sie werden auch weiterhin inhaltlich beitragen. Aber wir stellen fest, dass die zunehmenden Sichtungen auch dazu führen, dass wir deutlich aktiver werden müssen.

Liebe Kollegin Beer, ich denke, dass Sie mit Ihrem Antrag den Minister nicht zum Jagen tragen, sondern offene Türen einrennen, im Übrigen nicht nur bei dieser Landesregierung, sondern - auch das wurde schon gesagt - ebenfalls und schon sehr früh bei den Vorgängerlandesregierungen, als man noch nicht erwartet hat, dass sich der Wolf häufiger in Schleswig-Holstein aufhalten würde. Man muss tatsächlich darüber nachdenken, ob es zu Rudelbildungen kommen wird. Damals hatte man noch ganz andere Vorstellungen davon. Schon damals wurde das Wolfsmanagement eingerichtet und hat, wie gesagt, bis heute gute Arbeit geleistet.