Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste auf der Tribüne! In der letzten Saison erzielte die KSV mit über 10.000 Fans pro Heimspiel einen neuen Zuschauerrekord. Stellen Sie sich einmal vor, was passiert wäre, wenn Kiel ein bundesligataugliches Stadion gehabt hätte! Mit der vorgesehenen Erweiterung der Gegengerade bis Ende Oktober 2018 und spätestens mit der Fertigstellung der neuen Ostkurve im Sommer 2019 wird das Holstein-Stadion ein Fassungsvermögen von rund 18.000 Plätzen haben, und das ist dann auch bundesligatauglich.
Vor einiger Zeit bekam ich am Bahnhof das Gespräch eines Holstein-Fans mit einem Fan aus Braunschweig mit. Der Kieler sagte: Aber bitte nicht enttäuscht sein, wenn du unser Stadion siehst. - Solche Sätze werden also bald der Vergangenheit angehören, aber schon heute bleibt hervorzuheben: Holstein Kiel hat für Kiel und für Schleswig-Holstein unwahrscheinlich viel erreicht. Es wurden Menschen zusammengeführt, es wurde Identität gestiftet, und zwar über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg.
Man erkennt das übrigens auch daran, dass seit der vergangenen Saison die Kieler Vereinsflagge nicht nur vor dem Stadion weht, sondern auch in vielen Vorgärten. Dass das Land den Stadionausbau und eben nicht den Verein mit nunmehr 10 Millionen € unterstützen will, ist also nicht nur vertretbar, sondern das ist auch verdient.
Meine Damen und Herren, bedenklich sind Geschenke allerdings immer dann, wenn sie mit bestimmten Forderungen verknüpft werden. Ich meine jetzt nicht die Forderung, dass sich die Stadt und private Investoren in gleicher Höhe beteiligen sollen. So ein Vorgehen ist Usus. Ich spreche natürlich von der im Antrag formulierten Erwartung, ich zitiere:
„… dass der Verein für Vielfalt und Respekt sowie für eine offene Gesellschaft durch die Durchführung von konkreten Projekten eintritt.“
So viele Neusprech-Schlagwörter in einem Satz? Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, welche Partei der Jamaika-Koalition hier federführend war.
- Jetzt bestätigen Sie das ja. - Dabei ist es im realen Leben so: Jeder, der die KSV kennt, weiß, wie sehr sich Verein und Fans bereits heute sozial engagieren.
Das ideologische, floskelhafte Geplänkel in Ihrem Antrag hätten Sie sich sparen können. Das Einzige, was das bewirkt hat, ist, dass der SPD auch noch die Forderung nach Gleichstellung eingefallen ist. Es geht aber um den Sport. Es geht um den Stadionausbau. Es geht nicht um politische Forderungen in diesem Antrag.
Meine Damen und Herren, und überhaupt: Werte wie Zusammenhalt und Unterstützung werden in der KSV ohnehin längst gelebt. Dazu nenne ich einmal fünf Beispiele, die jeder kennt, der sich mit dem Verein auseinandergesetzt hat. Das ist doch prima.
Erstens. Partnerschaft mit der Stiftung Drachensee: Holstein Kiel setzt sich vorbildlich für die Integration von Menschen mit Behinderung ein.
Zweitens. Zusammenarbeit mit dem DRK: Es werden spezielle Live-Reportagen für sehgeschädigte Menschen angeboten.
Drittens. Die KSV Holstein unterstützt „Anstoß e. V.“ bei dem Ziel, armen und sozial ausgegrenzten Menschen einen Zugang zu regelmäßigen Sportangeboten zu verschaffen.
Viertens. Die KSV beteiligt sich am Aufbau des Straßenfußballnetzwerks. Hierbei wird mit Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe und der Suchthilfe zusammengearbeitet.
Fünftens. Die KSV unterstützt das AWO-Fanprojekt. Hier kümmern sich Sozialarbeiter um die Belange von jugendlichen Fans und beraten sie in Fällen wie Spielsucht, Überschuldung, Beruf und Ausbildung.
Sie sehen, die Forderungen nach Vielfalt, Gleichstellung und offener Gesellschaft sind hier fehl am Platz. Eigentlich sind sie sogar eine Unverschämtheit. Viel besser und angebrachter wäre es gewesen, der KSV für das soziale Engagement zu danken, und zwar schon im Antrag.
Meine Damen und Herren, Spitzensport und Breitensport - das sind kommunizierende Röhren. Die kuriose vergangene Kieler Saison hat viele Kinder und Jugendliche animiert, Fußball im Verein zu spielen. Voraussetzung dafür sind wiederum intakte Sportanlagen. Die Kommunen hierbei finanziell zu unterstützen und damit die Attraktivität auch weiterer sportlicher Angebote zu erhöhen - das begrüßen wir ausdrücklich. Ebenfalls 10 Millionen € zur Förderung von anderen Sportstätten zur Verfügung zu stellen - sogar ganz ohne Bedingungen und Forderungen -, das geht völlig in Ordnung.
Zusammengefasst: Eine bessere Imagekampagne für unser Land als die vergangene Saison hätte sich niemand wünschen können.
Als AfD-Fraktion stimmen wir - trotz der Kritik dem Antrag von Jamaika zu, ganz im Sinne des Mottos: Es lebe der Sport! Außerdem habe ich noch immer die Hoffnung, dass Kiel nächstes Jahr in der 1. Liga spielt. - Jetzt sehe ich sogar einige nicken. Das freut mich sehr. - Vielen Dank.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Schon in den Zeiten der Küstenkoalition haben wir die Fördermittel für den Landessportverband aufgestockt und erstmals seit Jahrzehnen wieder nennenswerte Mittel für die Sportstättensanierung zur Verfügung gestellt. Das war ein Anfang. Die Sportstättenförderung ist in den letzten Jahren immer wieder etwas aufgestockt worden; das hat Herr Kollege Koch schon dargestellt. Das ist der richtige Weg, wohl wissend, dass alle zur Verfügung gestellten Mittel immer noch zu wenig sind.
Trotzdem müssen wir genau dort weitermachen und die kleinen wie die großen Vereine unterstützen, damit sie hochwertige Sportanlagen vorhalten können. Das gilt auch und gerade für die professionel
len Sportvereine wie Holstein Kiel. Verglichen mit anderen Bundesländern ist die Profisportdichte in Schleswig-Holstein immer noch unterdurchschnittlich ausgeprägt. Hieran kann man nur etwas ändern, wenn die Sportvereine merken, dass sie bei dem großen Schritt in den Leistungssport hinein nicht alleingelassen werden. Holstein Kiel hat diesen Schritt gemacht und sogar an die Tür der FußballBundesliga geklopft. Wir alle hoffen natürlich, dass es irgendwann mit dem Aufstieg in die 1. Liga klappt.
Viel wichtiger ist, dass wir uns klarmachen, dass das Holstein-Stadion schon heute nicht einmal die Bedingungen der 2. Liga erfüllt. Es muss also etwas geschehen. Die Kosten für den Einstieg und den dauerhaften Verbleib im Profifußball sind hoch. Für einen vergleichsweise kleinen Verein mit einem eher dünn bevölkerten Hinterland ist dies schwer zu stemmen. Deshalb ist es richtig, dass wir hier gemeinsam mit dem Verein und der Stadt Kiel dafür Sorge tragen, dass das Stadion ausgebaut und zweitligatauglich gemacht wird. Dabei geht es nicht nur um eine neue Tribüne, sondern beispielsweise auch um Pressearbeitsplätze und vieles mehr.
Wir als SSW meinen, dass dieses Geld für den Umbau des Holstein-Stadions nicht nur für den Verein gut angelegtes Geld ist, sondern dass es auch die Wirtschaftskraft der Region stärkt. Wir dürfen auch die Wirkung für den Breitensport nicht unter den Tisch fallen lassen. Der Breitensport braucht Vorbilder. Diese gibt es im Sport nur, wenn die Profisportler gute äußere Bedingungen vorfinden.
Wir haben aber auch andere Vereine, die ebenso eine regionale - manchmal auch eine überregionale Vorbildfunktion ausüben. Im Fußball wollen die Amateure von Weiche Flensburg 08 sicherlich auch im nächsten Jahr wieder versuchen, in den Profisport aufzusteigen. Auch bei diesem Verein gibt es massiven Nachholbedarf, was die Ausstattung des dortigen Stadions angeht. Auch der VfB Lübeck mag eines Tages noch erfolgreichere Tage erleben. Das Stadion in Lübeck kann auf jeden Fall eine Renovierung vertragen, obwohl es bereits zweitligatauglich ist.
Neben diesen eher regionalen Beispielen seien natürlich auch die beiden großen Handballvereine THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt genannt, deren Hallen möglicherweise ebenfalls einmal Unterstützung benötigen.
Sie sehen: Schon bei den ganz großen Vereinen ist der Bedarf da. Bei den vielen kleinen Vereinen ist der Bedarf erst recht vorhanden. Hallen müssen er
neuert, Schwimmstätten reihenweise renoviert, Vereinsheime und Umkleidekabinen aufgemöbelt werden. Mancherorts benötigt man einen teuren Kunstrasenplatz, um Fußball oder Hockey auch in den Wintermonaten verlässlich spielen zu können.
Mit fast einer Million Sportlern ist der Sport die größte ehrenamtliche Bewegung in ganz SchleswigHolstein - vor den Kulturverbänden oder gar den Umweltorganisationen. Deshalb müssen wir gemeinsam mit den Vereinen versuchen, die Sportinfrastruktur zu modernisieren, sodass diese riesige Bewegung wirklich die Möglichkeiten erhält, die sie braucht. Deshalb darf mit unserem heutigen Antrag nicht Schluss sein, meine Damen und Herren. Wir brauchen eine Verstetigung der Mittel für die Sportstättenförderung, sei es für den professionellen Bereich, sei es für den Breitensport. Die heutige Debatte kann also nur den Anfang einer dauerhaften Förderung der Vereine und Kommunen einläuten. Das muss uns allen klar sein. Wir sind auf dem richtigen Weg, müssen diesen Weg aber in Zukunft weitergehen.
Das Wort für die Landesregierung hat der Minister für Inneres, ländliche Räume und Integration, Hans-Joachim Grothe.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wenn Sie die drei Wörter „Aufstieg Holstein Kiel“ googeln, erhalten Sie innerhalb kürzester Zeit rund 500.000 Ergebnisse. Medien, Fans und Funktionäre in ganz Deutschland waren aufgewühlt, weil Kiel bei einem möglichen Aufstieg in die 1. Liga eventuell auswärts hätte spielen müssen. Ein Heimspiel in Hamburg, Rostock, Hannover oder Bremen wäre einfach unvorstellbar gewesen.
Ein Umbau des Stadions zur Ligatauglichkeit ist allerdings nicht in einem Hauruckverfahren und erst recht nicht innerhalb einer Saisonpause möglich. Hier in Kiel war und ist das allen Beteiligten bereits seit 2017 bekannt. Auch die Deutsche Fußball Liga hat dies inzwischen eingesehen und zum Glück doch noch eine Ausnahmegenehmigung erteilt; diese ist aber endlich.
Ball zu bleiben und den Ausbau des Stadions mit der gebotenen Geschwindigkeit, aber auch mit aller rechtlich gebotenen Sorgfalt voranzutreiben.
Ich bin daher unserem Ministerpräsidenten sehr dankbar, der sich sehr früh und sehr deutlich für den Fußballsport in der Landeshauptstadt starkgemacht hat. Er hat sich dafür ausgesprochen, ein bundesligataugliches Stadion zu bauen, und dafür, dass das Vorhaben mit weiteren 10 Millionen € unterstützt wird; den entsprechenden Antrag haben wir heute auf der Tagesordnung. Die Unterstützung ist allerdings an die Bedingung geknüpft, dass sowohl die Stadt Kiel als auch private Investoren mindestens in gleicher Größenordnung mitziehen.
Meine Damen und Herren, wir haben gleichzeitig mit IMPULS - etwas für den Breitensport auf den Weg gebracht, und zwar mit exakt 10 Millionen € zusätzlich. Die Gleichbehandlung des Profi- und des Breitensports - das betonen wir ausdrücklich wird eine Selbstverständlichkeit auch bei unseren künftigen Förderprinzipien sein.
Der Antrag der Regierungsfraktionen geht genau in die gleiche Richtung. Er enthält die Bitte, dem Landtag einen Finanzierungsvorschlag zur weiteren Beratung vorzulegen; dem werden wir ressortübergreifend nachkommen.
Schon seit Montag vergangener Woche rollen die Bagger, um die Osttribüne auszubauen. Wenn diese Maßnahme abgeschlossen ist, hat das Stadion mit dann mindestens 15.000 Plätzen wenigstens Zweitligatauglichkeit erreicht. Zugleich - das ist ein weiterer wichtiger Punkt - erfüllt es dann formal fast fast! - alle Voraussetzungen auch für die 1. Liga. Für die 1. Liga bedarf es lediglich zusätzlicher Sitzplätze sowie mehr Licht, und es gibt deutlich höhere Anforderungen an die Medienarbeitsplätze.
Meine Damen und Herren, es stehen 10 Millionen € im Raum. Um einen Finanzierungsvorschlag vorlegen zu können, klären wir derzeit haushalterische, aber insbesondere auch rechtliche Fragen. Hier geht es unter anderem um die bauordnungsmäßige beziehungsweise baupolizeiliche Zulässigkeit weiterer Baumaßnahmen an dem Standort sowie um Fragen des EU-Beihilfe- und Vergaberechts.
Eine Förderung aus Steuermitteln kann es natürlich nur dann geben, wenn sich die städtischen Umbaupläne im Rahmen des geltenden Rechts bewegen. Davon gehen wir allerdings aus.