Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ganztagsschulen haben gegenüber Halbtagsschulen Vor- und Nachteile. Und das gilt auch dann, wenn der Antrag der SPD-Fraktion mit „echte Ganztagsschulen“ überschrieben ist. Denn ob für einen Schüler die eine oder die andere Schulform besser ist, ist und bleibt eine ganz individuell zu beantwortende Frage, die in erster Linie von dem Schüler beziehungsweise der Familie beantwortet werden kann.
Die Bedürfnisse von Schülern und Kindern sind so unterschiedlich, für Familien auch, wie diese selbst. Vielleicht kommt einmal der Tag, an dem das akzeptiert wird. Im vorliegenden Antrag ist davon leider nichts zu erkennen, eher im Gegenteil. Schauen wir uns also einmal die Details des Antrags an.
„die heute noch vorherrschende Zweiteilung des Tages überwunden werden, bei der der Unterricht nahezu ausschließlich vormittags in ähnlicher gedrängter Form erteilt wird, wie das bei den traditionellen Halbtagsschulen der Fall ist, während der Nachmittag durch Hausaufgabenhilfe, Freizeitangebote u. a. gefüllt wird“.
Ich übersetze einmal diese etwas sperrige Formulierung. Die SPD will, dass der Unterricht auch nachmittags stattfindet. Das klingt auf den allerersten Blick nach mehr Entspannung für die Schüler, nach mehr Abwechslung, aber auch nach mehr Unterricht. Aber die Realität zeigt, dass es dann doch anders aussieht und dass es Wunschdenken ist, was Sie hier beschrieben haben. Denn eines bleibt wahr: Die Konzentrationsfähigkeit ist gerade bei Kindern am Vormittag höher als am Nachmittag. Das ist auch bei uns Erwachsenen so.
Ich habe selber an einer Ganztagsschule gearbeitet. Von daher verfüge ich über sehr gute Erfahrungen sowohl über die Vorteile als auch über die Nachteile. An der Schule, an der ich gearbeitet habe, hat man mit Entzerrungen experimentiert, um dann dahin zurückzukommen, Unterricht vormittags, Hausaufgabenhilfe und Freizeitangebote nachmittags zu machen. Natürlich gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen.
Aber spielen wir den Gedanken einmal weiter durch. Wenn auch an einer offenen Ganztagsschule nachmittags mehr oder weniger regulär unterrichtet wird, dann kann von „offen“ nicht mehr die Rede sein. Es entsteht ein freiwilliger Zwang für das Kind, sich auch bei einem offenen Gang anzumelden. Nie würden Eltern das Risiko eingehen, für ihr Kind weniger Unterricht haben zu wollen.
Immerhin macht die SPD kein Hehl daraus, was sie eigentlich will. In der Antragsbegründung ist zu lesen, dass auch die weiterführenden Schulen perspektivisch in gebundene Ganztagsschulen umgewandelt werden sollen. Das würde dann bedeuten: von 8 bis 16 Uhr für alle ohne Ausnahme; das würde bedeuten weniger Zeit für Freunde, für die Familie, für Sportvereine, für das Zeitungsaustragen, für die Jugendfeuerwehr, für den THW, für die Pferde, für das Ehrenamt oder für das geliebte Abhängen oder eben auch für das eigenverantwortliche Organisieren von Lernen und Freizeit.
Meinung das alles auf die Schule übertragen werden sollte: wegen der vermeintlichen Chancengerechtigkeit. Dieses ist und bleibt aber eine sozialistische Mär. Lesen Sie die Ergebnisse der StEG-Studie und lesen Sie sie nicht selektiv; dann lernen Sie auch, dass es keinen Beleg dafür gibt, dass Chancenungleichheit durch Ganztagsschulen generell ausgeglichen wird.
Apropos StEG. Die Studie hat eines sicher gezeigt. Ich zitiere mit Ihrer Erlaubnis: Es braucht Zeit und Durchhaltevermögen, um Ganztagsschulen weiterzuentwickeln.
Das klingt banal, aber es ist nun einmal so banal wie die Tatsache, dass man dort, wo man qualitativ hochwertigen Unterricht ganztags haben möchte, erst einmal die Infrastruktur dafür schaffen muss. Das ist das Erste, die Infrastruktur. Die Finanzhilfe, die der Bund dafür zur Verfügung stellt, also quasi die Hardware, dieses Geld wollen Sie für den Ausbau von Ganztagsschulen verwenden, also quasi die Software.
Über einen solchen Antrag möchte ich mich gern im Ausschuss mit Ihnen unterhalten. Wir brauchen nämlich keine echten Ganztagsschulen, sondern wir brauchen echt gute Schulen für jedes Kind.
Dieses war meine letzte Rede, die ich als Mitglied der AfD und der AfD-Fraktion in diesem Hause gehalten habe. Bei allen, die mir in den letzten Jahren über die Parteigrenzen hinweg zugehört haben, mit denen ich auf politischer Ebene diskutiert habe, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken. - Vielen Dank.
Sehr geehrter Herr Landtagspräsident! Sehr verehrte Damen und Herren! Ich bin es gewohnt, in bildungspolitischen Debatten nach dem Abgeordneten Frank Brodehl zu sprechen. Wohin auch immer seine Reise jetzt gehen wird, auf alle Fälle wird die AfD in diesem Landtag keine Fraktion mehr sein.
Wir sind ja mittendrin, denn Corona hat uns die Mängel der Schulsysteme noch einmal mehr als deutlich vor Augen geführt, gerade auch was Bildungsgerechtigkeit, Nachmittagsbetreuung und Freizeitgestaltung angeht. Vielleicht bietet das auch Chancen, noch mal anders über so etwas wie das System der Ganztagsschule nachzudenken.
Es sind immer direkt viele Wünsche, die wir an die Ganztagsschule richten: Sie möge Bildungsungerechtigkeiten reduzieren, Familie und Beruf durch ein Betreuungsangebot unter einen Hut bringen, außerdem Hausaufgabenbetreuung garantieren, gute Mittagsverpflegung auftischen und nicht zuletzt Freizeitgestaltung mit der Bereitstellung von Räumen für die Pflege von Freundschaften. Ganz schön viel, was wir da erwarten.
Frau Abgeordnete, Entschuldigung! Ich kann ja versehen, dass es aufgrund der eben gemachten Ankündigung Diskussionsbedarf gibt, aber den doch bitte nicht in diesem Saal und während der Rede der Kollegin Waldinger-Thiering.
Ihr wollt mir doch auch zuhören. - Auch der SSW ist der Auffassung, dass Ganztagsschulen eine wichtige Säule für mehr Bildungsgerechtigkeit sind und Möglichkeiten bieten, Kinder individuell zu fördern. Für uns steht außerdem die Funktion, Familie und Beruf miteinander in Einklang zu bringen, ganz vorne bei den Argumenten für den Ausbau der Ganztagsschulangebote.
Natürlich unterstützen wir als SSW es, die Ganztagsschulen kontinuierlich weiter auszubauen und den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für alle Kinder in Grundschulen umzusetzen.
Dabei müssen wir aber ein paar Sache beachten. Wenn wir das Ganztagsangebot erweitern, müssen wir andere Ansprüche an unsere Schulgebäude stellen: größere Räume, Rückzugsmöglichkeiten, Mensen für die Mittagsverpflegung und - das ist auch jetzt schon klar - Barrierefreiheit.
Der Ausbau der Ganztagsangebote sollte dabei bedarfsgerecht erfolgen. Das heißt für uns, dass vor allem die Grundschulen vom Ausbau des Ganztagsausbaus profitieren sollen. Denn hier ist der Bedarf nach einem qualifizierten Betreuungsangebot für die Kinder berufstätiger oder alleinerziehender Eltern am größten.
Für die Grundschulen ist es daher absolut sinnvoll, das Ganztagsangebot gebunden zu gestalten. Ab der 5. Klasse hingegen sollte die Entscheidung, ob die Angebote offen oder gebunden sind, gemeinsam mit den Schulträgern, lokalen Akteuren, Eltern und vor allem auch den Kindern getroffen werden. Ich habe da schon tolle Ideen von Schülerinnen und Schülern gehört. Die sollten wahrhaft nicht untergehen.
Unsere Gesellschaft braucht das individuelle Recht für Grundschulkinder auf Ganztagsbetreuung. Ich kenne das ja aus unseren dänischen Einrichtungen. Sowohl aus Sicht der Lehrerin also auch aus der Sicht einer alleinerziehenden arbeitenden Mutter mit zwei Kindern. Ich erinnere mich noch ganz genau daran, wie beruhigend es war, zu wissen, dass meine Kinder bis halb sechs abends umsorgt waren, und zwar nicht irgendwie nur zwischengeparkt, sondern in sehr guter pädagogischer Betreuung mit einem Angebot an Aktivitäten, auf das die Kinder selbst Einfluss nehmen konnten.
An dieser Stelle möchte ich einmal ein Lob an unsere dänischen Einrichtungen Skoleforeningen und SdU aussprechen. Skoleforeningen kennen Sie, das ist unser dänischer Schulverein. SdU ist der Verein für unsere dänische Jugendarbeit. Das ist wichtig für uns, denn auch unsere Kinder- und Jugendeinrichtungen vermitteln die dänische Sprache und Kultur. Zusammen haben es diese Einrichtungen geschafft, ein System aufzubauen, auf das Eltern und Kinder vertrauen können. An unseren größeren Schulen sind Freizeitheime - oder wie sie jetzt heißen: Jugendhäuser - angeschlossen und da, wo kleinere Schulen sind, wird für alle ein Bustransport organisiert, der die Kinder im Anschluss an die Schule in eine Nachmittagseinrichtung bringt.
Ich schildere das so ausführlich, weil es für uns von Bedeutung ist, dass der Ausbau der Ganztagsschulen nicht bereits gewachsene Strukturen der Jugendarbeit verdrängen darf.
Eine weitere Vernetzung von Schule und bildenden Institutionen können wir uns aber sehr gut vorstellen. Deshalb freue ich mich auf die Beratung im
Das Wort für die Landesregierung hat die Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Karin Prien. - Entschuldigung, Frau Ministerin, ich habe eine Wortmeldung übersehen. Zuerst kommt der Dreiminutenbeitrag des Kollegen Koch. Pardon.
Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich habe mich zu Wort gemeldet als Reaktion auf die persönliche Erklärung des Kollegen Dr. Frank Brodehl. Wir haben letzte Woche erlebt, dass sich die AfD-Fraktion in Niedersachsen zerlegt hat. Wenn ich Ihre Erklärung richtig deute, passiert das Gleiche jetzt mit der AfD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Nach dem widerwärtigen, fremdenfeindlichen Debattenbeitrag am heutigen Morgen wäre das ein gutes Ergebnis des heutigen Tages.
Die Kollegin Jette Waldinger-Thiering hat es richtig gesagt: Wenn wir das richtig interpretieren, gibt es ab sofort keine AfD-Fraktion mehr im SchleswigHolsteinischen Landtag. Sie waren am Anfang fünf, dann vier, mit drei Abgeordneten sind Sie keine Fraktion mehr.
Herr Abgeordneter, Sie denken daran, dass die Überschrift dieses Tagesordnungspunkts „Ganztagsangebote weiterentwickeln“ heißt.