Für solche Fälle, bei denen ein Schaden auftritt, aber niemandem ein schadhaftes Verhalten nachgewiesen werden kann, sollte eine Versicherungslösung geschaffen werden.
(Abg. Reinhold Pix GRÜNE: Aus Steuermitteln? – Gegenruf des Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Von den Saatgutherstellern finanziert!)
Die Beiträge sollten von den Saatgutherstellern in Abhängigkeit von der verkauften Saatgutmenge erhoben werden. Lesen Sie künftig also bitte weiter.
(Beifall bei der FDP/DVP – Zuruf des Abg. Dr. Bernd Murschel GRÜNE – Unruhe – Glocke der Präsiden- tin)
Frau Abgeordnete, ich darf Sie bitten, zum Ende zu kommen. Sie haben Ihre Redezeit bereits weit überschritten.
Der Zug der Gentechnik ist nicht mehr aufzuhalten. Wir müssen aber die Zerstörungen eindämmen. Ein sehr bekannter Mann namens Stanislaw Lec hat einmal gesagt: Die menschliche
Wertvolle Zeit ist verstrichen. Bei diesem sehr schwierigen Thema sollten wir uns nicht weiterhin von Ideologien leiten lassen, sondern uns um Vernunft und endlich auch um Aufklärung bemühen.
Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Zum Thema Gentechnik sind im letzten Beitrag ja einige Stichworte gefallen: „Chancen“, „Schauermärchen“ usw. Wo liegt die Zukunft der GVO?
2006 haben erstmalig über 10 Millionen Landwirte, nämlich 10,3 Millionen Landwirte weltweit, GVO eingesetzt. Von diesen 10,3 Millionen Landwirten leben 90 % in Entwicklungsländern. Das findet in der Dritten Welt und bei unausgebildeten Landwirten statt. Da liegt die Zukunft der GVO.
Zum ersten Mal wurden im Jahr 2006 100 Millionen Hektar GVO-Anbaufläche überschritten. Der weitaus größte Teil des Flächenzuwachses liegt dabei in der Dritten Welt, in dem Bereich, in dem das Wissen um Agrarwirtschaft, das Wissen um Lebensmittelsicherheit am wenigsten ausgeprägt ist. Die Zukunft der Gentechnik liegt in der Dritten Welt.
Wenn die Zukunft in der Dritten Welt liegt, so hat dies einen Grund. Die Industrieländer – zumal Europa – sind nämlich das schlechteste Gebiet für GVO und Gentechnik überhaupt, sowohl was das Absetzen, das Aussäen, als auch was die Verbraucher betrifft. Aber wohin gehen die Entwicklungen noch? Ich will Ihnen einmal skizzieren, wohin die Entwicklungen bei GVO gehen.
Monsanto, der weltweit größte Saatguthersteller, verklagt Farmer mit GVO-kontaminierten Feldern in Kanada wegen Patentverletzung. Monsanto verklagt Labors, welche Gensequenzen von Monsanto-GVO-Pflanzen untersuchen – wegen dieser Kontamination –, auf Patentverletzung. Monsanto verbietet Farmern vertraglich, Samen zur Züchtung aus diesen GVO-Pflanzen herzustellen und weiterzuverwenden. Monsanto verpflichtet Farmer vertraglich, einer jederzeitigen Kontrolle ihrer Felder zuzustimmen. Monsanto untersagt Farmern in Vertragsklauseln das Verklagen von Monsanto, wenn GVOPflanzen versagen, z. B. bei Allergien, Keimunfähigkeit usw. Monsanto-Mitarbeiter wechseln in Amerika in die Zulassungs
behörde für GVO und wieder zurück. – Das ist die Zukunft von GVO! Es geht um sehr viel Geld, meine Damen und Herren.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Sie wissen, dass es bei uns nicht so läuft! – Weitere Zurufe – Unruhe)
Argentinien lässt gar keine GVO-Pflanzen zu. Jedenfalls akzeptiert Argentinien keine GVO-Patente. Das bedeutet: Dort wird kein Geld mit GVO verdient, aber sehr viel angesetzt. Was geschieht? Monsanto verklagt den Importeur in Dänemark, der aus Argentinien Soja bezieht, in Dänemark Patentgebühren zu bezahlen. Welch ein Irrsinn, welch eine Zukunft für GVO-Saat!
Präsident Bush erklärte in einer Rede vor Fachpublikum: Wir wollen die Weltarmut mit GVO-Pflanzen bekämpfen. Teilnehmer dieser Versammlung berichteten nachher, das Kollegium habe gekichert. Denn dieser Satz ist der absurdeste, der unbegründbarste überhaupt. Mit der Welternährung hat die GVOTechnik gar nichts zu tun. Aber sie wird als Begründung ganz groß herausgestellt. Nein, es geht um Monopole.
Monsanto ist im Begriff, Gene von Schweinen zu patentieren. Möglicherweise hat das schwäbisch-hällische Landschwein Gene, welche bereits von Monsanto patentiert sind. Möglicherweise kommt da noch etwas auf uns zu. Es geht um Abhängigkeit, es geht um Farmer, Bauern, Landwirte, die den Versprechungen der GVO-Industrie ausgeliefert sind.
(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das fördert die re- gionale Produktion dieser Schweinerasse! Herzlichen Dank!)
Es geht um einen Mehrertrag von 5 % bis 8 %, mit dem damit verbundenen Risiko. Man nennt das moderne Leibeigenschaft, meine Damen und Herren.
Noch ein Wort zur FDP. Man muss es einfach so sagen: Die FDP hat hier einen grandiosen Kleinen Parteitag für Zukunftstechnik abgehalten und formuliert, man sehe hierbei nur die Risiken und verwechsle sie mit Gefahr. – Bravo! Risiko hat mit Gefahr demnach nichts zu tun. Mir fällt dazu ein Satz ein von einem Chinesen, ein chinesischer – –
Ein chinesischer Satz also als Schlusssatz. Der Pressebericht der FDP über diesen Kleinen Parteitag hat mich an diesen Satz erinnert. Er lautet: Man kann mit einem Brunnenfrosch nicht über den Ozean diskutieren.
(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Zuruf von der FDP/DVP: Es kommt darauf an! – Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Kollege Winkler, wir essen weiterhin diese Sau! Sie schmeckt uns auch zukünftig! – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Das trifft auf euch zu! Weil man über den baden-württem- bergischen Brunnen diskutiert, aber nicht den welt- weiten Ozean im Blick hat!)
Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Lieber Kollege Winkler, gestern Abend haben Sie mir besser gefallen als jetzt. Lieber Kollege Winkler, es geht in der Tat auch um einige der Themen, die Sie eben zum Schluss angesprochen haben. Das ist wohl wahr.
Genau deshalb, weil es nicht nur, aber auch um diese Themen geht, weil es auch um die Frage des technischen Fortschritts geht, können wir nicht einfach abseits stehen und sagen: Das geht uns alles gar nichts an, wir betrachten das Thema „Grüne Gentechnik“ auch weiterhin schön säuberlich aus unserem Blickwinkel.
Lieber Kollege Dr. Murschel, ich empfehle Ihnen – das ist etwas, was die Badener schon immer ausgezeichnet hat – einfach mehr Weltoffenheit und mehr Weitblick.
Schauen Sie einfach einmal darüber hinaus, und schauen Sie sich einmal an, was auf der Welt passiert.
Denn, meine sehr verehrten Damen und Herren, wir haben in der Tat – der Kollege Winkler hat es zu Recht gesagt – im letzten Jahr die 100-Millionen-Hektar-Anbaugrenze bei gentechnisch veränderten Pflanzen weltweit überschritten.
Die Dinge, die angedacht wurden, die es in der Entwicklung gab und gibt, können nicht rückgängig gemacht werden. Das ist in allen Fragen des technischen Fortschritts so.
Das ist auch bei der grünen Gentechnik so. Es trifft aber nicht zu, lieber Kollege Winkler, dass die größten Anbauflächen in der Dritten Welt lägen. Die größten Anbauflächen liegen in den USA.
Zuwachs, langsam. Das ist immer die Frage. Wenn Sie auf 10 Hektar anbauen und einen Zuwachs um 10 Hektar haben, dann haben Sie einen Zuwachs um 100 %. Diese Rechnungen
brauchen Sie mir nicht aufzumachen; die kenne ich wohl. Vielmehr müssen wir von den in absoluten Zahlen großen Gebieten ausgehen. Die großen Flächen haben wir in den USA. Wir haben große Flächen in Argentinien, auch in Brasilien. Dann folgen Kanada, Indien und China. Wir haben Zuwächse – das ist wahr – in den Ostblockstaaten. Wir haben auch in Asien Zuwächse. Wir haben innerhalb Europas die größten Flächen in Spanien, nämlich bei Mais