Vor dem Hintergrund des Umstands, dass 90 % der Touristen mit dem Auto unterwegs sind, gerade auch innerhalb BadenWürttembergs – beispielsweise am Bodensee –, frage ich Sie: Sind Sie jetzt eigentlich an Tourismusförderung interessiert,
Wenn ich Ihnen nur eine Ant wort geben darf: Sie wissen, dass die Bodenseeregion im länd lichen Tourismus an zweiter Stelle, hinter dem Südschwarz wald, steht. Der Südschwarzwald ist bekannt durch seinen höchsten Berg, den Feldberg. Da hat ein Wettergott, der dort Bürgermeister ist und mit seinen Schneekanonen das Wetter bestimmt,
Bei unserem letzten Vieraugengespräch, das einer nachhalti ge Entwicklung der Region Feldberg dienen sollte, sind Herr Wirbser und ich übereingekommen, dass wir gemeinsam ein CO2-freies Skigebiet entwickeln wollen und die Frage der Mo bilität anders als mit Parkhäusern lösen wollen.
(Beifall bei den Grünen und des Abg. Andreas Stoch SPD – Abg. Ulrich Müller CDU begibt sich erneut zu einem Saalmikrofon.)
Herr Kollege Müller, da Herr Kollege Pix das Rednerpult verlassen hat, gehe ich davon aus, dass er keine Fragen mehr beantworten will.
Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich will die vielen Zahlen, die hier genannt worden sind, die die Erfolge der Tourismuswirtschaft, des Bä der- und Tourismuslands Baden-Württemberg belegen, nicht alle wiederholen. Allerdings ist es, glaube ich, schon wichtig, dass man vor allem eines richtigstellt: Wir haben keinesfalls einen altbackenen Tourismus, sondern wir sind sehr erfolg reich unterwegs; das belegen die Zahlen.
Dieser Erfolg besteht nicht erst seit dem 27. März letzten Jah res. Das dürfen Sie mir abnehmen. Von 1998 bis 2006 habe ich das alles in meinen beruflichen Funktionen sehr nah mit erlebt, nämlich die Investitionen in tolle Projekte, den Auf- und Ausbau gerade im Tourismusbereich, in der Gastronomie, im Bäderbereich, auch im Bereich des Aufenthalts auf bäuer lichen Betrieben – sprich „Ferien auf dem Bauernhof“ – und Ähnliches. Dort ist Enormes geschehen. Deshalb, meine Da men und Herren, kann ich auch ganz getrost sagen, dass ich positiv in die Zukunft schaue.
Jetzt sind – Herr Minister, ich wiederhole diese Aussage aus meiner Haushaltsrede – alle Zuständigkeiten in diesem Be reich unter einem Dach. Da erwarte ich auch, dass die Akti vitäten noch stärker gebündelt werden.
Der Tourismus in Baden-Württemberg umfasst über 280 000 Arbeitsplätze. Diese Arbeitsplätze sind nicht exportierbar, sie sind vor Ort. Sie stärken die Wirtschaft vor Ort, sie stärken das Handwerk vor Ort, und das ist das Wichtige bei diesem Dienstleistungsgewerbe. Das ist der wichtigste Faktor der Dienstleistungswirtschaft in unserem Land, meine sehr geehr ten Damen und Herren.
Der Tourismus war auch einer der stärksten Motoren bei der Erholung der Konjunktur. An den über 45 Millionen Über nachtungen hat sich gezeigt, dass man in Baden-Württemberg Tourismus und Freizeit versteht, und das auch nachhaltig und umweltverträglich. Baden-Württemberg gehört damit zur Spit zengruppe des Tourismus.
Eines allerdings muss man hinterfragen: Warum sind nur 22 % der Touristen in Baden-Württemberg ausländische Gäste? Hier sehe ich eine Schwäche. Hier sehe ich vor allem auch noch Aufholbedarf. In diesem Bereich müssen wir mehr tun.
Ein wichtiger Faktor ist auch, dass man im Hinblick auf die Übernachtungszahlen hinterfragt, wie lange die Gäste hier sind. Auch da zeigt sich meines Erachtens eine Schwäche. Hier muss man daran arbeiten, dass sich die Übernachtungs dauern verlängern.
Der Städtetourismus ist gerade angesprochen worden. Auch das ist, wenn man es im europäischen Vergleich sieht, ein boo mender Markt. Auch hier haben wir noch Nachholbedarf. Al
lerdings haben einzelne Städte sehr früh mit entsprechenden Begleitmaßnahmen, ob in den Bereichen Natur, Kultur oder Kunst – ich denke nur an meine Heimatstadt Schwäbisch Hall –, ein gutes Umfeld geschaffen. Das sieht man daran, wie die se Zahlen ansteigen, wenn das Angebot stimmt.
Deswegen ist es wichtig, dass man in Ihrem Haus, Herr Mi nister, den Bereich der Städte- und Kurzreisen besonders im Auge hat. In diesem Bereich war unsere Politik in den letzten 15 Jahren sehr segensreich, nämlich durch die Städtebausa nierung. Die Investitionen, die dort getätigt worden sind, um die Städte attraktiv zu machen, haben mitgeholfen, die Gast ronomie und die Bäderlandschaft attraktiv zu machen.
Das Gleiche gilt, meine Damen und Herren, auch in ländli chen Räumen. Viele aus dem Ausland beneiden uns, wenn sie durch Baden-Württemberg fahren und sehen, wie die Dörfer ausschauen, wie die Landschaft, die Kulturlandschaft aus schaut. Auch in der Gastronomie haben wir sehr viel Gutes – von den vielen Häusern mit Sterneküche bis zum Landgast hof – vorzuweisen. Das gilt es zu erhalten und weiterzuent wickeln. Die begleitende Landwirtschaftspolitik in den letz ten 15 Jahren hat – auch das ist wichtig – mit dafür gesorgt, dass wir eine flächendeckende Landbewirtschaftung und Kul turlandschaft haben.
Meine Damen und Herren, lassen Sie mich sagen: Der Gast hat bei uns im Süden gastronomisch und kulinarisch ein Rie senangebot: „Schmeck den Süden – komm nach Baden-Würt temberg“.
Eines sollte man auch nicht vergessen, meine Damen und Her ren: Auch beim Tourismus gilt es, Natur und Mensch zusam menzuführen, Ökonomie und Ökologie verträglich miteinan der zu verbinden, so wie bisher, und dies weiterzuentwickeln.
Noch ein Punkt, der schon angesprochen wurde, nämlich die Infrastruktur: Bahn, Rad, Bus und Auto, das gehört zusam men, und das muss man auch zusammen weiterentwickeln.
Herr Minister Bonde, nachdem der Tourismus nun in Ihrem Haus ressortiert, habe ich auch noch den Wunsch, dass Sie vor allem dort, wo das Land im In- und Ausland auftritt und un terwegs ist – sei es bei Delegationsreisen, Auslandsmessen oder auch bei der Tourismusmesse CMT oder der Grünen Wo che in Berlin –, dafür sorgen, dass noch mehr für dieses schö ne Land geworben wird.
Ein Weiteres: Es ist, glaube ich, auch wichtig, darauf hinzu weisen, dass in der gesamten Branche im letzten Jahr über 8 270 junge Menschen in Ausbildung waren. Auch das ist ein Riesenbeitrag und eine Chance, vor allem für junge Men schen, einen attraktiven Beruf zu ergreifen.
Herr Minister Bonde, noch eine Bitte zum Schluss: Sorgen Sie mit dafür, dass beim Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum oder beim Existenzgründungsprogramm oder im Be reich der Betriebsübernahmefinanzierung die Gastronomie weiterhin unterstützt wird. Sie hat es insgesamt nicht leicht.
Für die Landesregie rung erteile ich dem Herrn Minister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Bonde das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Tourismus ist einer der be deutendsten Wirtschafts- und Dienstleistungsbereiche des Landes. Ich bin froh, dass wir aufgrund der Anfrage der SPDFraktion heute die Möglichkeit haben, dies noch einmal in al ler Deutlichkeit darzustellen und auch die Linien der Touris muspolitik nachzuzeichnen.
Es ist ein ganz wichtiger Faktor für uns – die Zahl wurde schon genannt –: 280 000 Menschen arbeiten in Baden-Würt temberg im Tourismus. Neben den Tourismusverbänden ist das Rückgrat dieser erfolgreichen Arbeit das Gastgewerbe, al so Gastronomie und Hotellerie, die zudem ganz entscheiden de Faktoren auf dem Ausbildungsmarkt sind.
Mit Beginn dieses Jahres haben wir zwei tourismuspolitische Highlights in Baden-Württemberg geradezu feiern dürfen: die Urlaubsmesse CMT und die Intergastra, wo deutlich wurde, welches wirtschaftliche Potenzial die Branche hat und wie er folgreich sie im letzten Jahr in Baden-Württemberg gewirt schaftet hat. Über 45 Millionen Übernachtungen in BadenWürttemberg im Jahr 2011 – das ist ein Rekordwert –, 4,8 % mehr. Das macht eines deutlich: Mit unserer Aufstellung als Genießerland mit einer Gastronomie, die sich sehen lassen kann, mit einer Sternegastronomie, die im Trend zulegt und ein Leuchtturm für uns in Baden-Württemberg ist, mit unse rer Position als Bäderland sowie auch in vielen anderen Be reichen sind wir gut aufgestellt.
Genau anschauen müssen wir uns, welche regionalen Unter schiede diese positiven Trends aufweisen. Die Schwäbische Alb hat um 8,8 % zugelegt – ein toller Beleg dafür, wie dort das Biosphärengebiet gewirkt hat und wie man über eine ge zielte politische Entwicklung eindrucksvolle touristische Im pulse gesetzt hat. Der Südschwarzwald hat um 4,1 % zuge legt, der Nordschwarzwald hängt deutlich hinter dem Lan destrend zurück.
Deutliche Zuwächse haben wir im Städtetourismus. Die Re gion Stuttgart hat um 9,4 % zugelegt, so wie wir im städti schen Bereich insgesamt deutliche Zunahmen bei den Über nachtungszahlen verzeichnen. Die Städte sind attraktiv mit ih ren Angeboten sowohl im Businesstourismus als auch im Kul turtourismus. Von 2001 bis 2010 stiegen die Übernachtungs zahlen um 29 %. Das macht deutlich: In den Städten ist rich tig viel passiert. In diesem Markt haben wir wettbewerbsfä hige Betriebe.
Ein spannender Aspekt der Bilanz 2011 ist die deutliche Zu nahme der Zahl der Gäste aus dem Ausland, und zwar sowohl aus dem europäischen als auch aus dem außereuropäischen Ausland. Die Schweiz liegt mit 1,7 Millionen Übernachtun gen in Baden-Württemberg vorn. Das ist eine Steigerung von 17,5 %. Dabei wird aber auch deutlich, dass die Kursentwick